Original von TheSenseman
Selbst dann kann er sicherlich noch breakeven auf seinen Limits spielen, und wenns noch Rakeback/Reloads gibt, kann man bestimmt auch davon leben. Nicht mehr ganz so gut, aber man kann.
Wenns damit überhaupt nicht mehr geht, kann er bei der deutschen Botschaft als Dolmetscher arbeiten
Letzteres wohl eher kaum, ohne abgeschl. Studium höchstens als Hausmeister
Mal im Ernst: Ich bin sicher, man kann auch in einigen Jahren noch mit Pokern gutes Geld verdienen, auch wenn sich das die winrate bestimmende shark / fish - Verhältnis ungünstig entwickeln wird durch immer mehr Regs und globale Finanzkrise. Schließlich wurde der asiatische Markt bisher kaum erobert und da steckt ne Menge Potenzial durch eine lukrative Mischung aus Kapital und Spiel- bzw. Vergnügungssucht.
Die für mich entscheidende Frage ist eine andere: Will man das überhaupt? Für viele von den Microspielern unter euch ist dies eine Luxusfrage. 10-25 k / Monat je nach Motivation und Fleiß sind auf NL 200 drin bei solider Winrate. Das ist ne Menge Holz.
Ich habe lange drüber nachgedacht und habe die Entscheidung für mich gefällt, unter Berücksichtigung aller damals für mich geahnten Konsequenzen. Burnout und Depressionen resultierend aus sozialer Isolation und Einsilbigkeit sind jedoch Faktoren, die schwierig vorherzusehen und dennoch elementar sind. Denn kommen sie ins Spiel, ist auch Geld kein Anreiz mehr.
Ich stand an einem Punkt in meinem Leben, wo ich eine Richtungsentscheidung treffen musste. Und ich habe das Risiko in Kauf genommen, meinen Nebenjob gekündigt (sehr gut bezahlt mit 20-30 € / Std.), mein Studium geschmissen (1 Jahr vor Abschluss) und wollte Deutschland den Rücken kehren. Nun sitze ich hier und schreibe diesen Post. Nicht aus Langeweile oder übertriebenem Mitteilungsbedürfnis, sondern weil ich jedem, der z.Zt. vor einer ähnlichen Entscheidung steht und den vielen, die es noch werden, einen kl. Erfahrungsbericht mit auf den Weg geben will. In der etwas entspannteren Zeit nach der Challenge konnte ich mir viele Gedanken machen und mir ist Einiges bewusst geworden. Der zu zahlende Preis ist weitaus höher als ich dachte.
Im Eingangspost dieses Blogs schrieb ich noch etwas wie "ich lebe meinen Traum" und das kann ich so nicht mehr unterschreiben. Ich bin dem Pokern und ps.de durchaus dankbar und werde auch weiter diesen Weg gehen. Denn wenn man eine Entscheidung trifft muss man auch zu ihr stehen und nicht in Zeiten des Zweifels sofort aufgeben. Nur muss ich mir ein Hobby suchen oder ne Freundin oder iwas anderes, was meinem Dasein einen Sinn gibt - denn Kohle scheffeln allein kann's nicht sein, ich will meine einzige Chance hier auf Erden nicht dafür hergeben.
Ich habe vor allem immer materielle Wünsche gehabt und die sind mittlerweile erfüllt. Anfangs arbeite ich auf ein Auto hin - ich denke, der ein oder andere wird sich hier wieder erkennen - nach n paar Monaten hatte ich es. Dann kam das Ziel, Rücklagen zu schaffen fürs Auswandern. Ging fix. Dann Haus im Ausland. Nunja, alles in allem wäre auch das kein Problem mehr. Natürlich hab ich lange nicht ausgesorgt, aber ich denke von den NL 200 / 400 regs hat kaum einer ne höhere BR als ich. War und bin immer ne Pussy in sachen BRM gewesen und seit dem Tag, als ich beschloss es als Pro zu probieren, führte ich ein solides 100 Stacks BRM ein – höher als auf NL 400 habe ich mich trotzdem nie regulär begeben, es blieb immer nur bei shots. Ich habe ne dreistellige HR ohne perverse Swings wie die Highroller unter uns zu ertragen und das reicht mir.
Lange Rede, kurzer Sinn - warum das Ganze? Ich muss der traurigen Tatsache ins Auge blicken, dass ich nur diesen Weg gegangen bin, um materielle oder vll. auch oberflächliche Wünsche zu befriedigen. Die Tragik des menschlichen Dasein liegt darin, etwas anzustreben und im Moment des Erreichens nach kurzer Befriedigung und einem Gefühl der Bestätigung sich die Frage zu stellen: Und was kommt als Nächstes? Die wenigen Momenten in meinem Leben, in denen ich mir diese Frage nicht gestellt habe, haben drei Dinge gemein: Ich war pleite, ich war verliebt und ich war glücklich. Spielt Geld eine zu große Rolle in meinem Leben? Bin ich gar geblendet von Werbeindustrie und einem sozialen Druck, hab ich zu viele schlechte Hollywood-Filme gesehen: Bin ich oberflächlich? Wem will ich eigentlich was beweisen und warum?
Prof. Pokern ist kann ne gute Sache sein, man kann sich ne Grundlage für die Zukunft schaffen, aber man sollte es nicht zum Lebensinhalt werden lassen. Durch meine Herkunft väterlicherseits (Marokko) und viele Urlaube in Schwellenländern mit großer Armut bin ich mir über das unglaubliche Glück und Geschenk im Klaren und sehe es als eine Art Verpflichtung an, was Daraus zu machen.
Diese Erfahrung ist viel wert und ich bin froh, dass ich sie mit schon 23 mache, denn Viele laufen ihrem Leben lang Träumen hinterher, die sie nicht erreichen können, um etwas zu werden, das sie eigentlich hassen und etwas zu besitzen, das ihnen nur kurz ein Glücksgefühl vorheuchelt, ein Gefühl der Wichtigkeit, sozialen Status oder Anerkennung. Oder sie befriedigen eine Sucht, suchen den Nervenkitzel, brauchen das Adrenalin.
Gute Beispiele sitzen hier im Hause und sind vll. auch unter den Lesern: random - ps.de - ler, Upswingopfer auf den midstakes, die beim 10-stacks Down oder mal 20 k hands BE rumwhinen, als wenn grad der kleine Bruder überfahren wurde. Unser Malta – Auswanderer - Forum verkommt zum Treffen der anonymen "Party-is-rigged-Vertreter". Akzeptiere Dinge, die man nicht ändern kann, heisst es doch so schön, also bitte. Das ist der Preis, den man zahlen muss als Pro, und wer das nicht kann macht sich lächerlich und agiert unprofessionell.
Genauso lächerlich all die Highstakes-Pros, denen beim Down ihres Lebens oder missglückten shots die Einsicht kommt, das Fame und Geld nicht alles ist. Da kann ich mir nur an' Kopf fassen - warum zur Hölle shottet ein Xerox dann die skyhighstakes auf FL um den fisch benyamine ausziehen zu wollen? http://black.pokerstrategy.com/categories/xerox Warum kriegt ein kobeyard vor nem halben Jahr auf die Fresse, erholt sich mühselig über Monate, kommt zur klugen Einsicht, dass man auch auf 30 / 60 und 50 / 100 gutes Geld verdient http://pro.pokerstrategy.com/flame_me , um dann eine Woche nach nem neuen Alltimehigh wieder auf so hohen Limits zu spielen, dass ihn ein Down derart fertig macht wie in seinem letzten Blogeintrag zu lesen ist http://pro.pokerstrategy.com/vorschlaghammer . Is wohl die logische Konsequenz, dass man nach großen Verlusten für sich den Schluss zieht, dass das Verlorene nicht so viel wert ist – um es psychologisch verkraften zu können. http://pro.pokerstrategy.com/danke,_gut
Ich muss anfügen, dass ich allerhöchsten Respekt vor ihm habe, ich kenne ihn auch persönlich und mein Eindruck war überaus positiv – ich nehme sein Beispiel, weil er mit seinem Blog diesen Widerspruch dokumentiert, dem Viele zum Opfer fallen.
Dennoch ziehe ich meinen Hut vor allen, die es an die Spitze schaffen wollen oder sie schon erreichten. Aber dann bei Erfolg erbarmunglos zu braggen und bei Misserfolg Pokern als Hobby und die BR als Spielgeld zu betrachten ist charakterschwach. Denn dann ist genau das passiert, was ein jeder professioneller Pokerspieler vermeiden sollte: Der Zufallsgenerator von PokerStars bestimmt, wie mein Leben verläuft. Die Turnkarte entscheidet, ob ich doch noch studiere oder ein Leben als Pokerpro führe. Der River kann ein Leben mit viel Urlaub, Parties, Nutten und Koks zur Folge haben oder auch n 08 / 15-Dasein mit Haus und Hund. Das eigene Leben wird ein Glücksspiel.
Diesen Weg will ich nicht gehen. Die wahre Challenge beginnt jetzt.