Es gibt das Konzept des spieltheoretisch optimalen Spiels. Optimal spielst du dann, wenn der Gegner indifferent in seiner Reaktion wird. Das heisst, er hat keinen bevorzugten Weg, wie er dein Spiel ausnutzen kann. Das stellt ihn vor die grössten Schwierigkeiten, weil er dann aus deinem Spiel keine Rückschlüsse ziehen kann. Ein Bluff ist dann optimal, wenn das Verhältnis zwischen Bluffs und Valuebets so ist, dass der Gegner indifferent für einen Call wird. (Bei Händen, die nur einen Bluff schlagen können.) Das ist dann der Fall, wenn das Verhältnis zwischen Bluff- und Valuebets den Odds entspricht, die der Gegner für den Call erhält.
Hier im Beispiel: der Gegner erhält bei seinem Call Odds von 4:1. Das bedeutet, seine Schwelle für einen Call ist 20% Equity. Wenn du genau so bluffst, dass er mit einem Bluffcatcher 20% Equity hat, dann ist es für ihn egal, ob er callt oder nicht (das bedeutet indifferent sein). Daraus ergibt sich, dass deine Valuebets und Bluffs im Verhältnis 4:1 stehen sollten. Dann bettest du zu 20% Bluffs und zu 80% Valuebets.
Der Gameplan ist die Entscheidung, mit welcher Linie du welchen Teil deiner Range spielen willst. Eine Linie ist dabei eine Kette von Spielzügen über mehrere Streets. Eine gängige Linie ist z. B. cr Flop, bet Turn, bet River. cc Flop, cr Turn, bet River könnte eine andere Linie sein. Oder cc Flop, cc Turn, ? River, wobei das ? für mehrere Möglichkeiten steht. Welche Linie man spielt hängt davon ab, welche Linie man für die profitabelste der jeweiligen Handkategorie hält. Im allgemeinen wählt man seine Linien so, dass man eine möglichst grosse Anzahl von Händen profitabel spielen kann.
In dieser Hand liegt es nahe, dass man Valuehände am Flop mit der Linie cr Flop, bet Turn, bet River spielt, da dir das wegen der möglichen Straight Draws in deiner Range oft Calls von high card A oder K einbringen wird. Das generiert eine Menge Value für deine Pairs und andere Valuehände. Wenn du das so machst und schätzt, dass der Gegner das auch so sieht, dann hast du nach cc Flop keine Valuehände am Turn, die du betten könntest, weil am Turn eine Karte kommt, die keine weiteren Pairs erzeugt. Check Turn ist daher konsequent. Du hast mit dieser Linie auf diese Karte am Turn nie Grund zu betten. Wenn du eine 2 am Flop cc gespielt hättest, dann käme für diese Hand am Turn auch ein cr sehr in Frage. D. h. auch diese Hand kann man gut checken.
Auf dem River kommt dann eine weitere niedrige Karte. Die gibt dir selten ein Pair (A4 könntest du haben). Da der Gegner auf dem Turn Schwäche gezeigt hat kannst du dir am River überlegen, welche Hände du gegen die Range des Gegners für Value betten kannst. Der Gegner wird ein Ass immer callen, aber wahrscheinlich auch einige Ks, da seine Range ebenfalls fast ausschliesslich aus high Card bestehen wird. Pairs hätte er auf dem Turn sicher gebettet. Die Kartenkombinationen für deine Valuehände zählst du jetzt zusammen und addierst eine Anzahl von Händen als Bluff, die 1/4 der Anzahl deiner Valuehände ist.
Als Bluff am River kommen nur Hände in Frage, die gegen check behind so gut wie keine Showdowns gewinnen. K high wirst du deshalb nicht bluffen, da diese Hand zu gut für einen Bluff wäre. A high sowieso nicht. Q high schon, da man erwarten kann, dass der Gegner schlechtere Hände so gut wie nie behind checken wird. Der Gegner wird ja nicht so irre viel schlechtere Hände haben, da er preflop tight raist. Er blufft nicht wahnsinnig viel, wenn er auf einen Check schlechtere Hände bettet. Das bedeutet, QT ist ein Bluffkandidat am River.
Daneben hast du noch andere Bluffkandidaten. Wie Underbluffing schon geschrieben hat, spielen die meisten einfach die schlechtesten Hände aus ihrer Range als Bluff, da bei denen die Gefahr am geringsten ist, dass sie Hände des Gegners auf andere Weise schlagen können. Wenn sie das nicht können, dann kommen andere Spielweisen wie cc auch weniger in Frage (die Alternative für solche Hände ist dann einfach Aufgabe des Pots). Insbesondere ist das low end deiner Bluff-Range prinzipiell auch schlecht geeignet für eine Bluff-cr Linie (Mathematics of Poker), so dass für das low end nur die Alternativen in bet (bluff) oder Aufgabe bestehen. Man muss also nur ermitteln, was bei der bisher gespielten Linie wohl das low end deiner Range wäre und dann eine entsprechende Anzahl dieser Hände bluffen. Mit dieser Methode hält man den Denkaufwand gering, was bei Multitabling von Vorteil ist.
Will man auch andere Hände bluffen, dann muss man über die Blufffrequenz dieser Hände nachdenken, was mehr Aufwand ist. Dafür wird der Gegner öfter Hände zu sehen bekommen, die ihn vielleicht überraschen und das könnte ihn verunsichern. Er wird auf jeden Fall eine weitere Range zu sehen bekommen als er erwartet und damit wird er mehr Schwierigkeiten haben, deine Ranges gut einzuschätzen.
Wie du schon festgestellt hast, hast du am River kaum Straight Draws in deiner Range, da du die wie deine Valuehände am Flop mit einem cr gespielt hättest. Am River wird deine Range daher vor allem aus 2 high Cards, ein paar Gutshots und high Card mit backdoor Draws (vom Flop aus gesehen) bestehen. JT und J8s+ und vielleicht T9 ist dein low end. Diese Kombinationen reichen auch schon völlig aus, um alle nötigen Bluffs zu finden. Tatsächlich wirst du auch von diesen Händen nicht alles bluffen können, da du vielleicht nur 80 Valuekombos hast (A4, K4s, A8-AJ), so dass du nur 80/4 = 20 Kombos bluffen solltest. T9 oder JT alleine sind schon jeweils 16 Kombos.
Was den Zufallsgenerator (RNG) betrifft, dazu eignen sich Würfel. Ich habe immer einen Satz Würfel auf meinem Tisch liegen, auch wenn ich sie nur selten einsetze. Prozentwürfel (zwei 10er Würfel) gibt es in jedem Spielwarengeschäft.