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Wer ist Soon?
Original von Carty
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Wer ist Soon?
Soon ist Besitzer dieser Schmuckstücke, nicht zu verwechseln mit Soon, der auch am Tisch saß und Bellagios $5/$10 Haus-Nit mit über 3.000 Spielstunden pro Jahr ist.
Vegas WSOP 2024 – Shot Taking Gone Wrong
Bei dem heutigen Titel erahnt ihr sicherlich schon, was mir widerfahren ist. Hatte ich nicht vor kurzem noch resümiert, dass es keine gute Idee ist, in Vegas Shots zu nehmen? Ich bin mir meiner Linie wieder nicht treu geblieben und musste dafür zahlen. Aber fangen wir mal vorne an.
An diesem Samstagvormittag ist es etwas bewölkt und es lässt sich gut aushalten am Pool. So gut sogar, dass ich über zwei Stunden auf meiner Liege in vorderster Reihe verweile und die Ruhe vor dem Samstagssturm genieße. Mittags leere ich weiter den Kühlschrank auf dem Zimmer und bin gegen 13:15 Uhr nun wirklich fit und startklar für die nächste Session. Als Zielort habe ich mir noch einmal das Wynn überlegt, da die Partie dort recht angenehm zu spielen war beim letzten Auftritt.
Als wir um kurz vor 14 Uhr starten, realisiere ich schnell, dass das hier heute definitiv nicht die Kategorie „angenehm zu spielen“ wird. Zwar sind auch zwei offensichtliche Freizeitspieler mit dabei, aber bis auf einen jungen Regular kaufen sich alle Spieler für das Maximum von $3.000 ein und es wird ab der ersten Hand gestraddelt. Nach 20 Minuten kommt es zum ersten Knall bei mir, als besagter junger Spieler im Smallblind auf $60 openraist und ich im Straddle K♠: K♣: finde. Ich 3bette auf $180 und er callt mit knapp $1.500 total.
Flop $370: 4♦: 7♥: 8♥:
Kein schönes Board, aber wie immer cbette ich nach seinem Check. $70 sollen es sein, aber der kleine Mann von nebenan will lieber $430 haben. Die bekommt er von mir nicht, sondern wenn dann alles: All-in $1.290. Da ich keine Blocker zum Flushdraw habe, spiele ich meine Hand lieber schnell und hoffe, es gegen 99-JJ oder einen Flushdraw reinzubekommen. Meine Hoffnung schwindet nach seinem Snapcall und der Tatsache, dass er 8♦: 8♠: umdreht. Das Board hilft mir an Turn und River nicht weiter und schon sind wir $1.300 down.
Wir spulen kurz vor. Nur knappe fünf Stunden, okay? Fünf Stunden im Brand sind schnell zusammengefasst: Ich bekomme wenige gute Starthände und wenn ich mal involviert bin, muss ich zahlen. Ich gewinne wenige Pötte und schaufle mir ein immer tieferes Loch. In der Spitze bin ich bei $3.300 Minus ohne signifikante Hände, die es zu teilen lohnt. Bei $5/$10/$20 geht es auch schnell: Hier mal eine 3bet $150 - $250, da mal am Flop multiway bezahlen $100, doch mal herausfinden, ob Gegner am River für $300 bluffen – das summiert sich schnell. Aber ich leide nicht darunter. Ich spiele weiter ziemlich entspannt nach bestem Wissen und Gewissen und erdulde die Negativserie wie ein Zenmeister die lästigen Fliegen beim Meditieren.
Wo waren wir stehengeblieben? Mittlerweile ist es 19 Uhr und der junge Reg aus der ersten Hand hat seinen Gewinn verloren und darüber hinaus weiter mächtig Geld gelassen. Er spielt für meinen Geschmack auch zu vorsichtig und ist evtl. etwas money-scared; ähnlich vielleicht zu mir in der großen Bellagio-Partie. Jedenfalls openraise ich T♣: 8♣: im CO, ein Fisch zahlt im SB und er raist aus dem BB auf $220 (zu klein!). T8s sollte trotzdem ein Standard-Fold sein. Ich denke jedoch, dass 1. der Reg im Brand und money-scared gegen mich nicht wild durchbarreln wird, wenn er das Board verfehlt und 2. steigen die Implied Odds (also die Chancen auf einen großen Gewinn) immens, wenn der Fisch auch mit dabei ist und ich Position auf beide habe. Der Fisch foldet nach meinem Call aber.
Flop $490: K♠: 2♣: 3♣:
Endlich mal wieder ein Flop, den ich nicht total verfehle. Der Reg cbettet $170 und ich zahle.
Turn $830: A♥:
Nicht die gewünschte Karte und auch nicht die gewünschte Reaktion des Gegners, denn er setzt weiter: $440. „Diese Preis, gute Preis“, denke ich mir und bezahle, da ich bei einem Flush schon erwarte, dass ich auf Dauer genug Auszahlung von ihm bekommen werde. Sollte ich den Flush verpassen und er checken, gilt wiederum auch Feuer frei mit meinem Read, dass er eher zu vorsichtig sein wird.
River $1.710: 5♣:
Na also, das macht die Situation schon einfacher. Er checkt leider und ich mache das, was ich auf jeden Check bei jeder Riverkarte machen wollte: Ich setze ihn all-in für seine $1.450. In dem Moment, in dem dies passiert, fliegen seine Karten schon in die Mitte und er foldet. Ich nehme also mal an, dass ein Bluff auch gut Chancen gehabt hätte, wenn kein Kreuz gefallen wäre.
Ich gewinne sogar weitere Hände und bin nur noch bei einem Minus von $1.000, als ich die dritte große Hand des Tages nur 15 Minuten später zu vermerken habe. Ein Fisch in Mark Forster-Optik openraist und ich 3bette A♥: A♦: auf $230 aus dem Straddle. Er zahlt – Musik in meinen Ohren.
Flop $475: T♠: 9♥: 2♣:
Ich cbette $120 und er zahlt und die Chöre singen.
Turn $710: 8♦:
Keine allzu schöne Karte. Ich checke, weil Fische wie er doch so gerne setzen, wenn zu ihnen gecheckt wird. Gerne bin ich bereit Turn und so ziemlich jeden River zu callen, aber dazu soll es einmal mehr gar nicht kommen. Mark geht nämlich von sich aus all-in für $1.070. Das überrascht und zeugt von Stärke, doch er kann hier auch schlechtere Hände als AA for Value jammen, daher gibt es keine große Überlegung und ich zahle.
River $2.850: K♦:
Mark dreht J♥: J♦: um. Irgendwie bin ich wieder einmal 100.000 Outs gegen mich ausgewichen wie Neo den Kugeln in der Matrix. „Au Revoir“, darf Mark seinen Chips hinterherrufen und ich freue mich, wieder aus dem Brand zu sein.
Die Freude hält aber nicht all zu lange an, da ich schnell danach wieder im Modus der alles-verlierenden mittelgroßen Pötte bin und ruck zuck wieder bei - $2.000 lande. Mittlerweile spiele ich über 9,5 Stunden hier und die Besetzung des Tisches sah auch schon besser aus. Es ist nach 23 Uhr und drei deutsche Pokerkumpel sind außerhalb vom Strip in einem guten Sushi-Restaurant. Ich zähle noch $1.150 Minus, als ich das Wynn verlasse.

Eine 9,5-stündige Achterbahnfahrt endet im Minus
Und was ist nun mit dem Shot-Taking, das ich eingangs erwähnt habe? Ja, das tat weh – aber dieses Mal nicht monetär, sondern im Kopf. Nach dem Besuch bei Izakaya Go fahren wir zurück zum Strip und landen mal wieder im Ole Red, was sich langsam zur Stammknappe für das Feierabendbier mausert. Die Stimmung da ist gut mit Live-Musik unten und DJ auf der Dachterrasse oben, aber muss man jedes Mal $14 für eine Dose Heineken oder Corona zahlen? Hinterfragt werden solche Entscheidungen jedenfalls heute nicht mehr und ich gönne mir ein paar Dosen on top zu den wirklich leckeren, frisch gezapften Bieren, die es für $4.50 im Sushi-Restaurant gab. Wenn man das vergleicht, tun die Kopfschmerzen gleich wieder doppelt weh. Apropos Kopfschmerzen: Mark hat an seinem letzten Abend noch das dringende Bedürfnis, endlich mal die Jelly-Shots auszuprobieren. Dabei handelt es sich um Vodka-Shots mit Marmelade/Gel/Zusatzstoffen oder allen anderen Abfällen aus dem Chemielabor. Aber hilft ja alles nichts – Vegas ist nur einmal im Jahr. Häufiger brauche ich diese Dinger und den darauffolgenden Kater auch nicht. Um 4 Uhr ist der Abend dann auch rum. Ich kippe mal wieder vollkommen erschöpft ins Bett und bin mir einer Sache sicherer denn je: Morgen werden keine Shots genommen!

Jelly-Shot mit angeblichem Mojito-Geschmack, is klar!
Vegas WSOP 2024 - Absturz auch am Tisch
Nach der nächtlichen Eskapade steht der Sonntag im Zeichen des EM-Finales. Wo können wir das Spiel am besten schauen? Hier gibt es in jedem vernünftigen Casino einen "Sportsbook"-Bereich, in dem die Zocker:innen der Stadt Wettscheine auf alle möglichen Events platzieren und diese dann auf den riesigen Leinwänden verfolgen können. Unüblich für Pokerspieler treffen wir uns schon eine halbe Stunde vor Anpfiff im Bellagio und sind guter Dinge, dass das für gute Plätze ausreicht. Dem ist aber nicht so, da hier doch einige Europäer:innen dem Finale entgegenfiebern. Also weichen wir ins Caesars Palace nebenan aus mit gleichem Ergebnis. Auch hier sind alle Sessel belegt oder reserviert. Die Mannschaften laufen schon aufs Spielfeld ein, als wir immer noch verzweifelt Sitzplätze für die kommenden Stunden suchen. Fündig werden wir pünktlich mit dem Anstoß an der Alto-Bar neben dem Sportsbook im Caesars. Dort wird auf unseren Wunsch hin das Spiel auf mehreren Bildschirmen übertragen und der Ton über sämtliche Boxen abgespielt. Mit diesem Last-Minute-Einfall genießen wir das spannende Finale zu dritt, bevor wir zum Paris zurückgehen, wo wir im Alexxa's gut essen. Danach gilt es wieder Abschied zu nehmen gilt. Mark, den ich erst diesen Sommer hier kennengelernt und mit dem ich direkt einen super Roadtrip hingelegt habe, verlässt die Stadt nach drei Wochen. Mir bleiben weitere fünf Tage Vollgas.

Nach Vollgas ist mir aber absolut nicht zumute. Im Gegenteil: Ich drehe erstmal Richtung Hotelzimmer ab und lege einen kurzen Mittagsschlaf von 16 - 21 Uhr ein. Damit sollte der Hangover vom Vortag wohl besiegt ein. Frisch und halbwegs munter bin ich bereit, endlich mal eine Nachtsession einzulegen. Dazu begebe ich mich absolut on time ins Bellagio, um folgende Ereignisse der Sportwelt in kurzer Abfolge aufeinander mitzuerleben: Erst scheidet Publikumsliebling Kristen Foxen spektakulär kurz vor dem Final Table als letzte Frau aus dem Mainevent aus (NO Punt in my opinion), dann trifft Argentinien in der Verlängerung zum umjubelten Siegtreffer für die Copa America und dann gräbt Konti23 sich wieder ein phänomenales Loch von über $3.000 am $5/$10 Tisch.
Dabei konnte ich nach anfänglich bitterem Start einen ganz netten Bluff gewinnen: BU-Reg openraist $30, ich 3bette im SB A♠: T♠: auf $150 und im Bigblind callt ein Spieler, den ich eigentlich eher als Reg bezeichnet hätte. BU foldet.
Flop $330: K♠: K♥: 8♥:
Cbet $80, call.
Turn $490: 6♦:
Check, bet $220, ich raise auf $700 mit $2.600 total. Er tankt lange und will eigentlich all-in gehen. Geht er aber nicht und ich gewinne einen mittleren Pot, da er dann doch foldet.
Das war mein großes Highlight der kommenden Stunden. Ab da an geht gar nichts mehr. Ich verliere so ziemlich jeden Pot, den ich betrete und schaue mir an mehreren Tischen an, wie andere keinen Flop verpassen können mit ihrem soliden limp/call-Gameplan. Heute fühlt sich die Session so richtig schön nach zuhause an. In der Hohensyburg rennen ebenfalls gerne Leute herum, die alles limp/callen, aber im Showdown immer bockstark sind. Dagegen ist für mich kein Kraut gewachsen und das einzig positive ist, dass ich die Ruhe bewahre und nicht übermäßig viele Hände spiele. Trotzdem tropfen meine Chips nur so dahin, als ob das Bellagio die Atta-Höhle in Attendorn ist.
Gegen 2 oder 3 Uhr nachts befinden sich drei ordentliche Spots mit diesem Spielstil am Tisch. Alle gewinnen Hand nach Hand und sind jeweils über $4.000 deep, während die Regs aus der Röhre gucken. Das nennt man Varianz. Deswegen funktioniert das Spiel. Spaß macht es trotzdem nicht, wenn man immer wieder in seine Tasche greifen muss, um neue Chips nachzuladen wie für einen Netflix-Marathon.
Erst um 4:30 Uhr darf ich meinen ersten mittelgroßen Erfolg verkünden. Der größte Fisch von allen limpt $20 im Highjack, ich isoliere ihn auf $80 im Cutoff mit 9♥: T♠: und er callt.
Flop $195: T♦: 8♦: 2♣:
Er donkt $50 und diesmal habe ich tatsächlich was getroffen. Halleluja! Ich greif sofort in meine Chipstüte und hole 160 Pringles raus. Der chinesische Wal zahlt ohne zu zögern.
Turn $515: 5♣:
Er checkt und ich sehe weiter Value gegen was-auch-immer-er-alles-limp-call-donk-call spielt. Diesmal sollen es 370 Chiochips sein. Das findet er akzeptabel und callt erneut.
River $1.255: J♥:
"Once you pop, you can not stop", wirbt Pringles, aber ich glaub mit meiner Hand sollte ich auf diesem River satt sein. Ich checke also behind und gewinne gegen A8o.
Das ist ein erster Baustein in die richtige Richtung. Etwas später defende ich noch TT gegen das Squeeze eines Regs auf $300 und kassiere postflop noch eine Bet auf einem King high Flop ein, um weitere $500 gutzumachen. Dann squeeze ich selbst A2s gegen denselben Reg am BU + Coldcall einer Nit. Die Nit callt und callt auch auf A-high noch eine Cbet mit QQ und schon ist mein Stack wieder an der $4.000-Marke. Leider streichen nun zwei der drei Wale ihre Segel, sodass ich um 5:30 Uhr guten Gewissens sagen kann: Ich habe hart am Comeback gearbeitet, aber es hat nicht sollen sein. $1.450 Minus gilt es am Ende zu verbuchen. Klingt nicht toll, macht auch nicht viel Spaß, ist aber Teil des Spiels und solange ich die Downs gut verkrafte und weiter bestmöglich spiele, kann ich damit leben. Besonders kann ich mit der besonnenen Entscheidung leben, das Minus trotz positiven Momentums zu verbuchen, als der Tisch einfach nicht mehr das gelbe vom Ei ist. Hoffen wir, dass das erst einmal genug das Verteilens war und die nächste Woche so beginnt wie die vorherige.

Ich hab echt Angst, dass der liebe konti bald wieder in Deutschland ist und wir hier keine geilen Geschichten mehr zu lesen bekommen.
#bitteweiterbloggen
Vegas WSOP 2024 - Is It Over Now?
Nach Verfassen des letzten Blogs checke ich die Bravo-App voller Bereitschaft, heute eine ordentliche Session tagsüber hinzulegen. Doch so richtig viel ist mittags um 14 Uhr erstmal gar nicht los. Im Bellagio laufen nur drei $5/$10 mit Warteliste und ohne $10/$20-Games, was bedeutet, dass vermutlich einige der Top-Regs auf meinem Stammlimit mitmischen. Das reizt mich erst einmal nicht. Die anderen Optionen reizen mich ebenso sehr wie die Flyer-Gurus oder Stripclub-Fahrer, die einen täglich auf dem Las Vegas Strip anlabern. Daher bin ich froh, als Johnnie gegen 15 Uhr fragt, ob wer Lust auf ein late lunch bzw. early dinner hat. Keine Ahnung, wie man die Mahlzeit um 15 Uhr nennt, aber Hunger habe ich auf jeden Fall. Passenderweise haben wir auch beide noch Punkte aus dem Caesars Rewards-System, die man für verschiedene Restaurants am Strip einlösen können. Nach etwas hin und her einigen wir uns auf das Bacchanal-Buffet im Caesars Palace. Hier war ich seit vielen Jahren nicht, aber es gilt immer noch als eine der Top-Adressen für ein umfangreiches, leckeres Buffet mit Spezialitäten aus aller Welt. Gute anderthalb Stunden kämpfen wir uns durch Meze-Platten, Tacos, Fisch- und Fleisch-Spezialitäten und bunte Salate, die erstaunlich frisch sind und nicht dieses abgepackte Einheits-Dressing verwenden, das sonst leider häufig Standard ist. Ich weiß noch, wie ich damals $50 echt happig für so ein Buffet fande, aber mittlerweile liegen wir hier bei $80 – fairerweise muss man sagen, dass der Preis gemessen an der vielfältigen Qualität und im Vergleich zu anderen Restaurantpreisen in Vegas gerechtfertigt ist. Trotzdem muss man erst einmal den Hunger mitbringen, um diese Summe zu verschlingen.

Wir lassen es uns jedenfalls etwas zu lange gut gehen, denn als wir vom Caesars zurück Richtung Bellagio laufen, stelle ich fest, dass meine telefonische Reservierung für $5/$10 vor kurzem abgelaufen ist (2 Stunden hat man Zeit). Also lasse ich mich erneut als Call-in aufschreiben und begleite Johnnie noch zum Pool im Bellagio. Die Sonne zieht sich langsam schon zurück und es lässt sich wirklich gut aushalten auf dieser stilvoll eingerichteten Außenanlage. Nur eine Sache macht uns verrückt: Wir liegen in erster Reihe vor einem Pool mit Springbrunnen in der Mitte. Der Pool ist quadratisch mit einer Seitenlänge von maximal sechs Metern. Wie jeder Pool, ist auch dieser einen soliden Meter tief. Es ist kaum ein Mensch draußen. Im Pool unterhalten sich zwei Erwachsene. Worauf will ich hinaus? Warum zur Hölle muss ein Bademeister Runden um diesen Pool drehen? Der Dude läuft halt nonstop mit seiner Schwimmnudel im Kreis um diesen Mini-Pool, in dem niemand der Anwesenden ertrinken könnte. Aber er macht es. Seine Ablösung macht es auch. Das muss die Arbeitsanweisung sein. Vielleicht trainieren die Bademeister aber auch nur für ihr NASA Assessment Center, denn wem bei dieser monotonen Aufgabe nicht schwindelig wird, der hält im Weltall alles aus.

Ich will meine Ausdauer auch mal wieder unter Beweis stellen. Deswegen entscheide ich mich gegen 19 Uhr, Johnnie am Pool zurückzulassen und mich auf den Weg an einen Ort zu begeben, den ich ebenfalls sehr in mein Herz eingeschlossen, aber in diesem Jahr noch gar nicht besucht habe: Aria, Hotel & Resorts Las Vegas. Allein der Gang vom Bellagio über das Vdara zum Aria weckt bei mir Emotionen. Häufig war ich bisher im Vdara Hotelgast und nutzte die kurzen Spaziergänge durch die sauberen, eleganten Flure, um mich von den zuvor gespielten Sessions zu erholen oder mich auf das nächste Abenteuer einzustellen.
Beim heutigen Gang stelle ich mich auf $5/$10 ein. Als ich ankomme, bin ich rein optisch auch ziemlich angetan vom ersten Tisch, den ich sehe. Leider ist das das Maingame und um daran teilzunehmen, muss ich so lange am Must Move-Tisch spielen, bis ich einen Platz im Maingame bekomme. Der Must Move ist leider alles andere als attraktiv. Hier kämpfen sechs Regs und ein Spot um jeden Chip. Das Maximum-Buyin liegt hier bei $5.000 und in der ersten Hand, die ich sehe, geht auch prompt ein spanischer Reg für das volle Buyin all-in. Actionreich könnte es also werden, aber nur zwischen den Profis mit Gewinnabsicht. Eine Dreiviertelstunde schaue ich mir den Tisch an und stelle fest, dass es sich nicht wirklich lohnen wird, länger hier zu bleiben. Zum Glück gibt es einen Plan-B.

Um 21:30 Uhr betrete ich den Court des P1 Paddle Las Vegas mit meinen Allzweck-Samba-Schuhen. In einem intensiven Doppel unter dem immer noch ziemlich heißen Wüstennachthimmel unterliegen Clemens und ich unseren Gegnern Johnnie und Didi im Paddle-Tennis denkbar knapp. Trotzdem habe ich Spaß daran, mich endlich mal wieder richtig sportlich zu betätigen. Die anderen Jungs waren über den Sommer verteilt häufiger hier spielen und sind auch in Wien mächtig aktiv. Es ist wohl keine Schande, wenn ich da noch nicht mithalten kann, aber Paddle steht weiterhin auf der Liste meiner Dinge, die ich im Austausch zum regelmäßigen Fußballspielen intensivieren möchte. Die Anlage hier liegt ein paar Meilen abseits vom Strip und wenn man schon einmal „raus aus der Stadt“ ist, dann nutzt man das natürlich noch für einen late-night Snack. Beim Japaner Hachi, Gesundheit, gibt es von klassischem Sushi, über Wagyu-Rind-Spieße und Mochi-Eis zum Nachtisch allerhand Köstlichkeiten, die ich mir am Strip selbst nicht leisten könnte. Am Ende ist aber auch zweitrangig, wie teuer die Speisen hier sind, denn beim „Kreditkartenroulette“ performe ich abermals gut und muss die $200 Rechnung nicht übernehmen.

Das könnte schon mein größter Gewinn für den Tag gewesen sein, aber ich gebe den Poker-Partien noch eine Chance, mich eines Besseren zu belehren. Vielleicht gibt es wieder einen interessanten Tisch im Bellagio zu später Uhrzeit. Um 2:30 Uhr nehme ich an einem der drei letzten Tische Platz, lache mich innerlich darüber kaputt, dass hier ein paar Regs mit absolut miserabler Laune sitzen und sich gegenseitig die Chips um die Ohren hauen. Hier bleibe ich keinen Orbit, nehme ich mir vor. Aber leider muss ein Reg mich am River auf 3♠: 3♣: 7♦: T♥: J♥: auf $400 checkraisen. Ich halte J♠: 9♠: und habe Turn und River gesetzt im BB gegen seinen SB. As played, kann ich nicht folden und der SB zeigt 78o. Schön für mich, ich gewinne $400, aber nun kann ich aus Gründen der Etiquette nicht instant aufstehen. Ich harre bis zum Dealerwechsel aus und möchte gehen. Somit bricht der Tisch zusammen, aber der Floor hätte noch Plätze für uns fünf verbliebenen Spieler. Na gut, also schaue ich mir noch den nächsten Tisch an. Ergebnis? Das gleiche in grün. Nur Regs, hier zwar mit besserer Laune, aber NUR Regs. Der letzte $5/$10 Tisch im Raum daneben? NUR REGS. Wahnsinn. Die WSOP neigt sich dem Ende entgegen und offenbar haben alle Freizeitspieler längst den Ausgang gefunden. Gegen drei befreundete französische Pros, zwei Spanier, zwei Japaner und einen Amerikaner muss ich mich nicht weiter beweisen. Nach einer Stunde packe ich meine Sachen und verbuche $204 Profit.
Pokertechnisch soll es schon aufregendere Tage gegeben haben. Ich freue mich aber am Ende des Tages vor allem darüber, dass ich nicht spielen muss. Ich bin kein Profi. Ich muss kein Volumen erzeugen. Wenn ich Bock habe, gebe ich Gas. Wenn die Tische so sind, wie sie heute waren, ist es supertoll, andere Leute in der Stadt zu kennen, die auch mal andere Gedanken als Poker haben. Das erlaubt es mir, nicht so miserabel grinden zu müssen wie die anderen in dieser tristen Bellagio-Nacht. Ich hatte einen tollen Tag mit besonderem Buffet, charmantem Pool, sportlichem Paddel und köstlichem Japaner – und das alles in guter Gesellschaft. Das dürfte mehr wert sein als jede Poker Winrate!
Danke für die genialen Texte!
Was ich mich als online only spieler frage: wie erkennt man Regs an Livetischen in einer fremden Stadt?
Original von Konti23
Pokertechnisch soll es schon aufregendere Tage gegeben haben. Ich freue mich aber am Ende des Tages vor allem darüber, dass ich nicht spielen muss. Ich bin kein Profi. Ich muss kein Volumen erzeugen. Wenn ich Bock habe, gebe ich Gas. Wenn die Tische so sind, wie sie heute waren, ist es supertoll, andere Leute in der Stadt zu kennen, die auch mal andere Gedanken als Poker haben. Das erlaubt es mir, nicht so miserabel grinden zu müssen wie die anderen in dieser tristen Bellagio-Nacht. Ich hatte einen tollen Tag mit besonderem Buffet, charmantem Pool, sportlichem Paddel und köstlichem Japaner – und das alles in guter Gesellschaft. Das dürfte mehr wert sein als jede Poker Winrate!
so true ![]()
gl weiterhin
Original von feinheit
Danke für die genialen Texte!
Was ich mich als online only spieler frage: wie erkennt man Regs an Livetischen in einer fremden Stadt?
Stack, Auftreten, kein Limp/call, Betsizes
Klar, wenn man sich die Zeit nimmt und ein paar Orbits beobachtet.
Hat für mich so gewirkt, als hätte konti das auf den ersten Blick erkannt
lunch bzw. early dinner hat. Keine Ahnung, wie man die Mahlzeit um 15 Uhr nennt,
Linner.
Edit:
Warum kein 2/5 oder auch 1/3? Ist dort die Fischdichte nicht höher als auf 5/10?
Original von feinheit
Klar, wenn man sich die Zeit nimmt und ein paar Orbits beobachtet.
Hat für mich so gewirkt, als hätte konti das auf den ersten Blick erkannt
Einen gewissen Blick bekommt man schon dafür mit der Zeit würde ich mal behaupten.
Wenn da ein alter Opi hockt z.B. kannst schon davon ausgehen, dass der jetzt wahrscheinlich nicht die aktuellsten GTO Ranges am Start hat, ein junger Spund am 20/40 mit Kopfhörer ist tendenziell vielleicht nicht so gut für den Tisch wogegen drei südländisch aussehende Typen mit Goldschmuck umhängt und Rolex die gerade ne Runde Bier bestellen wahrscheinlich für ein bisschen Action am Tisch sorgen werden.
In Stein gemeißelt ist da natürlich auch nix.
Vegas WSOP 2024 – Glückspilz im El Dorado
Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Da meine Frau mich Freitagmorgen direkt am Flughafen abholen wird, um keine Zeit auf dem Weg in die Bretagne zu verlieren, gilt es am frühen Morgen am Telefon die nächste Reise zu planen. Das Telefonat ersetzt meinen Poolbesuch. Ansonsten folge ich meiner täglichen Routine von Müsli, Blogschreiben und Bellagio besuchen.
Es ist bereits 14 Uhr als ein neuer $5/$10 Tisch eröffnet wird und mein Name durch die Lautsprecherboxen des Pokerraums ertönt. Es ist schon merklich ruhiger geworden, stelle ich mit Blick auf die Länge der Wartelisten und die Geräuschkulisse im Raum fest. Es ist sogar so ruhig, dass unser Tisch – neben den Spiel-Automaten gelegen – dauerhaft vom Gedudel der Oktoberfest-Slots nebenan penetriert wird. Wohl dem, wer da noch einen klaren Kopf fürs Pokerspielen behält. Ich versuche es jedenfalls und spiele eine ganze Reihe an interessanten Händen, mit denen ich im Nachhinein nicht immer vollständig zufrieden bin. Ich freue mich, wenn ihr eure Meinungen kundtut, damit ich mein Handeln besser reflektieren kann. Ich werde in diesem Post nicht das Ende der interessanten NL-Hände vorwegnehmen, damit ihr mit mir rätseln könnt. Die Auflösung folgt dann morgen.
Fangen wir „einfach“ an mit zwei Bomb-Pötte beim Dealerwechsel. Beim ersten halte ich A♣: T♠: und checke aus dem Smallblind auf diesen beiden Boards:
Pot $210
1) A♥: T♦: 9♣:
2) A♠: K♥: 9♠:
Am Button setzt ein aggressiver Reg $60, der schon gut im Minus ist und sich nicht voll einkauft. Ich sollte hier ziemlich gut dastehen, wenn er nicht gerade 99 oder AA hält, was sehr unwahrscheinlich ist mit Blick auf mögliche Kombinationen. Ich raise auf $240 und nur er bezahlt.
Turn $690
1) A♥: T♦: 9♣: 5♠:
2) A♠: K♥: 9♠: 8♣:
Hier entscheide ich mich zur kleinen Bet, um ihn vor möglichst große Probleme zu stellen. Gegen einen Potsize-Shove dürfte seine Entscheidung leichter zu fällen sein. Also setze ich $220 und freue mich über seine Reaktion: All-in $710. Call.
River $2.110
1) A♥: T♦: 9♣: 5♠: 4♣:
2) A♠: K♥: 9♠: 8♣: 5♦:
Er dreht A♦: 5♣: um und ergaunert sich sensationell einen Splitpot, da er mit dem River auf Board 2 ein Twopair trifft. Auf Board 1 ist mein Twopair besser als seins.
Den nächsten Bombpot nur einen Dealerwechsel aka 30 Minuten später gewinne ich dann komplett mit 7♥: 8♥:. Der Pot beträgt $450 am River als die Boards so auslaufen:
1) 7♠: T♠: Q♠: K♣: K♦:
2) 8♦: 3♥: 4♠: 9♥: J♥:
Mit dem Backdoor-Flush sehe ich mich weit vorne auf Board 2 und möchte die zwei verbliebenen Gegner, die am Turn gecheckt und somit selbst selten einen Flush auf Board 1 haben sollten, vor eine Herausforderung stellen. Ich setze $400 und es dauert nicht lange, bevor ein Regular zahlt. Der andere Spieler wirft weg und mit einem überraschten „Oh Shit“ vom Gegner gewinne ich den gesamten Pot. Er hat wohl auch auf Board 2 spekuliert.
So viel zum Bomb-Pot-Spaß. Beim normalen Poker folgen daraufhin ein paar Hände mit unklaren Entscheidungen. Die erste ist bereits preflop: Ein sehr tighter Japaner openraist $30 im HJ, ich 3bette dahinter A♦: 2♦: auf $120 und er 4bettet auf $350. Easy fold – ja, ABER. Aber er ist $2.300 deep mit mir und so wie er bisher gespielt habe, werde ich klare Entscheidungen in Position treffen dürfen. Sollte ich ein Ass treffen, muss ich den Pot nicht eskalieren lassen. Sollte ich keines treffen und Villain auf die Bremse treten, finde ich das Gaspedal. So weit der Plan, als wir zum Flop gehen.
Flop $715: 4♥: 4♣: 5♣:
Cbet $160, easy call mit Gutshot ins Glück.
Turn $1.035: 3♥:
Na, wer sagt’s denn? Der Japaner setzt sogar weiter, diesmal $550. Nun die Frage: Raise ich all-in oder calle ich trotz der beiden Flushdraws nur? Ich denke, seine Range mit 4bet, cbet, bet turn ist sehr top-heavy und ich möchte ungerne auf ein Club oder Heart am River einen Herofold von ihm bekommen. Ich entscheide mich also zum Shove für $1.800 total. Was sagt ihr? Eher Callen und any River callen bzw. selbst all-in gehen?
Zwanzig Minuten später openraise ich J♣: J♠: in erster Position auf $30 und wir sehen zu viert den Flop.
Flop $120: 9♥: 8♣: 4♠:
Die Blinds checken und ich checke ebenso zum Button, an dem ein aktiver Spot sitzt. Er checkt behind.
Turn $120: 3♦:
Der Smallblind leadet nun $40 und ich raise auf $150. Nur er callt.
River $420: Q♣:
Er checkt und ich suche dünn Value. Vielleicht herocallt er mit einer 9X, wenn er mir keine starke Hand gibt. Ich setze noch einmal $350 und fange mir nun sein Checkraise all-in für $1.290. Mist! Das sollte nicht passieren. Da ich ihn aber nicht als starken Reg wahrgenommen habe, wollte ich hier unbedingt noch am River setzen. Gegen sehr kompetente Gegner ist die Bet mit JJ zu dünn, da man eben selten von schlechterem gecallt wird und ab und zu das passiert, was hier nun auch passiert: Gegner setzen mich mit einem Raise unter Druck. Kann er das aber? Ihn nehme ich bisher als aufmerksamen Japaner wahr, der Spaß am Spiel hat, auch lachen kann, wenn er Hände verliert und mit seinem nicht allzu großen Stack größtenteils vorsichtig ohne Bluffs bisher auskam. All das sei gesagt, aber ich blocke mit meiner Hand natürlich genau das, was er repräsentieren will. Also: GTO-Call oder Herofold?
In der nächsten Hand straddelt ein neuer starker Reg, UTG minraist ein anderer Reg, daneben callt der aktive Spot die $40, bevor ich im SB A♦: K♥: finde und auf $240 squeeze. Nur der ältere Fisch mit den langen Haaren lässt nicht locker.
Flop $550: 4♥: 6♥: 8♥:
Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grund entscheide ich mich zum Check, obwohl ich auch dieses ekelige Board eigentlich mit meiner ganzen Range im 3bet Pot cbetten möchte. Er checkt behind und schaut sich noch einmal seine Karten an, was ein typischer Tell von schwachen Spielern ist, die überprüfen wollen, ob sie ein Herz in der Hand haben. Hätten sie zwei Herzen, also einen Flush gefloppt, hätten sie es wahrscheinlich gewusst. Suited-Hände lassen sich leichter merken als offsuit.
Turn $550: 9♦:
Es wird nicht besser und ich checke wieder. Nun setzt er sofort $500. Ich traue dem Braten nicht ganz und bin bereit auf jedes Herz und jeden Treffer am River weiter zu zahlen.
River $1.550: Q♣:
No luck this time. Ich checke und er geht erwartungsgemäß all-in. Eine besonders starke Hand gebe ich ihm nicht, aber da er auch 33 oder sowas in einen Bluff turnen könnte, ist es gefährlich mit Ass-hoch zu bezahlen. Was denkt ihr? Call or Fold?
Weiter geht’s mit einer 3bet aus dem Smallblind mit 7♦: 8♦: auf $170 gegen das BU-Open vom sehr tighten Japaner. Er callt.
Flop $350: K♠: 9♠: 4♥:
Ich cbette $90, er zahlt.
Turn $530: J♣:
Gebe ich hier schon auf? Ich bekomme zwar einen Gutshot dazu, aber wenn der trifft, ist jede Qx eine höhere Straße. Trotzdem denke ich, dass ich gegen ihn hier viel Foldequity erzeugen kann und barrel für $340. Er zahlt weiter.
River $1.210: A♠:
Tja, jetzt hänge ich hier mit 8-hoch auf einem Board, dass meine Range sehr gut trifft. Ich kann hier as played AA,KK,JJ,AK,QTs,KJs,99 und ein paar vereinzelte Flushes wie eben 78ss halten. Villain hat noch $820, also zwei Drittel Pot left. Shove oder Aufgabe?
Und weil 7♥: 8♥: eine so schöne Hand ist, habe ich noch einen letzten Leckerbissen für euch. Ich openraise am BU und im BB 3bettet ein neuer „Top-Reg“ – jemand, den ich hier seit Jahren kenne, der sich auch gestern im Aria direkt mit $5.000 maximum einkauft und einen sehr guten Eindruck macht. Muss ich trotzdem defenden für seine $2.500 effektiv.
Flop $305: 6♣: 9♦: T♣:
Sag ich doch, muss ich defenden. Er checkt und ich setze $100. Er calllt.
Turn $505: K♣:
Er checkt wieder und ich muss auch weitersetzen, da ich kein weiteres Kreuz sehen will. Drei sind schon eines zu viel. Ich setze $350 und er callt.
River $1.205: 5♠:
Blank. Er checkt und hat noch $1.800 dahinter. Was ist meine Line? Bet klein? Bet groß? Bet all-in? Oder nitty check-behind, da er sowieso nicht mit schlechterem außer vllt. KK zahlt aber durchaus in der Lage ist A♣:-Blocker zu nutzen, um mich vor eine Herausforderung zu stellen? Will ich das vielleicht sogar gegen gute Regs erstrecht? Bet klein und snapcall gegen Shove?
Ihr seid gefragt. Ich nehme diese Fragen nach einer vierstündigen Session mit und verbringe den Abend dann zunächst mit Clemens. Es geht erneut darum, Caesars Reward Points auf den Kopf zu hauen. Während ich keine mehr habe, gönnt Clemens sich ein 3-Gänge-Menü beim Italiener im Cromwell – da war ich bisher noch nie, möchte aber hier „Giada“ als sehr schickes Restaurant mit schönem Blick auf den Strip erwähnen. Die Preise sind entsprechend happig, aber mein Lachsfilet war schon ein kulinarisches Highlight auf diesem Trip.
Danach folgt noch eine Maßnahme, die selten eine gute Idee ist, aber was soll schon schief gehen? Wir entscheiden uns, unten im Cromwell eine Session „Ultimate Holdem“ einzulegen, also im Casino zu gambeln. Clemens braucht noch ein paar Punkte, um einen höheren Status bei den Caesars-Casinos zu erhalten, um kommendes Jahr günstigere Hotelzimmer zu bekommen und weitere Vorteile zu genießen. Das Haus hat natürlich den Vorteil, aber wenn man es solide spielt, verliert man nicht allzu viel pro Einsatz. SOLIDE MÜSSEN WIR NUR SPIELEN! Unsere Mitspieler am Tisch drängen uns von Anfang an, auch den Trips-Bonus zu setzen. JEDE HAND MACHT JEMAND TRIPS ODER BESSER, sagen sie. Und sie haben recht. Clemens bleibt standhaft, aber ich kann der Verlockung nicht widerstehen. Dauert auch nicht lange, da mache ich Quads für eine 40:1 Auszahlung auf meine $5 Bet. Recht haben unsere neuen Freunde Chris und Drew, man muss einfach den Trips-Bonus mitnehmen.
Zwei Stunden später schätze ich die Situation deutlich anders ein. Mittlerweile bin ich gut down und die Stakes haben sich längst erhöht, um irgendwie wieder even kommen zu können. Chris und Drew haben längst erkannt, dass das Deck kalt wie Eis ist und haben uns allein gelassen. Jetzt hilft nur noch ein Wunder und das Wunder heißt 5♦: 6♦:. Ich habe erstmalig den Trips-Bonus auf $30 geraist, als ich diese wunderschöne Hand erblicke. $25 setze ich auf die Hand und erhöhe meine Ante nicht vor dem Flop. Auf dem Flop 7♠: 8♦: 9♦: darf ich noch 2x Ante setzen und mache das natürlich mit der Straße. Aber ich habe nicht nur eine Straße. „SEVEN OF DIAMONDS, ONE TIME!“ – boom - 7♦: am Turn. Straightflush im Ultimate Holdem hatte ich nicht unbedingt auf meiner Bingo-Karte für diesen Urlaub, aber here I am. Den nehme ich mit. Auf den $30 Trips-Bonus gibt es 50-fache Auszahlung, auf die $25 Ante gibt es 40-fache Auszahlung. Summa summarum werden mir $2.500 rübergeschoben, die mich natürlich aus dem Brand und vor schießen. Leider hat Clemens weniger Glück und muss das Jagen des höheren Status etwas teurer bezahlen.
Als Schmerzlinderung übernehme ich die Rechnung im „El Dorado“, einem Taco-Restaurant wenige Minuten abseits des Las Vegas Boulevards, das neben einem der größten Stripclubs der Stadt liegt. Das Publikum hier ist etwas sketchy, aber das late-night Essen mit am Tisch zubereiteter Guacamole und Happy Hour $5 Tacos ist phänomenal. Johnnie hat diesen Laden vorgeschlagen und uns dorthin begleitet. Das ist also das dritte Restaurant, das ich diesen Sommer off-strip besuche und zum dritten Mal bin ich sehr zufrieden, in diesem Fall gar begeistert. Also: Wer in Vegas zu später Stunde top Tacos zum top Preis braucht, sollte sich das El Dorado merken. Ich fühle mich jedenfalls gut gestärkt in Hinblick auf den letzten Pokertag des Trips. Heute würde ich gerne, sofern es die Partien hergeben, noch einmal ordentlich viel spielen, um mir im Nachhinein nicht allzu viel Kritik von smallorca anhören zu müssen, der vermutlich mein gesamtes Pensum bisher in den ersten drei Tagen abgespult hätte. Drückt mir die Daumen – ich Glückspilz kann es gebrauchen.
