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[NL] Konti: Las Vegas & Daddy-Duties 2025

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SvenBe
Joined: 19.04.2006
Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas 2024 - Will Grigg's on fire

Nach dem bis bisherigen Verlauf der Reise überraschte es nicht, dass unser Flieger von Denver nach Vegas sogar 15 Minuten früher als geplant landete. Als ich am Gepäckband ankam, fiel mir mein Koffer quasi schon für die Füße und besonders viel Traffic gab es an diesem frühen Samstagabend auch nicht, sodass ich ruck zuck im Venetian landete, wo ich die erste Nacht unterkommen sollte, bevor ich morgen ins Paris ziehen werde mit meinem Roommate für die kommenden Tage, Basti - Lehrer aus Niedersachsen, der frecherweise einfach schon eine Woche eher Urlaub hatte als wir in NRW.

Das Paris Las Vegas wird in den kommenden Tagen meine Unterkunft sein, sowohl als Hotel als auch als Spielort bei der Weltmeisterschaft

Das Zimmer befinde ich innerhalb von gefühlten dreißig Sekunden als hervorragend, aber dann schwirren in meinem Kopf direkt wieder ganz andere Themen herum: Ich muss noch ins Paris, um dort meinen Turniergewinn vom letzten Jahr abzuholen, um dann in einer vermutlich sehr langen Schlange anzustehen, um heute noch ins Turnier zu kommen. Also nichts wie los.

Per Mail wurde mir auf Nachfrage mitgeteilt, wo ich mich zu melden habe. Beim Players Service im Champagne Room herrscht gähnende Leere, während nebenan im Raum tatsächlich etliche Menschen anstehen, um sich für die Turniere der Weltmeisterschaft anzumelden. George nimmt mich in Empfang, verarbeitet meine Daten und lässt dann seine Mitarbeiterin Michelle den Rest erledigen: Es werden zwei Seiten Steuerdokumente ausgefüllt, ich muss hier und da mal unterschreiben und schon werde ich nach bürokratischen 20 Minuten zum Cash Out-Schalter geführt, wo mir $27.500 in die Hand gedrückt werden. Läuft! Läuft es sogar noch besser? Schüchtern freundlich frage ich die Dame, ob ich nicht auch hier direkt ein Ticket für das diesjährige Mainevent lösen könnte. Etwas widerwillig, aber letztlich doch schnell überzeugt antwortet sie, dass das möglich sei und schwups, bekomme ich doch nur $17.500 in Scheinen und einen kleinen Schnipsel Papier, auf dem steht, dass ich gegenüber im großen Ballsaal Platz nehmen darf mit 60.000 Plastikchips. Es ist vollbracht und das natürlich punktgenau zum Ende der Dinnerbreak.

Kaum zu glauben, aber wieder dabei: Junis und ich im Main Event 2024

Kurze Zeit später finde ich mich an Tisch #100 wieder. Zu meiner rechten sitzt Saully, aber der Einfachheit halber nennen wir ihn nur noch Will Grigg. Er ist Ire und hat schon knapp dreimal so viele Chips wie ich, was zu diesem Zeitpunkt extrem viel ist. Schnell finde ich heraus, dass es an diesem Tisch nur ein Ziel gibt: möglichst wenig Chips an Will Grigg verlieren. Er spielt weit über 50% aller Hände, mal als Limp, mal als 3BB-Open, mal irgendwas dazwischen und sieht ständig Flops. Zu allem Überfluss trifft er diese Flops auch regelmäßig und man kann recht wenig gegen ihn ausrichten. Seine Ranges sind viel zu weit, er zeigt sogar mehrfach, dass er am River NICHT dünn vor Value setzen kann und trotzdem setzt er dauernd. Wird er gecallt, zeigt er TwoPair oder besser. Gegen ihn scheint kein Kraut gewachsen zu sein, leider auch für mich nicht.

Nach anderthalb Stunden spiele ich meine erste größere Hand gegen ihn. UTG limpt ein Asiate, was suspekt ist (er könnte eine Falle stellen mit einer starken Hand). Als Will Grigg am BU auf 1.200 Chips erhöht, finde ich im Smallblind K♥: Q♠: und bezahle nur, da ich abwarten will, was der UTG-Asiate veranstaltet. Der Bigblind zahlt und der Limper ebenso.

Flop 5.300: K♦: 6♣: 2♥:
Alle checken zu Will, der setzt 3.000. Nur ich bezahle.

Turn 11.300: 5♠:
Ich checke, er setzt 4.000. Da nun auch eine Straße möglich ist, bleibe ich im passiven Modus und zahle weiter.

River 19.300: 8♥:
Ich checke, er setzt ein drittes Mal. Nun muss ich 12.000 zahlen. Gegen ihn gibt es da nicht viel zu überlegen, wie oben beschrieben: Er ist ständig involviert UND setzt nicht dünn for Value. Entsprechend sollte er hier mit viel zu vielen Bluffs auftauchen, obwohl er natürlich viel Stärke in diesem Pot demonstriert. Wie auch immer: Ich bezahle und schaue mit 88 bei ihm. Na toll, was ein River.

Bis zur ersten Pause komme ich trotzdem wieder zurück zum Starting Stack. Ich verbringe die Pause mit Johnnie, der nur wenige Tische entfernt sitzt und schon sind es "nur noch" zwei Stunden bis der erste Tag geschafft ist. Diese Zwei Stunden ziehen sich für mich aber leider wie Kaugummi: Zunächst bekomme ich gar keine spielbaren Hände und wenn ich mal involviert bin, ist oft am Flop schon Schluss, da ich nicht treffe. Das geht eine gute Stunde so ohne nennenswerten Verlust, bis ich UTG 9♦: T♦: erblicke und openraise. Drei Leute bezahlen, natürlich auch Will Grigg im Bigblind.

Flop 5.700: 6♠: 4♦: 7♦:
Noch bevor ich überlegen könnte, ob ich hier setzen will gegen drei, übernimmt Will die Initiative und donkt 3.500. Auf dem Board habe ich einfach keine Raises, also calle ich mit meinem starken Draw nur. Ebenso callt ein anderer Asiate in mittlerer Position.

Turn 16.200: K♠:
Will gibt weiter Gas mit 11.000 Chips. Diesmal glaube ich ihm auch gut und gerne, dass er ziemlich stark ist, aber folden möchte ich trotzdem nicht. Der Asiate foldet aber zum Glück.

River 38.200: 4♣:
Nicht getroffen, also eine leichte Entscheidung, als Will mich all-in stellt. Ich folde natürlich zügig, aber wie hätte ich hier wohl mit einem Overpair reagiert? TT zum Beispiel statt 9T? Ich befürchte fast, genau dieser River wäre der River für einen Call gewesen. Wie dem auch sei: Ten high ist definitiv kein Call und ich zähle nach der Hand lausige 20.000 Chips in meinem Stack bei noch etwas mehr als 30 Minuten Restspielzeit.

Nun würde ich auch gerne mal eine Hand gewinnen, aber das sei mir irgendwie nicht vergönnt an diesem Tag. Stattdessen kann ich am Ende froh sein, überhaupt eine Tüte überreicht bekommen zu haben, um meine verbliebenen 15.300 Chips für den zweiten Tag einzutüten. Kurz vor Schluss complete ich nach drei Limps K♣: 3♣: im Smallblind und 5way wird zum River gecheckt auf diesem Board: 9♠: 5♣: 2♥: K♠: 3♦: Ich checke auch den River, da Will Grigg einfach zu gerne am River setzt und ich dann wohl noch ein paar Chips erwarten kann. Im BB setzt nun aber der Shorty am Tisch 3.000 in den 3.600 Chip großen Pot. Er hat einfach die ganze Zeit, in der ich anwesend war, um sein Turnierleben gekämpft. Trotzdem dürfte er eine Vielzahl an schwächeren Händen haben und ich überlege, ihn für ca. 5.000 Chips mehr all-in zu stellen, als in mittlerer Position ein Asiate auch bezahlt. Ich überlege etwas hin und her und entscheide mich dann doch nur für den Call, da ich meine Chips langsam aber sicher schützen muss. Gut, dass ich mich so entscheide, denn ich belege am Showdown den dritten Platz: Der Shorty im BB hat K7 und der Asiate? Der checkt lässig zweimal zu fünft im Pot sein Topset 99. Wenn er Turn und River setzt, ist der Pot groß genug, um all-in zu gehen und zu verlieren. Glück im Unglück.


15.300 Chips zum Ende des Tages

So endet der perfekte Anreisetag mit einem ernüchternden Ergebnis, aber ich bin hier. Ich bin in Vegas. Ich bin im Main Event. Ich habe Chips. Ich gebe nicht auf. Ein Tag Turnierpause heute, dann geht es Montagmittag amerikanischer Zeit weiter. Hoffentlich bin ich dann auch mal on fire wie mein irischer Nachbar heute, der weit über 250.000 Chips mitnehmen durfte.


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ElhombreAlleman
Joined: 01.06.2017

Kämpfen Konti :f_drink:


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DiscoStu85
Joined: 12.07.2006

Dann muss ich dich verwechseln. Wegen Konti,Pokerstrategym, mein "Kollege" an den ich dachte, heißt Konstantin - ist Physiklehrer und Pokerspieler.

Finde deine Evolution interessant. Letztes Jahr das erste mal gespielt, und dieses Jahr gelateregged. Ich glaube wenn man 27,5k in der Hand hat. geht einem ein 10k Invest einfach schneller von der Hand. Dennoch wenn du fit bist und dich gut gefühlt hast, war es die bessere Entscheidung noch ein paar Level mitzunehmen als Day 2 zu starten. WIr fliegen über den Teich um an diesem Turnier teilzunehmen, dann will ich jede Minute nutzen. Ich bin da ähnlich wie du, habe ne massive Edge early on und muss eben hintenraus auf nen Run hoffen. Hätte beide Hände genausogespielt , wenn das was bedeutet. Die T9s raise ich gelegentlich vs den richtigen Gegener. Multiway ist bluffen nicht so einfach, daher hier call sehr in Orndung m.E.

Es hieß immer das Turnier ist so fishig, aber mein Tisch war recht tough, nur drei amis, 5 leute unter 25, st ok, aber nicht das was man sich gerne so erzählt. Habe generell den Eindruck das Niveau angezogen ist. Von erzählungen her hätte ich mehr Softness erwarten. Ist halt einfach Tabledraw. Peile 120k an an Ende Tag 2, war mehrfach drüber a, Ende leider knapp drunter. Habzweimal nach GTO gepsielt und nicht auf mein Bauchgehört und lag zweimal Falsch. EInmal sagt Bauch folde dein Fullhouse, er hat hier keine Bluffs, habs bezahlt und er das bessere Full. Einmal Set auf 4way straight als der BD Flush ankam nicht vor value gebettet am river, und behind gecheckt aus Aberglauben, obwohl ich relativ sicher war dass er den FLush hier am River donken würde. Das ist immer das Spannungsfeld zwischen Bauchgefühl/Erfahrung und dem "Wissen" was man eigentlich hat. Ich hab mich entschieden mehr GTO zu spielen in solchen Spots, und nicht selten liegt man dann ja doch eher richtig, wenn die Gegner mit Kombinationen aufwachen die sie eigentlich nicht haben sollten. Will damit eigentlich nur sagen,: A chip and a chair, 15k sind nicht geil, aber noch alles möglich. Du reist an für ne Gute Story und Geile Zeit, deswegen gräm dich nicht, mit der Entscheidung, nur weil du 60k bei einem Day2 Reg behalten hättest, und 15k in 300k an Day Verwandeln wär doch ne geile Story.


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas WSOP 2024 – Settle Down
Nach dem Mainevent war ich platt und kam schnell zur Ruhe im Venetian. Satte sechs Stunden Schlaf galt es in der ersten Nacht zu verbuchen – neuer Rekord, und es sollte nicht der einzige Rekord sein, der an diesem Tag gebrochen wird.
Um 8 Uhr stehen Basti und ich auf und fassen den Plan, ein gemeinsames Frühstück am Pool des Venetians zu uns zu nehmen. Preis-Leistungs-technisch sind mir die Frühstücksoptionen am Pool in den letzten Jahren stets in guter Erinnerung geblieben, wenn man bedenkt, dass es einem schlechter gehen könnte, als in eine 5-Sterne-Resort morgens im Schatten der Wüstensonne sitzen zu dürfen und bei Gelegenheit eine kühle Erfrischung zu genießen.


Das American Breakfast schmeckt ordentlich und erfüllt den Zweck der Sättigung, ist aber kein Gaumenschmaus. Insgesamt gefällt mir der Ausflug an diese Poollandschaft mit sechs verschiedenen Schwimmbecken (alle amerikanische 1,35m Maximaltiefe mit jeweils zwei Bademeister:innen zur Sicherheit) gut. Nach zwei Stunden gilt es aber schon wieder Koffer zu packen, denn der Umzug ins nicht weit entfernte Paris steht an. Zu Fuß braucht man ca. 15 Minuten rüber, aber mit den Koffern bestellen wir doch lieber ein Uber für 11:15 Uhr. Das sollte locker passen mit dem Restart des Mainevents für Basti um 12 Uhr. Unser Uber landet jedoch im benachbarten Harrah’s und kommt deutlich verspätet bei uns an. Als wir dann auch noch über den Las Vegas Boulevard am Ende eines langen Feiertag-Wochenendes fahren, ist schnell klar, dass die Summe der roten Ampeln den Nervositätspegel bei Basti stetig steigen lässt. Wir müssen eigentlich nur noch einmal links abbiegen, als es schon 11:51 Uhr ist, aber der Stau vor uns lässt erahnen, dass das noch ein paar Ampelphasen dauern kann. Also springt Basti mitten auf dem Boulevard raus, um die Straße zu Fuß zu queren und pünktlich im Mainevent zu starten. Diese Entscheidung stellt sich als lohnend heraus, da er am Ende mit über 100.000 Chips solide durch den Tag kommt.

Ich wiederum habe wenig Stress an diesem Mittag, warte geduldig in der Check-in Schlange am Paris, um am Schalter gesagt zu bekommen, dass ich gerne schon das Zimmer beziehen dürfte… für eine kleine Charge von $50. Nein danke! So landen unsere Koffer beim Belldesk, der diese später gegen einen Anruf und $5 Trinkgeld direkt aufs Zimmer liefern wird. Ja bitte!
Ich nutze die Zeit dazwischen, um weiter anzukommen. Nächster Halt ist schließlich das gegenüberliegende Wohnzimmer meinerseits: Bellagio, Las Vegas. Ein Traum. Da ich schon aus dem Uber heraus telefonisch einen Platz für die $5/$10 Cashgame-Partien reserviert habe, komme ich schnell an einen der acht Tische mit diesem Limit. Acht Tische am Sonntagmittag, Poker is alive and well!

So alive and well ist mein Tisch aber leider nicht. Viele Spots kann ich nicht erkennen und die Regs wissen ziemlich genau Bescheid, was man sich erlauben darf. Aber ich bin auch ein Reg in diesem Game, wie ich spätestens beim zweiten Dealer-Wechsel erinnert werde. „Hey, long time no see. How are you doing?“, begrüßt mich der Dealer als er sich hinsetzt. Eine Mischung aus Stolz (ich werde auch nach einem Jahr Abwesenheit in diesem überfüllten Haus wiedererkannt) und Scham (hätte ich den Kollegen auch erkennen müssen?) fährt durch meine Haut, aber der Stolz überwiegt. Und damit auch mein Selbstbewusstsein – lass die Regs mal Regs sein, ich kann mich wehren und werde hier verharren, bis ich ins Hotelzimmer einchecken kann.

Und so wechselt ein Reg nach dem nächsten den Tisch und es kommen doch noch ein paar interessante Spieler dazu. Meine Session verläuft recht ruhig, da ich keine riesigen Pötte spiele, aber zwei Hände gilt es kurz zu erwähnen.

Hand 1:
Ein Reg eröffnet aus früher Position und ich calle am Button Q♠: T♠:.
Flop ($75): T♣: 3♠: K♠:
Er cbettet $40, ich bezahle nur, da das Board seine Range besser trifft als meine.
Turn ($155): 5♠:
Er setzt $70 und nun raise ich mit der zweitbestmöglichen Hand auf $230. Er bezahlt recht zügig, was mir gut gefällt.
River ($615): 3♥:
Was wir nicht sehen wollten, war eine Board-pairing Card, da ich nun nicht mehr die zweitbeste Hand halte. Er checkt und ich möchte natürlich trotzdem nochmal Value holen gegen Kx, AA oder schwächere Flushes. Ich überlege aber recht lange, da ich mir mit dem Sizing unsicher bin. Will ich hier polarisieren? Eher nicht, sonst foldet er noch seine Paare. Vielleicht will ich lieber klein setzen, denn wenn ich klein setze, bin ich hier immer „capped“, habe also keine ganz starken Hände in meiner Range und das könnte so ein Reg wie er erkennen und ggf. seine Hand in einen Bluff turnen. Die Line gefällt mir also besser und ich entscheide mich für bet $330 mit der Intention, jeden Shove auch zu callen, da er aufgrund meines Blockers mit der Zehn selbst nur wenig Fullhouses haben kann. Er tankt wiederum auch recht lange und bezahlt dann mit K♥: T♥: und sagt direkt, dass er überlegt hat, seine starke Hand in einen Bluff zu verwandeln. Hätte er das getan und von mir den Snapcall bekommen, wäre ich wahrscheinlich direkt aufgestanden, hätte mir nebenan beim Luxusshopping wie zB bei Dior, Prada oder Gucci ein passendes Königskostüm besorgt und wäre als der ultimative Bellagio-König zurück an den Tisch gegangen. Hat aber nicht geklappt, also kein Grund zu Ekstase. Trotzdem ein schöner Pot über $1.200.

Hand 2: Beim Dealerwechsel werden immer double board Bomb Pots gespielt, um daraus den Rake („Gebühr“ des Hauses) für die kommende halbe Stunde zu bezahlen. Alle Spieler zahlen $30 und die Hand beginnt ohne Preflop-Aktionen an zwei verschiedenen Flops. In einem dieser Pötte halte ich KT und es geht mit folgenden zwei Boards zum River.

Pot ($410)
Board 1: AQT Q T
Board 2: 279 3 K
Ich bin im Smallblind, habe am Flop $50 bezahlt mit Paar + Gutshot + Backdoor-Flushdraw auf Board 1 sowie Flushdraw auf Board 2. Am Turn checken alle 4 verbliebenen Spieler. Am River entscheide ich mich nun für eine kleine Bet in Höhe von $110 in der Hoffnung, dass jemand mit einem Ass auf 1 zahlt und mein König auf Board 2 gut ist. Aber das ist Mist! Nach genauerer Betrachtung schlagen mich nur zwei Kombinationen: KQ & AA. Gegen alle anderen Hände gewinne ich entweder das eine oder das andere Board. AA hätten definitiv am Turn weiter gesetzt, KQ in den meisten Fällen vermutlich auch. Daher hätte ich hier mindestens $400 setzen sollen. So bezahlt ein Spieler mit 27o und wir teilen den Pot, da er auf Board 2 ein Twopair hält. Für $400 hätte 27 vermutlich gefoldet.

Wie dem auch sei: Gegen 16 Uhr bin ich müde, $1.385 reicher und freue mich auf das Hotelzimmer und das „Paket“, das ich bestellt habe. Basti hatte nämlich die glorreiche Idee, mit Uber Eats einen Einkauf in einem Supermarkt zu tätigen. Per App bestelle ich also Müsli, Milch, Obst, Snacks, Jogurts, Brot, Hummus und 6 Galonen Wasser aka 20 Liter. Warum so viel? Weil Costco ein Großhandel ist und es kaum kleinere Mengen gibt. Hummus? Klar: 1kg XXL-Pack. Hallo Amerika. Die Preise sind dafür top: 6 Galonen für $5, 20 Jogurts für $18 etc.

Das Ganze wird uns dann per Uber-Fahrer eingekauft und zur Garage des Hotels geliefert. Praktisch. Lieferkosten $1.78 – angeblich. Die wahren Kosten liegen im Aufschlag der Preise, die dennoch viel viel besser als am Strip selbst sind. Außerdem gehört es sich, dem Fahrer Trinkgeld per App zu geben, nochmal $15 extra. Als die Essensladung pünktlich ankommt, gibt es nur noch ein Problem: Wie bekomme ich 6 Galonen Wasser in meinen Rucksack neben all den anderen XXL-Einkäufen? Richtig: gar nicht. Ich entschließe mich also, das Wasser in der Garage zu „verstecken“ und zweimal zu laufen. Beim zweiten Lauf hat Basti gerade Dinnerbreak im Mainevent und so teilen wir uns das Leid der Galonen und freuen uns auf ein gut ausgestattetes Hotelzimmer.

Ich mache danach weiter Pause und treffe mich später mit Clemens, der das Mainevent heute leider nicht überstanden hat. Stattdessen gilt es beim ihm noch einen Turniergewinn vom Vortag zu feiern, bei dem er über $30.000 eingesackt hat. Um Mitternacht kommen mit Max und Basti noch zwei Mainevent-Überlebende dazu und ich trinke insgesamt vier Kästen Bier. WHAT? Vier Kästen, no way. Stimmt, waren nur vier Dosen auf der Dachterrasse der neuen „Ole Red“-Bar vor dem Horseshoe. Aber gekostet haben diese vier Miller Lite so viel wie bei uns vier Kästen. Hätten wir mal lieber bei Costco bestellt ;-)


Teure, aber lohnende Aussicht von der Dachterrasse beim zweiten Rekord des Tages: Vegas hat heute erstmalig 48° C (118° F) auf dem Thermometer stehen gehabt. Heiße Tagen liegen vor uns.


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kirnau
Joined: 07.07.2006

Einfach wieder sehr sehr geil!
Coole Idee mit uber eats! Aber wie kühlt ihr die Milch und Jogurts? Hat das Paris eine Küche mit großem Kühlschrank? :)


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Quentin73
Joined: 23.09.2005

sehr schöne TRs wieder mal, wünsche viel spass in Vegas weiterhin, aber 48°C is ja völligst pervers:f_rolleyes:


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Ben186
Joined: 04.12.2023

Das liest sich alles richtig gut. Da bekomme ich auch direkt mal wieder Lust nach Vegas zu fliegen. Viel Spaß und Erfolg weiterhin da drüben. Ich freue mich schon auf die nächsten Berichte :f_biggrin:


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matze0815
Joined: 22.01.2006

:f_drink: genau solche TRs machen Deinen Blog einzigartig. Dein Schreibstil ist absolut kurzweilig und unterhaltsam.

Davon abgesehen: Solider guter Start in die Poker madness, klingt nach ner guten Stimmung und mit dem Ausblick lassen sich die 47 Grad leichter aushalten :f_thumbsup:
Viel Spaß und viel Erfolg!


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Original von kirnau
Einfach wieder sehr sehr geil!
Coole Idee mit uber eats! Aber wie kühlt ihr die Milch und Jogurts? Hat das Paris eine Küche mit großem Kühlschrank? :)

Einen Kühlschrank haben hier alle Zimmer standardmäßig :f_thumbsup:


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas WSOP 2024 - Free Like A Bird

So toll es an Tag 1 geklappt hat, nach dem Main vernünftig zu schlafen, so schlecht klappt es am zweiten Tag. Keine vier Stunden Schlaf wurden meinem Körper gegönnt, als ich um 6 Uhr hellwach im Bett liege, Nash-Ranges für das Shoven, Rejammen und Callen mit 20 Bigblinds studiere und darüber nachdenke, welche Liegen am Pool wohl gleich am längsten Schatten spenden.

Um 9 Uhr geht es dann tatsächlich zum Pool im Paris, immer noch ziemlich entkräftet und müde. Dort macht sich Enttäuschung breit, denn die Anlage ist im Vergleich zum Venetian und anderen Hotels hier ein klares Downgrade: der Pool ist nur zur Hälfte geöffnet, drum herum stehen Cabanas, die man für eine Million Dollar pro Tag mieten darf, und dahinter, recht weit vom Pool entfernt befinden sich erst die Liegen. Ich schnappe mir eine Liege unterhalb des Eiffelturm-Replikats und frage mich, wann denn hier mal der Service vorbeischaut. Gar nicht, ist die Antwort darauf. Man muss zur Bar gehen und kann dort Essen und Getränke bestellen. Der Salat ist verhältnismäßig günstig, aber nicht sehr geil. Außerdem sind die Handtücher, die ich bekommen habe, verschmutzt mit Rostflecken oder anderem Dreck und irgendwo in der Nähe befindet sich eine Baustelle, die mit Presslufthammer und Bohrer meinen Gesamteindruck vom Pool abrundet.

Recht schnell bin ich also wieder auf dem Zimmer, mache mir noch ein Müsli und bereite mich mental auf das Mainevent vor, das um 12 Uhr beginnt. Naja, sagen wir 12:30 Uhr, denn im Turnierbereich ist die Hölle los, da so viele Leute sich noch an Tag 2 in das Turnier einkaufen, dass es wieder zu einem neuen Teilnahmerekord kommen sollte. Mich stört die Verzögerung nicht, da ich trotz Müdigkeit voll im Moment bin. Ich weiß, dass ich mit meinen 20 Bigblinds keinen großen Spielraum habe, aber ich weiß auch, dass ich in den zwei Stunden pro Level genügend Zeit haben werde, um mir passende Spots auszusuchen. Am Ende des Tages bin ich aber von der Kartenverteilung abhängig und muss diese so akzeptieren, wie sie ist.

Und wie ist sie so? Gegen mich leider. Ganz am Anfang openraise ich noch A9o am Cutoff und muss postflop check/folden und verliere somit zwei weitere wichtige Blinds, die 10% vom Stack ausmachen. Danach herrscht lange Flaute und mein Stack schwindet. Einmal darf ich noch A8s reinstellen nach einem Limp vor mir und gewinne somit ein paar Blinds zurück, aber nach anderthalb Stunden habe ich nur noch 13 Bigblinds, als ein aktiver Spieler openraist im Highjack und ich im Smallblind A♣: 6♣: sehe. Das ist ein Reshove nach meinem Wissen, aber mit A♠: 9♦: hat mein Gegner auch einen profitalen Call. So bin ich also all-in und dann geht es schneller, als man es verarbeiten kann. Flop J♥: 9♣: 7♠: - das sieht alles andere als gut aus. Turn 2♣: für drei Sekunden Hoffnung, aber schon landet der River 3♥: und aus ist der Traum vom Mainevent.

So sitze ich da und sehe meine Chips über den Tisch wandern und starre auf das fast leere grüne Filz vor mir. Nur mein Cardprotector samt Mini-Eichhörnchen steht noch da und schaut mich erwartungsfroh an, als ob es mich fragen wollen würde: "Und jetzt? Wie fühlst du dich jetzt?" Die Antwort macht sich direkt in meinem Körper bemerkbar. Zwar spüre ich etwas Schmerz, dass es vorbei ist und ich $10.000 in die Pokerwelt gespendet habe, aber im selben Moment kommt auch ein Gefühl der Erleichterung. Ich bin frei. Frei wie ein Vogel. Ich muss nicht mehr hoffen, dass ich hier in den kommenden Tagen vom Kartendeck geküsst werde, um mein Turnierleben zu behalten. Ich kann wieder tun, was ich möchte. Und der Ausblick ist toll: Zehn Tage Las Vegas warten noch auf mich. Zehn Tage tun und lassen, was ich möchte. Kein strikter Zeitplan mit vorgegebenen Pausen und 12 Stunden Spielzeit am Tag, sondern die Möglichkeit, aus etlichen Pokerräumen auszuwählen, wo ich spielen möchte und ob ich überhaupt spielen möchte. Das fühlt sich gut an. Das ist mein Gebiet. Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, wieder vier Tage oder mehr im Mainevent dabei zu sein und die Chance auf einen wirklich großen Gewinn zu haben, aber so wie es gelaufen ist, kann ich mir keine Vorwürfe machen und bin froh, dass dieses Ergebnis relativ früh am zweiten Tag feststeht.

Noch auf dem Weg zum Hotelzimmer zurück, kickt FOMO ein. Basti meldet, dass er einen super Tisch im Bellagio spielt, aber ich kann mich bremsen. Direkt rüber zu gehen, wäre nicht gesund. Stattdessen mach ich noch knapp eine Stunde Pause, prüfe wirklich regelmäßig, ob ich mich wirklich gut genug fühle, um schon wieder Cashgame zu spielen. Mein Körper sendet, dass keine Emotionen unverarbeitet sind. Das Mainevent ist abgeschlossen. Ich bin zwar nach wie vor etwas müde, aber an Schlaf ist nicht zu denken, also Abfahrt - JETZT GEHT'S ERST RICHTIG LOS IN VEGAS!

Mein erster Tisch ist wieder nicht das gelbe vom Ei, aber auch nicht ganz schlecht. Trotzdem lasse ich mich auf die Wechselliste zu Bastis Tisch schreiben, da er immer noch schwärmt. Während ich auf diesen Wechsel warte, sehe ich in der ersten Hand AQo, in der zweiten Hand 55 - zwei Hände, die ich nur all zu gerne vorher im Turnier gesehen hätte, aber offenbar darf ich nur im Bellagio vom Kartendeck verwöhnt werden. Nach etwa einer Stunde bekomme ich A♠: K♣: in früher Position und raise auf $30. Ein Regular, der noch nicht so lange sitzt, aber schon bewiesen hat, dass er mit seinen Chips umgehen kann, 3bettet mich aus dem Highjack auf $100. Wir sind $2.500 deep, also calle ich das lieber mit AKo, anstatt ohne Position so deep einen 4bet-Pot zu spielen.
Flop $215: A♥: Q♠: 4♥:
Ich checke und er cbettet $110. Das ist doch toll, oder? Irgendwie stimmt irgendwas an der Hand aber jetzt schon nicht. Das Sizing ist eher ungewöhnlich, aber meine Antwort darauf ist klar: Call.

Turn $435: 7♣:
Ich checke und nun setzt er $330. Leute, irgendwas ist faul. Ich verliere gegen kaum eine Hand und muss hier immer callen, aber ich spüre, dass sich hier was zusammenbraut. Der Gegner scheint entschlossen zu sein, dass das ein großer Pot werden muss. Na gut, dann anschnallen und abwarten.

River $1.095: K♦:
Okay, also jetzt gibt es wirklich kein Zurück mehr. Ich schlage nun auch AQ und wenn er eben QQ oder AA hält, dann ist es ein unvermeidbarer Unfall. Check, bet $1.050, snapcall. Muck! Boom - er muckt seine Hand einfach und sagt, dass ich gut bin. Ich muss nicht einmal meine Karten umdrehen und bekomme trotzdem $3.195 zu mir geschoben. ENDLICH ZUHAUSE!

Noch während ich meine Chips stapel, kommt die Floorfrau und fragt mich, ob ich noch an den anderen Tisch wechseln möchte. "Och joa", denke ich mir - Hit and Run ist das nicht, trotzdem entschuldige ich mich für das direkte Aufstehen und der Reg zuckt nur mit den Achseln. Am neuen Tisch läuft es gut weiter für mich und ich fühl mich einfach wohl. Ich weiß, wann und vor allem mit welchem Sizing zu setzen ist und ich weiß auch, wann ich geschlagen bin. So wächst mein Stack auf über $5.000, bevor ich dann doch einmal einen Schlag kassiere, als ein älterer Typ seine Könige nicht folden mag und ich am River überraschenderweise mit 6-hoch nicht gut bin. Wenig später kommt direkt wieder Bewegung in meinen Stack, als ich 7♣: 8♣: im straddled Pot auf $50 openraise und ein neuer Spieler, vermutlich Reg, 3bettet mich am Button auf $150 mit einem Stack von $2.000. Call!

Flop $330: 7♥: A♣: T♣:
Let's dance! Check, Cbet $100, call - wie gestern schon einmal erwähnt, sind die Flops, die ich nicht raisen werde.

Turn $530: 9♥:
Wow, jetzt habe ich alles. Also ein Paar. Aber 100 Outs auf Straße, Flush, Twopair oder Trips. Und ich habe eine sogenannte Equity-shifting Turnkarte vor mir liegen. Da ich hier einiges an Twopairs oder besser halten kann, ist es "erlaubt" zu leaden. Ich donke also $160 mit dem Plan, all-in zu gehen, falls er raist. Und ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Er raist auf $530, ich gehe all-in und schon ist der arme Reg in der Falle seines Gehirns. Er überlegt und überlegt. Eine Ewigkeit vergeht. Basti meint, es wären fünf Minuten gewesen. Fünf Minuten, in denen ich vollkommend entspannt mit ruhigem Puls da sitze, nicht verkrampfe, nichts verstecke und einfach abwarte, was passiert. Unabhängig vom Ausgang der Hand habe ich mich aus dem Moment heraus intuitiv für diese Line entschieden und kann daran nichts mehr ändern. Jetzt liegt es nicht mehr an mir, was geschieht, also muss ich auch nicht nervös sein. Das war nicht immer so - gerade zu Beginn von Vegas-Trips war ich häufig emotional involviert in den Ausgang von Händen, aber diesmal nicht. Vielleicht liegt es am Sunrun im Bellagio, das mich seit Jahren beschenkt. Vielleicht liegt es an den Coachings zum Thema Präsenz. Vielleicht eine Mischung aus beiden. Mir aber auch egal, als der Gegner nach fünf Minuten foldet und mein Stack wieder auf $5.000 wächst.

Mit genau diesem Stack beende ich um 19:30 Uhr die Session und freue mich über weitere $2.500 Gewinn. Dieser wird danach ausgiebig gefeiert: Erst zur viert im Beerpark, dann zu dritt im Ole Red und zuletzt zu zweit in der gefühlt letzten geöffneten Bar der Stadt vor dem Horseshoe. Um 2:30 Uhr torkel ich ins Paris zurück, schlafe solide 7 Stunden und schreibe danach gefühlte 7 Stunden verkatert diesen Blog. So stelle ich mir Freiheit vor. You've got to love it.


Antwort
Zitat
topspit
Joined: 07.02.2008

You've got to love it.

Das tun wir :heart:


Antwort
Zitat
Quentin73
Joined: 23.09.2005

"Equity-shifting Turnkarte"

noch nie gehört davon, kannst du kurz erklären bitte?


Antwort
Zitat
topspit
Joined: 07.02.2008

Starke Equity Veränderung zugunsten von Hero in diesem Beispiel.


Antwort
Zitat
Konti23
Joined: 22.02.2008

Original von Quentin73
"Equity-shifting Turnkarte"

noch nie gehört davon, kannst du kurz erklären bitte?

was tospit sagt + was ich geschrieben habe im Satz danach. Etwas genauer: Villain hat in seiner 3b-Range 77, TT, AA, ATs, AK, AQ, während ich niemals AA, selten AK und auch kein AQo halte. Er hat also am Flop die Nut-Advantage und insgesamt mit seiner Range einen großen Equity-Vorteil. Mit dem Turn ändert sich die Nut-Advantage ein wenig, da ich eventuell J8s oder 68s callen werde (eher selten ehrlich gesagt) und Villain diese Hände eher nicht in der Range hat. Noch wichtiger jedoch: Ich kann auch gut T9s, manchmal 79s und 99 halten, wovon er nur 99 in der Range haben sollte. Auf die ganze Range geblickt verschiebt sich die vorhandene Equity. Villain dominiert mich nicht mehr gnadenlos und deswegen darf ich hier leaden, weil ich genug Hände habe, die gegen Villains Top-Range gut dastehen.


Antwort
Zitat
Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas WSOP 2024 - Double Board Double Fun

Aua! Die Biere vom Vorabend machen sich direkt im Oberstübchen bemerkbar, als ich meine Augen öffne. Der Blick auf die Uhr verrät, dass diese Biere mich immerhin mal wieder sieben Stunden schlafen lassen haben. Wie erholsam der Schlaf war, sei mal dahingestellt. Mit mir ist jedenfalls gerade noch nicht viel anzustellen, also nutze ich diese Phase zum Schreiben dieses Blogs. Auch danach ist mir noch nicht recht zum Spielen zumute, also folgt eine Art "Wellness-Tag" im Hotelzimmer mit ganz viel Ruhe, Telefonaten in die Heimat und einer frischen Rasur. Schon besser.


Casino-Eingang unter dem Eiffelturm

Basti, der mittlerweile in Tag 3 des Mainevents sitzt, bittet mich noch, seinen Turnbeutel in einem Restaurant der Miracle Miles Shopping Centers abzuholen, den er dort beim Frühstück vergessen hat. Diese Aufgabe übernehme ich gerne, denn etwas Bewegung tut mir gerade recht gut. Insgesamt fühle ich mich einigermaßen on Bord, als ich um 15 Uhr im Bellagio ankomme und meinen Platz am 5/10 Tisch einnehme. Absolut gar nicht in Bord war ich wiederum mit dem Tisch, der voller Regs mit der Ausnahme einer chinesischen Dame mit viel Blingbling an Hals und Arm war.

Wie so häufig an den Tischen dieses Jahr, findet mit Dealerwechsel ein Double Board Bombpot statt. Im Highjack erblicke ich K♦: Q♠: und sehe folgende zwei Flops:

Pot $180
1) K♥: 5♠: 6♠:
2) 3♥: 9♣: 8♥:

Es wird zu mir gecheckt und da Leute eh viel zu passiv in diesen Pötten sind, versuche ich das Feld schon einmal auszudünnen mit ordentlicher Position und $50. Der Bigblind-Reg und die Dame UTG bezahlen.

Turn $339
1) K♥: 5♠: 6♠: K♣:
2) 3♥: 9♣: 8♥: Q♥:

Zwei Karten, die mich gut improven, also ist klar, was ich nach deren Checks zu mir mache: Checkback. What? Why? Na, so geil sind die Boards insgesamt doch nicht. Zwar ist KQ auf 1 recht stark zurzeit, aber auf 2 kann ich gut dead sein und wenn da jemand mit dem A♥: Gas gibt, wird es schwierig zu defenden.

River $330
1) K♥: 5♠: 6♠: K♣: T♥:
2) 3♥: 9♣: 8♥: Q♥: T♠:

Der BB leadet nun $250, die Dame bezahlt und ich hoffe, dass ich mit KQ oben zumindest die Hälfte des Pottes erhalten werde. Der Reg schmeißt aber einfach weg, weil er nur eine 3 hat und die Dame zeigt K2o für schlechtere Trips auf 1 und nichts auf 2. Also scoope ich den Pot. Das erkennt die Dealerin nicht direkt und will den Pot zwischen der Dame und mir teilen. Da habe ich was dagegen und die Dealerin entschuldigt sich. Die Dame findet das aber gar nicht gut, dass sie ihre Chips nun doch abgeben muss und steht sofort danach wütend auf.

Ersetzt wird sie durch Coco, einem NL 10/20 Reg, der hier jeden Tag sein Unwesen treibt. Sicherlich ein ganz netter Typ, aber den brauchen wir nun wirklich nicht auch noch am Tisch. Als ich nach zwei Stunden immer noch nicht an einen der besser aussehenden 5/10 Tische wechseln kann, entscheide ich mich zum Aufstehen. Vorher hatte ich noch einen Nutflush und ein Gegner setzt $280 in einen $900 Pot, foldet aber auf meinen Shove für seine $1.100 total. Trotzdem sind so wieder $960 Profit zusammengekommen, mit denen ich sehr glücklich bin gemessen an dem Zustand des Tisches und meines Kopfes.

Vielleicht hilft gutes Essen weiter. Ich lasse mir "Comps" ausdrucken, also Punkte, die man für das Spielen bekommt. $2 pro Stunde zahlt das Bellagio aus und diese Punkte können dann in den hauseigenen Restaurants eingelöst werden. So schmeckt der Malaysian Style Rice im Noodles-Resturant direkt doppelt gut. So richtig weiß ich aber trotzdem gerade nicht, was ich mit mir anfangen soll, also lande ich noch einmal auf dem Hotelzimmer und ruhe mich erneut aus samt 45 Minuten Nap. Während dieser Pause plane ich noch den nächsten Tag (Spoiler: wenig Poker, viel Landschaft geplant) und begebe mich dann in Richtung King's Lounge, dem Raum in der WSOP-Arena, in dem Cashgame des höheren Limits angeboten wird. Ich möchte auch hier 5/10 spielen und unterhalte mich während des Wartens mit Clemens, der hier das lustige Spiel 5 Card PLO Double Board Bomb Pot spielt - so ziemlich das ganze Kartendeck ist in jeder Hand im Einsatz und Clemens schnappt sich an dem Abend leckere $8.000 gegen planlose Gegenspieler.


King's Lounge im WSOP-Bereich des Paris-Casinos

Ob ich auch so viel Action sehen werde? Die Antwort scheint schnell klar zu sein: JA. Überraschend, aber wohlwollend nehme ich wahr, dass mein Tisch Gas geben wird. Wir spielen nämlich das sogenannte Stand-Up Game, bei dem alle Spieler stehen müssen bis sie einen Pot gewinnen. Der letzte stehende Spieler muss allen Gewinnern $50 Bounty bezahlen. Das verspricht Action. Nach 20 Minuten stehen nur noch drei Spieler, unter anderem ich. Im Bigblind darf ich aber KQ auf $350 squeezen und postflop auf dem Turn 7♠: 9♥: 3♥: K♥: für $1.200 in den ebenso großen Pot all-in gehen. Mein Gegner tankt ein wenig und foldet. Leider? Zum Glück? Ich nehme den Pot jedenfalls gerne mit. Direkt in der nächsten Hand 3bettet der Button, der auch noch steht, auf $180 und ich sehe JJ im Smallblind, die ich auf $550 4bette. BU bezahlt, foldet aber zügig auf einem AKX-Flop. Guter Start.

Natürlich wird auch hier beim Dealerwechsel ein Bombpot gespielt. Hier Doube Board PLO, also mit vier Holecards anstatt den gewohnten zwei. Ich schaue mir nach anderthalb Stunden folgendes Blatt an: J♠: 5♠: Q♦: 2♥:

Pot $400
1) A♦: T♦: 4♠:
2) 8♣: 9♥: T♣:

Auf 1 habe ich einen Gutshot zu den Nuts, auf 2 habe ich die Nuts. Das heißt nicht viel, da sich beim PLO mit allen Mann involviert vieles ändern kann an den Boards. Trotzdem leade ich hier klein (vermutlich keine gute Line, aber woher soll ich auch wissen, wie das Spiel geht?) $50 und zwei Spieler zahlen, darunter ein Herr, der bisher alle Bombpots verweigert hat, weil er das nicht kann laut eigener Aussage.

Turn $550
1) A♦: T♦: 4♠: 9♠:
2) 8♣: 9♥: T♣: T♦:

Auf 1 bekomme ich einen Open Endes Straight Draw und Bube-hoch Flushdraw dazu, auf 2 halte ich nicht mehr die Nuts. Ich checke, ein Reg setzt $400, der Planlose bezahlt und ich ebenso. Bin mir hier aber unsicher, ob das überhaupt ein Call ist, da ich nur 5 Nut-Outs auf 1) halte und Flushdraws auch gerne mal dominiert sind. Man will schon eher Nutflushes haben. Auf 2) kann ich noch gut sein, kann aber auch tot sein.

River $1.650
1) A♦: T♦: 4♠: 9♠: Q♠:
2) 8♣: 9♥: T♣: T♦: 8♥:

Auf 1 mache ich die 3. Nuts mit meinem Flush, auf 2 recht unverändert. Gerne gehe ich so zum Showdown und checke. Der Reg checkt auch, aber der Planlos am Button nicht. Er will alles spielen und geht für seine $1.340 all-in. Ahh, gefällt mir mittelmäßig gut, aber irgendwie habe ich doch genug Hoffnung, dass ich eines der Boards gegen ihn gewinne. Um den Reg mach ich mir weniger Sorgen an der Stelle, da er vermutlich selbst gesetzt hätte, wenn er ein Board dominiert. Ich calle also, der Reg foldet erwartungsgemäß. "Full House on the Bottom", sagt der Planlose und ich bin erleichtert, dass er keine Ambitionen auf Board 1) hat. Ich drehe meine Hand um und erwarte den Splitpot, als ich seine Hand erst so richtig wahrnehme: AKJT - Da man beim PLO immer genau 2 Karten aus der eigenen Hand nehmen muss, hält er auf Board 1) AT, was gegen meinen Flush mit J5 verliert und auf Board 2) hält er ebenfalls mit AT Trips (AT TT9), was gegen meine Straße mit QJ verliert. Der arme Gegner kann es kaum glauben, verflucht dieses Spiel und schwört, nie wieder Double Board PLO Bombpots zu spielen, während ich den $4.330 schweren Pot einkassiere.

Leider flacht die Action danach deutlich ab, da ein Spieler weder straddlen möchte noch das Stand-Up-Game unterstützt. Der Tisch ist zwar weiter ganz gut zu spielen, aber ohne die großen Feuerwerke. So manövriere ich meinen Stack zwischen $5.000 und $6.000 und stehe um halb 1 auf. $3.560 sind am Ende mehr in meiner Tasche - was soll ich sagen? Zwei Tage Casgame und über $8.400 im Plus. Das hat nichts mit Expected Value zu tun, sondern ist eher als eine Art Lohnvorauszahlung zu werten. Unmöglich kann ich diesen Schnitt auf diesen Stakes halten, also weiß ich es hoffentlich zu verkraften, wenn die ersten Sessions in die andere Richtung ausschlagen. Für den Moment tut es auf jeden Fall gut, das Buy-in fürs Mainevent fast schon wieder aufgeholt zu haben und wer sagt eigentlich, dass es bald in die andere Richtung ausschlagen muss? Ich bin auch gerne bereit, weiter doppelt Spaß in double board bomb pots zu haben!


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Quentin73
Joined: 23.09.2005

sehr geil Konsti, freut mich sehr das es weiterhin läuft.

und danke für die ausführliche Erklärung weiter oben.:f_love:


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Ben186
Joined: 04.12.2023

Einmal so laufen... Nice mach weiter so. Die Blogs lesen sich wirklich sehr kurzweilig und ich freu mich jetzt schon auf den nächsten.


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Hose0206
Joined: 09.07.2008

Ich weiß genau, warum ich jahrelang hier immer mal reinschaue, ob der Herr Konsti wieder mal was blogt. Vielen Dank, dass du uns immer wieder auf deine besondere Art und Weise ein wenig mit nach Vegas nimmst und deine Eindrücke so vereinnahmend teilst.
Ich wünschte nur, ich würde auch mal was von deinen Tipps, die ich aus deinen Posts mitnehme, behalten

Dir und deinen Wegbegleitern vor Ort weiter nur das Beste! Hör bitte niemals damit auf :f_love:


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas WSOP 2024 - Road Trip to $20/$40/$40

Mit großen Plänen und großem Jetlag öffnen sich meine Augen abermals nach vier Stunden Schlaf. Es ist etwa fünf Uhr morgens und ich habe noch drei Stunden Zeit, um den Blog zu schreiben, zu frühstücken und meine Sachen für einen aufregenden Tag zu packen. Um 8 Uhr empfange ich mit Rucksack und zwei Galonen Wasser bewaffnet Mark, der zum ersten Mal in Vegas ist, aber direkt volle drei Wochen mitnimmt, fleißig alle Turniere brickt und trotzdem Bock auf mehr hat. Das heutige Mehr soll dieser Road Trip sein:

Trotz etwas Chaos bei der Enterprise-Autovermietung im Paris, dürfen wir gegen halb neun Richtung Sloan Canyon National Conservation Area fahren - fancy Name für ein Stück Grün bei Google Maps, das in Wirklichkeit wie alles außerhalb von Vegas nur Staub und Stein ist. Unser Ausflug und vor allem unser Mut, bei jetzt schon über 40° C unter freiem Himmel zu laufen, wird belohnt: Wir erklimmen einen Felsvorsprung, von dem aus wir Henderson überblicken und einen Adler dabei beobachten können, wir er Jagd auf Wüstenspringmäuse macht.

Schweißgebadet beenden wir diesen Spaziergang nach dreißig Minuten, um unser zweites Ziel anzusteuern: den Hoover Dam. Endlich, muss ich gestehen. In meinem 16. Vegas-Anlauf schaffe ich es zum ersten Mal zur Haupt-Touri-Attraktion außerhalb des Strips. Heute ist hier recht wenig los, weil es sich einfach anfühlt, als ob permanent jemand mit einem XXL-Fön mit Power-Hitze-Boost vor einem herläuft. Trotzdem überqueren wir den Hoover Dam und somit die Grenze zwischen Nevada und Arizona zu Fuß, lesen ein paar Infotafeln und staunen nicht schlecht über dieses monströse Bauwerk, das einst Wassermengen wie an den Niagarafällen sekündlich verarbeiten konnte, um die Umgebung mit Strom zu versorgen. Es wäre sicher auch spannend gewesen, eine der geführten Touren zu buchen und dadurch ins Innere das Bauwerks zu kommen, aber wir haben aufgrund der Wetterlage andere Pläne.

Vom Hoover Dam aus kann man eine Mautstraße entlang des Lake Mead zum Lake Las Vegas fahren. Mit $25 ist diese Privatstraße ziemlich teuer zu befahren, hat aber den großen Vorteil, dass man nah an den Lake Mead heranfahren kann. Dort gibt es sogar einige Badestellen. Mit Boulder Beach fahren wir eine dieser Stellen an und genießen eine frische Abkühlung im See. Kleiner Spaß – diese Abkühlung war auch 100 Meter vom Ufer entfernt einfach nur eine pisswarme Badewanne. Trotzdem freuen Mark und ich uns über diesen Stopp. Wer kann schon von sich behaupten, mal im Lake Mead bei erstaunlich klarem Wasser schwimmen gewesen zu sein?

Mit komplett nasser Badehose geht es vom Ufer ca. 150 Meter zurück zum Auto. Mit staubtrockener Badehose steige ich ein. Mittlerweile ist es nach Mittag und die Sonne steht im Zenit aka neuem Hitzerekord für Nevada und mich persönlich: 48° C grillen uns bei jedem Schritt. Das Auto verwandelt sich jeweils wenige Sekunden nach Ausschalten des Motors in eine Sauna, aber dank dieser überragenden Erfindung namens Klimaanlage können wir uns während der Fahrt meist recht schnell abkühlen. Unser nächstes Ziel ist Lake Las Vegas, ein künstlicher See, der von einer exklusiven Community bewohnt wird. Anders gesagt: Die High Society von Las Vegas lässt sich hier nieder, um dem Pöbel am Strip zu entkommen. Vielleicht kennt der eine oder die andere hier den Ort aus den Vlogs von Pokerprofi Daniel Negreanu, der neuerdings hier wohnt und schon mehrfach gefilmt hat, wie er mit seinem Golf Cart ins Zentrum des kleinen, italienisch angehauchten Dorfes zu fährt. Gerade aufgrund dieser Aufnahmen fühlt es sich total surreal an, hier zu sein. Es ist kein Mensch auf den Straßen, alle Stühle der Freiluft-Gastro sind angebunden und es wirkt wie eine Geisterstadt. Es ist, als ob wir dem Filmset von Negreanus Vlogs einen Besuch abstatten, aber leider ist der Regisseur und Hauptdarsteller noch im Mainevent und somit ist hier gar nichts los. Aber immerhin hat ein italienisches Restaurant geöffnet und passenderweise läuft dort gerade die heiße Phase des EM-Halbfinals zwischen England und Holland. Unisono ärgern sich alle Europäer in diesem amerikanischen Dorf über das späte Tor der Engländer und philosophieren mit uns über den nicht gegebenen Elfmeter für Deutschland. Ein interessanter Besuch einer supercharmanten Ortschaft ca. 30 Minuten abseits vom Strip endet mit leckerem Bier und Magnum-Eis für unter $2. Hier könnte man sich eine dauerhafte Residency vorstellen – man müsste nur mal eben das Mainevent gewinnen, um sich das leisten zu können.

Noch einmal stehen 30 Minuten Autofahrt an, bevor wir ins Parkaus des Las Vegas North Premium Outlets einbiegen. Über diesen Stopp muss ich nicht viel sagen, oder? Fast jedes Mal, wenn ich Vegas besuche, lande ich auch hier. Calvin Klein? 60% auf alle Produkte und 20% auf den gesamten Einkauf. Aha, Leinen-Pullover knapp $30 statt $120. Nach dem Shopping-Spree stärken Mark und ich uns in der Cheesecake-Factory, wo ich sündhafte 2000 Kalorien Hühnerbrust mit Basilikum-Pesto-Pasta in mir verstaue und schon die Pläne für den kommenden Tag schmiede. Ein weiteres Highlight wird folgen!

Am Stratosphere Tower vorbei biegen wir auf den Las Vegas Boulevard ab und sind auf einmal wieder mittendrin in der Stadt meiner Träume. Um 18:30 Uhr parkt unser Chevrolet Malibu wieder auf seinem angestammten Parkplatz und meine Haut freut sich schon auf eine ausgiebige Dusche im wohltemperierten Hotelzimmer. Was für ein Tag. Ab ins Bett und bis… Moment. Es ist 19 Uhr – wo sind alle anderen? Ach, in der Stadt hier kann man auch Poker spielen? Ohje, das kann ja noch was werden. Ich finde Basti, der 900. Im Mainevent wurde und somit $20.000 gewinnt, Clemens, der mich für meinen Hinweis auf seine 5c PLO-Partie hasst, und Jost, den ich noch gar nicht gesehen habe während dieses Trips, in einem asiatischen Restaurant im Planet Hollywood. Von dort aus ist es nicht weit rüber zum Bellagio, wo die Magie wieder ihren Lauf nimmt.

Ich nehme zusammen mit einer etwas älteren Frau Platz an einem $5/$10 Tisch, der ansonsten wieder so aussieht wie unser erster Stopp beim Roadtrip heute: Staub und Stein. Miserabel! Naja, trotzdem erstmal hinsetzen, KQ im Bigblind gegen ein Raise aus erster Position zahlen, auf ATX x/c und nach Turn x/x am River gegen any Pair zu bluffen für $130. Der Reg zahlt die $130 und ich gewinne den ersten Pot. What? Ja, richtig gehört. Der Reg zahlt am River meinen Bluff, aber das war offensichtlich kein Bluff, weil ich die Hand trotzdem gewinne. Mein Bellagio halt.

Keine fünf Minuten sind gespielt, als die ältere Frau in erster Position $20 bei gespieltem Straddle limpt, ich isoliere sie mit 3♥: 3♦: auf $70 in später Position, aber aus den Blinds 3bettet ein Regular auf $270 (zu klein). Die Frau bezahlt und nun bekomme ich auch einen tollen Preis, um mein erstes Set zu treffen.

Flop $840: 3♠: 7♣: T♠: JA GUTEN MORGEN!
Reg checkt, Frau checkt, ich setze $210. Reg foldet, Frau callt.

Turn $1.260: 2♣:
Sie hat noch $1.520 im Stack und checkt. Da ich sie als eher vorsichtig passiv einschätzen würde, versuche ich mit zwei kleineren Bets ihr Geld zu bekommen. $440 sollen es erstmal sein. Das reicht der Frau aber nicht und sie geht alles andere als vorsichtig passiv einfach mal all-in. Ich calle sofort und schon spiele ich einen $4.300 großen Pot. Der River bringt die Q♥:, aber da hätte auch jede andere Karte kommen können. Die Frau dreht nämlich KJo um für genau 0% Gewinnwahrscheinlichkeit am Turn.

Ich fühl mich hier im vollkommen falschen Film. Wie kann man vermeintlich so schlechte Tische auffinden und so gut rennen? Die Frau beendet ihre Session nach 5 Minuten also und es bleiben tatsächlich nur noch Regs über. Alle hier haben eine Gewinnerwartung. So einen Tisch braucht man nicht lange spielen, aber was sehen meine Augen zwei Tische weiter? Ein $10/$20 Must Move mit drei offensichtlichen Spots mit vielen Chips? Na, das lass ich mir nicht entgehen und beende nach einer halben Stunde meinen Auftritt an $5/$10. Habe ich gesagt, dass der Tisch super aussieht? Ja. Habe ich gesagt, dass $10/$20 gespielt wird? Ja. Stimmt aber nicht. Als ich Platz nehme, ist daraus schon ein $20/$40/$40 Must Move-Tisch mit gelegentlichem $80 Straddle geworden. Übersetzt heißt das: Die Partie ist so viel größer als meine mitgebrachte Bankroll. Es ist, als ob ich in den Outlets heute Mittag nur bei NauticaKids nach passenden Hosen für mich suchen dürfte.

Aber ich bin ich. Heute im wahrsten Sinne von der Sonne geküsst. Ich bin ich. Heute wie jedes Jahr unbelehrbar in Bezug auf das Shot-Taking im Bellagio. Immer wieder sehe ich einmal pro Trip einen unfassbar gutaussehenden Tisch auf diesem Limit und muss es einfach versuchen. Immer wieder falle ich auf die Schnauze und ärgere mich danach, warum ich diesen Varianz-Booster mitgenommen habe. Ja, hier kann man ruckzuck fünfstellige Beträge gewinnen, aber ebenso schnell auch verlieren. Und interessanterweise läuft es hier auch heute wieder komplett konträr zu den $5/$10 Partien. Ich bekomme schnell einige spielbare Hände wie AK, AJs oder T9s, spiele jeweils einen 3bet-Pot (meist $400 preflop) und muss alles aufgeben. Schon nach 20 Minuten kaufe ich zum ersten Mal $1.500 nach, um wieder auf einen Stack von $5.000 zu kommen. Das gleiche Spiel geht weiter und nach noch einmal 45 Minuten kaufe ich erneut $1.500 nach, als mir die glorreiche Idee kommt, gegen einen neuen Reg mit $15k Stack sowie die 3bet eines anderen Reg mit $30k Stack mein A♣: 4♣: zu cold4betten auf $960. Der neue aktive Reg findet, dass das zu wenig Geld ist und 5bettet auf $3.000. War ja einen Versuch wert.

In einer Hand openraise ich im CO 7♠: 8♣: und der Bigblind-Reg bezahlt.
Flop $400: K♣: K♦: 8♠:
Check, ich cbette $100 und fange mir ein Raise auf $350. Call.

Turn $1.000: K♥:
Er checkt, ich auch.

River $1.000: 8♦:
Jetzt liegt ein Fullhouse auf dem Board und er checkt wieder schnell. Ich kann hier gut 99-QQ haben, wobei ich all diese Hände gewiss auch zum Teil am Turn bette. Trotzdem denke ich, dass ich gute Chancen haben sollte, den Splitpot zu vermeiden, wenn ich groß bette. Aber wie groß? Ich entscheide mich für $1.000 und bereue es umgehend, als der Reg nach kurzer Bedenkzeit all-in für meine $3.700 geht. All-in für $3.700 wäre das ideale Sizing für mich gewesen. Ja, wenn er einen King hat, dann hab ich es „verpuntet“, aber den hat er nunmal selten, da Regs ebenso wie Fische eine zu schwache Range haben, wenn sie Turn und River checken. Dieser Datenpunkt kommt mir in den Sinn, als ich am River überlege, ob ich weitere $2.700 zahlen soll in der Hoffnung, einen dann $8.400 großen Pot zu teilen. Und da Regs in diesem Spot overbluffed sind, bezahle ich es auch. Der Reg zeigt J♥: 5♥: für absolut nichts und wir teilen uns den Pot mit dem gleichen Fullhouse. Was lehrt mich die Hand? 1. Ich muss mir meiner Sizings bewusst sein, 2. Die Regs erkennen, dass ich „Shorty“ hier bin und eventuell money-scared herumgeschubst werden kann. Keine gute Situation.

Nach und nach sind auch die meisten Spots am Tisch weg, weil sie Richtung Main Game wechseln müssen. Ich entscheide mich, beim nächsten Dealerwechsel aufzustehen und meinen Loss von über $4.000 zu realisieren. Aber noch ist ja nicht Ende. Erst barrel ich zweimal mit AJs auf einem KT8 X-Board mit Flushdraw+Gutshot und gewinne am Turn. Dann die allerletzte Hand, der neue Dealer steht schon bereit. Im CO sehe ich 8♥: 8♦: und raise auf $120, am BU callt ein neuer Reg und im Blind callt ein anderer Semireg, der gut im Brand ist.
Flop $420: A♦: 9♠: 7♥:
Check, ich checke, BU checkt.

Turn $420: J♣:
Check, nun setze ich $200 mit der Intention, bei einem Call jeden River zu blasten (groß zu feuern). Dazu kommt es nicht, da der Button jetzt auf $660 raist. BB foldet. Was halten wir davon? 1. Ich blocke die Straße, 2. Ich habe maximale Range-Advantage, da ich am Flop oop alles checke. Alles. Also hab ich hier auch AA, JJ, 99, 77, AJ in meiner Range, ebenso T8s. Ne, ne Freunde. Entweder dieser Pot gehört mir oder ich gehe richtig baden: 3-Bet auf $1.400. Der Reg geht in den Tank, damit hat er nicht gerechnet. Eine gute Minute muss ich schwitzen, aber nicht so sehr wie heute Nachmittag in der Sonne. Dann foldet er. SO! Endlich mal ist eine Hand gut gegangen. Durch die letzten Hände kann ich meinen Schaden auch einigermaßen begrenzen und muss „nur“ $2.700 Minus verbuchen, also ungefähr so viel wie ich vorher in 5 Minuten am anderen Tisch mit einem Viertel der Einsätze gewonnen habe.

Es ist 23 Uhr. Zweieinhalb Stunden habe ich gegen „die Großen“ gekämpft und mir mal wieder ein blaues Auge geholt. Das verdirbt mir aber nicht die Laune, denn unterm Strich hatte ich einen ganz fantastischen Urlaubstag erlebt mit überraschendem Ende des Roadtrips an einem Tisch, den ich hier auch trotz der Fische mit vielen Chips einfach nicht spielen sollte. Mit dieser Erkenntnis kann ich wenig später müde aber glücklich einschlafen.


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