Preflop spielst du eine Hand, die man durchaus spielen kann. Du bist auf dem Button und stiehlst die Blinds. Weil es deep ist (du spielst wahrscheinlich an einem 200 bb Tisch) kann man grösser raisen als man es an einem 100 bb Tisch tun würde.
Für 100 bb Tische findest du einen kompletten Kurs inklusive Charts du im Thread
https://forums.pokerstrategy.com/de/forum/thread.php?threadid=1829066
Paxis, der den Kurs entworfen hat, beantwortet dazu auch Fragen im gleichen Thread. Begleitend gibt es einen Handbewertungsthread für Hände, die mit der Eisteigerstrategie gespielt werden sind.
Ich bewerte grundsätzlich ebenfalls Hände in diesem Forum. Mir ist es egal, nach welcher Strategie gespielt wird. Meine Antworten gehen über die Einsteigerstrategie hinaus.
Grundsätzlich wird für 200 bb der open Raise nicht wesentlich grösser als für 100 bb gespielt. 4 bb open Raise sind ziemlich gross. Das hat eventuell zur Folge, dass die Gegner mehr wegwerfen, weil es mehr kostet, zu callen, und daher das Chance-Risiko Verhältnis für die Gegner schlechter wird. Im kleinsten Limit gibt es wenig Anpassungen, weil die meisten Spieler nicht viel über die richtigen Strategien wissen.
Es gibt keine Reads über die Spielweise des Gegners. Wenn du schon etwas über die Spielweise des Gegners weisst, dann solltest du das dazuschreiben, damit man das berücksichtigen kann. Gerade in den kleinen Limits ist das Spiel das Spiel auf den Mann und weniger das Spiel gegen den optimal spielenden Spieler.
Wenn man etwas über den Gegner rausfindet, dann hält man das am besten in einer Notiz fest. So weiss man das dann auch später wieder, wenn man ihm wieder begegnet. Dann kann man Dinge nachlesen.
Der Gegner callt und das heisst, er 3-bettet nicht. Die bestmöglichen Hände werden ihm fehlen. Dir nicht. Du hast nach wie vor alle Monster.
Das Board auf dem Flop enthält nur hohe Karten. Das ist ein Vorteil für den preflop Aggressor (du). Der Verteidiger hat mehr mittelhohe Karten als du und weniger hohe Karten. Es ist bereits eine Straight möglich. Auch 2-Pairs sind nicht selten, weil die Karten eng aneinander liegen. Die Sets hast vor allem du, da vom Gegner erwartet wird, dass er hohe Pockets als 3-bet spielt. Genauso hohe Asse, hier insbesondere AQ.
Das heisst, du hast öfter top Pair, öfter 2-Pairs, öfter Sets in der Range. Mit der Straight wird es sich vielleicht ausgleichen, da der Gegner KT preflop nicht unbedingt 3-betten wird. Deswegen ist das Board für dich von Vorteil. Immer, wenn man einen Vorteil hat, insbesondere auf Boards, wo du zahlreiche made Hände hast, solltest du setzen (den Gegner angreifen).
Die Standardstrategie als preflop Aggressor ist, auf dem Flop eine automatische Contibet zu setzen, wenn man in Position ist und zu einem gecheckt wird. Das funktioniert in den kleinen Limits sehr gut. Das ist unabhängig vom Board. Fortgeschritten achtet man auf die Boardzusammensetzung. Auf Boards, die der Verteidiger eher getroffen hat (mittlere Karten) als du und generell auf Boards, die du selten getroffen hast (niedrige Karten) wird fortgeschritten häufig gecheckt.
Der Gegner callt, hat also was. Man kann erwarten, dass der Gegner jedes Pair callt. Häufig hat er dazu noch einen Straight Draw. Stärkere Hände als top Pair würde er häufig reraisen. Da er darauf verzichtet, ist seine Handstärke nach oben begrenzt. Der Gegner wird nur selten etwas stärkeres haben als top Pair. Du hast einen schlechten Kicker für das top Pair. Da kann der Gegner bessere haben. Überwiegend hat er jedoch immer noch eine schlechtere Hand.
Am Turn kommt eine mittlere Karte, die weitere Draws ermöglicht. Du hast dich nicht verbessert, der Gegner manchmal schon. Es ändert sich aber grundsätzlich nicht viel. Du wirst immer noch überwiegend stärker sein als der Gegner.
Daher solltest du am Turn erneut setzen. Man hat hier keine Angst vor einem Checkraise. Wenn du einen Checkraise kassierst, dann ist dein top Pair meistens nicht mehr gut und du wirfst weg. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Gegner Pair + Draw immer noch nicht wegwerfen wird. Das heisst, ein Einsatz wird immer noch häufig von schlechteren Händen bezahlt.
Du hast auf den Einsatz verzichtet. Der Gegner erhält eine kostenlose Karte. Du auch, aber kostenlose Karten nutzen dem Spieler mehr, der im Schnitt hinten liegt. Wenn du dich verbesserst, dann ändert sich nichts, wenn der Gegner sich verbessert, dann ändert sich sehr viel.
Auf dem River verbesserst du dich zu Trips. Der Gegner setzt potsize. Das ist ein hoher Einsatz.
Die Riverkarte negiert 2-Pairs, die auf dem Turn getroffen wurden mit Ausnahme von A9. Der Gegner sollte mit schwächeren 2-Pairs auf dem River nicht setzen, schon gar nicht so gross.
Das heisst, die gegnerische Bet ist jetzt polarisiert. Entweder hat er Trips oder besser oder er blufft. Die aktiven Kicker für Trips sind K, Q, J. Alles darunter wäre die 6. Karte, die nicht mehr mitspielt. Das heisst, du splittest gegen fast jedes Ass, das der Gegner hat, denn AQ sollte der Gegner mangels preflop 3-bet eher nicht haben.
Der Gegner kann nach deinem Check am Turn durchaus der Ansicht sein, dass er mit einem Ass praktisch immer vorne liegt. Das bedeutet, der Gegner kann diesen Einsatz mit jedem Ass machen.
Das reicht bereits, um es callen zu können. Zwar gibt es nur noch ein weiteres Ass, aber da der Gegner jedes Ass zwischen AT und A2 haben kann, sind das doch nicht so wenige Kombonationen. Stärkere Hände sind FHs und die Straight. Die Straight ist auch eher unwahrscheinlich, da der Gegner am Flop auf einen Checkraise verzichtet hat. Er könnte sonst höchstens noch mit T8 eine haben. FHs sind auch unwahrscheinlich, denn entweder war das auf dem Flop schon ein 2-Pair oder ein Set, also ein Kandidat für einen Checkraise, oder A9 (möglich, aber nur 3 Kombos) oder 99, was typischerweise auf dem Flop gefoldet worden wäre.
Um eine Potsize Bet callen zu können, musst du in 1/3 der Fälle vorne liegen. Oder zu 2/3 splitten. Das wirst du machen, wenn du gegen fast jedes Ass splittest.
Call.