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River Fold2Cbet Exploit mit any2

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MrRobot
Joined: 19.06.2022

Angenommen wir haben als Gegner einen loose passiven Fish, von dem wir wissen, dass er am River zuviel auf Cbets foldet. Außerdem wissen wir, dass er am Flop und Turn (vereinfacht) mit allem callt. Wann dürften wir als Exploit Isoraise + triple Barrel mit any2 spielen?

Die Action sieht beispielsweise so aus:
Villain limp 1bb, Hero isoraise 4bb, Blinds folden, Villain limp/call 4bb.

Flop Pot: 2x 4 + 1.5 = 9.5
V check, H cbet 5, V x/call 5

Turn Pot: 2x 5 + 9.5 = 19.5
V x, H cbet 15, V x/c 15

River Pot: 2x15 + 19.5 = 49.5
Vx, H cbet 35

Insgesamt investieren wir also 4+5+15+35 = 59, um 4+1.5+5+15 = 25.5 (von Villain und den Blinds) zu gewinnen.

Dementsprechend müsste er am River: EV = pfold * 25.5 + (1-pfold) * -59 = 0 <=> pfold = 59/(25.5+59) = 0.7, also 70% folden, damit wir die Line mit any2 spielen dürften. Ergibt das Sinn? Gibt es hier einen Rechen-/Denkfehler? 70% kommt mir viel zu hoch vor.

Zum Vergleich, wenn man den River im Vakuum betrachtet, dann benötigt man nur: pfold = 35 /(35+49.5) = 0.41, also 41% Foldequity.


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7 replies
Moderator
cjheigl
Joined: 10.04.2006

Edit: der Ansatz ist fehlerhaft. Steht nur aus historischen Gründen da.

Du hast ja auch noch Equity und die bleibt prinzipiell erhalten, wenn keiner foldet. Es gibt jedoch nach dir auch noch Spieler, die bemerken könnten, dass du Villain jedesmal isoraist. Das kann Konsequenzen haben. Unter der Bedingung, dass die immer folden:

Der Valueteil deiner Range (bet oder check behind) kann für sich selbst sorgen. Wir gehen der Einfachheit halber davon aus, dass die Valuehände keinen Verlust machen. Dann wirkt sich der Valueteil deiner Range auf die notwendige Profitablität für deine Bluffs nicht aus. Jede Hand, die am Showdown einen Verlust erzielen würde, würdest du immer als Bluff spielen.

Für die Bluffs am River gilt also:

Sie haben keine Equity, weil sie nicht von schwächeren Händen gecallt werden. Sie müssen die gesamte Investition reinholen, weil sie vom Ende her gerechnet nie Equity hatten. Der Gewinn ist 25,5, deine Gesamtinvestition ist 24+35=59.

EV Bluff = Foldequity * 25,5 - (1-Foldequity) * 59 = Foldequity * 84,5 - 59 > 0
-> Foldequity > 59/84,5 = 69,8%
(wie von dir ausgerechnet)

Falls dein Valueteil mehr als 0 bb holt, was anzunehmen ist, dann brauchen deine Bluffs nicht so erfolgreich sein, damit du preflop any 2 spielen kannst.

Angenommen, der Anteil deiner Valuerange an deiner Gesamtrange am River ist 30% und erzielt einen durchschnittlichen EV von 10 pro Hand (ist der Fall bei einer durchschnittlichen Equity von 34/49 = 69%). (Wenn du mit einer Riverbet weiteren Value erzielen kannst, dann braucht die Equity nicht so hoch sein.)

(Equity * 49 - 24 > 10)

Dann reduziert sich der nötige EV für einen Bluff um 30%*10 = 3.

EV Bluff = Foldequity * 25,5 - (1-Foldequity) * 59 = Foldequity * 109,5 - 59 > -3
-> Foldequity > 56/84,5 = 66,3%


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MrRobot
Joined: 19.06.2022

Ok, danke. Wenn man mögliche Valuehands und ihren EV mit berücksichtigt, dann braucht man bei den Bluffs am River weniger Foldequity.

Vereinfacht dargestellt, bin ich immer davon ausgegangen, dass wenn jemand mit mehr als bet/(bet+pot) in einem Spot foldet, ich versuchen sollte mit any2 in den Spot zu kommen und dann Auto-Profit hab. Wie die Rechnung aber zeigt, müsste man bei diesem Exploit aber deutlich mehr Foldequity einplanen. Heißt das im Endeffekt, dass multi-street Exploits (hier Preflop -> River) sehr schwer umzusetzen, bzw. zu planen sind und sie damit für die Praxis nicht relevant sind? Oder mit anderen Worten, wenn jemand am River overfoldet, dann kann ich ihn nur mit meiner "normalen/natürlichen" Range exploiten, mit der ich sowieso standardmäßig in diesen Spot komme (abgesehen vielleicht von ein paar Händen, die vom Turn mit zum River kommen, weil sie von dem Riverbluff profitieren).


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Moderator
cjheigl
Joined: 10.04.2006

Edit:

Ich glaube inzwischen doch, dass man die Situation am River im Vakuum betrachten kann.

Die Situation ist im Grunde gleichbedeutend mit der Situation, dass beide Straddles von 24 bb bezahlt haben und die Blinds ihre Karten weggeworfen haben. Nur dass Villain halt keine 100% Range hat, du aber schon. Dann wird bis zum River durchgecheckt. Es geht also nur um den Pot am River und die Frage, ob dort ein Bluff profitabel ist.

Du bettest für Value wie normal, also wenn deine Equity gegen die Callrange > 50% ist.
Du checkst für Value, wenn deine Equity gegen die preflop Range > 0 ist und du keine Valuebet hast.
Du bluffst den Rest.

Ein 50% Bluff wird für dich profitabel, wenn der Gegner mehr als 33% foldet. Bei 2/3 sind es 40%, bei 3/4 size 3/7 = 43% usw.

Gambler2k6 hatte recht.


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MrRobot
Joined: 19.06.2022

Ein Straddle, bei dem wir entscheiden können, ob wir ihn (mit any2, damit meine ich eine Hand ohne Equity) spielen wollen. Wenn Villain am River mit MDF defendet, dann reicht die Foldequity meiner Meinung nach nicht aus, um den Straddle Preflop zu bezahlen und das Spiel einzugehen, denn wir investieren insgesamt Straddle + River Bet, um Villains Straddle und die Blinds zu gewinnen. Meinen eigenen Straddle darf ich nicht zum Gewinn dazuzählen. Zum Vergleich, beim Roulette mit idealer 50/50 Chance würde man ja auch nicht sein investiertes Geld zum Gewinn dazuzählen. Es gilt: EV = 0.5 * +X + 0.5 * -X = 0 bei X Einsatz. Korrigiert mich bitte, wenn ich hier einen Denkfehler habe.


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Moderator
cjheigl
Joined: 10.04.2006

Ich hatte gestern noch einen anderen Ansatz ausgerechnet, den aber wieder gestrichen, weil ich dachte, die Betrachtung im Vakuum am River gilt.

Der gestrichene Ansatz war, das ganze als 3-bet gegen Raise zu betrachten. Das heisst, rechnen wie preflop raise des Gegners, dann 3-bet von dir. Das Problem: deine Bluffrange hat Equity gegen die Callrange des Gegners, wenn man nur die preflop Situation betrachtet und gar nicht mal so wenig. Dadurch kommt man auf viel niedrigere benötigte Foldequity Werte.

Beispiel:

Preflop Equity random gegen 40% Range und Foldequity 50%:
-> preflop Equity random gegen 20% Range = 36%

EV 3-bet = Foldequity * 24 + (1-FE) * (Equity gegen Callrange * 119,5 - 59)
= FE * 24 + (1-FE) * (36% * 119,5 - 59)
= FE * 24 + (1-FE) * (-16)
= FE * 40 - 16 > 0
-> FE > 16/40 = 40%

Dass da die MDF (minimum defense frequency) herauskommt ist Zufall, denn der ausgerechnete Wert hängt von der Equity von random gegen die preflop Range des Gegners ab. Wäre der Gegner preflop tighter, dann käme etwas anderes heraus.

----------------------------

In der Praxis ist der Fall komplizierter, denn du hättest eine checking Range am River. Du checkst, wenn der check behind am River einen grösseren EV Wert hat als der Bluff, aber du keine Valuebet am River hast. Das ist für manche Hände der Fall, da die Equity einer Hand gegen die gesamte preflop Range des Gegners grösser ist als gegen die Callrange und du nur Hände für Value raist, die mehr als 50% Equity gegen die Callrange haben. Was zwischen 0 und 50% Equity gegen die Callrange hat, wird behind gecheckt, es sei denn, der Bluff wäre noch profitabler und hätte einen positiven EV.

Es könnte so aussehen:
VPIP Gegner = 40% (Annahme)
Foldequity = 50%
-> Valuerange = 20% (entspricht der Callrange des Gegners)
Bluffrange = 25% willkürliche Anname, kompletter Trash, nicht mal K high
check behind Range = 55%

EV-Rechnung für die Riverbet:

EV River = Anteil der Valuerange * EV Valuebet River + Anteil der check behind Range * EV check behind + Anteil Bluffrange * EV Bluff
Grenzbedingung: EV River + EV Turn > 0 -> EV River > - EV Turn
Gilt, da man am Turn negativen EV hat, weil random gegen die Range des Gegners < 50% Equity hat und die Blinds das nicht ausgleichen können.

EV Turn = Equity random gegen VPIP Gegner * Pot Turn - Investment bis zum Turn
Annahme: VPIP Gegner = 40%
EV Turn = 40,7% * 49,5 - 24 = -3,9 mit preflop Equity als Durchschnittswert über alle Boards

Nur für den River:
EV Valuebet River > 0, sonst würden wir nicht valuebetten
EV check behind > 0, sonst würden wir bluffen

Falls EV Valuebet + EV check behind > 3,9, dann gilt MDF
Auf jeden Fall ist EV Valuebet + EV check behind > 0

Um die benötigte Foldequity auszurechnen, muss man die Anteile der Ranges mit den EVs der jeweiligen Ranges multiplizieren, damit man den EV der Nicht-Bluffrange bekommt. Der Bluff muss mit seinem Anteil eventuelle Defizite gegenüber dem Turn-EV ausgleichen.

D. h. statt
EV = Bluffrange% * [(Pot +bet) * FE - bet] > 0
gilt
EV = Bluffrange% * [(Pot +bet) * FE - bet] > x

wobei x der um den Value von Valuebet und check behind verringerte Verlust am Turn ist.

Da kann man jetzt rumrechnen, aber im wesentlichen geht es darum, ob der Positionsvorteil am River den Verlust am Turn ausgleichen kann. Idealerweise verringert der Positionsvorteil den Verlust am Turn alleine durch check behind oder Valuebet River auf Null. Dann hätte man die Rechnung für den Bluff am River, als ob es nur um den River ginge.

Wenn die Bluffrange 25% ist, dann ist der Rest 75% und der soll den Verlust am Turn ausgleichen. 3,9/0,75 = 5,2. D.h., du musst durch die Position ca. 1/10 des Pots vom Turn gewinnen. Wenn das nicht klappt, dann brauchst du eine höhere Foldequity als MDF.


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