Ich denke, wenn man eine derartige Schwäche erkannt hat, dann beeinflusst das schon das Spiel am Turn. Es lohnt sich, gegen so einen Spieler den Pot gross zu machen. Im grossen Pot foldet der Gegner zuviel, im kleinen Pot ist seine Foldingfrequenz vielleicht nahe dem Optimum. Wenigstens eine BB muss am Turn in den Pot.
Die Position gegenüber dem Gegner beeinflusst das Spiel. In Position ist es am einfachsten. Das exploitive Spiel sieht so aus:
Q high und schlechter immer bluffen. Der Gegner foldet 20% einer Range, die uns schlägt. A high nicht bluffen. Ob man A high mit gutem Kicker für Value betten kann hängt von der gegnerischen Call-Range ab.
K high dann bluffen, wenn der Gegner noch so viele bessere Kicker folden kann, dass er mehr als 1/(Pot+2) Anteil an Kombos mit besserem Kicker foldet. Dabei ist zu bedenken, dass man gegnerische K high blockiert, wenn man selbst einen K hat. Eventuell muss der Faktor von 20% dadurch korrigiert werden. Prinzipiell blockiert ein K in der eigenen Hand mindestens 1/4 der gegnerischen Kombos mit auch einem K. Hat der Gegner den gleichen Kicker in seiner Range, dann wird er noch etwas mehr blockiert.
Beispiel:
Der Gegner hat K9+ in seiner Range. Dazu K5s+. Angenommen, das Board weisst keine Karte zwischen K und 8 auf, dann hat er irgendwo zwischen 68 und 76 Kombos mit K high in der Hand (hängt von der Zahl der Kicker ab, mit der der Gegner das Board oder den eigenen Kicker trifft. Kombos für KQ sind bereits korrigiert.) Da das 20% sein soll, hat der Gegner insgesamt ca. 350 Kombos. Hat man selbst K9, dann hat der Gegner 36 bessere Kombos mit einem K, 9 gleich gute und ca. 9-12 schlechtere Kombos mit schlechterem Kicker.
Geht man also davon aus, dass sich die Anzahl der gegnerischen Kombos für Hände ohne K nicht ändert, nur weil Hero einen K hat, lohnt sich der Bluff für Hero mit einem K nicht, wenn der Pot kleiner als 5 BB ist, weil der Gegner dann nicht genug bessere Kombos folden kann. Ist der Pot grösser, dann hängt es von der Potgrösse ab, welchen Kicker zum K Hero noch bluffen kann. Für einen Kicker, der in der Range der offsuit Kicker für den Gegner ist, reduziert sich die Zahl der gegnerischen Ks unter Umständen sehr stark.
Ist man ausser Position zum Gegner, kann er noch etwas unternehmen, nachdem man zu ihm checkt oder bettet. Das eröffnet zwei Probleme, die gegensätzlicher Natur sind: negativer Freeroll und Bluffprevention.
Bluffprevention: Ein K muss nicht das untere Ende der Range des Gegners sein. Man kann mit einer Bet vielleicht mehr als nur K high zum folden bekommen. Ausser Position kann es nützlich sein, auch schlechtere Hände des Gegners zum folden zu bekommen, damit er sie nicht blufft. Nämlich dann, wenn der Gegner insgesamt so viele Hände foldet, damit eine Bet einen positiven EV hat, er aber potenziell zu wenige Hände blufft, dass wir callen könnten. Insbesondere kann es sein, dass wir die Bluffingfrequenz des Gegners nicht gut kennen, so dass wir eine schwierige Entscheidung haben, wenn der Gegner bettet. Eine Bet wäre dann immer besser als cf. Daher kann es ausser Position gut sein, zu gute Hände für einen Bluff zu betten, obwohl es keine echte Valuebet ist.
Zum integrativen Ansatz von Cornholio: verzichtet man dabei auf einen maximalen Exploit, dann ist dieser Ansatz für diese eine Hand nicht die Linie mit dem maximalen EV. Das kann nützlich sein, wenn man mit dem maximalen Exploit befürchtet, dass der Gegner sich schneller anpasst. Er wird ja in vielen Fällen unsere Hand zu sehen bekommen, da er zu einem grossen Teil callt. Zeigt man ihm T high, dann ist das unkritisch, weil er davon ausgehen wird, dass das wohl zu unserer Bluffrange gehören wird. Zeigt man ihm QJ oder K schlechter Kicker, dann wird er vielleicht aufmerksam.
Wenn sich der Gegner anpasst, dann hat das Konsequenzen auf den EV von vielen Händen, daher wiegt der Verzicht auf Gewinn in einer Hand vielleicht weniger schwer. Gegen unaufmerksame Gegner sollte man die Linie mit dem maximalen EV suchen. Die gehen davon aus, dass sich der Bluff gegen A high gerichtet hat.
Problematische Situationen ergeben sich vor allem dann, wenn A high für den Gegner nicht möglich ist (A auf dem Board oder andere Gründe).