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Checkraise-Keule auch gegen capped Range effektiv

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KTU
KTU
Beigetreten: 24.01.2007

“Die Vorbedingung für alles wirkliche Wissen ist ein präzises Unterscheidungsvermögen für die Grenze zwischen dem, was man wirklich weiß, und dem, was man bloß meint.” – Konfuzius

Eine capped Range enthält nur Hände bis zu einer bestimmten Handstärke . Es ist bekannt, dass man capped Ranges durch große Bets mit polarisierten Ranges angreifen kann:

Wir stellen uns Handstärke als [0,1] Intervall vor. 0 sind die schwächsten Hände und 1 die Nuts. Hat Spieler A eine capped Bluffcatcher-Range wie {0.5, 0.6, 0.55, 0.56} und sein Gegenspieler B eine polarisierte Range wie {0.7, 0.71, 0.72, 0.73, 0, 0.1, 0.2, 0.3}, dann möchte B so groß wie möglich selber (over-)betten und erzielt damit den höchsten Range-EV. Spieler A bettet hingegen selber nie und checkt, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt.

Nicht jedes capped Range Szenario passt allerdings auf dieses theoretische Beispiel. In der Praxis treffen meistens die folgenden beiden Punkte zu:

• Der Spieler mit der capped Range hat noch eine Valuebet-Range.
• Der Spieler mit der stärkeren Top-Range hat ebenso Bluffcatcher und schwächere Valuehands in seiner Range.

Ist der Spieler mit der uncapped Range in diesem Szenario Out of Position, kann es ein schwerer Fehler sein die capped Range polarisiert mit großen Bets anzugreifen.


Im heutigen Blogeintrag zeige ich, dass im nebenstehenden Szenario eine direkte Pot-Bet mit 8d8s gegen die capped Checkback-Range aus UTG ein schwerer Fehler wäre.

Diese Situation ist sehr typisch für capped Ranges, die selber valuebetten wollen. Im Beispiel cbettet UTG polarisiert, hat aber am Turn immer noch sehr großen Range-Vorteil nach Checkback.

Der EV von direkten Bets mit 88 errechnet sich aus der Calldown-Strategie von UTG

Fangen wir an die Ranges zu konstruieren, die am Turn gegeneinander spielen. UTG kommt mit folgender Range zum Flop:

Die Cbet-Strategie ist klassisch polarisiert:

• Alle 3-Street Valuehände wandern in die Cbet-Range. (rot)
• Hohe Blufffrequenz von 70%. (gelb)
• Bluffs brauchen nicht viel Equity, da das Board zu recht statischer Equity führt.

So wird UTG seinen ganzen Unfug am Flop los und ist am Turn zwar capped, hat aber trotzdem noch 60% Equity gegen den Big Blind. Dieser wird nämlich seine schwachen Hände nicht am Flop los. Diese Strategie wird gegen einen GTO-Gegner etwas zu loose sein, aber in der Praxis sollte sie gegen die Populationstendenzen auf NL200 – NL400 nicht exploitet werden.

So sieht die Equity-Verteilung der UTG Range nach Checkback am Turn gegen den Big Blind aus:

Der Big Blind hat zwar die stärkere Top-Range (Alle Sets, mehr 2Pairs), aber auch viele sehr schwache Hände.

UTG hat insgesamt 60% Equity und mit Qx, 88 klare Valuebets gegen diese Range.

Ebenso muss UTG auch sicherstellen, dass BB nicht mit zwei Pot Bets an Turn und River seine Air profitabel durchbetten kann. Es ist eine sehr mächtige und praktikable Heuristik seine Calldownfrequencies so zu bestimmen, dass zu loose Bluffs auch wirklich EV- sind.

Heuristik zum Bestimmen der #Call auf Turn und River.
1. Wähle eine Hand, die auf keinen Fall mit Pot-Pot EV+ sein darf.
2. Löse die folgenden Gleichungen:
i) EV(Turn) = 0.35 * 65 + 0.65 * (EV(River) – $65) = – 15
ii) EV(River) = x * 195 + (1-x) 195 + EQR_Bluffhand

Hier konkret:
1. Wir wählen AJo und wollen, dass diese Hand als Pot-Pot Bluff einen EV von -1.5bb gegen uns als Bluff hat.

2. i) => EV(River) = 4.5
EQR = 0.08 * 195 = 15.6
=> x = 0.47

Damit callt UTG ….
… am Turn: 0.65 * #79 = #51
… am River 0.47 * #51 = #24

Das führt zu folgender Call-Range am Turn:

Achtung: In der Praxis callen wir natürlich unsere 4 Flushdraws auch und lassen dafür 4 Kombos 66 weg.
Und schließlich am River zu dieser Continue-Range:

Mithilfe dieser Calldownfrequencies ergibt sich sofort der EV von zwei Pot-Bets mit 88 und dieser ist offensichtlich 6BB kleiner als der EV, den wir gegen Villains Top-Range mit 1/2 Pot Checkraise + Pot River generieren, wie jeder leicht nachrechnen kann.

Zusätzlich haben wir gegen die ganz marginalen Bluffcatcher von Villain auch noch eine Valuebet am River mit 88 nach X-X am Turn.

Mit einem Checkraise maximieren wir unseren EV gegen Villains capped Value-Range und das ist wichtiger als ein paar Calls am Turn von Bluffcatchern zu bekommen, die callen, aber nicht selber betten werden.

Und die Moral von der Geschichte: Nur weil Villain capped ist und wir uncapped sind, heißt das noch lange nicht, dass es die beste Strategie ist möglichst viel und möglichst polarisiert selber zu betten.

Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen von euch davon überzeugen zukünftig nicht sofort den Pot-Button zu drücken, wenn er die Nuts hält und sich mit einem Checkback konfrontiert sieht.

Bis zum nächsten Mal!

KTU


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KTU
KTU
Beigetreten: 24.01.2007

Kleine Anschlussfrage:

Was macht ihr mit 77, bzw. AQ als BB am Turn?


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