Ne, der Rake ist in Vegas ein Traum für Live-Verhältnisse:
2/5 $5 Cap im Aria/Encore/Bellagio; $6 im Venetian ($1 Promo-Drop).
5/10 $7 pro halbe Stunde
10/20 $8 pro halbe Stunde
Ne, der Rake ist in Vegas ein Traum für Live-Verhältnisse:
2/5 $5 Cap im Aria/Encore/Bellagio; $6 im Venetian ($1 Promo-Drop).
5/10 $7 pro halbe Stunde
10/20 $8 pro halbe Stunde
Jo, klingt traumhaft. Habs jetzt nochmal gelesen. Hast einfach gar nichts rausgekriegt. Schon ugly!
Original von Konti23
Ne, der Rake ist in Vegas ein Traum für Live-Verhältnisse:2/5 $5 Cap im Aria/Encore/Bellagio; $6 im Venetian ($1 Promo-Drop).
5/10 $7 pro halbe Stunde
10/20 $8 pro halbe Stunde
Dazu 1-3 $ Comp die Stunde sowie Getränke für 1 $ Tip und kein Eintritt ins Casino.
Bevor ich für 5-6 Stunden Poker-Action über 100 km einfach ins Casino fahren muß, fliege ich lieber in der Zwischensaison für 10-20 Tage nach Vegas.
Aktuell 13 ÜN Westgate mit Flug FFM-LAS Ende November für 900 EUR sind 69 EUR/Tag.
13 Fahrten á 230 km x 0,30 EUR = 69 EUR/Tag
(Wenn sich jemand als Roommate findet, habe ich nichts dagegen.)
Gibt es Getränke für 1$ Tip auf jedem Limit? also auch 1/2 und 1/3? bin nur lowroller
Ja, wobei sie eigentlich umsonst sind (auch alkoholische Getränke). Aber 1$ Tipp ist ungeschriebenes Gesetz.
Vegas 2016 - Day VI
Den katastrophalen Freitag muss ich erstmal sacken lassen. Am Samstag reise ich etwas später an und sitze erst gegen 15 Uhr an einem Tisch im Aria. Vor 24 Stunden war das die Zeit, in der ich entschloss, die Texas Tische gegen PLO einzutauschen. Auch heute sieht es eher mager aus im Aria. Auf Platz1 sitzt ein Regopa, der in einer Stunde vier Showdowns hatte: AA, KK und zwei Sets. Platz 2 ist ein Freizeitspieler mit Bier, Platz 3 ein Regfisch mit deutlichen Leaks, Platz 4 und 5 beides 5/10 Regs, die auf einen Platz dort warten, Platz 6 frei, Platz 7 ich, und auf Platz 8 & 9 zwei weitere Regs, wovon einer wohl echt ziemlich solide 2/5 spielt. Noch einmal: SO stelle ich mir das Wochenende in Vegas nicht vor. Mein guter alter Kollege DaSmee haut auf meine Unmutsbekundung einen Soulread raus, dem ich wenig später folge: Ab ins Venetian! Nach drei Stunden im Aria, in denen immerhin mal ein paar Hände gehalten haben, befolge ich seinen Rat und reise mit $426 mehr im Gepäck Richtung Venedig.
Kaum angekommen ereilt mich der erste Bad Beat: Ich lasse mich auf die Warteliste schreiben und möchte mir meine Comps für ein leckeres Abendessen im Cafe Lux auszahlen lassen. "Uhmmm, when did you arrive?" "A couple of days ago, why?" "Your comps expired... yesterday" Wie kann man so runnen? Zur Erklärung: In den meisten Casinos verfallen die erspielten Comp-Dollar nach einem Jahr Inaktivität. Anscheinend war meine letzte Venetian-Session nun exakt ein Jahr und ein Tag her. Ich spreche mit dem Floorman und kann immerhin noch zehn Dollar Gutschrift heraushandeln. "That's all I can do for you, Sir." Ja ne is' klar, als ob er nicht auch $100 statt $10 hätte notieren können. Ich bin trotzdem dankbar für das kleine Trostpflaster (knapp $30 Comps sind mir wohl entgangen), bestelle einen leckeren Pasta-Teller und sitze wenig später an einem 2/5 Tisch mit einem Reg und acht Spots. Joa, so kann man es zusammenfassen. Hier weiß einer Bescheid, was wann zu machen ist und alle anderen gucken mal ein bisschen Flop, limpen mal ein bisschen, folden mal hier und callen mal da, aber unterm Strich ist vom Rest rein gar nichts Gefährliches zu erwarten. Und das kam unerwartet nach den ernüchternden Aria-Lineups.
Mein Start ist hingegen nicht so verheißungsvoll, da man auch gegen weake Gegner ab und an mal eine Hand am Showdown zeigen muss, die mehr wert ist als die feuchten Servietten, die es zu meinem Ginger Ale dazu gab. Nach einer Stunde hätte sich das Blatt beinahe nicht gewendet. Klingt komisch, ist aber so: UTG raist $15 und ich gucke unter meine Karten: 5♦: 5♠: Na, das bezahle ich doch. Ich lasse meine Karten los und greife zu meinen Chips, doch als ich diese dann über die Linie legen will, sind meine Karten verschwunden. Huch, was ist denn hier los? Die Dealerin hat sie schon weit zu sich gezogen, da sie davon ausging, dass ich folden wollte. Ich signalisiere, dass ich meine Hand nur hoch genommen habe, um Chips zum Bezahlen zu greifen und die Dealerin ist so freundlich und gibt mir meine Fünfer zurück. Nicht nur das. Als Entschädigung gibt sie mir sogar noch eine Fünf auf dem wunderschönen A♠: K♥: 5♥: Flop. Der $30 Cbet gegen drei Gegner begegne ich mit einem Raise auf $100. UTG bezahlt und check/raist meine $180 auf dem 7♣: Turn All-in für knapp $700. Ich bezahle und mein Set bleibt stabil gegen, so vermute ich, AXhh. Jedenfalls schüttelt Villain beim Anblick der 6♠: am River direkt den Kopf, was für einen Draw spricht. Ich zeige also meine Hand und bin auf einmal im Plus. An einem guten Tisch. Ohne Gegenwehr. Samstage scheinen schöner zu sein als Freitage.
Schön ging es weiter, denn der Tisch spielt sich über Stunden sehr angenehm und die Nacht schreitet wie im Flug voran. Wie im Flug ist genau das richtige Stichwort: Wie im Flug fliegen auf einmal auch die Chips zu mir: Hier mal Toppair, da mal eine Straße, Twopair gefloppt, Flushdraw gebarrelt und getroffen. Alles, was das Herz begehrt, samt Auszahlung von zweitbesten Händen. Das ist immer noch das Wichtigste beim Kartenlauf: Gegner müssen zweitbeste Kartenläufe haben.
Ohne richtig spektakuläre Hände stapeln sich die Chips wie von Geisterhand und das einzige, was mir noch zu meinem Glück fehlt, folgt auf dem Fuß: Eine gute Massage und der geilste Salat, den ich jemals gegessen habe:

Food Porn

Chip Porn
Und auf einmal stehen nach elf Stunden Venedig $2.600 Gewinn zu Buche, die zusammen mit den $426 aus dem Aria einen $3k Tag bedeuten und das Wochenend-Resultat wieder auf Null stellt. Ich bedanke mich um 4 Uhr nachts noch einmal artig bei Smee für seinen Venetian-Tipp, steige ins Uber und schaffe es doch noch, auch diesen Tag wieder mit TILT zu beenden: Im Apartment ist leider das Badezimmer belegt, da ein anderer airbnb-Gast und Vegas-Noob heftig abkotzt, während sein Touri-Merkmal Nummer #1 (ein mega Longdrink in Form des Stratosphere-Towers) sarkastisch anmutend vor dem Badezimmer steht und mir noch einmal vor Augen hält, wie nah Freud und Leid in dieser Stadt doch beieinander sein können.
Original von Livio0815
Habe die Tage dieses Turo entdeckt. Da gibts Autos für unter 20$ pro Tag+Sprit.
plus 20$ Parkgebühren!!!
Original von mnl1337
Ja, wobei sie eigentlich umsonst sind (auch alkoholische Getränke). Aber 1$ Tipp ist ungeschriebenes Gesetz.
Danke für die Info, einer der nächstes Jahr mitfährt wollte mir das nicht glauben ♦
@KontI: Danke, dass ihr die Punkte in Klosterhardt gelassen habt
fehlst wohl in der Abwehr
Danke für die Glückwünsche und sorry, dass ich hier eine längere Pause beim Schreiben hatte. Urlaub, Geburtstag, Arbeit again, Sport... da kommt man schon mal aus dem Rhythmus. Wo waren wir denn stehen geblieben?
Vegas 2017 - Day VII
Die $2.600 Gewinn aus dem Venetian schmecken noch so richtig gut, als ich mit frischem Selbstvertrauen im Uber Richtung Aria sitze. Das gute Gefühl hält aber nicht lange, um genau zu sein 24 Minuten. Nach diesen 24 Minuten 2/5 im Aria hab ich schon wieder die Lust verloren. Die Tische sind einmal mehr übersät mit Kopfhörern und mitgebrachten Proteinshakes - einfach nicht das, was man vom Aria erwartet. Aber einmal mehr ist auch Heaven wieder an Bord und vergnügt sich am PLO-Tisch.
Als dann mein Name für die 1/2 PLO-Partie gerufen wird, packe ich schleunigst meine $1.000 Chips mit $130 *tilt* und begebe mich in die hintere Ecke des Saales. Anscheinend hat mnl in der Zwischenzeit ebenfalls den Glauben an gute, höhere NL-Partien aufgegeben und sitzt nun mit Heaven und mir in einer Reihe am PLO-Tisch. In zweieinhalb gemeinsamen Stunden passiert genau das, was Leser aus mnls Blog bereits erahnen: Der Herr hat immer Nuts. Und wenn er keine Nuts hat, dann hat er trotzdem Nuts gegen vier Servietten beim Gegner. Er zerstört alles, wir gucken zu und ich verirre mich irgendwann gelangweilt vom immer gleichen Anblick auf meine Bravo Poker App. Die sagt: vier 2/5 Tische im Wynn/Encore, zwei 5/10 Tische, drei 1/3 PLO und sogar 8/16 Mix, falls jemand Interesse hat. Es braucht etwas Überredungskunst, aber schließlich ist für alle was dabei und wir reisen zu dritt gen Encore.
Dort angekommen dauert es etwas, bis ich spielen darf. In der Zwischenzeit habe ich die 5/10 Tische als nicht sonderlich geil eingestuft, ein paar mittelprächtige 2/5 Spots erspäht und ebenfalls ein Auge auf das 1/3 PLO-Game geworfen, in dem ein Engländer neben Heaven seine Mühe hat, nach 99 Bier noch wach zu bleiben. Während des Wartens spricht mich ein Deutscher an (Grüße zurück SmartDevil), der hier mit einem Kollegen monatelang die kleineren NL-Partien grindet und dabei wohl auch ziemlich ordentlich verdient!
All diese Ereignisse sind aber zu vernachlässigen, als ich nach ein paar Händen an einem gut aussehenden 2/5 Tisch den einzigen offensichtlichen Reg mein $1.000 Buy-in spendiere: Er ist im Button-Straddle, zwei Leute limpen und ich raise im CO A♣: 4♣: auf $60. Der BU-Reg 3bettet auf $170 und ich bezahle.
Postflop gibt es keinen Ausweg mehr am Turn: A♠: Q♣: 7♣: 4♥: Leider hat er die Aale und das Board findet kein weiteres Kreuz am River. Nach grandiosem Start verliere ich ziemlich zügig weitere Hunderte Dollar, während der BU-Reg im nächsten BU-Straddle wieder AA hat und wieder $1.000 verdient. Diesmal zum Glück nicht von mir. Der Tisch entwickelt sich trotzdem in die richtige Richtung, da mittlerweile drei Südländer ordentlich Gas geben (unter anderem, indem sie mit ihrem $500 Stack im Strd-Pot meine AA 3-Bet auf $120 mit 56o bezahlen für ein Träumchen von Flop namens J56r). Meine $1.7000 Minus sind nach knapp drei Stunden nur noch knapp $1.000 Verlust, als mnl mich quasi aus meinem Seat tritt. Er ist mittlerweile im 5/10 Maingame, lässt mich aber wissen, dass der Shorthanded Must Move Tisch nicht nur gut spielbar sondern eine absolute Pflichtveranstaltung ist: Ein guter, aber tighter Reg und FÜNF Freifahrtscheine.
Widerwillig glaube ich ihm und verlasse meinen guten Tisch, setze mich an 5/10, erhalte nach gut zehn Minuten K♣: K♠: , squeeze am Button, bekomme zwei Caller preflop, zwei am Flop und eine ordentliche Turn-Bet auf K73ss Qx. Auf die 3 am River foldet er für meine letzten $600, trotzdem ist der Start geglückt und mein 2/5 Ausflug ausgebadet. Mit $4k Stack lässt sich das ganze gegen die Kundschaft sehr gut spielen. Und dann bekommt man auch noch Karten. Schöne Karten. Die Aale zum Beispiel. Der Reg postet im CO $10 nach seiner Toilettenpause, ich sehe A♥: A♣: UTG und eröffne auf $50, einer der Freier raist auf $100 mit $2.335 dahinter und nachdem die anderen aus dem Weg gehen, 4-bette ich auf $330. Er bezahlt sofort.
Flop ($685): 7♠: 8♦: T♦:
Nicht der schönste Flop, aber gegen diesen Gegnertypen ist klar, wohin die Reise geht: Cbet $480. Es vergehen keine fünf Sekunden, da annonciert er Raise und wirft seinen gelben $1.000 Chip rein. Nach dem Minraise hat er noch einmal $1.005 in kleineren Chips vor sich stehen. Als ich das Raise wahrgenommen und die restlichen Chips überflogen habe, wird mir bewusst, dass der wohlhabende Spot (vermutlich Franzose) gerade dabei ist, Hauptdarsteller in dem größten Pokerpot zu sein, den ich bisher je gespielt habe. Natürlich würde er nicht mehr folden. Natürlich würde ich hier niemals folden. Es ist also alles vorbereitet für den größten Pot der Reise, größten Pot meiner bisherigen Laufbahn. "All-in!", verkünde ich und lasse meinen Stapel $100 Chips über die Linie gleiten. Sein "Call" kommt unverzüglich.
"Once or twice?", frage ich. "Twice", verstehe ich und nicke. Der Dealer, ein älterer Herr jenseits der 60, eher schon 70, waltet seines Amtes und burnt und turnt einen hässlichen König.
Turn ($4.720): K♣:
Der Dealer burnt und rivert innerhalb weniger Sekunden einen ebenfalls hässlichen König am River.
River ($4.720): K♠:
Zeitgleich knallt der Franzose euphorisch seine K♦: K♥: auf den Tisch und ich seufze enttäuscht "Split Pot", während der Dealer was macht? Er schiebt den Turn und River etwas nach oben und... burnt und turnt nichts. Burnt und rivert nichts. Er schiebt den Pot rüber?!? Moment mal, denke ich. "HOLD ON", sage ich. "Twice... We deal it twice".
"No no no", kommt von der anderen Ecke des Tisches und so langsam glaube ich, dass nicht er der Hauptdarsteller ist, sondern ich. Hauptdarsteller der Truman-Show. Wollen mich hier alle verarschen??? Ich lege vehement Protest ein und der alte Dealer holt irgendwann gnädigerweise das Floorpersonal. Long story short: Mein Sitznachbar hat ebenso wie ich "twice" verstanden. Sein Sitznachbar, der Reg, hat wohl once verstanden, der daneben sitzende französische Kollege hat offensichtlich auch once verstanden. Der Dealer irgendwie anscheinend auch. Obwohl er zunächst Turn und River hoch geschoben hat, als wolle er nun das zweite Board legen? Komisch irgendwie. Videoanalyse bringt nichts, da auf den Aufnahmen kein Sound ist, versichert mir die Floorfrau und aller Protest ist vergebens. "Meine" 92% auf $4.720 reichen nicht einmal zum Split, sie wandern komplett nach Frankreich.
Ich bin natürlich entsetzt. Nicht nur aufgrund des Suckouts. Oder der Größe des Pots. Oder des ganzen Ablaufs der Katastrophe. Es ist eher die Tatsache, dass ich wieder im falschen Moment schlecht runne: Traum-Tisch, Traum-Szenario, einfach mal über $4.000 up sein und den Moment genießen. Leider nein. Leider wieder nicht. Den Tisch kann ich in dem Moment trotzdem nicht verlassen, zu gut ist das Lineup oder?. Vielleicht wäre es aber nach dem Ding eine gute Idee, die Segel zu streichen und das Ganze sacken zu lassen? Das Geld werde ich wohl kaum wieder bekommen. Oder doch? Ich bin hin- und her gerissen, entscheide mich aber rational für die einzig logische Option: Hier bleiben und zurück kämpfen!!!
Vegas 2017 - Day VII Part 2
So sitze ich versteinert auf meinem Stuhl, während knappe zweieinhalbtausend Dollar aus meinem Stack gerissen werden wie Gänseblümchen im KiTa-Garten. Mein Sitznachbar guckt mich mitleidig an als ich nach kurzer Schockstarre ein Bündel Hunderter aus meiner Tasche hole, um wieder auf $2.000 aufzustocken. Zu allem Überfluss beginnt kurze Zeit später der Domino-Effekt: Im Main Game steht erst ein Spieler auf, dann zwei, dann drei. Zunächst verlässt uns ein Spot mit einer Armbanduhr, deren Ziffernblatt aus dem Big Ben herausgesägt wurde. Wenige Minuten später wird mein Sitznachbar zum Main Game gerufen und noch einen Moment darauf erwischt es meinen französischen Freund (immerhin konnte ich in einer Hand ca 20 Minuten zuvor knapp $500 "meines Eigentums" zurück ergattern, als ich 99 als PFA am River auf 278 2 2 raise und bezahlt werde).
Nun sitze ich da in den letzten Händen mit dem Reg und dem Kollegen Quadrupel-König und allen ist klar, dass der Must Move Tisch in Kürze Geschichte sein würde. Und somit auch meine Hoffnung auf "Revanche" bzw. weitere Wiedergutmachung. Am Button schaut sich der Spot seine Hand an, zieht seinen Mundwinkel kurz hoch, foldet dann seine Hand und greift direkt zum Chiprack hinter sich. Das war's. Die letzte Hand läuft also und ich erblicke im Small Blind A♣: 4♦: . Die Hand openraise ich $40 und der Reg entscheidet sich mit einem Call dazu, noch eine Hand zu spielen. Na gut, let's roll!
Flop ($80): A♦: 8♣: 2♣:
Netter Flop, ich sollte hier häufig die beste Hand haben, muss aber nicht groß protecten. Wenn ich was protecten muss, dann meine Checkingrange, also checke ich hier meine schlechten Ax fast immer. So auch heute in der letzten Hand des grandiosen Abends. Der Reg scheint aber seinerseits Interesse zu haben oder er will einfach ein schnelles Ende. Wie dem auch sei: Er bettet $50, die ich natürlich bezahle.
Turn ($180): Q♠:
Meine Range, die Karte sollte ihn also gut bremsen, also her mit dem River. Check. Der Reg bettet $200. WTF? Dass er nochmal setzt, ist eine Sache, die schon mal mit wenigen Händen Sinn macht. Dass er aber $200 setzt ist einfach nur komisch. Ich habe hier einen klaren Rangevorteil und das Board ist nun auch nicht so wet, dass man hier eine Overbet-Range bräuchte/haben sollte. Natürlich hat er mich mit A8, A2, 88, 22 beat, aber neben diesen Händen sehe ich ihn hier wohl auch einiges in Richtung KTcc, 35cc, QXcc halten. Alles in allem stehe ich mit meiner Hand also ganz okay da, ganz geschweige von meiner kompletten Range, die mit AA, QQ, AQ seine Valuerange zerstört. Also bezahle ich nochmal und hoffe, dass er am River einfach sagt: "Okay mein Freund, du hattest heute genug Ärger. Ich lass es einfach sein. Nimm mein Geld und schlaf gut." Könnte er doch einfach mal machen oder?
River ($580): K♥:
Oh, wieder meine Range. Na also, dann wird es das wohl gewesen sein. Check, check. Showdown. Aber worauf wartet er? Er checkt gar nicht, er überlegt eine Weile und scheint mal so gar nicht an einem Showdown interessiert zu sein. Dabei darf er doch gar nicht betten. MEINE RANGE, sagte ich. Hallo, was tust du? Boom, $500 Bet... Ja ne, is klar. J♣: T♣: schon da? Tatsächlich 88 oder 22? Eher dünn schon mit A8 und A2? Kann ich halt nicht bezahlen mit Ass Null. Macht auch wieder überhaupt keinen Sinn, was der sogenannte Reg da feiert. Meine perceived Range sollte hier schon häufig AQ, AK sein. Außerdem habe ich verdammt nochmal auch AA, QQ, KK wohl am Turn nicht mehr so oft. AK einige Combos, AQ natürlich auch. 88, 22 sind wohl schon eher in meiner Cbet Range, aber auch nicht ganz ausgeschlossen. Dieses ominöse GTO-Gedöhns möchte in solchen Spots auch eine Bluffingrange haben und da eignet sich (wie meine Dortmunder Pokerghettokollegen zu sagen pflegen) Ass-Schwanz wohl zufälligerweise auch noch ganz gut. Das A♣: ist zwar nicht ideal, aber im Groben und Ganzen scheint hier etwas möglich zu sein. Ich widerstehe also meinem ersten Instinkt zu folden und mutiere in meiner letzten Hand hier zum Wahnsinnigen.

LIGHT IT UP. NIMM ALLES! Wenn es Scheiße läuft, dann so richtig. Ich schaue den Dealer selbstbewusst an (zumindest bilde ich mir ein, dass ich es selbstbewusst tue) und verkünde ihm mein "All-in" für genau $2.050. Wie zuvor mit meinen Assen begleite ich die verbale Ankündigung mit einer Vorwärtsbewegung meiner $100-Chips. All-in also. Für $2.050. OKAY, kann man mal so machen. Nach dem größten Pot lifetime der größte Bluff nur 30 Minuten später. In der letzten Hand des Abends. Muss das sein? Die Antwort in meinem Kopf steht null Komma nullnulleine Sekunde nach der verbalen Announce: NEIN, KONTI, DAS MUSS JETZT EHRLICH GESAGT NICHT SEIN!!
Und der Reg so? Er foldet nicht. Nicht nach einer Sekunde, auch nicht nach fünf oder zehn Sekunden. ER FOLDET EINFACH NICHT. Meine Eier schrumpfen mit jeder verstreichenden Sekunde ein kleines Stück mehr, ich versuche meine Körpersprache konstant wie immer zu halten, aber irgendwie bricht es gerade in mir zusammen. Der ganze Stress der letzten Tage, dieses Auf und Ab, gekrönt von der AA-Scheiße vor gut 45 Minuten. Wieso sitze ich nicht einfach gemütlich mit meiner Freundin auf dem Balkon und grille stressfrei durch den deutschen Sommer?
Ich spüre, wie mein Herzschlag in diesem Moment neue Weltrekorde über 400m aufstellen könnte, wie mein Blut nach 30 Sekunden des Nicht-Foldens gegenüber mittlerweile mit Minusgraden durch meinen Körper pumpt und wie meine Eier... ach die hatte ich schon erwähnt oder? Als der Regular nach einer Minute immer noch Chips-shuffelnd gegenüber grübelt, überlege ich mir, wie er wohl auf folgenden Vorschlag reagieren würde: "Hey Typ, du scheinst ein cooler Dude zu sein. Ich habe nur Spaß gemacht, okay? Kleiner Spaß in der letzten Hand. Ich wollte nicht wirklich all-in gehen, nur mal kurz antesten, you know? Nimm einfach deine $500 und was da sonst so rumliegt, ich nehme meine Spaß-$2.050 und wir gehen friedlich getrennte Wege. Alles klar? Alles klar! Ciao"
Diesen Vorschlag kann ich aber nicht verbalisieren, da meine Spucke im Mund zu Zement wurde und ich dementsprechend meine Lippen nicht mehr auseinander bewegen kann. Es hilft also alles nicht, ich muss es über mich ergehen lassen. Und nach einer Minute ist dann auch mein Schicksal besiegelt.
Er foldet.

Schweißgebadet nehme ich meine $2.050 zurück und bekomme obendrauf $1.080 vom Dealer zugeschoben.
Erst an der Kasse realisiere ich, dass ich trotz der AA-Hand am Ende eine Winningsession auf 5/10 zu verbuchen habe. Dank der Könige am Anfang, aber auch aufgrund des Bluffs am Ende. Als Optimist könnte man die Session nun also als Erfolg werten: Ich habe mehrere wichtige Erfahrungen gesammelt und dabei sogar etwas Geld verdient. Trotzdem könnt ihr euch wohl vorstellen, dass ich mich nicht unbedingt als Sieger gefühlt habe. Bleibt zu hoffen, dass die Erfahrungen und imaginären EV-Scheine in meiner Tasche am nächsten Tag dazu beitragen, wieder positive Schlagzeilen in meinem Reisetagebuch zu schreiben.