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[FL] SanWogi's FL Hold'em Diary [Aktuell: Trainingstools und Pokermodelle]

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Original von SanWogi

...
Solche krassen Abstürze kann man nur verhindern, indem man sehr darauf achtet, ob man eine Edge hat

Da kann man nur sagen :

Die Edge gibt es und sie nimmt es auch wieder ,

oder fordern :

Die Edge sei mit Uns.


Antwort
Zitat

Original von SanWogi
Aber über 5/10 hinaus kommen in dem Modell auch nur 2% der Spieler.

Ich finde, das gehört dazu.

Es ist doch nicht so einfach,wenn nicht gar unmöglich,
die eigenen Grenzen festzulegen.
Auf der Stirn eines Spielers steht ja nicht geschrieben :
" Ich habe eine Edge von x BB/100 auf diesem Limit " .

Außerdem würde mich eine Versuchsreihe
über 50 k, 100k , 150 k Hände interessieren.

mfG


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

@wildwolf: Edge ist sowieso keine fixe Sache. Als ich mit Pokern angefangen habe mit einer sehr einfachen Strategie, hatte ich wahrscheinlich eine, wenn auch sehr kleine Edge auf 0.05/0.1. Mittlerweile bin ich endlich am Herausfinden, ob ich eine Edge für 1/2 habe.

Nach 3k Händen kann ich dazu natürlich noch nicht viel sagen, außer daß ich momentan mit ca. 0.6 BB/100 performe und noch nichts Schlimmes erlebt habe. Zwischendurch zwar einmal 60 BB down, aber das ist ja alles normal. Mein Resultat spricht nicht gegen eine Edge, aber auch ein viel besseres Resultat würde nicht unbedingt bedeuten, daß ich langfristig der große Winner bin. Aber: Wenn man dazulernt kann man seine Edge verbessern. Lustigerweise habe ich auf Pokertableratings Grade A. Weiß nicht ob ich mir darauf was einbilden kann


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

1/2 scheint ja ein sickes Limit zu sein. Ich sehe in letzter Zeit fast nur negative Berichte von 1/2 Spielern. Hoffe, das ist nur selektive Wahrnehmung, aber wenn ich mir die Graphen von einigen anschaue, merke ich, daß ich auf der Hut sein muß. Wie gesagt, ich habe noch nichts Negatives erlebt, alles halt aggressiver und ich habe noch nie so viele 3-Bets um die Ohren bekommen. Aber es ist imo auch das erste Limit, wo Bluffs Spaß machen, weil tatsächlich auch mal weak gefoldet wird.


Antwort
Zitat
Locutus86
Beigetreten: 25.04.2008

Das mit dem Unterschied von 50/1 zu 1/2 ist mir auch aufgefallen. Zum einen hier im Forum und zum anderen auch bei PTR. Es gibt einfach gaanz viele 50/1 Regs bei Stars, die Gute Winner auf 50/1 sind und dann auf 1/2 auf die Mütze bekommen.
Ach ja, und mein eigener Ausflug auf 1/2 war auch nach 1,3k Händen beendet, und das völlig BRM konform...


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Dann schauen wir mal auf die Fakten. Der Playerpool meiner DB zeigt an (Werte für Stars von 2009 und 2010 und auch nur meine Gegner)

Durschnittlicher VPIP/PFR/AF/WTS/3Bet preflop/ATS

0.1/0.2 38.9 / 12.2 / 1.3 / 39.8 / 6.0 / 20.4
0.25/5 37.3 / 13.2 / 1.35 / 40.6 / 6.3 / 22.8
0.5/1 36 / 14.2 / 1.4 / 40.0 / 6.9 / 25.4
1/2 34.3 / 17.4 / 1.5 / 40.1 / 9.2 / 31

Auf 1/2 sind die Werte noch mit Vorsicht zu genießen, da habe ich einfach noch zu wenig Hände. Finde aber die Tendenzen gut ersichtlich.

Wir stellen fest:

Der VPIP sinkt, der PFR steigt, der AF steigt, es gibt mehr 3-Bets preflop und die Blinds werden aggressiver attackiert. Das trifft aber auch für jeden Limitaufstieg in den Micros zu.

Interessant ist, daß der Sprung beim PFR, bei den 3-Bets und Steals recht groß ist. Das kann an der kleinen Samplesize liegen, aber ein Körnchen Wahrheit steckt drin. Das Preflopspiel ist tatsächlich aggressiver und tighter. Man muß darauf achten, daß man sich darauf gut einstellt. Der Durchschnittsgegner ist aber postflop immer noch nicht sonderlich aggressiv. Ich denke, daß dort auch viele Gegner postflop erhebliche Leaks aufweisen. Von daher TAG ist nicht gleich TAG, manche sind zu weak, manche callen jeden Mist runter. So kommt dann halt postflop eine Edge zustande, wenngleich sie auch preflop nicht mehr so groß ist wie auf den Micros oder 0.5/1 war.
----

Nachdem meine erste Session 1/2 ganz Ok, wenn auch ohne Gewinne verlaufen ist, werde ich heute noch eine zweite Session in Angriff nehmen.
Hier eine Hand aus der Session

Hand converted with online PokerStrategy.com hand converter:

Hand abspielen

$1/$2 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with 9:h, 9:s.
4 folds, SB raises, Hero 3-Bets, SB caps, Hero calls.

Alter Schwede. Eigentlich wollte ich die Initiative haben.

Flop: (8 SB) A:c, 3:d, 3:s (2 players)
SB bets, Hero calls.

Der Flop gibt natürlich die Marschroute vor. Er wird in seiner Cappingrange wahnsinnig viele Ax und Pockets haben. Wenn er nach Approx Chart spielt wirklich nur 66+,A8s+,ATo+. Ein direkter Fold wäre gar nicht mal besonders weak. Zudem hat Villain die ersten paar Hände 16/11 Stats und noch nicht ge-3-bettet oder gecappt. Er kann dennoch ein paar Nonpairs in seiner Range haben, die er jetzt blufft im Blindbattle. Ich denke sogar, daß er fast jede Hand, die er raist auch potentiell cappen könnte, einfach um mich am Flop rauszubluffen. Von daher ist der Call fast nur, um ihn weiterbluffen zu lassen bzw. seine schlechten Pockets durchzubetten.

Turn: (5 BB) Q:h (2 players)
SB bets, Hero calls.

Auch eine sehr unschöne Karte, auf die man folden könnte. Ich schlage aber noch Hände wie KJ,KT, und Pockets kleiner 99. Wenn er kein Ass hat, wird er zudem durch diesen Call verunsichert, weil ich sehr oft eine Made Hand habe und zum Showdown gehe, wenn ich hier calle.
Das heißt, er könnte auf Blanks Bluffs am River aufgeben und würde eigentlich nur seine guten Hände weiter for Value spielen.

River: (7 BB) 5:s (2 players)
SB checks, Hero checks.

Und genau das tritt auch ein. Klar, daß ich hier nicht valuebette, denn ich schlage ja nur Bluffs und kleine Pockets und bei beidem denke ich nicht, daß er die am River noch callt.
Wenn er ge-3-barrelt hätte, hätte ich mit A und Q auf dem Board wohl oder übel folden müssen. D.h. ein 3-Barrel Bluff mit KJ wäre recht smart gewesen. Aber da er mich nicht kennt, weiß er nicht, ob ich nicht doch mit jedem Pair am Showdown bin (Wie es so viele Gegner auch auf diesem Limit sind) und kann deshalb nicht weiterbluffen.

Final Pot: 7 BB.

Results follow:

Hero shows two pairs, nines and threes(9h 9s).
SB shows a pair of threes(Kd Jd).

Hero wins with two pairs, nines and threes(9h 9s).


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Die letzte Session war monetär nicht so erfolgreich, dafür habe ich massig Reads gesammelt und stand in einigen Spots, wo ich noch dazulernen muß.
Hernach habe ich 20 Hände ausgewertet. Das war anstrengender als das Spielen selbst. Dadurch daß ich bewußt den Großteil meiner Notes erst nach der Session gemacht habe, konnte ich die betreffenden Hände noch einmal besser unter die Lupe nehmen und ein paar Hände, die mich beim Spielen geärgert haben, waren bei nüchterner Betrachtung (nein, ich habe nicht besoffen gespielt;-) ganz normal und nicht mal die Note wert.

Die Vorgehensweise, statt live die Notes zu schreiben lediglich die Hand zu markieren, lenkt beim Spielen weniger ab und zwingt zudem zur Nachanalyse. Weil man sich zwar kurzfristig ganz gut merken kann, wie die Gegner an dem Tisch spielen, es aber sehr unschön wäre das nächste Mal ohne Notes gegen die selben Villains zu spielen. Notes, die direkt mit Timing Tells und Gameflow zu tun haben kann man natürlich nur live machen.


Antwort
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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Kurzes update. Ich poste ja selten Graphen, also auch heute nicht. Aber ich muß sagen, daß ich mit meinem Einstand auf 1/2 ganz zufrieden bin. Es lief nicht super toll, aber doch so, wie ich es mir ungefähr vorgestellt habe, ca. 0.9 BB/100 auf die ersten 5k Hände. Die Swings waren zwar im 3-stelligen Dollarbereich aber noch im zweistelligen BB-Bereich, also im Prinzip nichts Großes. Standardabweichung von nicht mal 15 BB/100.

Nichts Sickes, nichts zum Braggen, aber einige interessante Hände. Man lernt so langsam den Playerpool kennen. Fische sind vorhanden, exploitbare TAGs und Nits gibt es auch. Nichts, wovor man Angst haben muß. Das Limit ist zwar aggressiver als 0.5/1, aber gar nicht so extrem aggressiv. Ich bin immer noch deutlich aggressiver als der Durschnitt.


Antwort
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Locutus86
Beigetreten: 25.04.2008

klingt gut, weiter so :)


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Nachdem ich am Sonntag bei den FL SH SNGs einen ziemlichen Cold Streak erwischt hatte, habe ich ich mich gefragt, ob ich nicht doch im Late Game meine Hände misplaye, also loose bin, wenn ich nitty sein sollte oder nitty, wenn ich loose sein sollte. Nun gibt es keinen ICM Wizard für Fixed Limit. Also habe ich gestern Abend selber schnell einen geschrieben. Das heißt, versucht zu schreiben.

Der Kern des Ganzen ist, daß Pötte nur begrenzt groß sein können und Potgrößen einer gewissen Verteilung genügen.
Zudem treffen wir die sehr ideelle Annahme, daß postflop nach Equity weitergespielt wird, d.h. wenn ich HU eine Equityedge von 3% habe, gehört mir im Schnitt in 53% der Fälle der Pot. Das vernachlässigt natürlich postflop Foldequity. Aber die ist schwer quantifizierbar und hängt von den Postflopskills von Villain ab.

Allgemein kann man erst einmal sagen: Je mehr Foldequity man postflop gegen einen Gegner hat, um sehr man kann seine Ranges aufloosen, die man mit dem Modell ermittelt hat. Und je schlechter man seine Equity postflop realisieren kann, umso tighter muß man werden. Es macht z.B. keinen Sinn, eine Hand mit schlechter Playability aber 53% Equity nach Nash zu callen, wenn man anschließend bloß fit or fold spielt.

Eine wichtige Frage bei der ganzen Sache ist: Wie bestimme ich Nash-Ranges? Iteration kann zu Problemen führen:

Bsp. Alle sind even stacked bei 3000 und Limit ist 300/150 d.h. ein bb sind 300. Was bedeutet, jeder hat 10 bb= 5 BB. Eine Phase in der man sich gerne mal mit Müllhänden committed :f_cry: , jedenfalls habe ich mich gefragt: Wieviel kann ich hier guten Gewissens vom SB openraisen und wie viel soll der BB callen (oder von mir aus 3-betten).
Bei der Iteration fing ich nun an mit dem Cashgamestyle, den ich aus dem SH-Game kenne also ungefähr 60% OR SB.

Im Cashgame kommt nun 30% Fold BB to SB Steal, d.h. in 70% der Fälle wird der Steal nicht klappen. Aber was ist optimal an der Bubble?
Wenn ich 60% openraise, ist es für den BB optimal 38% zu callen. Das ist extrem wenig. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß er busted ist halt recht groß, wenn er callt und verliert, denn er wird oft 2-3 BB ausgeben und dann ist höchstwahrscheinlich der Bubble Boy, weil er dann mit any2 rumspewen muß, um wieder aufzudoppeln.

Callen kann er also nur, wenn er eine gute Equityedge hat. Da ich das weiß, kann ich rein theoretisch nun deutlich looser openraisen, z.B. any two. Aber dann wird er nachziehen und 60% callen.

Wenn er so viel callt, ist es aber für mich am Besten, sehr tight zu openraisen, also 48%. Dann callt er optimal nur 26%. Dann kann ich aber any two raisen usw.

D.h. wenn man sich ausgehend von einer sehr ungleichgewichtigen Situation gegenseitig maximal zu exploiten versucht, weiß man nie, woran man ist. Wer paßt sich schon so rasend schnell an, daß er in einem Moment 60% callt, weil er denkt, ich raise any 2 und im nächsten Orbit nur noch 26%, weil er denkt, ich openraise jetzt nur noch 48% ?
Trotzdem ist die Iteration gut, um sich exploitive Plays vor Augen zu führen, denn das illustriert sehr schön, wie Levelling funktioniert.

Bei einem Nashgleichgewicht ist es aber so, daß die gewählte Strategie eben nicht exploitbar ist, d.h. wenn ich eine Iteration maximaler Exploits von einem Punkt in der Nähe dieses Gleichgewichts starte, dann konvergiert die Iteration zu diesem Fixpunkt.

Der maximale Exploit ist also einfach nach Nash zu callen. In meinem Beispiel oben waren die Openraisingranges immer sehr polarisiert zwischen any two und 48%. Man kann sich denken, daß das Optimum dazwischen liegt. Und in der Tat liegt es so ziemlich in der Mitte bei 74%. Wenn ich 74% openraise, muß Villain 44% callen. Wenn er davon abweicht, macht er einen Fehler. Ich brauche mir keine Gedanken zu machen, ob er nie foldet oder immer foldet. Ich kann Abweichungen exploiten, wie oben gesehen. Aber gegen unknown und gegen sehr gute Spieler sind Nashranges so ziemlich das Beste (immer unter der Annahme, daß man postflop seine Equity realisieren kann).

So, ich hoffe, daß ich niemanden zu sehr überfordert habe. Aber wer sich mal mit FL SNGs beschäftigt hat, weiß daß die Differenz von Chip EV und $EV das Spiel in der Late Phase sehr stark beeinflußt und man dort sehr bewußt Entscheidungen treffen muß, mit welchen Händen man sich an Pötte bindet, bei denen man z.B. nach zwei Contibets All-In ist oder zumindest crippled, wenn man noch einen Fold findet. Die Entscheidungen sind nicht ganz einfach.

EDIT: Das oben angegebene Gleichgewicht von 74% Openraise und 44% Call ist zwar ein Gleichgewicht, aber es gibt auch noch andere Ergebnisse. Ich habe noch keinen endgültigen Algorithmus und muß im Moment mit Minimax-Methoden arbeiten, was im Prinzip schon mal eine Annäherung ist. Demnach sind 46% Openraise und 60% Call jeweils verlustminimierend in der angesprochenen Situation und vielleicht auch praktikabler.

Dieweil habe ich binnen 4 (!) Turnieren alle Verluste vom Sonntag wieder ausgeglichen. Hab die einfach alle gewonnen und fertig. Pure Luck, aber vielleicht hat auch die Beschäftigung mit FL ICM geholfen.


Antwort
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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Gestern lief es leider gar nicht gut auf1/2, 85 BB down und damit waren meine zarten Winnings auf dem Limit schon wieder weg. Tja, aber eigentlich nichts Ungewöhnliches. Außerdem habe ich zwei HU SNGs gespielt und dabei extrem getiltet, weil ich way ahead in Chips war und dann in der Schlußphase einen Beat nach dem anderen jeweils bekommen habe. Es war echt grausig. Habe die FL HU SNGs daher auch erst mal wieder ad acta gelegt. Wer preiswert wissen will, wie sich Varianz in HU anfühlt, der kann ja mal so ein SNG spielen

Leider gelangen die 6max SNGs nicht viel besser und so habe ich dann gestern insgesamt auch dreistellig verloren. Tja, so ist das Leben. Es läuft nicht immer gut. Aber ich darf mich nicht beschweren, es ist hätte schlimmer kommen können und es ist halt mal wieder ein Ansporn, sich weiterzubilden. Also eine Leaksuche-Aktion starten, d.h. pokerspezifischen Content an Hand der eigenen Datenbank aufarbeiten, wie ich es auf 0.25/0.50 getan habe. Ich denke, das erste Thema wird Preflop sein, weil ich doch noch ein paar Reserven habe, was die Anpassung an gegnerische Ranges angeht.

Werde heute Mittag vielleicht mal was posten. Bis dahin GL


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Zunächst einmal Danke an Cornholio für das Video Beating the Lowstakes, Teil 1. Das ist genau das Thema, worum es hier gehen soll.

Zunächst einmal eine statistische Erhebung, was mein Eindruck von dem Limit ist.

1. Die Dichte an Standard-TAGS liegt bei ungefähr 25%

2. Ungefähr 25% sind etwas loosere TAGS oder haben eher so LAGTAG Stats wie z.B. 35/25

3. Preflop-Superaggromaten gibt es auch (>40 VPIP,>30 PFR) , aber wohl nur 5%

4. Nits machen ungefähr 10% aus.

5. loose Fische mit niedrigem PFR ergeben ungefähr 10% vom Kuchen.

6. Die restlichen 25% sind preflop eher zu loose, raisen aber in einem normalen Bereich.

Gegen Gruppe 1 muß man sich preflop nicht groß anpassen, da die Standardcharts ja genau auf diese Spieler ausgelegt sind. Man kann höchstens mal überlegen, ob man nicht hier und da mal decepten kann.

Gegen die anderen gilt es, seine Standards anpassen.
*Gegen Nits tighter 3-betten und evtl. looser stealen.
*Gegen loose Fische öfter isoraisen
*Gegen LAGTAGS und Superaggromaten looser 3-betten
*Gegen Gruppe 6 kann man multiway für günstige Odds mit spekulativen Händen einsteigen nach Coldcalls oder Limpern. Lohnt sich inbesondere, wenn man Position hat. Gute Hände aber schon preflop Valueraisen oder 3-betten.

Ich möchte das alles mal ein einem Beispielgegner aus Gruppe 2 exerzieren, den ich natürlich hier nicht nenne. Könnte ein Regular sein, war jedenfalls die ersten 250 Hände recht solide und scheint auch einen winning Style zu haben. Meine Performance gegen ihn war mit +3 BB auch eher marginal. Also ich denke nicht, daß ich gegen ihn eine große Edge hatte.

Stats: 36/29/3/39 auf 250 Hände. Seine Openraises verteilen sich ungefähr wie folgt auf MP2/MP3/CO/BU/SB: 35/40/45/55/70

Es ist übrigens nicht korrekt, daß der Open PFR vom MP3 gleich dem Gesamt-PFR sein muß. Villains, die loose openraisen, aber selber wenig 3-betten haben nämlich einen deutlich geringeren PFR als Open-PFR.

Schauen wir uns zwei willkürlich herausgegriffene Situationen an.

PokerStars - $1/$2 (6 max) - Holdem - 5 players
Hand converted by PokerTracker 3

Hero posts SB $0.50, BB posts BB $1.00

Pre Flop: ($1.50) Hero has 2♠ A♦

fold, fold, BTN raises to $2.00, fold, BB calls $1.00

Flop: ($4.50, 2 players) ...

Der BB ist unknown. Ich glaube, hier wäre eine 3-Bet angebracht gewesen. Man kann hier any Ax 3-betten. Aber es ist sicher auch vertretbar, erst ab A3o aufwärts zu 3-betten, weil Villain postflop alles andere als weak ist und der Vorteil gegen die meisten Hände nicht so riesig ist. Sein PFR dürfte zwischen 50% und 60% liegen

Unsere Equity gegen ihn, wenn er x% openraist
50% -> 48%
55% -> 49%
60% -> 50%

Und gegen den BB ist man sowieso slightly favourite mit A2o. Mit einem Kicker höher, also A3o sind wir sogar solide über 50% Equity.

PokerStars - $1/$2 (6 max) - Holdem - 6 players
Hand converted by PokerTracker 3

SB posts SB $0.50, BB posts BB $1.00

Pre Flop: ($1.50) Hero has 8♣ A♦

UTG raises to $2.00, fold, fold, fold, fold, fold

Auch hier haben wir eine 3-Bet. Die ist sogar noch klarer. Er opened 35%. D.h. wir sind mit A8o FAVOURITE gegen seine Range. Der Fold ist also -EV. Ich habe wohl gedacht, daß ich gegen eine 25%-Range spiele.

Performance von A8o gegen

25% -> 47% 3-Bet und Fold nehmen sich nicht viel. Gegen postflop smarte Gegner eher folden.
30% -> 49% marginale 3-Bet gegen LAGs, gute 3-Bet gegen andere Villains.
35% -> 51% ganz klare 3-Bet

Ok, die Moral von der Geschichte: Hält man eine ORC-Hand und es gibt einen Raise vor einem, dann muß sich gut anschauen, wie man gegen Villains Range performed. Oft machen ein-zwei Kicker dann schon einen großen Unterschied bei der Entscheidung zwischen 3-Bet und Fold. Ist leicht mit Equilator nachzurechnen oder in Tabellen nachzuschauen, aber die Umsetzung am Tisch ist nicht immer einfach. Viel zu oft spielt man unbewußt Standards runter, die gegen den betreffenden Villain aber Edge kosten. Ich denke, es lohnt sich gerade auf diesem Limit, da genauer hinzuschauen.


Antwort
Zitat
Keiji
Beigetreten: 15.01.2007

danke für den post, sehr hilfreich. spiele preflop zu oft nach charts und traue mich eigentlich nur bei fischen, looser zu isoraisen. klar bei tighten spielern zu meiner linken, wird natürlich auch looser gestealed.

aber bei 3-bets habe ich bisschen meine probleme, diese den stats anzupassen. wie machst du das? spielst du mit approx charts? beim spielen, hat man ja keine zeit knappe spots zu equillieren.


Antwort
Zitat

Würde mich auch mal interessieren. Spielst du da eher nach Gefühl?

Viel zu oft spielt man unbewußt Standards runter, die gegen den betreffenden Villain aber Edge kosten. Ich denke, es lohnt sich gerade auf diesem Limit, da genauer hinzuschauen.

Ich denke mal, dass macht den Unterschied zwischen Winning und BE/loosing Player aus.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

@Keiji und Juniorköln: Es ist klar, daß sich im Allgemeinen nur Hände zum 3-Betten eignen, die man ohnehin openraist hätte. Beim alten approx Chart gibt es ein 3-betting vs. PFR-Chart, das ich für sinnvoll halte. Wenn ich mal im Zweifel bin schaue ich da drauf. Das Chart gibt die Realität aber nicht ganz wieder. Wie ich schon gesagt habe, interessiert man sich eigentlich für den Open-PFR bzw. die Range, die geopened wird. Sprich: Die Prozente helfen für eine gute Preflopentscheidung, aber sie sind nicht das Nonplusultra. Entscheidend für den Erfolg ist, daß ich die Ranges in den Griff bekomme, d.h. ich muß am Flop einigermaßen einschätzen können wo ich gegen diesen Gegner stehe und ich muß in der Lage sein, meine Equityedge auch postflop durchzusetzen. Dann kann ich guten Gewissens vom Standardplay abweichen.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Ich habe es in meinem "Down to Earth" Eintrag ja schon erwähnt, daß ich spaßeshalber mit HU SNGs angefangen habe. Und es ist wirklich eine gute Therapie, weil man so wahnsinnig viele Hände in kürzester Zeit gegen einen Villain spielt, einen Haufen Beats schlucken muß, aber auch eine Menge verteilt. Ich habe noch nicht sehr viele von den Dingern gespielt, aber ich habe schon mal wegen eigenem Tilt verloren und wegen gegnerischem Tilt gewonnen. Wenn Villain richtig abtiltet ist HU wahrscheinlich das Profitabelste überhaupt, allerdings dann eher Cashgame.
In einem SNG hat der Tiltende den Vorteil, daß er nur den Buy-In gewinnen oder verlieren kann, welcher idealerweise in der Komfortzone der seiner BR liegt. D.h. er hat den Preis für seinen Tilt schon im Voraus bezahlt und kann sich entsprechend abreagieren ohne aufs Geld zu schauen.

Ich finde es trotzdem sehr stressig. Ein HU-Tisch fordert viel Konzentration.
Dafür lernt man meiner Meinung nach Balancing und kreatives Spiel dort auch deutlich schneller, weil es überlebensnotwendig sein kann.
Außerdem gewöhnt man sich eine latente Weakness ab, die, wenn man vom Fullring her kommt, oft im Spiel noch drin ist und z.B. im SH Spiel in einigen Situationen Value kostet.

Und man merkt ziemlich schnell, wie relativ Handstärke doch ist.
Dadurch daß ein Pair meist eine sehr starke Hand ist, nehmen die Suckouts und Setups zu. Denn es gibt natürlich eine Menge stärkere Hände, die aber oft nur einen kleinen Teil von Villains Range ausmachen, sowie alle möglichen Draws.

Hier zwei "Monster":

PokerStars - $10+$0.50|30/60 (2 max) - Holdem - 2 players
Hand converted by PokerTracker 3

Hero (SB): 520.00
BB: 2,480.00

Hero posts SB 15.00, BB posts BB 30.00

Pre Flop: (45.00) Hero has 8♥ T♥

Hero raises to 60.00, BB raises to 90.00, Hero calls 30.00

Flop: (180.00, 2 players) 2♠ 5♦ 8♦
BB checks, Hero bets 30.00, BB calls 30.00

Turn: (240.00, 2 players) T♣
BB bets 60.00, Hero raises to 120.00, BB raises to 180.00, Hero raises to 240.00, BB calls 60.00

River: (720.00, 2 players) A♠
BB bets 60.00, Hero raises to 120.00, BB raises to 180.00, Hero calls 40.00 and is all-in

Hab natürlich verloren, aber ich würde die Hand wieder so spielen, weil dieser Villain seine Pairs auch sehr, sehr aggressiv gespielt hat und ich mir vorstellen kann, daß er gerade dann seine Chips in die Mitte wirft, wenn er mich All-In bekommen kann.

PokerStars - $10+$0.50|80/160 (2 max) - Holdem - 2 players
Hand converted by PokerTracker 3

SB: 1,460.00
Hero (BB): 1,540.00

SB posts SB 40.00, Hero posts BB 80.00

Pre Flop: (120.00) Hero has 5♦ J♦

SB raises to 160.00, Hero calls 80.00

Flop: (320.00, 2 players) J♠ 4♣ 5♣
Hero checks, SB bets 80.00, Hero calls 80.00

Turn: (480.00, 2 players) 3♣
Hero checks, SB bets 160.00, Hero raises to 320.00, SB raises to 480.00, Hero raises to 640.00, SB calls 160.00

River: (1760.00, 2 players) 8♥
Hero checks, SB checks

Hero shows 5♦ J♦ (Two Pair, Jacks and Fives)
SB mucks K♣ A♦ (High Card, Ace)
Hero wins 1,760.00

Hier war ich total inkonsequent. Man sollte hier den River auch noch betten, gerade weil er mit einem Pair oder schlechteren 2-Pair vielleicht befürchtet, noch einmal gecheckraist zu werden, aber sicher für die Odds dann auch noch callt. Ich denke, ich habe deshalb den River gescheckt, weil ich von einem busted Draw noch Geld haben wollte. Vielleicht wollte ich auch nicht mehr geraist werden, weil ich ihm nach der Turnaction auf dem Board ein Monster zugetraut habe. Aber dann hätte ich auch nicht cappen brauchen. Ich denke, entweder man spielt gegen die 3-Bet passiv, also check/raise/call Turn check/call River (man sieht sich eher hinten) oder man cappt und spielt bet/call River, wenn man optimistisch ist, daß er meistens ein Pair oder schlechteres 2-Pair hart for Value gespielt hat. Aber da fehlt mir noch das Feintuning. So viel Ahnung von HU habe ich halt nicht und es ist natürlich auch sehr gegnerabhängig, was dort am Turn ge-3-bettet wird. Am River checken viele Hände mit Showdownvalue behind wie z.B. hier AK mit Flushdraw. Ich finde seine 3-Bet am Turn mit der Hand natürlich nachvollziehbar. Einerseits for free Showdown. Die Hand hat ganz gute Equity gegen meine nonpaired Flush- und Straightdraws, und andererseits sie ist halt selbst ein guter Draw mit massig Outs gegen One-Pair Hände.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Hab jetzt gar nicht so viel Cashgame gespielt, aber es lief gar nicht schlecht. Bis jetzt mache ich ca. 1.6 BB/100 auf 1/2. Noch keine Anzeichen, daß das Limit irgendwie besonders schwer wäre. Man findet sich rein.

Bei den Turnieren lief es zunächst nicht so gut, aber heute bin ich mal $20 up bei denen. Aber insgesamt sehr unzufrieden mit den SNGs. Da ist enormes Verbesserungspotential, allerdings habe ich auch zu wenig Sample Size um jetzt zu sagen, wie ich da wirklich stehe. Bei einem 18 Mann SNG bin ich kurz vorm Geld gebustet, die $13 SNGs liefen ganz ok. Leider nie erster geworden, irgendwie verliere ich da "immer" im HU. Es ist komisch, die Dinger gehen ganz gut, bis man zu dritt oder im HU ist. Dann scheiß Blätter man wird von Braindeadleuten an die Wand gecallt und wenn man Top Pair am Flop hittet und sich committed bekommt Villain Trips am Turn, was einen natürlich nicht mehr daran hindert mit seinen restlichen Piepen All-In zu gehen. Bei den $10 HU Shooutouts bin ich noch den Rake im Minus, aber ich bin ja auch blutiger HU-Anfänger und bin froh wenn ich so ein Shootout beende ohne zwischendrin wahnsinnig geworden zu sein. Ok, ich glaube ich tilte gerade... gut daß kein Tisch offen ist.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

PokerStars - $1/$2 (6 max) - Holdem - 6 players
Hand converted by PokerTracker 3

MP: $16.75
CO: $34.50
BTN: $41.00
Hero (SB): $45.00
BB: $68.50
UTG: $47.75

Hero posts SB $0.50, BB posts BB $1.00

Pre Flop: ($1.50) Hero has A♦ Q♣

fold, fold, CO raises to $2.00, BTN raises to $3.00, fold, fold, CO calls $1.00

Flop: ($7.50, 2 players) egal

Der Fold ist gegen unknown zu weak.
Angenommen CO und BTN sind Pokerstrategen, die exakt nach Chart spielen, dann habe ich die Ranges:

CO: 44+, A2s+, K8s+, Q8s+, J8s+, T9s, 98s, A7o+, KTo+, QTo+, JTo
BTN: 44+, A5s+, KTs+, QJs, A8o+, KJo+

Dann habe ich 36% Equity, bin Favourite gegen beide Ranges, muß hier also cappen. Sind beide looser, dann erst recht cappen.

Angenommen, die beiden sind nittiger oder halt Pokerstrategen in anderer Position, z.B. in MP2 und MP3. Wie sieht es da aus?

MP2: 66+, A8s+, KTs+, QTs+, JTs, ATo+, KJo+
MP3: 88+, ATs+, KQs, AJo+

Ich habe nur noch 28% Equity und bin insbesondere gegen MP3 hinten, weshalb ich die Hand in diesem Fall mucken kann.

Auch für solche Situationen gibt es ein Chart, allerdings ist das recht unscharf, weil ich natürlich immer mit verschiedenen Gegnern konfrontiert bin. Wenn der Openraiser im CO hier z.B. nur 12% PFR hat, also ca. 18% raist, dann

CO: 66+, A5s+, K9s+, Q9s+, J9s+, ATo+, KTo+, QTo+
BU: (wenn er die optimale Range 3-bettet) 77+,ATs+,KQs,ATo+

und wir haben mir 31% einen ziemlich grenzwertigen Fall. Es kommt in solchen Fällen sehr auf die 3-Betting Range vom BU an. Wenn er smart 3-bettet oder gar eine Supernit ist, also wirklich nur sowas wie 99+,AJs+,AJo+ 3-bettet, folden wir halt. Aber wenn er kein besonders guter Spieler ist oder eher loose z.B. einen 3-Bet Wert von >10 hat und sich wahrscheinlich gar nicht mal so sehr an den tighten CO anpaßt, dann haben wir wieder >33% und können cappen, zumal unsere Hand gegen beide Ranges jeweils vorne ist, so daß ein Fold von CO gar nicht mal schlecht wäre.

Ein weiteres Beispiel für einen schlechten Fold habe ich hier:

PokerStars - $1/$2 (6 max) - Holdem - 6 players
Hand converted by PokerTracker 3

BTN: $15.50
Hero (SB): $94.50
BB: $22.00
UTG: $111.25
MP: $26.50
CO: $40.00

Hero posts SB $0.50, BB posts BB $1.00, CO posts DB $1.00

Pre Flop: ($2.50) Hero has A♠ T♥

UTG raises to $2.00, fold, fold, fold, fold, BB calls $1.00

Flop: ($5.50, 2 players) egal

Wenn CO nicht gepostet hätte, dann hat man einen Fold gegen tighte Villains. Da nun aber ein Big Blind zusätzliches Dead Money gepostet wurde, können wir mit den Equity-Forderungen an unsere Hand etwas zurückgehen und haben hier eine 3-Bet. Villain wird ja wegen des Blindposters vielleicht auch einen Tick looser openraisen, so daß der Fold in der Situation ziemlich nitty ist.


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Zitat
sonnensb
Beigetreten: 21.03.2007

Coldcall ist durchaus ab und zu eine Option!


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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Original von sonnensb
Coldcall ist durchaus ab und zu eine Option!

Richtig. Mache ich leider viel zu selten. Gerade bei den Borderline-Händen finde ich es eher doof, wenn ich z.B. wie bei AQo oben einen schönen Batzen Equity einfach wegfolde, nur weil mir ein Cap nicht gefällt.
Komisch, das Thema fällt mir tatsächlich jetzt bei 1/2 das erste Mal auf. Vielleicht weil auf niedrigeren Limits mehr gecoldcallt und weniger ge-3-bettet wird.


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