Vegas 2012 - 10. - 20.12.12
Day 5b: I
Bellagio & Weightwatcher-Craps-Experten
Okay, der Tag fängt mal wieder scheiße an. Das kenne ich schon! Als SaasH und ich das Venetian verlassen, denke ich nochmal über meine Sessions nach: 2/5 war dummes Geld-Verbrennen und ich nehme mir vor, ab jetzt ohne Nüsse kein Geld mehr an den Tischen zu investieren. 5/10 war unterm Strich auch mega Scheiße, weil scheiße gespielt in der letzten Hand und ich muss froh sein, am Ende mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Darüber hinaus sind die 5/10 Partien im Venetian für mich nicht profitabel zu spielen, da die Stacks zu deep sind und ich mit meiner Vegas-Roll da einfach nicht mithalten kann. Fakt!
Ab also ins Bellagio und guess what? Hier gibt's doch diese $5/$10 Tische mit $1.500 Max-Buyin. Wenn das mal nichts für mich ist, solange ich nicht ge-1-outert werde. Die Wahrscheinlichkeit ist aber ziemlich gering habe ich gehört, außerdem sieht der Tisch schon wieder Weltklasse aus mit 2 Rodeo-Clowns, einer Ollen mit Midstack und nur zwei jüngeren Amerikanern, die mehr als das Maximum Buy-in vor sich stehen haben. Außerdem ist es Tag 5 und ich habe bisher genau einen Spieler in Vegas gesehen, den ich nicht wiedersehen wollte. Also ab dafür, irgendwann muss der Knoten doch platzen.
Nicht Irgendwann. Jetzt! Im ersten, ersten, aller ersten scheiß Orbit am $5/$10 Tisch hat Konti was? JAAA, zweimal Jacks, einmal AJs. Und was macht Kontis Stack? Er taumelt nicht zur $0-Marke, sondern jenseits der $2.000! Na endlich mal! 1 Orbit, 3 Hände, +$1.000.
Die Hände waren dabei alle samt unspektakulär: JJ openraise, 2 Calls, 9 high Flop, 1 call, blank turn, Villain foldet auf 2nd Barrel: ~ +300.
AJs Iso-Raise nach einem Limper, er callt (Generation Nit-Opi btw) und check/raist mich auf einem J high Flop. Ich calle und calle seine Turn-Bet, checke am River behind und gewinne gegen JTs: ~ +500.
JJ openraise, 3 Calls. 568ss-Flop Cbet, alle folden: ~ +200.
Ja Mensch, so einfach kann dieses Kartenspiel sein. Und so einfach und solide lief auch die ganze Session von dort an: Drei Stunden $5/$10 mit guten Image an einem ordentlichen Tisch ohne übermäßige Aggression von den Regs später stehe ich mit $2.430 auf, macht $1.430 Gewinn. Endlich angekommen in Vegas, Partytime again!
Es ist knapp nach Mitternacht, als SaasH und ich den Weg ins Caesars Palace antreten. An einem Samstagabend sollte dort was los sein, denn direkt neben dem Pokerroom ist der Nightclub PURE, aus dem ab einer gewissen Uhrzeit betrunkene Partygäste herauspurzeln wie Obelix aus dem Zaubertrank-Fass. Ich nehme aber mal vorweg, dass sich keiner von denen an unseren $2/$5 Tisch verirrt hat.
Dafür aber John. John -scheiße-ich-hab-seinen-Nachnamen-vergessen-obwohl-er-mir-seine-Visitenkarte-gegeben-hat. John ist ein Amerikaner zwischen 45 und 55 Jahren und seine Visitenkarte ist blau. Auf ihr steht was von Gewichtsverlust in kürzester Zeit. Kein Problem mit seinem Weightwatchers-Hirngespinst. Das muss ein todsicheres Ding sein! Ich frage mich aber, wieso da was von Gewichtsverlust steht, wenn John mir doch gerade seine Karte gegeben hat, um mir alle Geheimnisse des Craps' beizubringen?!
Der Reihe nach: SaasH und ich spielen ca. 3 Stunden im Caesars Palace und genießen dabei in 30-minütigen Abstand den Wechsel der Gogo-Dancerinnen aus dem Pure, die quer durch den Pokerroom zu ihrer Umkleide geleitet werden. Ich genieße nebenbei auch ein paar Bier und meine endlich mal gelungene 5/10 Session von zuvor. Während dieser drei Stunden unterhalten wir uns schon gut mit einem jungen Amerikaner, der zirka drei bis fünf Mal pro Jahr für ein langes Wochenende nach Vegas kommt, um zu pokern und um Craps zu spielen. Er liebt Craps. Es macht so viel Spaß, dass er immer wieder davon erzählt und andauernd überlegt, aufzustehen und Craps spielen zu gehen.
Als er einmal mehr von seinen Craps-Erlebnissen erzählt, schaltet sich auf einmal John ein. John kam kurz zuvor an den Tisch, in geschniegeltem Anzug mit Krawatte und goldenen Ringen, $500 Stack und eher zurückhaltendem Stil. John erzählt, dass er mit Craps sehr viel Geld verdient hat und dass er mittlerweile Seminare gibt, in denen er anderen Leuten das Spiel beibringt. Der junge Ami ist sofort gebannt und flutet John mit Fragen. Die wichtigste, die auch mich interessiert hat, zuerst: Wie soll das gehen? John erzählt was von den verschiedenen Odds, die man setzen kann, zB. bei der Pass-Line immer den maximalen Doppelungs-Betrag setzen (Wenn man $10 auf der Pass-Line hat, kann man das in den meisten Casinos bis zu $30 in Zehner-Schritten versichern. Das solltet ihr immer machen, da die Odds darauf 1:1 sind. Ihr verliert damit also auf lange Sicht kein Geld!).
"Häppy börsday", denke ich mir. Es gibt also einen Einsatz mit 0EV beim Craps. Ich will also wissen, wie man Geld machen kann und frage noch einmal nach. Jetzt bricht John sein geheimnisvolles Halb-Schweigen und sagt: Craps ist das einzige Spiel in Casinos, in denen der Spieler entscheidet, was kommt: Beim Blackjack gibt der Dealer die Karten, beim Poker, beim Pai Gow, beim Glücksrad, bei allem, nur beim Craps nicht. Da würfelt nämlich der Spieler! Er hat es selber in der Hand!
John will mir also erzählen, dass man die Würfel beeinflussen kann??!?!? JA! Das will er. Und zwar für $900 in einem 3-tägigen Seminar. Er möchte natürlich nicht zu viel verraten, aber er verrät, dass weitere Odds Sinn machen (welche sagt er nicht) und dass viele seiner Studenten sehr viel Geld gemacht haben: Einer zum Beispiel $180.000 in drei Stunden, als John selber gewürfelt hat und natürlich einen Mega-Lauf erzielte, weil er weiß, wie er keine 7 würfelt. Leider hat John kein Trinkgeld von diesem Studenten bekommen. Trotzdem gibt der mit Goldringen-verzierte Weightwatchers-Würfelexperte weiter Seminare. Der Amerikaner hat sich natürlich instant seine Karte geben lassen. Ich war eher interessiert an den Odds, also an der Mathematik, die dabei Sinn machen soll. John hatte keine Visitenkarte mehr bei sich, meinte aber, dass man mal bei einem Kaffee genauer darüber reden sollte und nicht an einem Pokertisch. Ob er mir noch eine Karte besorgen solle, fragte er. Nein danke, sagte ich und donkte kurz darauf mein geflopptes Set 99 heads-up gegen ihn. Ich bettete auch den Turn groß und stellte ihn am River all-in. Er zahlte mich aus: Danke, mehr wert als das Craps-Seminar!
Kurz darauf verriet er uns noch seine Formel für Craps, Poker und das ganze Leben. Ich glaube, ich hab sie nicht mehr komplett drauf, vllt. kann SaasH uns helfen?! Ich versuch's mal:
Erfolg = Kapital + Ausdauer / Disziplin
Irgendwie so muss die Formel gewesen sein, bestimmt der Schlüssel zu allem Erfolg auf der Welt. Kurz darauf stand John auf, seine Chips blieben am Tisch. Nach zehn Minuten kam er wieder und drückte mir eine seiner blauen Visitenkarten in die Hand, obwohl ich zuvor dankend ablehnte. Er bräuchte keine Karte extra für mich holen. Macht er trotzdem. Scheint wohl gut zu laufen mit seinem Craps-Seminar.
Soviel Schwätzerei da auch dabei gewesen sein mag: Ich fand es sehr interessant, an diesem Tisch mitten in der Nacht mit netten Leuten zu sitzen und durchaus Interessantes über Craps und Co. zu erfahren, dabei weitere $200 Gewinn einzusacken, sexy Tänzerinnen vorbei spazieren zu sehen und, am aller besten, Limbo vor der Herren-Toilette zu tanzen, weil mich sonst die betrunkenen Ladies aus dem PURE nicht durchgelassen hätten.
What a fun night in Vegas.
Kurzfilm:
Spoiler
