Hallo zusammen,
ich möchte mir hier einfach etwas Kummer von Seele reden.
Vor einigen Stunden habe ich erfahren das mein Vater gestorben ist. Er litt an Krebs, die Speiseröhre war befallen und durch die späte Feststellung hatte der Krebs auch schon gestreut.
Erfahren habe ich von seiner Erkrankung vor etwa 18 Monaten, er hatte es mir erst einige Wochen später gesagt, nachdem er es erfahren hatte.
So wirklich wahrhaben wollte ich es lange nicht, für mich waren die Ärzte Quacksalber.
Selbst als ich es verstanden hatte, lag der Tod für mich noch in weiter Ferne und ich war immer noch der Überzeugung, dass er am Ende dem Krebs Einhalt gebieten würde, er war schließlich ein Kämpfer.
Gestern wollte ich ihn Zuhause besuchen, wir hatten die Tage davor telefoniert und ich wollte ihm einen MP3 Player schenken, auf dem ich verschiedene Alben die er gerne hörte spielte.
Kurz nach der Arbeit machte ich mich auf dem Weg zu ihm, statt meinem Vater stand einer seiner Brüder an der Wohnungstür und eine Kraft aus einem Hospiz war anwesend.
Mir wurde mitgeteilt das es ihm nicht gut gehe und er im Bett läge.
Ihm fiel das Atmen schwer und er kämpfte förmlich um Luft, jedes Wort war für ihn ein Kraftakt und verstärkte nur die Atemnot.
Ich war vollkommen überfordert mit der Situation und saß einfach nur da, ich wollte nichts sagen, aus Sorge er würde sich dadurch animiert fühlen versuchen zu sprechen.
Ich verließ den Raum zwischenzeitlich auch, in dem Glauben es würde seinen Stresspregel senken.
Als die Medikamente nicht halfen, wurde die ?Caritas? gerufen, welche auch kurze Zeit später eintraf. Es wurde entschieden das er ins Krankenhaus kommt, dessen Wille musste mein Vater selbst äußern...
Mit einer Trageplane haben wir ihn nach unten getragen und er wurde in den Krankentransport geladen.
Uns wurde mitgeteilt das er die Nacht möglicherweise nicht überleben würde.
Kurze Zeit später bekamen wir die Info das wir ihn jetzt besuchen könnten und eine Sondergenehmigung hätten.
Seine Mutter, Brüder und ich waren dort. Mein Vater schlief die meiste Zeit über, ab und zu wurde er jedoch kurz wach, schien durch die ganzen Medikamente aber nicht mehr wirklich viel wahrzunehmen.
Es war still, niemand sagte etwas, ich denke jeder glaubte es würde die nächste Stunde zu Ende gehen.
Es war schlimm, eine Qual ihn so zu sehen, sein geschundener Körper, seine schwere Atmung. Und während ich das schreibe treibt es mir wieder die Tränen in die Augen.
Jeder etwas verzögerte Atemzug von ihm ließ mein Herz stillstehend, immer in dem glauben es könnte der letzte gewesen sein.
Etwas später bekam er weitere Medikamente, da er unruhig wurde. Danach schlief er komplett durch, drehte und wälzte sich nicht mehr, nur noch die schwere Atmung blieb.
Bis etwa 1 Uhr Nachts blieben wir im Krankenhaus, nur einer seiner Brüder blieb die ganze Nacht über.
Heute wollte ich wieder in das Krankenhaus, hatte mich gerade fertig gemacht und wollte eigentlich gerade los, als ich einen Anruf in Abwesenheit auf dem Display sah. Es war sein Bruder der die ganze Zeit bei ihm war und er teilte mir mit das mein Vater heute Morgen um etwa 10 Uhr gestorben ist.
Es zerbricht mir das Herz, dass ich nicht dort war. Auch wenn er es nicht mehr wahrgenommen hätte, wäre ich dennoch gerne da gewesen.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob er in den kurzen Augenblicken in denen er Wach war, überhaupt realisiert hat das wir alle da waren.
Ich wünsche es mir so sehr, das er mitbekommen hat das wir alle da waren und er nicht alleine ist.
Ich wollte ihm noch so vieles sagen.
Wisst ihr was einer der letzten Worte waren, die er mir sagte? Während er bei sich Zuhause im Bett lag und um Luft kämpfte, fragte er wie es mir geht.
WIE ES MIR GEHT!
Ich bin froh darüber das er keine Schmerzen mehr hat, kann es aber dennoch nicht wirklich realisieren, das er einfach nicht mehr da sein soll.
Er hat sein ganzes Leben hart gearbeitet und durfte nicht mal in den Genuss des Ruhestands kommen. Selbst als er erkrankt war und es ihm schon nicht mehr so gut ging, klagte er darüber wie gerne er wieder arbeiten würde.
Ich bin kein gläubiger Mensch, aber ich hoffe so sehr das er jetzt an einem besseren Ort ist.
Ich sitze hier alleine Zuhause und wollte mir einfach nur ein paar Worte von der Seele reden.
Danke.