Sehr schöne Berichte von euch beiden! Als alter Germanist würden mich Cornholios' Ausführungen zur Poker-Fachsprache tatsächlich sehr interessieren. Hoffentlich gibt es grünes Licht zumindest für den Screenshot.
Zum Camp aus meiner, aus vielerlei Gründen, limitierten Sicht wollte ich einen kurzen Bericht schreiben. Nach makers Tripreport ist das aber gar nicht mehr nötig: Er ist weder pokertechnisch limitiert noch hat er nur wenige Ausschnitte aus dem Content-geladenen Wochenende aufgesogen. Da er darüber hinaus auch noch super entertaining geschrieben hat, kann ich kaum noch was hinzufügen.
Ich versuche dennoch, ein paar Worte zu verlieren. Wenige Tage vor dem Start des Camps habe ich Siete im Skype angeschrieben, um ihn zu warnen - nein: bedrohen. NEIN: erpressen!!
Wagt euch bloß nicht in mein Wohnzimmer, die Hohensyburg, sonst hetze ich alle super talentierten, mit einer GTO-Flasche groß gezogenen, von Robotern in Bodylanguage geschulten und von Bill Gates gestakten Regulars der Burg auf euch!
Vergebens. Charmant wie eh und je missachtete Siete alle Drohungen und schlug stattdessen vor, dass ich dem Ganzen kurzzeitig bewohnen sollte. Mit dem Play habe ich nicht gerechnet, ich stand hilflos in diesem Vakuum-Spot und traf die scheinbar falsche Entscheidung: Ich sagte zu. Nice hand, SirSiete!
Einen Augenblick später war es schon Freitagnachmittag. Ich saß in der Burg, spielte Cashgame gegen die oben genannten Unschlagbaren und wusste, dass zu allem Überfluss gleich auch noch die Online-PokerSternchen hier aufschlagen werden.
Aus "gleich" wurde "später", wurde "spät", wurde "wir sind Pokerspieler und haben kein Zeitgefühl, aber der Sternekoch wird seinen Herd nicht ausknipsen, bevor wir nicht einen Bruchteil unserer Roll für 7 Gänge Gaumenschmauß investieren".
Als die Truppe dann tatsächlich in der Burg ankam, blickte ich in ein bunt gemischtes Feld. Alt und jung, Nord- und Süddeutschland, viele Haare, wenige Haare. Nur in einem waren sie vereint: Poker aus Leidenschaft.
Ich habe ausführlich Ausschau gehalten, aber erstaunlicherweise keine Tätowierungen mit 3-Bet Ranges im Blind vs BU-Opens gefunden. Sofern diese Tätowierungen nicht intim gehalten werden, scheint dies wirklich der einzige Punkt zu sein, indem Poker nicht beherrschend ist.
Das hört sich zunächst vielleicht etwas gemein an, aber gerade diese Poker-Dominanz macht ein solches Wochenende aus. Deshalb war es gut, dass Poker vom ersten Gruß der Küche bis zum süßen Finale an allen Ecken des Tisches besprochen wurde. Bis zum süßen Finale kamen sogar nicht einmal alle Strategen. Warum nicht? NA KLAR, eine Etage weiter oben standen die Pokertische, da durfte keine Zeit mehr verloren werden!!!
Da standen sie nun. In meinem Wohnzimmer. Ich habe versagt. Oder? Natürlich NICHT! Mein Adaption auf Sietes Play, mich einzuladen, damit ich die Truppe auch noch fit für Live-Poker mache, war genial: So lange Nachtisch futtern und Wein trinken bis die Camp-Teilnehmer ohne Live-Erfahrung ihrem Trieb nachgehen und sich an die Tische setzen.
Online können sie mit ihrem technisch sauberen Poker Geld machen, weil sie bei einem gefloppten Full House kurz den neuseeländischen Freudestanz ausführen können, bevor sie ihre maxEV Entscheidung an 82 Stats festmachen, die Villain neben seinem Avatar stehen hat.
In der Hohensyburg nicht! Meine unsäglichen, seit Jahren perfektionierten, einem siebten Sinn gleichenden Skills, ihre Körpersprache zu übersetzen wie das Einsteiger-Englisch-Grundschulbuch wird sie ihre Roll, Rolex und Ehre kosten! BÄM - was nun Siete???
Leider ging auch dieser Plan schief, da sich die Poker spielenden Strategen von meinem Tisch fernhielten und lieber mit dem Sprechdurchfall vom Dienst - einem Regular, der mehr Prostituierten-Geschichten drauf hat als Pascha, gambelten.
Sie waren mir an diesem Abend immer einen Schritt voraus und dennoch durfte ich weiter mit ihnen gehen... Und zwar am nächsten Tag nach Dortmund ins Stadion. Zuvor habe ich den wilden Haufen, der in Sietes Cafe auf einmal eher nach einem LAN-Treffen aussah, mit etwas Verspätung etwas über Live Poker erzählt.
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob der Content für die Jungs relevant, neu, zu kompliziert oder viel zu basal war. Dennoch machten alle einen angestrengt aufmerksamen Eindruck, trotz des Schlafmangels. Was sie aus meinem Vortrag mitgenommen haben, müssen sie selbst berichten - beim Homegame am Abend war ich schließlich nicht mehr dabei.
Im Stadion sahen wir ein nettes Spiel, nach dem Spiel sah ich mich auf einmal alleine auf weiter Flur. Typisch Pokerspieler: Die armen, hungrigen Spieler werden einfach zurückgelassen, wenn die nächste Bahn nach Hause einen höheren EV hat.
Ich wollte es mir aber nicht nehmen lassen, mich für die leckere, witizge, erfolgreiche und absolut angenehme Zeit mit den Pokercamp-Teilnehmern zu bedanken. Daher bin ich alleine durch Dortmund gecruist, nochmal zum Cafe gefahren und habe mich mit einem großen Danke verabschiedet.
Falls das Danke nicht überall ankam, beende ich diesen nun doch wieder ausschweifenden Bericht mit eben jenem Wort: DANKE!