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[NL] Konti: Las Vegas & Daddy-Duties 2025

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P0k3rk1d
Joined: 03.04.2025

Original von Antaris1
:f_love:
Wollte eh gerade vor Freude in die Luft sprinten. Einfach mal Danke für deinen Beitrag, Antaris. Richtig super. 😂👍✅ Ungefähr so wertvoll wie mein Beitrag hier. 😂🍀


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Pat2025
Joined: 17.04.2019

Krasser Blog. Wie viel Mühe du dir gibst. Respekt 🤜 viel Erfolg und Spaß wünsche ich dir 👍


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Diesen Blog bitte unbedingt mit dem Song im Hintergrund lesen

Vegas 2025 - Das Malheur der Woche
Wie zuvor beschrieben: Nach der ewigen Session direkt das Auto abzuholen, wäre kontraproduktiv gewesen. Schließlich hätte ich es auch noch in Vegas teuer zwischenparken müssen, wenn ich mich nicht direkt auf den Weg nach Los Angeles gemacht hätte. Das wäre ohne Schlaf aber einfachnurdumm gewesen. Also kommandiere ich mein Handy, dass es mich nach 3,5 Stunden wecken soll. Viel mehr Schlaf wäre bei dem Jetlag sowieso nicht möglich gewesen. Und schon bimmelt es. Ich werde wach und weiß, worauf es ankommt: Auto holen, Route eingeben und auf dem schnellsten Wege den Highway I15 Richtung LA befahren. Darauf freue ich mich. Nicht unbedingt auf das knapp vierstündige Autofahren, viel mehr auf das Ziel: Riverside, Kalifornien, Wohnort der Schwiegereltern meines Kollegen Marius.

Diesen Wohnort habe ich in bester Erinnerung von deren Hochzeit im Jahr 2019, als mehrere Leute aus meiner Heimat die lange Anreise in Kauf nahmen, um eine unvergessliche deutsch-indische Hochzeit auf amerikanischen Grund zu zelebrieren. Das Anwesen samt Orangen- und Zitronen-Plantage war an und für sich schon beeindruckend genug, doch die drei verschiedenen Fässer Biere, die mein werter Bier-Faschionista Marius für seinen großen Tag bestellt hatte, machten diese Hochzeit endgültig zu etwas ganz Besonderem. Für meinen diesjährigen Besuch hat mein Kollege sich auch schon einiges einfallen lassen, verriet er mir neulich. Darauf freue ich mich enorm, als ich die Adresse ins Navi eingebe und meinen geliehenen Toyota Carolla aus der Parkgarage des Aria Hotels manövriere. Die Vorfreude soll wohl etwas länger halten, denn das Navi zeigt reichlich Verspätung durch Stop-and-Go-Verkehr an. Trotzdem genieße ich die Fahrt und den Wechsel der Szenerie mit jedem Kilometer, in dem das Thermometer weiter Abstand vom Death Valley nimmt. Besonders gut gefallen mir übrigens die Assistenzsysteme dieses Autos, das per Knopfdruck die Geschwindigkeit und Spur hält wie eine gut geölte Schreibmaschine. Ich finde es echt bedauerlich, dass wir in Deutschland noch nicht so recht auf solche Systeme vertrauen.

Nach knapp vier Stunden Stop and Go auf dem Highway I15 geht es rechts Richtung Riverside. 24 Meilen noch. Das Ziel ist also in Sicht und ich schaue noch einmal fix aufs Handy, während mein Auto die Kurven automatisch nimmt wie eine Gogo-Tänzerin. Ein verpasster Anruf. Von Marius. Mehrere Chat-Nachrichten. Von Marius. Was ist da los?

Mein selbstfahrendes Auto ist gar nicht amüsiert, als ich spontan heftig das Lenkrad herumreiße, um die Abfahrt zu meiner rechten noch zu kriegen. Ich halte an der nächsten Tankstelle und bin fassungslos. WAS EIN FAIL! Ich war einfach felsenfest davon überzeugt, dass ich entspannt in Vegas ankomme und nach zwei Tagen den Besuch in LA auf dem Programm stehen habe. Wieso auch noch einmal vor der Abfahrt vergewissern, dass alles beim Plan bleibt? Oder sicherheitshalber nochmal den Chatverlauf lesen? Nein, der Trottel Konti zockt einfach die Nacht durch, quält sich nach drei Stunden Schlaf ab, um noch pünktlich den Mietwagen abzuholen und cruist dann lässige vier Stunden durch die Wüste, bevor ihm auffällt, dass das Treffen gar nicht heute stattfindet. Wahnsinn!

Ich erreiche Marius am Telefon. Er hat seine Schwiegereltern schon vorgewarnt, dass da gleich ein verwirrter Europäer vor der Tür stehen könnte. Ich könne aber auch nochmal 1,5 Stunden weiter fahren und Marius an diesem Sonntagabend bei sich zuhause treffen, aber dann verfallen die guten Pläne und vor allem das leckere indische Essen und das Bier im Hot Tub, auf das ich mich so freue. Was ist die Alternative? Einfach umdrehen und so tun, als wäre nichts gewesen? Vielleicht glauben mir die Blogleser:innen ja, wenn ich berichte, dass ich sieben Stunden am Pool lag oder so.

Ich sammle mich und meine Gedanken und treffe einen Entschluss: Nächster Stop Barstow. Klar. Da muss man mal gewesen sein. Was ist das? Wo ist das? Barstow ist laut Google ein Ort mit 25.000 Menschen mitten in der Mojave Wüste in Südkalifornien. Dort bin ich vor einer Stunde durchgefahren und habe entdeckt, dass die Stadt ein Outlet Shopping Center hat. Welcher Vegas-Tourist hat nicht auch ganz oben auf seiner Liste stehen, dass man das 265 Kilometer entfernte Outlet sehen muss, wenn man schon mal "in der Nähe" ist? Klar.

Ich tanke eben voll, versorge mich mit Drinks und Snacks und fahre wieder auf die I15 auf. Zurück Richtung Vegas. Oh man, muss ich nun schlechte Laune haben. Nach drei Stunden Schlaf vier Stunden in die eine, drei in die andere fahren ohne wirkliches Ziel und das, obwohl ich in Vegas endlich mal wieder vernünftig und viel zocken könnte. Super schlechte Laune sollte ich haben. Habe ich aber nicht. I did that. Ich habe diesen Fehler begannen und kann mich jetzt ärgern. Oder ich habe diesen Fehler begannen und kann ihn jetzt akzeptieren und die neue Situation annehmen: Die Sonne scheint, ich darf mich frei auf amerikanischen Straßen bewegen und die Eindrücke der Landschaft ebenso in mich aufsaugen wie den Energy Drink von der Tankstelle, der überraschend gut schmeckt. Ich fühle also während der einstündigen Fahrt in mich rein und lache herzlich über mich und mit mir. Vor allem aber feiere ich mich, dass ich dieses Malheur als Gewinn verbuchen kann. Shoppen wollte ich sowieso noch und in Barstow geht das sogar ganz gut, da all meine Anlaufstellen direkt nebeneinander platziert sind und ich so innerhalb von einer Stunde meinen obligatorischen Jahreseinkauf an günstigen, amerikanischen Klamotten erledigen kann. Und der Rest der Rückfahrt vergeht wie im Flug. Die Sonne senkt sich langsam. Die Straßen sind frei und am Ende dieser ewig langen Straße tauchen irgendwann diese hellen Lichter auf. Ich spiele den Song, auf den ich mich für diesen Blog dieses Jahr am meisten gefreut habe, in Dauerschleife: The Killers - Bright lights. Ein neuer Song einer meiner Lieblingsbands über eine meiner Lieblingsstädte. Was schreibe ich? Über meine Lieblingsstadt mit Abstand natürlich. Baby, turn the bright lights on 'Cause I haven't forgotten where it is I'm from, Look out your window for me, here I come.

Ich fahre wirklich wieder in Vegas ein. Das ist der Moment, in dem ich wahrnehme, dass ich wieder hier bin. Gefühlt saß ich gestern noch am Schreibtisch im Büro und war mit allem Möglichen beschäftigt, nur nicht mit der Aussicht, wieder in Vegas zu sein. Ich liebe diesen Ort schon sehr und komme immer wieder gerne zurück, auch nach siebenstündiger Autofahrt ohne Ziel. Jetzt habe ich aber noch ein Ziel: Martin einsammeln und den Mietwagen nutzen, um noch einmal bei El Dorado zu essen. Dort war ich vergangenen Sommer mit ein paar Pokerkollegen aus Wien und wir haben es gefeiert, dass uns am Tisch selbst eine überragende Guacamole erstellt wurde. Aber irgendwie hatte ich den Laden näher am Strip in Erinnerung. Ich folge dem Navi blind und nach 20 Minuten Fahrtzeit kommen wir in Summerlin an. Interessant. El Dorado ist wohl eine Kette und wir haben nun die Zweigstelle in einem reichen Ortsteil von Vegas erreicht. Die andere war neben einem Stripclub. Von innen sind die Läden aber deckungsgleich und zum Glück auch vom Geschmack. Wir essen wieder sehr lecker und lassen den Abend gemütlich ausklingen, was für mich bedeutete, fast drei Stunden an dem Blog von Tag 2 zu schreiben. Aua.

Unterm Strich blicke ich also auf einen tollen Tag mit dem einen oder anderen Fauxpas zurück, aber das wirft mich emotional nicht aus der Bahn. Mir geht es gut hier und ich freue mich schon, kommenden Sonntag wieder nach Los Angeles zu fahren und wieder nach Vegas zurück zu kommen. You know, I think it's gonna be alright. Just take me back and let me sing my song. Turn the bright lights on


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groovechampion
Joined: 07.05.2009

Schade, dass Dr. Gonzo und der Kanister Äther nicht dabei waren.
Ansonsten einfachnurepic!


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Mofatoy
Joined: 15.12.2023

Bei Barstow habe ich irgendwie Fast & Furious im Kopf :f_love:


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AdoRn0
Joined: 27.06.2015

Original von Mofatoy
Bei Barstow habe ich irgendwie Fast & Furious im Kopf :f_love:

:f_drink:

Original von Konti 23
Ich habe diesen Fehler begannen und kann mich jetzt ärgern. Oder ich habe diesen Fehler begannen und kann ihn jetzt akzeptieren und die neue Situation annehmen: Die Sonne scheint, ich darf mich frei auf amerikanischen Straßen bewegen und die Eindrücke der Landschaft ebenso in mich aufsaugen wie den Energy Drink von der Tankstelle, der überraschend gut schmeckt. Ich fühle also während der einstündigen Fahrt in mich rein und lache herzlich über mich und mit mir.

A++ Mindset einfach :heart:


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Konti23
Joined: 22.02.2008

"I'm not going back to Barstow" :f_p: Ich wusste nicht, dass ich an einem weltberühmten Ort war. Hier ist gerade Dienstagmittag und tote Hose, aber ich kann schon mal spoilern, dass es die nächsten Tage doch kein Pool-Hopping geben wird, da der Pool im Caesars Palace alle Erwartungen übertroffen hat.


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sarkozysyndrom
Joined: 14.05.2011

Millennial cringe, nice 8-)
4h durch die Wüste fahren um im Outlet zu shoppen ist für Amis btw ein ganz normaler Sonnabend


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas 2025 - Müder Montag
Ich habe Hunger. Ich muss noch einkaufen. Ich will ins Fitnessstudio gehen. Ich brauche die nächste Pokersession. Das sind ungefähr die ersten Gedanken, die meinen Kopf durchqueren, als ich am Montagmorgen aufwache. Mir gelingt es, diese Ideen elegant zu verknüpfen und schon sitze ich wieder im Auto. Erster Stopp: Supermarkt. Zweiter Stopp: Frühstücken und zwei Stunden bouldern in der 15 Minuten entfernten Halle The Refuge Climbing Center. Dritter Stopp: MGM - Martin abholen. Vierter Stopp: Am Cromwell innerhalb von 15 Minuten die $150 Einkäufe vom Supermarkt ins Hotelzimmer schleppen, bevor das Parkticket von $0 auf $20 springt. Fünfter Stopp: Im Aria den Mietwagen abgeben und Poker spielen.

Im Aria ist an diesem Mittag aber noch nicht viel los, also laufe ich eine Station weiter ins Bellagio. Dort finden zwei $5/$10 Partien statt und ich darf um 14:15 Uhr am Must Move-Tisch Platz nehmen. Der Tisch sieht erstmal ganz okay aus, obwohl drei bekannte Bellagio-Regs mit an Bord sind. Nicht okay hingegen verläuft meine Session. Ich bin zu keinem Zeitpunkt im Plus und verliere nach knapp einer Stunde einen größeren Pot:

In früher Position eröffnet ein älterer Regular, der relativ geradeaus pokert. Im Big Blind sitzt ein Spot. Ich bin im SB und calle spekulativ mit Q♣: 8♣: da wir deep sind und ich postflop ganz gut weiß, wo ich stehen sollte. Der BB callt auch.

Flop $90: J♦: T♥: 6♣:
Wir checken und der ältere Reg cbettet direkt groß für $100. Mist. Ich zahle mit meinem Gutshot und Backdoor-Draw und der BB bleibt ebenso dabei.

Turn $390: 7♣:
Aha - mehr Equity für mich, die Boarddynamik verschiebt sich und ich habe den Blocker zu den Nuts. Resultat: Ich leade $220, aber bin nicht darauf gefasst, dass der Bigblind nun auf $850 raist. Hat er wohl trotz meines Blockers auch die Nuts? Der Preflopraiser glaubt ihm jedenfalls und foldet, aber ich bezahle mit Hoffnung auf ein Kreuz in erster Linie oder eine 9 für den Splitpot oder mehr?!

River $2.190: 2♥:
Leider kein Treffer. Ich check-folde und bin nun $1.200 im Minus.

Eine weitere Stunde und mehrere verpasste Hände später sind es schon $2.300 Minus und der Tisch wird immer schlechter. Meine Laune auch. Ich erkenne, dass ich trotz Minus einfach gehen kann und das beste aus dem müden Montag herausholen kann. Also schreibe ich Martin und der ist ebenso bereit, seine Session im Aria zu beenden und mit mir ins Arts District zu fahren. Super, nur noch zwei Hände und dann ist Schluss. Ein Dejavu zur Aria-Session vorgestern kommt in mir hoch, als ich UTG in meiner letzten Hand 7♣: 7♠: auf $40 eröffne, weil im CO ein mir bekannter $10/$20+ Regular namens Jeff seine erste Hand spielt und daher $10 posten musste. Neben mir callt ein Spot die $40 und natürlich, selbstverständlich, auf jeden Fall, ohne Frage kommt SOFORT und gesnappt das Squeeze auf $200 von dem Regular. Ich weiß just in diesem Moment, was in der Zukunft geschehen wird: Ich werde zahlen und der Typ wird einfach weiter auf jeder Street setzen, setzen, setzen bis ich aufgebe. Werde ich aber nicht. Mit dem Read, dass er overbluffen wird, nehme ich mir preflop schon vor, einfach immer zu bezahlen, sofern mein Paar noch ansatzweise als Bluffcatcher durchgeht. Also: CALL nummero uno. Der Spot foldet.

Flop $450: T♠: 6♠: 4♦:
Here we go, ein Paradeflop für einen Bluffcatcher mit 77. Ich checke, Jeff cbettet $120, Call nummero dos.

Turn $690: 3♦:
Check, $450 natürlich, Call nummero tres.

River $1.590: 2♥:
Check, ja sicher all-in $1.730. Was will ich mit 77 schlagen? Was will Jeff da haben? Erste Hand, sofort ein großes Overpair und maximum Value vom dummen Deutschen in seiner letzten Hand holen? Why not. Oder irgendeine unnötige :5x: Hand squeezen und sofort mit einer geriverten Straße belohnt werden? Why not. Naja, it is what it is. Mein Plan steht und ich zahle zügig sein All-in, bereit mit $4.800 Minus die Session zu beenden. Aber dazu kommt es nicht. Stattdessen bin ich auf einmal wieder knapp im Plus. YES SIR, der Herr dreht Q♥: J♥: um für absolut gar nix außer einer GTO-Barrel-Hand.

In der Stunde zuvor haben mein Sitznachbar und ich uns gefragt, ob der Tisch hier ins Guiness Buch der Rekorde eingehen wird mit den meisten aufeinanderfolgenden Händen ohne einen Flop zu sehen. Mausetot war der Tisch. Null Action. Nada. Und dann kommt Jeff um die Ecke und baut direkt einen $5.000 Pot auf - what a wind of change. Am liebsten hätte ich ihm einen Strauß Blumen besorgt, aber noch bevor ich die Chips aus dem gewonnenen Pot stapeln konnte, findet ein Dealerwechsel statt und wir spielen einen $30 double board bomb pot. Ich bleibe aus Poker-Etiquette noch am Tisch, da man nach einer großen Hand nicht direkt aufstehen sollte. Meine Hand für den Bomb Pot ist 2♦: 4♥: und wir sehen folgende Boards zu fünft:

Pot $150
Flop 1: K♣: 4♦: 2♠:
Flop 2: 9♥: 5♠: J♥:
Ich checke als Erster und ihr wisst, was geschieht. Jeff hat natürlich sofort wieder $2.500 nachgeladen und macht da weiter, wo er aufgehört hat: Bet $30. Nur ich calle mit 2Pair auf dem einen und Nada auf dem anderen Board.

Pot $210:
Turn 1: K♣: 4♦: 2♠: - 4♠:
Turn 2: 9♥: 5♠: J♥: - A♦:
Oh, nette Aussichten mit Full House auf dem einen und nun auch einem Gutshot auf dem anderen Board. Ich checke und ihr wisst, was geschieht: Jeff feuert $130. Ich calle abermals.

Pot $470
River 1: K♣: 4♦: 2♠: - 4♠: - A♥:
River 2: 9♥: 5♠: J♥: - A♦: - 8♦:
Full House auf Board 1 und Nut Low aka nichts auf Board 2. Wenn ich check-calle, splitten wir den Pot aller Wahrscheinlichkeit nach. Jedenfalls kann ich niemals den ganzen Pot gewinnen, wenn ich passiv bleibe. Aber es gibt eine Möglichkeit, den Pot ganz zu gewinnen: Ich checke und ihr wisst, was geschieht: Jeff kann es einfach nicht lassen und feuert $260. Gegen A4, K4, KK und AA verliere ich das Buy-in sofort wieder an ihn zurück, aber gegen sieben Millionen andere Hände besteht die Chance, dass er foldet, wenn ich auf $840 raise. Ich raise also auf $840 und Jeff foldet sofort. Dankeschön! :f_love:

Eine weitere halbe Stunde bleibe ich am Tisch, der mit zwei weiteren Regs gefüllt wird, bevor wir den Arts District Plan verwirklichen. Ich cashe nach dreieinhalb Stunden $530 Gewinn aus und finde mich wenig später in der Nevada Brewworks Brauerei wieder.


Nach einem leckeren IPA und vier leckeren Test-Bieren ziehen wir weiter.


Nach Zwischenstopp beim Mexikaner nehmen wir noch eine Runde in der HUDL Brewing Company, bevor die um 21 Uhr schließen.


Wer dann noch nicht genug hat, darf bis 23 Uhr im Able Baker ein paar Häuser weiter versacken.

Lecker war's. Und die Atmosphäre im Arts District ist eine willkommene Abwechslung zum Strip. Alles ruhig, alle locker, alle gut drauf. Ich bin Andrew Neeme zu großem Dank verpflichtet, dass er mir dieses Schätzchen in einem seiner Vegas-Vlogs irgendwann einmal gezeigt hat. Glücklich, leicht angetrunken und reichlich müde falle ich an diesem Montagabend gegen Mitternacht ins Bett und weiß einmal mehr, dass ich das Beste aus dem Tag herausgeholt habe. So darf es weiter gehen!


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Konti23
Joined: 22.02.2008

So - endlich wieder on pace mit den Blogs :f_drink: Ab ins Wynn!


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ElhombreAlleman
Joined: 01.06.2017

Versorg uns weiter, wie wir es brauchen. :megusta:


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Head Admin
SvenBe
Joined: 19.04.2006

Bier mit 12.4 Umdrehungen? Das ist ja schon fast Bier-Schnaps.


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Trainee82
Joined: 24.10.2007

Prost :f_drink: Konti, brauchst du vielleicht Euros im Tausch gegen Dollars ?
Bin ab nächster Woche, 24.04 vor Ort. Hab zwar noch Munition, aber hätte gerne noch ein bischen was als Puffer.


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Coach
FaLLout86
Joined: 22.02.2005

Endlich wieder Konti Blog :f_love:
Feier deine Berichte sehr!


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Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas 2025 - Tiefenentspannt in den Abgrund

Den Vormittag verbringen Martin und ich am Pool im Caesars Palace. Einfach mit Badeshorts und Badelatschen einmal den Las Vegas Strip überqueren, durch das Casino-Labyrinth navigieren und am Pool-Empfang die nötige Anzahl an Handtüchern mitnehmen und schon befindet man sich in einer sehr großen, ruhigen, sauberen Pool-Landschaft mit bequemen Liegen und angenehmer Lounge-Musik. Im länglichen Neptunbecken kann man sogar ein paar Bahnen um Slalom-Schwimmen, sofern das ca. 1m tiefe Wasser nicht zu überfüllt ist.

Nachdem es morgens sogar mal wieder etwas geregnet hat, genießen wir nun bei 30° C einen strahlend blauen Himmel und erholen unsere Augen noch einmal. Das gefällt mir so gut, dass ich nach den zwei Stunden am Pool auf dem Hotelzimmer auch noch einmal zur Ruhe komme, die ausstehenden Blogs verfasse und erst um 16 Uhr die ersten Pokerkarten unter meinen Fingerkuppen spüre. Die Karten gehören zum Hause Encore, wo vier $2/$5 und ein $5/$10 Tisch laufen. Nach 45 Minuten an $2/$5 mit $327 Minus wird ein Platz an $5/$10 frei. Auch dort verliere ich zunächst reichlich Pötte und rutsche auf bis zu $1.200 Minus an einem abermals sehr trockenen Tisch voller asiatischer Pros. Irgendwie gelingt es mir zurzeit nicht, Hände zu treffen - zumindest keine besseren Hände als meine Gegner am Showdown aufweisen. Und wenn das der Fall ist, gibt es nur einen Ausweg: keine Showdowns mehr. Da der Tisch sowieso sehr passiv ist und ich hier seit Stunden keine Hand habe, werde ich nach und nach preflop aggressiver. Zwei 3bets und eine 4bet mit KQo funktionieren spätestens mit der Cbet und so krabbel ich langsam aber sicher aus meinem Loch. Der Tisch ist und bleibt aber staubtrocken und kirnau aus dem Forum hier schlägt noch mal einen Besuch im Lemongrass vor. Das kann ich nicht ausschlagen, also verlasse ich das Encore mit $127 Plus an $5/$10, also insgesamt $200 Minus, nach viereinhalb Stunden unspektakulärer Pokeraction.

Nach dem ersten Dinner bei Lemongrass fand ich am Samstag einen sehr spannenden $5/$10 Tisch nebenan im Aria vor. Voller Hoffnung mit vollem Bauch betrete ich um 22:30 Uhr diesen Raum erneut, aber diesmal sieht der $5/$10 Tisch alles andere als spannend aus. Stattdessen startet bald ein neuer $2/$5 Tisch mit rein optisch sehr interessanten Gegenspielern. Die Action ist von Anfang an gut und ich weiß, wie ich hier vorgehen muss, um erfolgreich zu sein: Hände treffen please.

Spätestens nach anderthalb Stunden kann ich aber festhalten, dass dieser Plan einmal mehr nicht aufgehen wird. Da isoliere ich aus den Blinds im Straddle mehrere Limper auf $70 mit 99 und cbet/3bet den Flop 448 auf $750 gegen zwei Spieler. Der erste Overcaller schiebt daraufhin sofort $1.500 rein und somit ist dann doch klar, dass mein Overpair beat ist. Ich folde und der Spot zeigt 42s. Bravo. Asse muss ich auch noch folden, AK trifft mehrfach nicht und schon steht man wieder bei $1.900 Minus an einem wirklich guten Tisch. Leider ist aber dieser gute Tisch nach zwei Stunden Geschichte. Kurz nacheinander stehen vier Spieler auf und der Rest soll auf die anderen Tische verteilt werden.

So nehme ich um 2 Uhr an Tisch 19 Platz. Augenscheinlich dreht sich hier alles um einen Inder, der viele Chips hat und alle Hände spielt. In den ersten zehn Minuten habe ich drei gute Starthände und treffe zur großen Überraschung meiner selbst auch noch postflop, sodass ich ruck zuck $900 aufhole und nur noch bei $1.000 Minus bin. Hätte mir nicht jemand vorher sagen können, dass ich nur eben den Tisch wechseln muss, um zu treffen? Wie gesagt, das war nach zehn Minuten. Nach 20 Minuten bin ich wieder bei $1.900 Minus, da der nun leicht tiltende Inder mein UTG Open mit A♥: K♣: aus dem SB auf $125 3bettet. Wir sind $1.800 deep, also call ich nur.

Flop $250: A♠: K♦: J♣:

Der Inder checkt, ich auch - in der Hoffnung, dass er dann auf den weiteren Streets ausrastet wie schon häufiger in den letzten Händen.

Turn $250: Q♠:

Nun legt er los mit $125 und leider kann ich nur noch passiv weitermachen. Call

River $500: 6♦:

$400, snapcall von mir. Oh, QQ - schade.

30 Minuten später die nächste Konfrontation mit diesem Inder, der mich mit QQ preflop 4bettet. Erneut calle ich preflop nur, um seine Range weit zu halten. Postflop geht er sofort für $800 in den $900 Pot all-in auf T♠: 3♦: 6♥: - Ich calle selbstverständlich gegen den weiterhin viel zu weiten Google-Mitarbeiter und darf ihm kurz darauf meinen Stack zuschieben, da er AA umdreht. Langsam wird es deftig. $3.500 Minus, aber kein Tilt oder Frust - der Tisch ist gut, hier kann man locker ein Comeback schaffen, also Rebuy $1.500.

20 Minuten später open ich 99 early für $25, im SB callt ein weiterer Spot und der Inder im BB raist mal wieder preflop - diesmal $125. Beide callen.

Flop $375: T♥: T♠: 5♠:

SB check, Inder cbet $175, ich calle und der SB geht nun all-in für $670. BB snapfoldet. Joa, denke dass 99 da oft noch gut sind gegen 88-66 und Flushdraws, außerdem gilt es diesem Spieler locker 10% Randomness-Range zuzuschreiben. Also call, also ATo bei ihm, also wieder $1.000 weg. Langsam reicht’s.

5 Minuten später openraist der Google-Master $30, ich 3bette T♠: T♣: auf $150 aus dem SB. Call.

Flop $300: Q♠: 9♥: 7♦:

Ich cbette $60 und er snapraist sofort auf $200. Das ist eine ähnliche Situation wie mit dem Bellagio-Reg gestern. Ich weiß halt, dass er hart overblufft und deswegen sollte ich alle Bluffcatcher verteidigen. Mir gefällt nur hier nicht, dass er sofort raist und ich mit TT alle nur erdenklichen Semibluffs blocke. Naja, trotzdem call.

Turn $700: 4♣:

Ich checke, er setzt $500 und ich habe nur noch weitere $500 dahinter… Er hat mir bisher nur Winner am Showdown um die Ohren gehauen, aber ich nehme auch wahr, wie er ansonsten links und rechts blufft und viel zu weit ist. Ich bringe den Fold nicht mehr übers Herz und calle und bin damit so gut wie pot-committed.

River $1.700: 9♦:

Check erneut und er geht natürlich für meine letzten $500 all-in. Tja… Wäre ich maximal tilt, würde ich es wohl schon längst bezahlt haben. Nun sitze ich hier mit $4.800 Minus und weiteren $850 investiert in diesen Pot und hätte allen Grund, Dinge erzwingen zu wollen, aber mein Bauchgefühl sagt mir was anderes. Mir fällt wirklich gar keine Hand ein, die da noch bluffen sollte. Dass er any Q raist und barrelt, halte ich für möglich. Vielleicht gar eine 9, die nun Trips macht. Auf jeden Fall ist er auch nicht ganz so blind und wird spätestens an seinem enormen Stack gemerkt haben, dass ich unendlich down bin und vermutlich keine große Intention zu Folden habe. Also folge ich meinem Gefühl, entscheide mich gegen die Heuristik zum Calldown und werfe die TT nach reiflicher Überlegung in den Muck. “Huu, you almost gave me a heart attack”, seufzt der Inder und dreht A5o um. Wow - nicht mein Tag. Rebuy.

10 Minuten später habe ich noch zwei Hände gegen ihn verloren und stehe bei satten $6.000 im Minus. Und das ohne die gaaaaaanz extreme Action. Die Pötte sind preflop noch human, der Inder spielt zwar über 80% aller Hände, aber nicht blind aggressiv. Es geht einfach nur Pot für Pot gegen mich und das seit nunmehr knapp zwei Stunden an diesem Tisch. Ich atme weiter ruhig, fühle viel in mich rein, aber kann mir nichts vorwerfen. Klar, hätte ich TT wie ursprünglich gecallt, sähe es was besser aus. Hätte ich hier oder da einen Fold mehr gegen den Inder finden können? Zum Beispiel in der AK-Hand? Ich denke nicht. Hätte ich vielleicht preflop krasser isolieren müssen? Das kann sein, aber ob die Resultate dann besser wären, sei mal dahingestellt. Ich bin jedenfalls nach wie vor nicht wütend oder in Rage, sondern schätze diesen Tisch um 4 Uhr morgens einfach immer noch als attraktiv zu spielen ein. Also folgt ein weiteres Rebuy, sodass ich nun mit $7.400 in einer $2/$5 Partie investiert bin. Groß ins Plus werde ich wohl nicht mehr kommen, aber ich bin gewillt, die nächste Hand vernünftig zu spielen und hoffentlich wenigstens etwas zurückzukommen.

So eröffne ich 6handed K♦: J♥: auf $20 und vier Leute zahlen.

Flop $100: J♠: 8♣: 2♥:

Alle checken zum Button. Da sitzt der Spot aus der ATo-Hand, der zwar eher passiv, aber auch deutlich zu weit unterwegs ist. Er setzt $55 und im SB callt unser indischer Freund. Ich sehe mich da mit KJo ziemlich weit vorne und check-raise auf $200. Der Button callt und der Inder ist raus.

Turn $555: J♣:

Super Sache. Wenn er einen Jack hat, setzt er sicher von selbst. Gegen 88 und 22 bin ich halt kaputt, aber ansonsten wird er vieles folden, wenn ich auf die Karte weiter setze. Also checke ich zu ihm und bekomme die guten News, als er selbst setzt: $275 sollen es sein. $995 sollen es aus meiner Sicht sein, denn ich gehe all-in gegen alle Kombinationen von JX, die noch möglich sind sowie weiteren Randomness-Händen. Er snapcallt NICHT. Endlich! Endlich mal sieht es gut für mich aus. Er tankt ne ganze Weile. Mit jeder Sekunde mehr möchte ich den Call mehr. Schließlich nimmt er seine Karten hoch, sodass der Inder sie sehen kann. Mit viel Bauchschmerz schiebt er $1.000 über die Mitte und signalisiert damit den Call. YES! But wait. Der Inder guckt seinen Sitznachbarn verwundert an und sagt “You’re way ahead, what are you waiting for?” Während der Inder das sagt, geht der River auf.

River $2545: 9♥:

Noch bevor ich meine, wie ich denke, sehr starke Hand zeigen kann, wirft der Spot AJo auf den Tisch. Oookay, das war es dann nun wirklich heute für mich.

Ich schnappe mir mein Wasser und spaziere sehr langsam mit extra Umweg nach Hause ins Cromwell. Fünfeinhalb Stunden $2/$5, $7.400 US amerikanische Dollar Verlust. Das ist Rekord für mich. Fühlt sich doof an - Überraschung. Aber ich reflektiere meine Hände und hole mir noch Vergewisserung in der WhatsApp Gruppe mit zwei Freunden - groß was vorzuwerfen habe ich mir nicht. Wer das hier bei einer Hand anders sieht, darf das gerne kundtun. Ich will ja weitere Fehler vermeiden. Jedenfalls drehen sich meine Gedanken recht schnell nicht mehr um die exakte Session, sondern um strukturelle Problem: Ich brauche mehr Cash, um in den kommenden Tagen für weitere Partien gewappnet zu sein. Damit mir das gelingt, konnte ich vorhin noch glücklicherweise $5.000 von kirnau erhalten, bevor er und sein Kollege diese wundersame Wüstenstadt bis auf Weiteres verlassen haben. Danke dafür! Nun liegt es an mir, wieder befreit und unbeschwert aufspielen zu können. Befreit. Unbeschwert. Präsent. Optimistisch. Let’s do it!


Antwort
Zitat
Konti23
Joined: 22.02.2008

Original von Trainee82
Prost :f_drink: Konti, brauchst du vielleicht Euros im Tausch gegen Dollars ?
Bin ab nächster Woche, 24.04 vor Ort. Hab zwar noch Munition, aber hätte gerne noch ein bischen was als Puffer.

Wenn sich die Anfrage nicht durch den letzten Blog erledigt haben sollte :f_mad: -> Am 24.04. bin ich schon wieder zuhause, also werden wir uns nicht mehr hier sehen.


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topspit
Joined: 07.02.2008

Immer wieder ein Genuss deine Berichte zu lesen lieber Konti :) :heart:


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Coach
Paxis
Joined: 01.11.2006

Konti beste. Eigentlich müsste er noch ein "Blog Experte" Abzeichen bekommen :pcuser:


Antwort
Zitat
Konti23
Joined: 22.02.2008

Vegas 2025 - Keine Chance gegen offene Bücher
Der Tag nach einer katastrophalen Session ist immer kritisch. Selbst wenn man meint, dass man den Niederschlag verdaut hat, drückt er irgendwo tief im Inneren immer noch. Entsprechend gedeckt ist meine Stimmung, obwohl der Tag nach drei Stunden Schlaf mit einer guten Neuigkeit beginnt, als kirnau mir $5.000 aka neue Munition vorbeibringt. Im Anschluss daran habe ich eine über zweistündige Online-Videokonferenz, währenddessen ich zumindest teilweise den Blog zum Desaster verfassen konnte. Es fühlt sich immerhin gut an, die Erinnerungen vom Vortag aus dem Hinterkopf zu schreiben. Weitere Körper- und Geistpflege folgt in einer zweistündigen Session im Gym, die ich komplett durch Musik ala Architects aus dem letzten Blogpost begleiten lasse. Immer raus mit den Aggressionen.

Als ich dann gegen 16 Uhr im Bellagio ankomme, türmen sich die Aggressionen immer mir aber schneller wieder auf als die Schneemänner auf dem Schulhof bei Wintereinbruch in Wuppertal: 1. Das Main-Game sieht beschissen aus. 2. Der Must-Move soll geöffnet werden, dann doch nicht, dann doch. Am Ende sollen wir zu 6. starten, ein Freizeitspieler verneint dies und dann soll es eben zu fünft losgehen: Konti vs. vier Japaner. BRAVO. Wir spielen zwei Hände, da kommt Sunshine - ein weiterer bekannter bunter Hund aka $10/$20 Reg an den Tisch. Schwups, alle vier Japaner quitten sofort. BRAVO². Ich darf Sunshine dreimal erklären, dass ich kein Interesse auf Heads-up gegen ihn habe und auch 3way mit einem weiteren Reg und 4way mit einem weiteren Reg verneine ich höflich mit einer Fuck-you-Grimasse, die dem Floorpersonal nicht entgeht. Die Floor-Lady flüstert mir noch zu, dass das eine gute Entscheidung ist und ich gleich ins Main Game kommen werde.

Dort lande ich nach 45 Minuten und es ist wirklich so schlecht, wie es von außen aussah. Aber sicherheitshalber wird es mit dem nächsten Dealerwechsel noch viel schlechter, da drei tighte Regs aufstehen und natürlich von den drei bekannten Regs ersetzt werden. Nach 45 Minuten streiche ich die Segel und gehe mit $365 Minus zum Hotel zurück, da einmal mehr meine Asse kaputtgegangen sind in einem mittleren Pot. Im Hotel kann ich nochmal gute vier Stunden Schlaf tanken und als ich wach werde, sehe ich Erstaunliches auf der Bravo-Poker-App: An diesem Mittwochabend läuft kein $5/$10 mehr im Bellagio. Die anderen haben wohl erkannt, dass da im Moment nichts zu holen ist. Aber dass in diesem Hotel an einem Abend keine Partie läuft, habe ich noch nie wahrgenommen.

Mich verschlägt es dann also wieder zurück an den Ort des Grauens. Die Mission Traumabewältigung beginnt im 22:40 Uhr an einem $2/$5 Tisch, da der $5/$10 Tisch im Aria ebenfalls sehr sehr mau aussieht. An meinem neuen Tisch unterhalten sich zwei Regs vom Vorabend über den Inder und wissen fröhlich zu berichten, dass er seinen $8k Stack noch fröhlich unter den anderen Spielern verteilt hat. Balsam für meine Seele :f_mad: Das ist aber auch das Spannendste, was ich aus den ersten Stunden berichten kann. Für mich gilt hier pokertechnisch: Null Starthände, null Treffer, null Action am Tisch. Die erste und einzige Hand mit etwas größerem Pot, die ich in der am Ende achtstündigen Session durch die ganze Nacht gespielt habe, ereignet sich nach vier Stunden purer Langeweile und Frust über mangelnde Action. Im CO openraise ich 9♠: 8♣: auf $30 (weil der Tisch viel zu passiv ist und man in guter Regelmäßigkeit dreimal openraisen und mit Cbet gewinnen darf, bevor man beim vierten Mal Gegenwehr bekommt und alles folden sollte, was nicht bei 3 in der Kategorie "Monster-Valuehand" ist). Im Straddle callt ein tighter Reg.

Flop $65: 7♠: T♣: Q♥:
Check, ich cbette $15, er callt.

Turn $95: 3♠:
Check, ich overbette nun $135 und werde doch tatsächlich auf $435 gecheckraist. Seine Range ist hier wie folgt zu beschreiben: {NUTS}. Er wird hier also immer ein Set haben, ich habe acht Outs dagegen und erlaube mir auf ein Spade am River ebenfalls groß zu bluffen, da solche Regs immerhin in der Lage sind, große Folds zu machen. Also calle ich.

River $1.005: 3♥:
Er geht all-in für $1.001 und ich mache etwas Hollywood, folde dann frustriert und sage ihm, dass er hier einzig und allein 77 reppt und ich deswegen schweren Herzens meine Könige folden muss. Er und der Rest des Tisches sind baff, dass man hier Könige wegwerfen kann, aber nach ein, zwei Minuten fragt er mich nochmal, ob ich wirklich Könige gefoldet hätte. "Klar", sage ich in bester Münchhausen-Manier und er gratuliert mir zu einem überragenden Fold, da er tatsächlich 77 hatte. Ich glaub ihm :f_grin:

Keine Starthände, keine Treffer, keine Action: $1.100 Minus haben sich da wieder angesammelt wie Payback-Punkte bei Corona-Preppern. Mein Zwischenfazit bei WhatsApp fasst die Lage gut zusammen: "5 Stunden kartentot. Da macht durch die Wüste fahren mehr Spaß."

Wir spulen eine weitere Stunde vor und ich habe noch ein Schmankerl zu berichten, der meine Lage bestens beschreibt. UTG raist ein neuer Reg mit GTO-Wizzard-Pullover (allein dafür sollte man ihn gnadenlos overbluffen) und es callen zwei weitere Spieler im Feld. Ich calle etwas zu weit am Button K♦: 4♦: und der tighte Spot aus den Blinds ist auch dabei.

Flop $100: Q♥: 6♣: 4♣:
Der Reg cbettet $30 und ein komischer norwegisch-marrokanischer Turnierspieler raist auf $100. Wieso weiß ich so viel über ihn? WEIL ER SECHS STUNDEN AM STÜCK GELABERT HAT WIE EIN WASSERFALL. Hilfe, da kommt wohl doch etwas Tilt mit in die Hand. Naja, zurück zur rationalen Ebene. UTG openraist jemand. Er callt aus dem Feld. Flop Q64 mit Flushdraw und er raist eine Cbet. Ich blocke 44. Ich frage euch in bester Lanz-Manier: "WAS, sehr verehrte Damen und Herren, was repräsentiert der Interpret mit diesem Raise? Ist es etwa nur, und das meine ich nicht despektierlich, ist es nur ein Set Sechser oder kann es noch eine andere Hand for Value sein?" NEIN, kann es nicht. Nur 66 - aber auf dem Board mit Straight- und Flushdraws doch wohl auch einige andere Kombinationen. Ich packe also den once-in-a-$2/$5-lifetime 3bet-Bluff auf dem Flop aus auf $255, da ich immerhin 44,66,46s reppen darf. Was geschieht? Alle folden. Außer der schmelzende Gletscher aus Norwegen. Der 4bettet den Flop auf $575. Diesmal kein Hollywood. Ich lache und folde instant offen meine 4♦: und gratuliere ihm zum Set Sechser. Er guckt irritiert und zeigt eine Sechs... und dann auch die andere. Aha, welch Überraschung. Das schlimmste an dem fehlgeschlagenen Move sind nicht die $255, die ich in Brand gesetzt habe, sondern die folgenden 10 Minuten, in denen der Norweger mir zu diesem tollen Play gratuliert und wie er da sonst natürlich auch 1000 Hände hätte folden müssen. BITTE ERLÖST MICH DOCH ENDLICH!

Keine Erlösung in Sicht. Wenn ich mal ein Toppaar treffe, verliere ich Chips. Das ist die goldene Regel des Abends. Irgendwann ist es soweit, dass ich als PFA AJ widerwillig auf A77 check-calle, weil diese passiven Limp-Call-Gegner mich einfach zerstören wie die Walze einer Müllabfuhr. Auf dem Turn Q kann ich entspannt check-folden gegen das große Sizing und der Limp-Caller präsentiert AKo. OH man. Nach satten acht Stunden Frust pur geht draußen längst die Sonne auf, als ich multiway erstmalig ein Twopair treffe. Ich donke direkt drauf los mit T9o aus dem BB und der SB callt zweimal, bevor er den River leadet. Hier das Board zu eurer Belustigung: 9TQ - A - Q. Ja Mensch, darf ich wohl folden.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, weshalb ich mir das Grauen achteinhalb Stunden lang angetan habe. Vielleicht mangels Alternativen? Vielleicht Frust? Vielleicht aber auch ein Stück weit, weil Martin nebenan am Tisch einen sehr guten $1/$3 Tisch spielt, an dem er am Ende über $3.000 Profit erspielen konnte. Als er mit dem Tisch durch ist, verlasse auch ich einmal wieder schwer geschlagen das Schlachtfeld: $1.295 Minus gegen absolut lesbare, langweilige Gegner, die alle nur das Ziel hatten, möglichst langsam ihre Chips zu verlieren. Wie man da wieder so viel abspielen kann, ist schon ein Rätsel. Jetzt bleibt mir noch zu hoffen, dass der Osterhase irgendwo in Vegas einen Tisch versteckt hat, der darauf wartet, alle Eier zu Konti zu rollen. Ich könnt's gebrauchen.


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ElhombreAlleman
Joined: 01.06.2017

#kämpfenkonti


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