1. Studiert ihr auf Diplom oder Bachelor? Welches findet ihr besser und warum?
Diplom. Finde ich auch besser, weil grade die naturwissenschaftlichen Diplome aus Deutschland weltweit anerkannt sind. Bachelor ist dann von Vorteil, wenn du evtl. deinen Abschluss im Ausland machen willst oder gedenkst, dort zu promovieren (in England kann man mit Bachelor promovieren, in Deutschland würdest du für die Frage allein ausgelacht) oder zu arbeiten.
Vermutlich hängt die Wahl Diplom/Bachelor aber von der Wahl der Uni ab, da die ja auch hier jetzt umstellen müssen.
2. Was studiert ihr genau? (Physikrichtung, Nebenfächer)
Diplom-Physik, 7. Semester, noch keine Spezialisierung. Nebenfach: Informatik.
Ich studiere im Moment auch Angewandte Informatik mit Anwendungsfach Physik parallel, da der Zusatzaufwand recht gering ist, ich aber gute Chancen auf beide Diplome habe. Ähnliches geht wohl auch mit Mathe.
3. Wie seht ihr eure Berufslaufbahn (ohne Pokerprofi zu werden *g*) nach dem Studium?
Weiß ich noch nicht. Mal das "Dr." vor meinem Namen schreiben zu dürfen würde ich schon interessieren, zumal man so dann wirklich in Kontakt mit der aktuellen Forschung kommt. Ich werde noch so 2 Jahre bis zum Diplom brauchen (war ein Jahr in England, das hat etwas verzögert) und dann mal gucken. Das ich nach einer möglichen Promotion an der Uni bleibe als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist für mich momentan nicht denkbar. Dann würde ich schon gern in die Wirtschaft wechseln. Grade als Physiker hat man ja sehr viele Möglichkeiten (alle großen Firmen geben in ihren Traineeausschreibungen auch Physiker an. Firmen wie Accenture, Bosch, Siemens oder McKinsey machen eigene Werbeveranstaltungen um Physiker anzuwerben).
4. Wo studiert ihr (Ort, Uni/FH) und warum genau dort? (örtliche Nähe, Ansehen der Uni, Verhältnis Studenten/Profs, einfach alle Gründe, warum ihr dort studiert ^^)
Uni Dortmund. Räumliche Nähe war schon ein Grund. Uni Bochum wäre zwar näher gewesen, aber die ist einfach nur hässlich. Dortmund hat grade in der Physik mehr zu bieten als manch einer so denken mag. Zumindest in der Lehre. Ich kenne einige die nach dem Vordiplom an deutsche und internationale "Elite-Unis" gewechselt sind und ALLE fanden die Vorlesungen insgesamt in Dortmund genauso gut oder besser. Vorteil ist auch die integrierte Vorlesung im Vordiplom. Du hast also von Beginn an auch Theorie dabei und die ersten vier Semester hörst du nur eine Physikvorlesung pro Semester (von dann aber auch 10 SWS + Tutorien etc.), die von einem Experimental- und einem Theorieprof zusammen gehalten wird. Weiterer Vorteil in Dortmund ist, dass sich der Lehrstuhl Physik als einziger nicht dem zentralen Prüfungsamt angeschlossen hat. Die verwalten alles selber, weshalb es viel schneller geht, man sich viele Wartezeiten spart und für Anerkennungen etc. unbürokratischer vorgehen kann.
Achja, Dortmund hat auch die zweitniedrigste Durchschnittszeit bis zum Diplom in Physik in Deutschland, was auch an der guten Förderung (von Beginn an Mentorenprogramm, Tutorengruppen) mit dem Ziel möglicht viele gut und schnell zum Abschluß zu kriegen liegt. Außerdem gibt es mit den Veranstaltungen von Herrn Tolan (inzwischen schließen sich auch andere an), der zu letzt auch öfter mal im Spiegel vorgestellt wurde, abwechslungsreiche Veranstaltungen, die etablierte Unis wohl seltener anbieten würden (Vorlesung "Physik bei StarTrek/James Bond", Seminar "die Physik des Fußballspiels") das Studium aber kurzweiliger machen.
5. Wie sieht es bei eurem Wohnort/Studienort mit Lebenserhaltungskosten aus? Kann man es sich leisten dort zu studieren oder braucht man da schon einiges an Rücklagen?
Die Wohnheim in Dortmund sind ziemlich günstig. Man sollte sich aber nicht zu spät bewerben. Ansonsten sollte man aber trotzdem eine bezahlbare Unterkunft geben. Studentenparties mit günstigen Getränken gibt es auch genug, die Mensa ist nach dem Umbau meiner Meinung nach SEHR GUT und dazu noch sehr günstig.
Nachteil: NRW hat die Studiengebühren schon. 500 Euro pro Semester + Semesterbeitrag (ca. 160 Euro) sind zu zahlen. Dafür ist wenigstens ein Semesterticket mit drin.
6. Habt ihr ein Stipendium bekommen. Wenn ja, von welcher Stiftung habt ihr es und wie seid ihr daran gekommen?
Ja. Friedrich-Ebert-Stiftung. Während des vierten Semester beworben. Wer etwas "soziales Engagement" hat und nicht ganz so schlechte Noten hat gute Chancen. Sie sagen sogar ihren Stipis extra, dass wir Werbung machen sollen, weil sie zu wenig qualifizierte Bewerbungen kriegen.
7. Und natürlich noch. Wie gefällt euch das Studium an sich?
Im Vordiplom sehr gut. Sicher nicht das leichteste, aber das sollte jedem klar sein. Den Matheanteil habe ich so hoch eingeschätzt wie er war, ich denke da vertut sich auch kaum einer. Die ganzen theoretischen Sachen rund um die Quantenmechanik sind aber schon recht heftig und (für mich) totlangweilig. Leider braucht man das fürs Hauptstudium und daher beiß ich mich da durch. Solange man auch noch interessante Veranstaltungen neben bei hat, geht das aber und man weiß auch wofür. Ich würde die gleiche Wahl (Physik in Dortmund) wieder treffen.