Weils anscheinend doch ein paar Leute interessiert und im Sinne der Völkerverständigung eröffne ich mal den Ostthread. Ich kopiere mal meinen Text aus dem ichbinaltthread hier rein weil ich ein fauler ossi bin und keine Lust hab alles nochmal zu schreiben ![]()
hab gestern meinem kleinen Bruder ( 17) paar stories aus meiner Kindheit erzählt, wird jetzt hier ein wenig off topic, aber ich gebs mal zum besten.
Ich bin zur Wende 10 Jahre alt gewesen und kann mich LEIDER an vieles aus der Zeit erinnern
Was abends im TV geschaut wurde entschieden die Eltern, die Kinder mussten damit leben, denn wir hatten nur EINEN Fernseher.
Wenn ich Raumschiff Enterprise (obv die originale Serie) verpasst habe, hatte ich deshalb den ganzen tag schlechte laune, es gab nämlich nicht die Mögllichkeit das irgendwo im netz zu streamen, dann hatte man PECH!Ich geh mal ein wenig zurück zur Wendezeit, glaube nur wenige hier haben das im Osten bewusst miterlebt, dann haben die Wessikinder hier mal was zu lachen.
Unser erstes Westauto war ein 15 Jahre alter Opel für 9000 mark, mein Vater hielt das für ein Superschnäppchen, der Verkäufer lacht sich wahrscheinlich heute noch kaputt.
Pizza war uns völlig unbekannt niemand konnte sich vorstellen das sowas schmeckt (nochmal zur erinnerung, ich war 10).
Meine Erste Tafel milka hat 3 mark gekostet, ich hab sie mit meine beiden besten Freunden geteilt und sie war für uns wie das pure Ambrosia.Unsere erste Coppenrath und Wiese Torte haben wir gefroren gegessen, wir wussten nicht das man die auftauen muss und dachten das wäre eine Eistorte.
Ich erinnere mich noch an das Entsetzen meiner Oma als die Mauer fiel, wir haben das zusammen im Fernsehen gesehen (sie hatte einen Farbfernseher, die alte Bonze ) sie konnte nicht verstehen das die leute alle in den Westen wollten wo obv alle drogensüchtig auf der Strasse lebten.
Ich könnte noch soviel erzählen, aber das wäre vermutlich ein riesiger text und off topic. Es kommt mir vor als wäre das alles schon 100 Jahre her aber es war ein geile Zeit die ich da miterlebt habe und ich lache über viele Sachen noch heute.
Über die DDR gibt es an sich eigentlich wenig zu erzählen was nicht schon in drölfzig dokus breitgetreten wurde, ich kann halt nur erzählen wie ich es als Kind erlebt habe, manche erinnerungen mögen nicht ganz korrekt sein, vielleicht kann mich jemand berichtigen der älter ist und sich besser erinnert.
Das es keine Bananen gab ist ein Mythos, es gab sie nur nicht immer. Überhaupt gab es an obst und gemüse eben was gerade saison hatte, im Dezember gabs eben keine Erdbeeren und im Sommer nunmal keine Orangen ( ausser diese grünen kubanischen die heute niemand mehr kaufen würde).
Der Essensplan richtete sich danach was es gab. Gab es schnitzelfleisch beim Fleischer, gab es am Wochenende Schnitzel oder was man halt ergattern konnte.
Es ist tatsächlich so gewesen das es viele Dinge schwer gab, daher war man als Verkäufer jemand der allergrössten Respekt genossen hat, denn man konnte vielleicht was zum tauschen besorgen. Niemandem wäre es eingefallen sich beim Fleischer über wellige Wurst zu beschweren, sonst gabs eben zu Weihnachten kein Rouladen für solche Unkunden.
Meine Mutter hat im "Delikat" gearbeitet, das war in der DDR sozusagen der Verkaufsolymp. Dort gabs dann sowas aufregendes wie Pfirsiche in der Dose ( 8 Mark) oder besondere Wurst. Das war auch der ort wo es gelegentlich Westprodukte gab, allerdings nur in der Theorie, normal ging sowas unter der Hand weg.
Wenn der Ossi irgendwo eine Schlange gesehen hat, hat er sich angestellt, was es da gab hat niemanden interessiert, es war ganz sicher was besonderes. Als ich zur Schule kam wurde ich von meiner Mutter mal morgens losgeschickt brötchen holen. Ich kam zurück mit einer Wassermelone, denn als pfiffiger Jungossi hatte ich erkannt das es Brötchen immer gab, melonen aber nicht!
In den Sommerferien sind so gut wie alle Kinder ins Ferienlager gefahren. Normalerweise so für 2-3 Wochen, das kostete so um die 20 Mark ( kanns nicht beschwören, war aber auf jeden Fall billig). Wer nicht dahingefahren ist war eine ganz arme wurst und wurde von allen bemitleidet.
Wenn man was leckeres hatte war es standard das es geteilt wurde, wer seine schokolade ganz allein gegessen hat wurde verachtet weil er ein wirklich asozialer Mensch war ![]()
NIEMAND hatte ein Telefon, es wurde eigentlich alles per post erledigt oder man ist hingegangen wo man heute einfach anrufen würde.
JEDER hat westfernsehen geschaut, abgesehen von ein paar ganz paranoiden vielleicht im Ostfernsehen kam nichts interessantes und Werbung für Traktoren hat auch niemanden dazu motiviert sich einen Traktor oder eine Melkmaschine zu kaufen ![]()
Autos hatten bekannterweise nur wenige Leute, ein 20 jahre alter Trabant hat nicht weniger gekostet als ein neuer, einfach weil man keinen bekommen hat.
Der Vater von einem Kumpel hat auf dem Schwarzmarkt ( ja den gab es) einen Lada ergattern können, für 100k mark ( die Ostmakr war vom Wert her für uns nicht anders als für westdeutsche die DM, das war kein kurs wie zsloty oder so). Der Mann hat sich gefreut wie ein Schnitzel, das war ein halbes Jahr vor der Wende, ein Jahr später hat er sich nicht mehr so gefreut ♦
Es war völlig normal das mindestens drei Leute in der klasse dasselbe T-Shirt hatten wie man selbst, sowas gabs eben schlecht. So kann es schonmal passieren das man wenn man aus dem Schwimmbad kommt auf einmal ein viel zu grosses shirt anhatte weil man aus versehen das von dem fettesten kumpel gegriffen hat der obv dasselbe motiv trug.
Ich mach hier mal schluss sonst wirds zu lang, ich schreib sonst vielleicht noch wie wir als kinder die wende erlebt haben falls es interessiert