Gibt es der Gegner denn her? Die Informationen die wir hier haben über den Gegner sind ein paar Stats und superunsolide erscheint er jetzt nicht - mir wird nicht ganz klar wie diese Informationen zustande gekommen sind (möglicherweise per Mining) und vor allem welche Informationen der Gegner von uns bisher bekommen hat.
Es ist in meinen Augen auch vollkommen gleichgültig, ob man eine gleichgewichtige Bettingstrategie schon auf NL2 lernt oder erst auf NL400 - es geth darum, dass wir den Leuten richtiges Poker beibringen; Abweichungen, die speziell exploiten sind schnell erklärt und verstanden. Dein Coachingansatz ist halt genau andersrum - du tendierst dazu erst stark zu exploiten und es ist halt häufig ein Problem in meinen Augen, wenn die Leute dann nicht wissen was die "optimalen" Spielzüge sind und zu schnell dazu tendieren Hände zu überspielen oder zu unterspielen gegen bestimmte Gegnertypen.
Selbstverständlich ist Fishexploiting ein wichtiger (wenn nicht der Hauptgrund) der dafür sorgt zu gewinnen - heutzutage werden dir aber schon auf NL100 an nem 6-max Tisch 4/6 Spielern und ein Fisch über den Weg laufen und da wird es problematisch, wenn du einfach exploitbare Betsizes nutzt und einfach exploitbare Lines spielst.
Daher wird es wichtiger, dass man sich auf gar keinen Fall zu krass von anderen Regs exploiten lässt (und das fängt schon beim Betsizing an und geht über die Wahrnehmung der eigenen Range). Ich mein wieso soll ich den Leuten hier Poker 60% beibringen, wenn sie damit langfristig nicht von der Stelle kommen, weil sie am Anfang verpasst haben Poker 100% zu lernen oder nicht so richtig den Anschluss finden, weil halt schlichtweg die meisten Spieler nicht in der Lage sind (zeitlich/organisatorisch) die nötigen Informationen zu finden und aufzubereiten durch die sie gewinnen.
Ich mein klar könnte ich auch wieder dazu übergehen und Hände wie vor 2 Jahren bewerten und mein altes Coachingkonzept wieder nutzen, ABER die meisten Leute die ich coache haben genau das Problem ab NL25, dass sie gar nicht wissen wie man "normale" Lines spielt und wieso Exploits (die du als "normal" darstellst sozusagen) sinnvoll sind und unter welchen konkreten Umständen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich einige Leute damit überfordere und erstmal 100 neue Fragen aufwerfe, aber mir stellt sich immer die Frage: Was wollen die Leute lernen? Wollen sie Poker lernen, um freizeitmässig +-0 zu spielen oder wollen sie im Poker gewinnen?
Sind wir mal ehrlich - wer hat schon Bock +-0 im Poker zu spielen - so groß ist der Spaßfaktor im Onlinepoker nicht wirklich und es gibt 2 Hauptantriebe zu gewinnen:
1. Geld
2. besser zu sein als andere
Ich persönlich spiele Poker nicht, weil es so ein belustigendes Spiel ist (da würde ich mich dann eher irgendeinem 3d-Shooter zuwenden), sondern weil ich eine intellektuelle Herausforderung suche und dabei Geld gewinne. Manch anderer hat die Prioritäten anders gesetzt, aber letztendlich ist Geldgewinn der Hauptfaktor.
Wenn ich den Leuten heutzutage 60% Poker beibringe, dann gehören sie zu den 95%+ die das System aktiv halten, aber letztendlich davon nicht profitieren, sondern ihre Lebenszeit verplempern. (und davon gibts viele, die meisten haben es wohl mittlerweile aufgegeben und gammeln im BBV rum oder flamen random in den Foren rum oder machen irgendwas anderes)
Ich hab jetzt zwei Möglichkeiten den Leuten Poker beizubringen:
1. ich lehre eine statische und langwierige Strategie, die auf bestimmten Annahmen aufbaut per SHC, einfache Postflopanweisungen, exploitbaren Annahmen über die Gegner, die nie ganz optimal war aus meiner Sicht, allerdings für Anfänger einfach und gut verdaulich ist
(dann müsste ich mich aber fragen was ich hier überhaupt machen soll - da kann ich dann auch vorfertige Antworten erstellen - nach ungefähr einer Woche hätte ich dann das gesamte Fragenspektrum abgedeckt)
2. ich bringe den Leuten bei welche Denkstrukturen sie aufbauen müssen, um zu gewinne. Ein wesentlicher Ausgangspunkt dabei ist imo, dass man ein ABC-Game hat, dass darauf basiert wenige Angriffspunkte für den Gegner zu bieten und gleichzeitig zu verstehen welche Prinzipien hinter all den lustigen Begriffen steckt, die man so am Anfang lernt
=> davon abweichend ist es wesentlich einfacher Spielfehler bei Gegnern zu erkennen und vor allem zu erkennen wie man diese Spielfehler profitabel ausnutzt
Wenn man hier z.b. verstanden hat, dass unsere Range in der "perfekten" Welt der Ausgangspunkt für die Wahl der Betgröße ist, dann wird man auch verstehen, dass eine Abweichung mit Made Hands nach oben von dieser Betgröße ein gezielter Exploit ist, der eine Tendenz ausnutzen soll -> und zwar die Tendenz zuviel im Schnitt zu callen und unsere Lines nicht zu beachten.
Ob dieser Gegner
a) zuviel called
b) im Schnitt unser Spiel nicht betrachtet und nicht erkennt, dass wir mit Bluffs weniger investieren
ist die Annahme die du vorraussetzt und jetzt kommt die Krux: Damit dein Spielzug maximal exploitend ist, muss dein Spieler oft genug dieser Annahme unterliegen. Solltest du falsch liegen, dann kostet dich dein Exploit langfristig sehr sehr sehr viel Geld (das kann ich dir mathematisch bei Bedarf gerne beweisen).
Mir ist bewusst, dass der durchschnittliche NL2, 5, 10, 25, wahrscheinlich 50 und 100 Gegner unter diese Annahme fällt - die Gefahr ist aber, dass man nicht erkennt wann einen der Durchschnitt einholt und vor allem wie man gegen andere solide Spieler spielt.
Ich mein du wirst auch sehen, dass die meisten Spieler hier am Anfang extrem schlechte Exploiter sind und selbst gegen Fische nur knapp +EV spielen, weil der Rake sehr hoch und ihre Exploits einfach sehr schlecht sind im Schnitt. Gegen die ganzen Tags und Nits spielen sie mit dem SHC Ansatz wahrscheinlich -EV wegen dem Rake.
So vielleicht lernen sie jetzt bisschen die Fische zu exploiten, wenn du ihnen paar Lines erklärst, die sie dann auswendig lernen, aber letztendlich wissen viele Spieler nicht WARUM sie dadurch gewinnen.
Sie steigen bisschen auf und schwups haben sie ein ziemlich durchschaubares A-Game, sind keine superguten Fishfryer, sondern nur durchschnittliche und werden von den anderen Regs und dem Rake zerfressen und pendeln varianzbedingt ein bisschen in der Gegend rum (und du wirst mir zustimmen, dass genau DAS das Schicksal der meisten Spieler ist - selbst der meisten Spielern die sich aktiv in deinen Coachings rumtreiben).
Schön und gut klingt jetzt alles ganz gefährlich und krass, aber was ist der Kernpunkt dieses riesigen Textes? Der Kernpunkt ist genau das was du hier machst: Du erklärst den Leuten wie sie theoretisch in den Micros gewinnen, ich erkläre den Leuten wie sie theoretisch Poker schlagen.
Der Unterschied? Wahrscheinlich wird sich bei deinem Ansatz schneller unmittelbarer Erfolg einstellen, aber das Risiko von langfristiger Depression in der Spielentwicklung ist hoch (das wurde schon vor vielen Jahren im 2+2 mal kritisiert) - bei meinem Ansatz wird ist das Risiko hoch am Anfang erstmal nicht vorran zu kommen, aber die Chance langfristig besser vorran zu kommen, weil man schneller erkennt was eigentlich das Problem ist ist höher.
Was ist besser? Keine Ahnung. Beides hat anscheinend seine Nach- und Vorteile; ich denke aber das Poker nicht mehr einfach wird, sondern immer schwieriger wird und der avg. Level der Gegner hintern den Microlimits immer immer höher wird. Wir haben halt nicht mehr 2006 und ein SHC und 4 Postfloplines reichen für 2PTBB aus, weil deine Gegner keine Midpairs folden; vielleicht schlägt man die Micros, aber was dann?
Wenn ich professioneller Microlimitgrinder werden will nun gut, aber ich denke die meisten Menschen in der westlichen Hemisphäre wissen mit ihrer Zeit mehr anzufangen, also landen wir wieder oben bei den 2 Hauptmotivatoren. Und NLH hat sich weiterentwickelt seit 2006 und zwar sehr sehr extrem - also verstehe ich meine Aufgabe darin den Leuten beizubringen wie ich Poker schlage und nicht wie ich Poker mal geschlagen habe als ich vor ~4 Jahren angefangen NL zu spielen.