Hi,
da Panny1 das gleiche Problem wie ich hat und gerne wissen würde, wie man einen defekten Monitor reparieren kann, schreibe ich ein kurzes How To.
1) Verhalten
Der Monitor geht nicht direkt an, er flackert, oder wird nur langsam hell: Es scheinen Kondensatoren geplatzt zu sein.
2) Monitor öffnen
Diese sind meist nicht verschraubt, sondern zusammengeklickt. Hierfür mit einem Messer zwischen der forderen Front und der hinteren Abdeckung die Klickelemente vorsichtig lösen. Dabei einfach das Messer einmal um den kompletten Monitor schieben.
Nun die Elemente abschrauben, bis man die eigentlichen Platinen sieht.
3) Geplatzte Kondensatoren identifizieren
Defekte Kondensatoren erkennt man an zwei Dingen:
3.1) Der Kopf ist nach außen gewölbt und nicht mehr eben
3.2) Es entsteht unter Umständen eine braune Farbe auf den Kondensatoren


In diesem Fall sind die drei braunen Kondensatoren geplatzt (Ich habe sie bereits "gereinigt", daher ist die braune Farbe nicht zu sehen) und müssen ausgetauscht werden.
4) Das Werkzeug
Gebraucht wird
4.1) Lötkolben (20-30 Watt)
4.2) Lötzinn (ca 1mm Dicke)
4.3) Entlötpumpe
4.4) Neue Kondensatoren
Bei den Kondensatoren gilt zu beachten, dass man gleichartige nimmt. Die Kapazität und Spannung stehen auf den Kondensatoren

In meinem Fall brauchte ich 2 820µF - 25V und 1 330µF - 25V Kondensatoren. Beide gab es leider nicht, daher habe ich zwei 1000µF - 25V und 1 330µF - 35V genommen.
Hierbei gilt zu beachten, dass man mit der Spannung durchaus höher gehen kann. Die Kapazität sollte gleich sein, aber die meisten Geräte verkraften höhere Kapazitäten problemlos. Daher habe ich die 1kµF Kondensatoren genommen, mit der Gefahr, dass sie wieder platzen.
Der Preis liegt bei ca 30ct pro Kondensator.
Für 4.1-4.4 habe ich gesamt ca 14€ bezahlt.

5) Kondensatoren entlöten
Nun müssen die alten Kondensatoren raus. Die Lötunkte auf der Rückseite der Platine identifizieren

Nun Lötzinn auf die Lötstellen mit dem Lötkolben geben, bis ein Bobbel entsteht. Anschließend die Lötpumpe aufladen (Den oberen Stift eindrücken, mit dem Knopf kann dann ausgelöst werden).
Das Lötzinn erneut erhitzen, bis es flüssig ist. Es verflüssigt somit auch die eigentliche Lösttelle.
Nun die Lötpumpe direkt an die flüssige Lötstelle halten und den Knopf betätigen. Das Zinn sollte nun möglichst komplett aufgesaugt worden sein.

(Wirklich sauber sieht das nicht aus, aber war auch mein erstes Mal
)

6) Neue Kondensatoren einsetzen
Die neuen Kondensatoren einsetze, hierbei auf die Polung achten. Die Kondensatoren sind immer auf einer seite mit einem Minus versehen. Auf der Platine ebenfalls.
Pins umbiegen und mit neuem Lötzinn verlöten.

Anschließend die überstehenden Pins abzwicken.

7) Monitor zusammen bauen
Versteht sich wohl von selbst
Fazit:
14€, halbe Stunde Arbeit und mein Monitor ist wie neu.
EDIT:
Weiter Infos von anderen Usern:
Original von MorbusFokko
Aber ich würde statt des Messers einen Stumpfen Gegenstand nehmen. Alte Plastikkarten im Kreditkarten Format eignen sich besonders gut.
Original von TNT9
Mann kann mit der spannung höher gehen, aber die lebensdauer sinkt...
Grundsätzlich finde ich auch die aussage, dass die meisten geräte höhere kapazitäten problemlos verkraften wohl mehr als heikel, wenn die schaltung nicht bekannt ist, es gibt einige gründe wiso probleme auftretten können... Ausserdem gibt es auch bei elkos verschiedene typen, worauf man allenfalls achten könnte...
Original von NamenIos
Kleine Ergänzung, hier sieht man, dass die oberen beiden Kondensatoren parallel geschaltet sind, damit haben sie eine Kapazität von 2*820µF, diesen Wert könnte man besser durch 680µF und 1000µF erhalten.
Erkennen kann man diese Parallelschaltung an den grün lackierten Kupferflächen, die die beiden (!) Kontakte direkt miteinander verbinden.In der Regel sind Kapazitäten nicht so kritisch die meisten Elkos haben eine Toleranz von -10%/+20%, ob welche mit höherer Kapazität funktionieren hängt von der Schaltung ab. Sind sie zu groß gehen idr Regel nicht die Elkos kaputt sonder Transistoren (MosFets) oder Dioden. Das wird dann schwerer zu finden, da man das durchmessen muss.
Und zuletzt das wichtigste: Bevor ihr den Monitor öffnet trennt ihn vom Netz und wartet ein paar Stunden, es kann durchaus noch knapp 350V im Monitor über ne ganze Zeit verbleiben, das ist realtiv unangenehm und unter umständen tödlich.
edit: Preislich ist Conrad ne Apotheke, Reichelt ist häufig merklich billiger. Pollin und Kessler Electronic wären auch noch Alternativen, wenn die Bauteile vorhanden sind.
Original von acegipoker
Ich würde beim HowTo am Anfang noch erwähnen, dass man ihn zu erst ausstecken soll
Original von Heinz021
für leute denen so was wichtig ist, empfiehlt es sich entweder handschuhe zu tragen oder die hände gründlichzu waschen wenn man mit ausgelaufenen elkos zu tun hat.
ist nicht grad das gesündeste zeug das da ausläuft
Original von pg89
2 ergänzungen/tips noch:Die beinchen von den neuen kondensatoren sollte man möglichst vor dem einlöten kürzen, da beim abknipsen die lötstellen wieder kaputt gehen können. Ist denke ich eher selten, aber sicher ist sicher, vor allem weil man es oft nicht gleich bemerkt.
Und wer mit den entlötpumpen nicht klar kommt (so wie ich), kann auch entlötlitze nehmen. Ist natürlich geschmackssache, aber ich finde es wesentlich angenehmer als die blöde pumpe^^