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PP mit Overcard am Flop nach 3-Bet preflop

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yokoempi
Beigetreten: 13.07.2006

GG Poker - $0.02 NL (6 max) - Holdem - 6 players
Hand converted by PokerTracker 4

CO: 149.5 BB
BTN: 131 BB
Hero (SB): 109 BB
BB: 122.5 BB
UTG: 99.5 BB
MP: 130.5 BB

Hero posts SB 0.5 BB, BB posts BB 1 BB

Pre Flop: (pot: 1.5 BB) Hero has 9♣ 9♥

fold, MP raises to 3 BB, fold, fold, Hero raises to 9 BB, fold, MP calls 6 BB

Flop: (19 BB, 2 players) 3♦ 6♥ K♦
Hero bets 13 BB, MP calls 13 BB

Turn: (45 BB, 2 players) Q♦
Hero checks, MP checks

River: (45 BB, 2 players) J♣
Hero checks, MP bets 36 BB, fold

MP wins 42 BB

Die Hand habe ich ziemlich falsch gespielt, selbst nach Einsteigerstrategie. Preflop sollte ich auf 11-12 BB raisen (da OOP am Flop), nicht 9 BB.

Der Flop ist für mich als PFA an sich nicht so schlecht, glaube ich. Der K liegt in meiner Range, Straightdraws sind unwahrscheinlich, ein FD wäre möglich. Deshalb habe ich letzten Endes gebettet (auch wenn 1/2 Pot als Size richtig wäre).

Faktisch habe ich aber nicht mal TP. Standard wäre hier Check/Fold. Es fällt mir schwer, hier einen Grund für Check/Call zu finden, da ich - außer der Gegner checkt auch Turn und ggf. River - nicht bis zum River selbst keinere Bets callen kann/will. Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest eine Karte kommt, die mir nicht gefällt, ist hoch (Diamond oder irgendwas > T).


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Zitat
6 Antworten
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

Ich weiss jetzt nicht genau, ob Paxis schon eine Strategie für Einsteiger für das Spiel nach dem Flop formuliert hat. In 3-bet und 4-bet Pötten wird in vielen Fällen gelten: einfach am Flop betten, ob ausser oder in Position. Der Grund ist, dass 3-bet und 4-bet Ranges einfach extrem stark sind. Das sind sie auf fast jedem Board.

Jetzt Fortgeschrittenen-Content:

In Position kann man so gut wie immer betten. Das Board muss schon extrem ungünstig für die eigene Range und günstig für die gegnerische Range sein, als dass man es lassen sollte. Ausser Position hat man durch die schlechte Position den Nachteil, dass man seine Equity schlechter realisieren kann als in Position. Das heisst, der Gegner wird seltener aufgeben und daher seine Chancen besser wahrnehmen. Da er ausserdem in Kontrolle der Action ist, hat er auch mehr Möglichkeiten, dir das Leben schwer zu machen. Daher muss man ausser Position vorsichtiger sein als in Position.

Hauptsächlich richten sich die Möglichkeiten danach, wie gut die Boardkarten mit deiner Range und der Range des Gegners zusammen passen. Das heisst, es geht weniger um die konkrete Hand, die du tatsächlich hast, sondern deine Strategie wird bestimmt durch die Verteilung der Hände, die alle möglichen Kombinationen haben, die du in der konkreten Situation haben kannst und das wird verglichen mit der Verteilung der möglichen Kombinationen des Gegners.

Du unterscheidest deine Verteilung im wesentlichen in 3 Kategorien:

Monster
mittlere und marginale Hände
Trash

Monster erzielen auf drei Streets Value. Das heisst, das sind Hände, die überwiegend auch dann auf dem River von schwächeren Händen gecallt werden, wenn du in jeder Street bettest und dabei berücksichtigst, dass der Gegner von Street zu Street tighter in seinen Calls wird, weil er Hände gegen viel Action entsprechend ihrer Stärke aufgeben muss. Draws können zu den Monstern gezählt werden, wenn sie zu den Nuts ziehen und viele Outs haben.

Mittlere und marginale Hände sind Hände, die über zwei bis eine Street Value erzielen können, wenn man sie bettet. Das sind also Hände, denen irgendwann die Luft ausgeht, weil man sie nicht mehr weiter für Value betten kann, weil sie dann überwiegend von stärkeren Händen gecallt werden. Auf dem Flop sind sie aber im Vorteil und würden überwiegend von schwächeren Händen gecallt werden. Alle Draws, die nicht zu den Nuts ziehen und / oder zwischen 9 und 4 Outs haben gehören in diese Kategorie. Die entsprechenden Streets kann man verteilen. Man muss nicht alles gleich am Flop betten und kann auch warten, weil die verbleibenden Streets immer noch ausreichen, um den Value zu erzielen.

Trash sind Hände, die nicht stark genug sind, um auch nur in einer Bet überwiegend von schwächeren Händen gecallt zu werden.

Eine Unterkategorie zwischen Trash und marginalen Händen sind Bluffcatcher. Die können keine Valuebet mehr machen, schlagen aber noch alle Bluffs. Die stärkeren davon schlagen vielleicht sogar ein paar Valuehände des Gegners, wenn er bettet. Sie werden trotzdem nicht überwiegend von schwächeren Händen gecallt, wenn man sie selbst betten würde.

Auf Flop und Turn gilt:

Monster sind Kandidaten für Bets aller Grössen, inklusive gross. Mittlere Hände sind Kandidaten für kleinere bis mittlere Bets. Trash ist ein Kandidat für einen Bluff. Ein Bluffcatcher wird niemals gebettet.

Auf dem River gilt, dass es keine Draws mehr gibt. Alle Draws, die nicht getroffen haben, mutieren auf dem River zu Trash oder im günstigsten Fall zu Bluffcatchern.

Die Hauptidee des Spiels ist, dass man in jeder Linie, die man spielt Nuthände hat, damit man sich nicht zu angreifbar für Gegenspiel macht.

Als Linie kommt in Frage: bet/3-bet, bet/call, bet/fold, check/call, check/raise.

Bet/3-bet wird ausschliesslich von Monstern und Bluffs (starke Draws oft, mittelgute Draws weniger oft, Trash sehr selten und nur in sehr ausgewählten Situationen) gespielt. Gegen manche Gegner werden 3-bets nur noch mit Monstern gespielt, da sie nach einem Raise nichts mehr wegwerfen.

Bet/call wird von Monstern und von den stärkeren mittleren Händen gespielt, Dazu gehören auch die mittleren Draws mit passabel vielen Outs (Straight Draw, Flush Draw).

Bet/fold wird von marginalen Händen und Trash gespielt.

Checkraise wird von fast den gleichen Händen wie bet/3-bet gespielt. Die Anforderungen an die starken Hände sind etwas geringer als bei bet/3-bet. D. h. mittlere Hände am oberen Ende der Kategorie können auch so gespielt werden.

Check/call wird von wenigen Monstern, etwas mehr mittleren und vielen marginalen Händen gespielt. Für Draws gilt: Draws mit wenigen Outs spielen diese Linie nur dann, wenn sie Bluffs schlagen können. Bluffcatcher spielen entweder diese Linie oder die folgende.

Check/fold wird von Trash und Bluffcatchern gespielt.

Stack to Pot Ratio:

Ist am Flop der effektive Reststack doppelter Pot oder kleiner, dann sind alle top Pairs und besser Nuthände und alle anderen Pairs mittlere Hände.

Ist am Flop der effektive Reststack gleich oder kleiner Pot, dann sind alle Pairs Nuthände. Das ist vor allem in 4-bet Pots der Fall.

Je grösser der effektive Reststack im Vergleich zum Pot ist (je deeper du bist), desto vorsichtiger wird man mit mittleren und marginalen Händen und desto grösser werden deine Bets mit polarisierter Range. Da in grossen Bets mehr geblufft werden kann als mit kleinen Bets (Verhältnis zwischen Value und Bluff) spielen Bluffs bei grossen Reststacks eine grössere Rolle. Ist der effektive Reststack grösser als 10 mal der Pot, dann kommen Overbets ins Spiel. Auf dem Turn ab ca. 4 mal Pot.

Das ist das Grundgerüst. Welche Hand in welche Kategorie fällt hängt vom Board und der bisherigen Action ab.

Boardkategorien:

yz sind kleinere Karten als die voranstehenden Karten

AKz ist sehr gut für den preflop Aggressor.
Axy ist gut für den preflop Aggressor
Kxy ist sehr gut für den preflop Aggressor, wenn x < T ist
Qxy ist besser für den preflop Aggressor, wenn x klein ist
Qxy ist ähnlich gut oder besser für den Verteidiger, wenn x > 9 ist
Jxy verhält sich ähnlich wie Qxy, aber verschoben zum Verteidiger
Txy ist meistens besser für den Verteidiger. Ausnahme: x<5
Entsprechend 9xy und 8xy.
7xy ist sehr gut für den 3-Bettor oder 4-Bettor, wenn x < 4 ist. Im einfach geraisten Pot hat der Angreifer selten grossen Vorteil, aber Positionsvorteil kann ausgenutzt werden.
6xy und kleiner wie 7xy.

Gepaarte Boards sind immer von Vorteil für den Angreifer, wenn keine Q oder J auf dem Board ist. Ansonsten um so eher, je weiter Q oder J von der anderen Karte entfernt ist. Wegen der Grösse der Bet siehe Nutvorteil (unten).

Flops mit allen Karten in einer Farbe sind prinzipiell vorteilhafter für den Verteidiger, weil der Verteidiger mehr suited Kombinationen im Anteil hat als der Angreifer.

3 Karten aufeinanderfolgenden Werts sind fast immer besser für den Verteidiger ausser bei AKQ. Dort hat der Angreifer einen grossen Vorteil.

Rangevorteil: du hast einen Rangevorteil, wenn deine Range signifikant mehr Equity hat als die des Gegners.

Nutvorteil: du hast einen Nutvorteil, wenn deine Range signifikant mehr Monster enthält als die des Gegners.

Hast du Rangevorteil, dann bettest du in Position oft, ausser Position nur dann, wenn der Rangevorteil gross ist.
Hast du Nutvorteil, dann sind deine Bets häufiger gross als wenn du ihn nicht hast.

Hast du keinen Rangevorteil, dann bettest du nur polarisiert, checkst aber ansonsten sehr oft. Ausser Position immer check mit der Möglichkeit, polarisiert zu checkraisen.

Man muss auf NL2 aber kein GTO spielen, weil die Gegner viele Fehler machen, die man mit Exploits ausnutzen kann. Wenn man aber verstanden hat, wie GTO prinzipiell funktioniert, dann erkennt man sehr schnell die Fehler und kann sich ihnen anpassen.

Edit:
Und jetzt habe ich vor lauter Theorie die Hand vergessen: sie ist bis auf die preflop Size absolut ok gespielt.


Antwort
Zitat
yokoempi
Beigetreten: 13.07.2006

Ich habe mir deine Antwort noch nicht durchgelesen, aber hierauf muss ich gleich antworten:

Und jetzt habe ich vor lauter Theorie die Hand vergessen: sie ist bis auf die preflop Size absolut ok gespielt

:D


Antwort
Zitat
yokoempi
Beigetreten: 13.07.2006

Ich werde versuchen, zumindest die Arten meiner Hand und die Boardkategorien zu üben in den kommenden Händen. Ich habe noch nicht die Hoffnung, dass ich das schon oder bald umsetzen kann, aber bewusst zu überlegen (und trotzdem erst mal nach Einsteiger zu spielen ) sollte gehen.

Vielen Dank, cjheigl.


Antwort
Zitat
Carty
Beigetreten: 17.05.2006

Original von cjheigl
Ich weiss jetzt nicht genau, ob Paxis schon eine Strategie für Einsteiger für das Spiel nach dem Flop formuliert hat.

Kudos für diese Antwort! :f_drink:


Antwort
Zitat
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

Das war nicht als Angriff auf Paxis gedacht. Ich hatte die letzten Folgen seines Coachings nicht verfolgt und weiss daher nicht, was er dort schon erzählt hat. Ich weiss aber, dass er daran arbeitet und ich denke, es wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich einen Thread darüber geben. Das schwierige an der Sache ist, dass er es einerseits so einfach wie möglich halten will, um Einsteiger nicht mit Fähigkeiten zu überfordern, die sie noch nicht haben, andererseits soll es auch auf die meisten Situationen passen.

Meine Strategie verlangt ja, dass der Spieler in der Lage sein muss, für die gegebene Situation abschätzen zu können, was eine mittelstarke / marginale Hand ist, um die verschiedenen Handkategorien voneinander abgrenzen zu können. Das hängt von der dynamischen Situation ab. Ich habe das aus Absicht nicht in Abhängigkeit von absoluten Handstärken formuliert, sondern als Beschreibung der Action, die man sich mit der jeweiligen Kategorie leisten kann. Die Einordnung für niedrige Stack to Pot Ratios am Flop ist dafür ein Beispiel. Für andere SPRs muss man andere Einschätzungen treffen.

Es wird vorausgesetzt, dass man weiss, welchen Zweck Bets haben (Valuebet gegenüber Bluffbet) und wie sie funktionieren und auch, dass ein anwachsender Pot zur Folge hat, dass sich die relativen Handstärken ändern. Die Abhängigkeit der dynamischen Struktur von den Boardkarten spielt auch eine Rolle. Da gibt es eine Menge Details auf die ich nicht eingegangen bin.

Paxis hat die Herausforderung, die Konzepte und die Details generalisieren zu müssen, damit die Einsteiger ein Rezept haben, nachdem sie vorgehen können.


Antwort
Zitat
Coach
Paxis
Beigetreten: 01.11.2006

Im Kopf existiert die Strategie natürlich schon und in den Livecoachings wird auch immer gezeigt wie man Postflop nach dieser Strategie als Einsteiger zu spielen hat. In den wenigen Situationen wo ich mir noch nicht genau sicher bin wie die Strategie ausformuliert genau sein wird, sage ich das. Aber die meisten Fälle sind schon abgedeckt. Es gab ja auch schon Postflopartikel/Strategie für die vorhergehenden Einsteigerkurse.

In Position betten wir auch laut Einsteigerstrategie im 3Bet Pot gegen einen Gegner immer für 1/3 die komplette Range.
In dem hier vorhandenen Fall würde die Strategie auch Out Of Position (OOP) eine Bet am Flop vorsehen mit unserer kompletten Range. Weil es einfach ein sehr günstiger Flop für uns ist. Die Betsize wird sich wahrscheinlich auf 1/2 belaufen. Das hatte ich auch schon mit Fallout besprochen.
Der Grund ist, dass wir OOP, gerade in den Restealsituationen, auch Flops haben werden wo wir Check/Fold spielen möchten und daher nicht immer 1/3 Rangebetten wollen. Eine 2/3 Bet wird auf den sehr günstigen Boards für uns aber zu viel Fold Equity erzeugen und da wir immer die gleiche Betsize, wenn wir betten, als Vorgabe verwenden möchten. Wird die 1/2 Betsize der beste Mittelweg sein für Flopbets OOP.


Antwort
Zitat
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