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Viele Grüße
Nadine
************* (Originaltext) *************
Hallo,
die Kurzfassung ist, dass ich Probleme mit meiner Rolle als Vater habe
und ob ich ihr gerecht werde. Da es hier nicht um bleibende
gesundheitliche Schäden oder ähnliches geht, werden paar vielleicht
denken, dass ich doch glücklich sein soll, wenn das mein einziges
Problem ist. Das kann ich teilweise auch verstehen...
Die lange Fassung:
Keine Ahnung, ob das überhaupt hier reingehört, aber wollte es einfach
mal "zu Papier" bringen, da es nicht ganz einfach ist darüber im
Freundeskreis zu reden.
Die Singles verstehen das Problem irgendwie nicht so richtig und die,
die bereits Kinder haben irgendwie auch nicht (wenn auch aus anderen
Gründen).
Meine Frau und ich haben ein geplantes Kind Ende 2013 bekommen (eine
Tochter). Zeitgleich haben vor uns und auch nach uns noch ein paar
Freunde Kinder bekommen. Am Anfang ist man natürlich überglücklich und
freut sich Zeit mit seiner "neuen" Familie zu verbringen. Das hat auch
die ersten ~10 Tage angehalten.
Nach diesen 10 Tagen hat sie immer mehr angefangen zu krampfen, zu
anfangs erst nur nach dem Stillen. Geäußert hat es sich darin, dass sie
ihre Beine senkrecht in die Luft gestreckt hat und wie wild geschrieen
hat. Sie hat sich dabei durch nichts beruhigen lassen und hat die ganze
Zeit geschriehen wie am Spieß, bis sie gefühlt irgendwann vor
Erschöpfung eingeschlafen ist und nach dem Aufwachen wieder Hunger hatte
und das Ganze von vorne angefangen hat. Nach dem ersten Tagen ist sie
dann immer öfter nach kurzer aufgewacht, hat wieder gekrampft und ist
dann irgendwann wieder eingeschlafen.
Zuerst wurde vermutet, dass es mit einer falschen Ernährung meiner Frau
zu tun hat, wir haben dann rumprobiert mit "kein Kohl", "keine Milch"
usw. hat aber alles nichts geholfen. Nach 4 Wochen wurde dann von der
Hebamme und dem Kinderarzt gesagt, dass es sich um die 3 Monatskolik
handelt (haben einige/viele Babys) und es nach 3 Monaten vorbei ist und
sie nicht ernsthaft krank ist.
Da sie dann immer mal wieder im Schlaf aufgewacht ist, sind wir zusammen
mit ihr gegen 20 Uhr ins Bett gegangen. Meistens konnten wir dann 2 bis
3 Stunden schlafen und dann wurde sie wach und musste so 2 bis 4 Stunden
beruhigt werden (inklusive Essen), dann ist sie wieder eingeschlafen.
Wenn wir Glück hatten ist sie sie dann erst wieder gegen 5 bis 6 Uhr
aufgewacht, teilweise war die Nacht auch früher zu Ende. Tagsüber lief
es dann ähnlich ab, wobei meine Frau dann alleine mit ihr zu Hause war
und ich arbeiten.
Da wir in der Wohnung keinen Ort haben, an dem der andere schlafen
konnte, während sie beruhigt wurde und sie im Kinderwagen durch die
Schaukelbewegungen besser geschlafen hat, bin ich dann öfters ab 1 Uhr
nachts mit ihr 2,3 Stunden spazieren gefahren, damit meine Frau
wenigstens schlafen konnte.
Zeitgleich hat man von befreunden Eltern gehört wie toll es doch mit dem
Baby ist und wie süß lieb und schön doch alles ist. Auf die Frage wie es
bei uns läuft und unserer Erklärung wurde dann meistens sowas gesagt
"ja, sowas hat xyz auch manchmal, so schlimm ist das ja nicht". Als dann
ein paar bei uns zu Hause waren, kam immer "so schlimm ist es bei uns
dann doch nicht" ...
Wir haben uns auf das Ende der 3 Monate gefreut und gehofft, dass es
besser wird ... wurde es aber nicht. Hebamme und Kinderarzt meinten,
dass es in selteneren Fällen auch bis zu 6 Monate dauern kann, aber dass
es vielleicht durch die Nahrungsumstellung nach 4 Monaten besser wird.
Nicht unbedingt das was wir hören wollten ...
Nach 4 Monaten haben wir dann angefangen auf "richtige" Nahrung
umzustellen ... wurde aber auch nicht besser. Die größte Änderung war,
dass sie vorher relativ guten Stuhl hat, der sich jetzt in eien
Verstopfung gewandelt hat und sie beim "großen geschäft" vor Schmerzen
geweint hat. Zum Glück konnte sich den Zusammenhang zwischen Schmerzen
und Essen noch nicht verstehen ...
Wir sind dann nochmal zu einem "Darmspezialisten" für Kinder in die
Klinik gegangen. Der meinte, dass es teilweise etwas länger dauert bis
sich der Darm an die neue Nahrung gewöhnt hat und wir so eine Art
Einlauf machen sollen, wenn es zu schlimm wird.
Zeitgleich haben unsere befreundeten Eltern ihre ersten Abenden alleine
verbracht und die Großeltern auf das Kind aufgepasst haben. Bei uns muss
man dazu sagen, dass sich nur meine Eltern um sie kümmern können, aber
auch ~1 Stunde von uns wegwohnen. Wir hatten aber ehrlichweise auch gar
keine Lust gehabt irgendwas alleine zu machen, wir waren nur noch froh,
wenn sie geschlafen hat und wir dann auch etwas schlafen konnten.
Das war auch so langsam die Zeit (wo zumindestens ich) teilweise Angst
hatte, wenn sie wach geworden ist, da sie in den meisten Fällen
irgendwann wieder ihre Krämpfe bekommen hat. Hat sie geschlafen, hatte
ich dagegen Angst, dass sie demnächst aufwacht ...
Man muss dann aber ehrlichweise sagen, dass es nach ~8,9 Monaten langsam
besser wurde. Tagsüber hat sie fast nicht mehr gekrampft, nachts hat sie
dann immer länger am Stück geschlafen.
Mit dem Laufen nach wurde es dann nochmal besser, habe mal gehört, dass
der Darm durch die Bewegung besser angeregt wird und arbeitet.
Wahrscheinlich hat sich ihr Körper aber auch einfach weiterentwickelt.
Heute, knapp 1 3/4 Jahr nach ihrer Geburt schläft sie mit 1,2
Unterbrechungen pro Nacht von 20 uhr bis 6 Uhr morgens. Habe ich mir
persönlich etwas anders gewünscht, da es auf Dauer doch sehr schlaucht,
jeden Tag um 6 aufzustehen, aber mittlerweile bin ich wohl auch etwas
angepasst.
Das klingt jetzt vielleicht auch etwas komisch, aber ich habe teilweise
immer noch "Angst", dass es wieder kommt. Ab und zu hat sie nochmal
Nächte bei denen sie etwas krampft und man sie dann wieder länger
beruhigen muss. Die nächsten Tage bzw. Nächte denke ich dann oft daran,
was wäre wenn es wieder kommt? ...
Man sollte den Text auch nicht falsch verstehen, ich liebe meine
Tochter. Aber in Gesprächen mit anderen Eltern habe ich immer das
Gefühl, dass die anderen irgendwie ... ich sage mal glücklicher sind
bzw. ihre Kinder irgendwie mehr lieben. Im Gegensatz zu den anderen kann
ich nicht sagen, dass die erste Zeit am schönsten ist und je öfters ich
höre wie toll und schön doch die erste Zeit, habe ich das Gefühl
irgendwie was verpasst zu haben bzw. dadurch dass ich (wir) ihr nicht
helfen konnten auch irgendwie das Gefühl meiner Rolle (damals) nicht
gerecht geworden zu sein.
