Original von eroticjesus
Imo kann man viel mit Arbeit machen. Meine Mindsetprobleme lösen sich nach und nach, weil ich einfach arbeite arbeite arbeite. Deshalb auch harte # an werpix, weil viele einfach nichts für ihr Game tun und deshalb tilten und das löst auch Mindfulnes und pure Entspanntheit nicht. Man kann desweiteren auch viel mit Techniken aus Mental-Game-of-Poker machen.
Das mit dem Arbeiten kann ich völlig bestätigen. Imo funktioniert das weil die "höheren" Hirnfunktionen geschult werden und bei einer sehr analytischen, aufs das Detail achtenden Herangehensweise auch viel mehr benötigt werden. Wer viel für sein Game tut spielt nicht im Autopiloten und aus nichts anderem besteht auch mein approach. Imo sollte einfach jegliches Spielen im Autopiloten vermieden werden. Für mich ist der Begriff Autopilot allerdings auch etwas weiter gefasst als für die meisten Spielern, imo ist Autopilot nicht nur sein ABC-Poker runterreißen. Wer nicht autopilot spielt wird die Probleme die du beschrieben hast auch nicht haben, da solche Gedanken wie "ich quitte jetzt lieber da schon 10 Stacks up" sogenannte intrusive Gedanken sind die einfach random ins Bewusstsein kommen. Wenn wir den Gedanken dann verfallen und ihnen Glauben schenken ist das für mich Autopilot. Alternativ kann man sich aber diesen Gedanken als intrusiv bewusst machen und mit Hilfe der höheren Hirnfunktionen erkennen, dass es nur ein random Gedanke ist der nicht unserer logischen, rationalen Meinung/Wissen entspricht und dann einfach beruhigt weitergrinden indem man den Gedanken Gedanken sein lässt.
Das gleiche gilt IMO auch für das was du zu Varianz geschrieben hast. Ich denke einerseits, dass Varianz etwas so abstraktes ist, dass wir es gar nicht wirklich begreifen können (ähnlich wie Größenverhältnisse im Universum etc.), und andererseits denke ich, dass dieses Begreifen von Varianz selbst nicht so viel mit den Verbesserungen im Mindset zu tun hat, sondern einfach den Autopiloten eindämmt.
Solche Dinge wie sich mit Varianz auseinandersetzen, sehr viel arbeiten usw. sind Charakteristika von einem Spieler der sich wirklich Gedanken um sein Spiel macht und sehr gutes Poker aufs Felt bringen will. So jemand wird im Spiel dann auch viel mehr auf Details achten, hohe Gedanken haben usw. und einfach viel seltener in einen Autopiloten verfallen, in welchem unsere Ziele sehr eindimensional werden (i.e. Geld verdienen, dafür ist chasen das beste Beispiel).
Ich will deinen approach mit dem Umprogrammieren auch gar nicht schlechtreden, ich finde aber konstruktive Diskussionen können da einiges bringen. Ich denke das derailed auch gar nicht vom Kernthema, im Gegenteil, es hilft den für sich "richtigen" approach zu finden und gibt dann gleichzeitig Werkzeuge an die Hand was man damit tun kann. Für den Umprogrammierungs-approach könnte ich sicherlich auch die ein oder andere Methode aus dem Studium ableiten, allerdings nicht guten Gewissens da sie das wahre Problem halt nur tangieren IMO. Was mich noch interessiert aber dann wohl wirklich nicht hier her gehört ist warum dir das Coaching nichts im Bereich Mindset-Leaks gebracht hat. Bei vielen ist es so, dass sie einfach nicht so dran bleiben an der Sache wie es nötig ist. Damals hatten wir aber glaube ich kein längerfristiges Coaching mit Hausaufgaben etc. also kann ich dir da keinen Vorwurf machen. Entweder lag es dann an mir als Coach (most likely) oder es bringt bei dir wirklich nichts. Um Letzteres rauszufinden würde ich dir anbieten, dass wir das Coaching nochmal durchgehen (habe es enorm erweitert inzwischen). Wenn du Interesse hast dann schreib mich an, bin dir aber auch nicht böse wenn du sagst, dass du mittlerweile das richtige für dich gefunden hast ![]()
Was ich am Umprogrammieren (und nicht nur im Bereich Poker, sondern z.B. auch in der Psychotherapie) in der regel für kritisch halte ist das da versucht wird, sehr tief verwurzelte Automatismen anzugreifen die sich entweder in der eigenen Lebensspanne oder, noch schwieriger dann, in der Evolutionsgeschichte von uns fest einprogrammiert haben. Ich halte es ab einem gewissen Rahmen einfach für nahezu unmöglich Automatismen umzuprogrammieren, einfach weil sie viel zu stark greifen. Erfolge die sich einstellen sind dann IMO eher dadurch bedingt, dass durch den Versuch des Umprogrammierens eine erhöhte Selbstwahrnehmung stattfindet und dann der Autopilot an sich verringert wird, und nicht die Mechanismen die im Autopiloten selbst greifen. Ein Beispiel dazu wäre die Lektüre von Büchern wie Mental Game of Poker, von dem ich inhaltlich nicht viel halte, allerdings sorgt das Lesen und Beschäftigen mit dem eigenen Mindset dafür, dass man einfach generell mehr Selbstaufmerksamkeit hat, auf sein Mindset achtet und dann auch nicht so schnell in einen Autopiloten verfällt. Ich hatte schon einige Leute die zu Beginn mit dem Buch Erfolg hatten und später doch nicht mehr zufrieden waren. Ich denke da passiert dann genau das.
Das Gleiche passiert bei einem Tapetenwechsel. Einige Spieler neigen dazu bei einem downswing die Pokerseite zu wechseln, und wundersamerweise hilft das, das kennen sicherlich einige hier. Warum? Erhöhte Selbstaufmerksamkeit, kein Autopilot (Buttons sind woanders, es sieht neu aus, einfach keine Gewohnheit mehr drin). Aus dem selben Grund wird (fast) jeder in der absolut ersten Session seines Leben nicht tilten, einfach weil man als totaler Anfänger noch nicht die Verhaltensmuster drin hat die man braucht, um einen Autopiloten zu fahren. Daher wird auch von "Zen Mind, Beginners Mind" geredet.