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88 vs. SB 3bet

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marekn
Beigetreten: 25.07.2008

Limit Hold'em $0.25/$0.50
PokerStars
4 players
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Stacks:
UTG - Hero ($10.16)
BTN - BTN ($9.91)
SB - SB ($16.83)
BB - BB ($23.68)

Stats SB
VPIP: 27, PFR: 20, 3Bet Preflop: 8 (SB: 10), AF: 1,97 Hands: 388

Preflop: ($0.35, 4 players) Hero is UTG with 8♠ 8♦
Hero raises to $0.50, 1 fold, SB raises to $0.75, BB calls $0.50, Hero calls $0.25

Flop: 2♣ 5♣ J♣ ($2.25, 3 players)
SB bets $0.25, 1 fold, Hero calls $0.25

Turn: 2♥ ($2.75, 2 players)
SB bets $0.50, Hero calls $0.50

River: 5♥ ($3.75, 2 players)
SB checks, Hero checks

Der Gegner ist ziemlich aggressiv. Ich hatte erst überlegt call Flop raise Turn zu spielen, war dann aber unsicher. Sollte ich hier raisen?
Und wie gespielt, sollte ich den River betten?


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Zitat
3 Antworten
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

Ein Raise ist nicht sinnvoll, denn du hast keinen Vorteil gegen die mutmassliche Range des Gegners. Die Stats des Gegners würde ich normal für einen TAG 6-handed einordnen. Um so mehr, als dass sie vielleicht zu einem Teil 4-handed entstanden sind. Je weniger am Tisch sitzen, desto höher werden PFR und VPIP, weil die Positionen wegfallen, in denen man am tightesten spielt.

Das bedeutet, seine preflop 3-bet Range ist ungefähr 77+, ATs+, KQs, AJo+. Gegen diese Range hast du keinen Vorteil am Turn, selbst wenn er absolut alle Hände davon weiterbetten würde. Also gibt es auch nichts zu raisen, denn du kannst mit einem Nachteil nur Geld verlieren, wenn mehr Geld in den Pot kommt. Es ist nicht zu erwarten, dass er stärkere Hände aufgibt. Bluffen kannst du also auch nicht.

Du hast allerdings genügend Equity, um ihn runtercallen zu können.

Board: J♣5♣2♣ 2♥
       Equity     Win     Tie
MP2    40.25%  39.82%   0.43% { 8d8s }
SB     59.75%  59.31%   0.43% { 77+, ATs+, KQs, AJo+ }

Am River wird es dann interessant. Der Gegner checkt auf eine Blank. Es gibt hier zwei Möglichkeiten: entweder der Gegner hat eine Hand, die sich für eine Valuebet nicht gut eignet, er möchte aber gerne einen Bluff fangen. Das sind typischweise A high Hände und vielleicht Pockets < JJ. Wobei die Pockets auch gut für Valuebets sind, denn du würdest top Pair oder besser schon sehr oft am Turn raisen. Bei doppelt gepaartem Board am River hast du mit A high keine Kickerprobleme mehr, daher könntest du versucht sein, A high am River zu callen. A high hat er einige in der Range. AJ und besser sollte er einfach weiter für Value betten. Oder er hat eine Hand, mit der er checkraisen will. In Frage dafür kommen Flushes und FHs. Andererseits könnte er die meisten seiner Flushes auch bet/3-bet spielen, da das Nut Flushes sind und die Gefahr eines FHs bei dir gering ist, denn 5er und 2er hast du kaum in der Range. Mit dem FH sowieso.

Das bedeutet für dich, dass du dir am River überlegen kannst, ob du eine Valuebet gegen A high und 77 hast. Diese Valuebet wäre dünn, das heisst, auf einen Checkraise würdest du folden.

Sehen wir uns mögliche check/call und checkraise Ranges mal an:

check/call: AK, AQ, ATs, 77-99 (entspricht Valuebet mit TT/99 zu 50%, also auch call zu 50%) = 47 Kombos, von denen du 41 schlägst
checkraise: K high Flush (1 Kombo), JJ (3), AA-QQ mit Flush Blocker (tricky, 9), geplatzer Flush Draw (2, es gibt eigentlich mehr, aber lassen wir ihn nicht zu wild bluffen) = 15 Kombos

-> 41 * +1 BB, 13 * (-1 BB), 2 * (-8,5 BB) ~ +10 > 0

Ich würde es daher am River für Value betten.

Prinzipiell gibt es zwar ein Problem mit deiner Range, da du kaum Monster in der Range hast. Was bedeutet, wenn du am River bettest, dann ist deine Range nicht besonders stark und anfällig für Checkraise-Bluffs. Das muss der Gegner aber erst mal erkennen und so viel Fantasie traue ich einem 0,25/0,50 Standard TAG ohne Reads erst mal nicht zu.

Aber ja, wenn der Gegner das exploiten würde mit konsequenten Checkraises mit A high, dann dürftest du es nicht mehr als dünne Valuebet spielen, sondern müsstest einen Raise sogar callen, weil du nicht am unteren Ende deiner Bettingrange bist und die Odds sehr gut sind. In diesem Fall würde sich die Rechnung ändern, weil du zwei Bets am River verlieren kannst, andererseits gewinnst du gegen seine Bluffs auch zwei. Eine Bet wäre erst dann nicht mehr gut, wenn er einen Grossteil seiner Valuerange am River auf Checkraise umstellt (also auch top Pair). Dann hättest du einen Nachteil gegen seine checking Range und könntest nicht mehr betten. Wie gesagt, ohne Reads nehme ich so viel Fantasie erst mal nicht an.


Antwort
Zitat
marekn
Beigetreten: 25.07.2008

Hallo.
Vielen Dank für deine ausführliche Analyse.
Zu deiner Rechnung habe ich noch eine Frage.
41x gewinne ich 1 bet
13x verliere ich eine bet (wenn ich auf checkraise folden muss)
Was sind die anderen 2 Fälle?

Er hatte AxQc.
Welche Schlüsse ziehe ich daraus?


Antwort
Zitat
Moderator
cjheigl
Beigetreten: 10.04.2006

In den anderen 2 Fällen verlierst du gegen einen Bluff, weil du foldest. Da du da bei einem Call den Pot gewonnen hättest, verlierst du viel mehr als nur die Bet, nämlich den ganzen Pot. In den anderen Fällen geht es nur um den Mehrwert, den die Bet für sich genommen erzeugt.

Aus den gezeigten Karten schliesst du, dass Flush Draws ein Teil der Range sind, die der Gegner an Flop und Turn bettet. AQ ist einer der Flush Draws, die man in der preflop 3-bet Range eines tighten Spielers erwarten kann. Nichts davon ist eine Überraschung. Das checkt er dann auf dem River, aber sein weiterer Plan ist unbekannt, da er nicht getestet wurde. Man kann vermuten, dass er deshalb gecheckt hat, weil er seine Hand nicht stark genug für eine Valuebet hielt (vernünftige Annahme). Vielleicht hätte er auch gecallt, um sich nicht von passiv gespielten Flush Draws aus der Hand bluffen zu lassen. Prinzipiell hast du eine Menge Flush Draws in deiner Range, da du für einen Flush Draw nur eine Flush Karte brauchst. Die bluffst du vielleicht nicht alle am Turn, damit deine Range nicht zu blufflastig wird.

Du weisst nicht, ob er auch starke Hände gecheckt hätte. Solange du ihn das aber nicht machen siehst, kannst du für's erste annehmen, dass er am River seine Range teilt in der Art, dass die checking Range ziemlich schwach ist (hier A high) und die betting Range polarisiert (bestehend aus starken/sehr starken Händen und Bluffs). Das bedeutet, du kannst gegen einen Check viele marginale Valuebets setzen und du musst in einer Hand wie dieser nicht mal polarisieren. D. h. du kannst auch A high am River betten. Wenn er callt, kein grosser Schaden wegen split Pot, wenn er foldet, dann hast du einen halben Pot gut gemacht. Das bedeutet, du hast sehr viele Valuebets am River gegen Checks und kannst auch so einiges bluffen, um die Bets zu balancieren. Es ist durchaus gut, wenn er mal einen Bluff gezeigt bekommt, damit er solche schwachen Hände weiter callt. In Wirklichkeit erzeugst du sehr viel Value mit marginalen Valuebets, aber er merkt es nicht, weil er auch mal einen Bluff fängt. Hier wäre es sogar so, dass er relativ oft A high von dir zu sehen bekäme und das zeigt ihm, er darf A high niemals folden. Du könntest ihn also risikolos zu schwachen Calls erziehen. Damit hörst du dann erst auf, wenn er anfängt, auch Pockets check/call zu spielen.

Gegen eine Bet wäre ein Call knapp gewesen, weil dich bessere Pockets, AJ und Flushes schlagen, du aber mutmasslich nur 77 schlägst. Das würde knapp nicht reichen, wenn er nicht noch etwas blufft. Ich würd's aber callen, weil die Statistiken noch nicht so super zuverlässig sind und ich 4-handed eine Hand wie KQ nicht ausschliessen möchte. Für KQ gibt es ja auch 6 Kombos mit geplatzten Flush Draws. Mit denen würde es wegen der Odds auf jeden Fall für einen Call reichen.


Antwort
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