Ab wieviel Hands werden/sind Stats zuverlässig?
Dieser Post ist erst einmal eine Rohfassung, die je nachdem welche Anmerkungen ihr habt und welche Passagen als zu kompliziert, schlecht oder falsch von euch angesehen werden noch weiter verändert bzw. verbessert.
Bei manchen Punkten und Abschnitten bin ich mir selbst nicht 100% sicher und hoffe deshalb auf eine fruchtbare Diskussion und konstruktive Kritik eurerseits. Aber lest selbst worum es geht.
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Einleitung
Hurra! Hurra! Die PTPA-Lizenzen sind da. Endlich hat man STATS und READS auf die Gegner.
Aber wie genau und zuverlässig sind diese VPIP und WTS-Werte. Kann man ab 50 hands schon sagen wer ne Calling Station ist und ab wann ein AFT wirklich Aggressivität repräsentiert?
Neulich im Forum: Ein Spieler diskutiert eine Line und gibt als Hinweis den AF am Turn an mit 3,0 und das, obwohl er erst 21 Hände von diesem Spieler hatte. (Villain hatten den Turn in diesem Fall also vielleicht gerade 3 mal gesehen).
Wer kennt sie nicht, die Szenen aus dem Coaching wo die Highroller sekundenlang mit der Maus über die Stats des Gegners kreisen um zu überlegen, ob der hier aggressiv genug ist um einen Draw zu raisen... und dann guckt man in die Ecke und sieht 23 hands ♦
Reicht das bereits um von Tendenzen zu sprechen?.
In diesem Thread will ich mal versuchen mit dem Wissen, das ich über Statistiken besitze solche Frage mathematisch zu klären.
Ich konzentrier mich dabei hauptsächlich auf VPIP, PFR, WTS und AFT.
Bitte lest den thread aufmerksam und kritisch durch, da es mir vor allem um Richtigkeit geht und ich gerne zu Diskussionen bereit bin.
Stats vs. Reads
Vorab folgendes: Kombi hat glaube ich mal zwischen einem Read und stats unterschieden und auch ich bin der Meinung, dass es immer besser ist die Gegner intensiv zu beobachten um Reads auf sie zu entwickeln. Denn wenn man einen Gegner mal beobachtet hat, dass er mit A-high oder bottum pair downcalled, dann ist dieser Read viel mehr Wert als ein Stats-WTS-Wert von 38, 43, oder 48.
Wenn man HU von einem Gegner mal mit Midpair am Turn ge3-bettet wurde kann man sich viel sicherer über dessen Aggresivität sein. Interessant finde ich es dann immer diese Spielweise mit den PA-Stats zu vergleichen um dann mehr oder weniger überrascht festzustellen, dass der Gegner die Werte 60/18/1,2/37 hat. Natürlich wissen wir wie TAG-Stats auszusehen haben und können die Gegnern aufgrund von Abweichungen von diesen "optimalen“ Werten in Kategorien stecken nach denen wir unsere Spielweise ausrichten.
Nichtsdestotrotz sitzen wir auch mal neu an einem Tisch, oder es kommt ein Spieler frisch dazu mit dem wir noch keine Hand zusammen gespielt haben. Hier würden wir doch trotzdem gern wissen mit welchen Händen er ein PF-Raise macht um entsprechend zu reagieren. Hilft uns dabei ein PFR-Wert von 5 wenn wir gerade mal 40 Hände dieses Gegners haben?
Aber kommen wir zur statistischen Aussagekraft von Stats.
Mir geht es im folgenden darum zu klären wie wahrscheinlich es ist, dass man von einem Gegner nach 50 Händen einen VPIP oder WTS-Wert hat, der vom wahren Wert des Gegners abweicht. Also ob man Villain vielleicht nach 50 hands tatsächlich schon zuverlässig einordnen kann oder ob und wieweit man nur von Tendenzen reden sollte.
Statistische Grundbegriffe und deren Bedeutung
Lasst mich zuerst die folgenden statistischen Begriffe anhand von Beispielen erklären.
Sample(size), Population, Durchschnitt und Standardabweichung.
Stellt euch vor eine Firma stellt Glühbirnen (sagen wir 100.000 in der Woche) her und möchte wissen wie lange diese im Durchschnitt brennen. Diese Anzahl stellt die Population dar (Gesamtheit des Produkts bzw. der abstrakten Größe, wenn wir zum Pokern und VPIP usw. kommen). Am besten kann man die Lebensdauer natürlich feststellen, wenn man alle Birnen testet, dann hätte man allerdings keine mehr zu verkaufen. Deshalb wird nur ein Sample von 10 ausgewählt und getestet. Stellt euch vor man erhält die folgenden Tage Brenndauer (10, 9, 8, 9, 11, 3, 12, 10, 11, 8). Im Schnitt brennen die Birnen als 9,1 Tage und eine ging bereits nach 3 Tagen kaputt. Ist es jetzt möglich zu sagen inwieweit dies auch auf die anderen 100.000 Birnen zutreffen wird. Die Standardabweichung ist übrigens 2,5 Tage und ist ein Maß darüber wie weit die einzelnen Werte von dem Durchschnitt entfernt sind. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Birne mal nur 3 oder 5 Tage brennt? Kann man pauschal sagen, das 90% der Birnen zwischen 8 und 12 Tagen brennen?
Ist es also möglich Daten von dem Sample auf die Population auszuweiten.
Bezogen auf Pokern bedeutet das, dass ein Spieler sich einen gewissen Spielstil angeeignet hat, der, wenn er 100.000 Hände spielt ihm einen bestimmten VPIP/PFR/AFT und WTS einbringen wird.
Nun werde ich beantworten was passiert, wenn ihr von diesem Spieler nur 10 Hände hättet und wie wahrscheinlich es ist seine wahre Spielweise an diesen Stats wiederzuerkennen.
Nun handelt es sich bei Werten wie PFR und WTS nicht um quantitative Werte die kontinuierlich größer oder kleiner werden können, sonder um qualitative Werte die sich in Kategorien einordnen lassen. Entwerder erhöht man PF oder nicht – also ja oder nein. Entweder man geht zum SD oder nicht. Für diese Kategorien gelten die gleichen Regeln, was Sample, Durchschnitt und Standardabweichung angeht, man muss nur anders Rechnen. Bei den Glühbirnen addiert man ja alle Werte und teilt durch die Anzahl.
Wenn ihr jetzt aber in Deutschland 20 Leute fragt ob sie Arbeit haben oder Arbeitslos sind, dann könnt ihr nur die Kategorien erfassen und wenn 2 Leute mit nein geantwortet haben sagen: 10% sind arbeitslos.
Mit welcher Wahrscheinlichkeit kann man das aber auf ganz Deutschland übertragen?
Ich hoffe ihr habt so ein bisschen ein Gefühl bekommen, so dass ihr die Ausführungen zum Pokern jetzt nachvollziehen könnt.
Berechung des VPIP-Bereichs
Beginnen wir mit dem VPIP, als der Frage, ob wir vor dem Flop freiwillig Geld in den Pot investieren. Es gibt also die 2 Kategorien "JA“ (Geld investiert) und "NEIN“ (folden, oder check im BB). Hier müssen wir bereits die erste Vereinfachung treffen, denn theoretisch könnte man auch weiter ins Detail gehen und fragen VPIP von MP2 aus, oder VPIP wenn vor einem einer geraised hat. Stellt euch vor ein Maniac sitzt rechts von euch und raist jedes mal, das reduziert die Hände die man selbst gespielt hätte drastisch und so kann man auch mal über 20-30 Hände einen völlig anderen VPIP haben. Gleiches gilt, wenn vor einem immer alle Limpen, oder wenn man einfach nur sehr gute Karten bekommt, oder sehr schlechte.
Wir vereinfachen also auf Durchschnittsgegner, ~Karten und ~Positionen.
Schauen wir uns also mal an, was passiert, wenn wir zufällig eine bestimmte Anzahl von Händen spielen und betrachten wie groß der VPIP ist.
Die Abweichung von unserem wahren VPIP geht im Grunde auf 2 Größen zurück.
Eine ist der VPIP selbst (also die Verteilung der Kategorien - ja/nein) und die andere ist die Samplegröße (Anzahl der Hände).
Ganz klar ist, wenn man von den 100k Händen die wir schon gespielt hat 100k auswählt dann ist der VPIP-sample gleich dem VPIP-population (wahrer VPIP). Auch bei 10k hands Samplesize erwartet man bis auf einige Nachkommastellen eine Übereinstimmung.
Was aber, wenn wir nur 10 Hände haben?
Vorerst zum ersten Punkt. Die Abweichungen werden erheblich vom VPIP selbst bestimmt. Hier mal die zwei Extrema. Wenn ein Rock nur 10% VPIP hat, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieser bei 30 Händen auf einmal 10 Hände oder mehr gespielt hat und einen VPIP-sample von 33 oder größer aufweißt.
Genauso ein Maniac – wenn jemand 90% seiner Hände spielt, dann muss es schon mit dem Teufel zugehen, wenn bei ihm nach 20 Händen ein VPIP-sample von 22 auftaucht und wir ihn fälschlicher Weise für einen Tag halten.
Merke: Je extremer die Verteilung um so schneller wird sie mit der wahren Verteilung übereinstimmen.
Anders sieht es da bei LAGs aus und Calling Stations. Wenn ein Spieler 45% seiner Hände spielt, kann die Abweichung schon recht schnell in die eine oder andere Richtung gehen.
Aber kommen wir zur Mathematik:
Immer wenn wir eine Hand halten müssen wir uns entscheiden ob wir (A) freiwillig Geld PF investieren (also limp or raise) oder (B) folden bzw im BB checken.
Vom Gegner kennen wir die folgende Werte: VPIP = X und Handanzahl = Y.
Es interessiert uns mit welcher Wahrscheinlichkeit der VPIP dieser Handanzahl dem wahren VPIP entspricht.
Dafür gibt es folgende Formel:
Standardfehler (SE) von Proportionen (also der Verteilung/Verhältnis aus (A) und (B)] = Wurzel aus [(VPIP * nichtVPIP) / Y]
VPIP * nichtVPIP beschreibt das Verhältnis aus (A) und (B). Dies ist wie vorher beschrieben um so größer je weiter der VPIP von den beiden Extremen (Rock – Maniac) abweicht.
Beispiel: VPIP 22 – Hands 30.
Die Normalverteilung wird erst erreicht, wenn man bei den Samples (also die Anzahl von Händen, die man von der unendlichen Anzahl der Hände der Population auswählt) mindestens 30 Hände auswählt. Weniger als 30 kann zu sehr großen Missverständnissen führen.
Ergebnis: SE = Wurzel[(0,22 * 0,78) / 30] = 0,076
Was sagt uns das?
Das bedeutet, dass wenn der VPIP eines Spielers von dem man 30 Hände kennt 22 ist, dass dieser einen Standardfehler von 7,6 besitzt. Der Standardfehler lässt sich übrigens aus der Standardabweichung ableiten, worauf ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.
Dies bedeutet, dass der wahre VPIP dieses Spielers mit einer Wahrscheinlichkeit von 68% zwischen 22 +-7,6 also 14,4 und 29,6 liegt.
Ebenso ist es zu 32% sicher, dass der VPIP des Spielers entweder höher oder niedriger ist.
Wie sieht es aus für einen Spieler mit VPIP 60 nach 30 Händen.
Hier ergibt sich 8,9 als SE. Wie gesagt, je mehr der VPIP in der Mitte liegt desto größer die Abweichung.
Allerdings kann man den Spieler schon recht gut charakterisieren, wenn man sich zu 68% sicher sein kann dass er 51,1 bis 68,9 VPIP hat. Trotzdem gilt auch hier, dass sein VPIP zu 32% größer oder kleiner ist.
Wie kann man die Sicherheit über den wahren VPIP erhöhen und die Abweichung also SE reduzieren.
Nun die nächsten Schranken wären z.B. 95% Sicherheit, oder gar 99% Sicherheit. Dazu müsste man SE ver-2-bzw.-ver-2,5-fachen.
In dem Beispiel von eben würde gelten:
Wir können uns zu 99% sicher sein, dass der wahre VPIP eines Spielers mit dem Wert VPIP=60 nach 30 Händen zwischen 2,5 * 8,9 +- 60 liegt, also von 37,75 und 82,25 liegt. Dieser Spieler ist also garantiert kein Rock oder TAG.
Jetzt mag einer sagen – gut wir sind uns also extrem sicher, dass wir von dem wahren VPIP richtig weit entfernt sind.
Allerdings hat dieser Spieler nach 30 Händen bereits mit fast 100%iger Sicherheit den Stempel Fisch verdient, denn wer kann denn selbst mit VPIP 37 +EV Poker spielen.
Den gleichen SE erhält man übrigens auch für einen Spieler mit VPIP 40 (da 0,6 * 0,4 =0,4 * 0,6). Dieser Spieler bewegt sich allerdings mit 95% in den Schranken: 22,2 bis 62,2.
Wie kann man nun die Abweichungen reduzieren. Es bleibt allein die Samplesize übrig und da von dieser in der Gleichung die Wurzel gezogen wird muss sie sich schon erheblich ändern um SE merklich zu reduzieren.
Festhalten kann man vorerst, dass man nach 30 Händen in Punkto VPIP auf jeden Fall Tendenzen verzeichnen kann, denn 68% Sicherheit ist besser als pures Raten.
Zum Beispiel wäre der 50% Sicherheitsintervall für den VPIP=40 Typ nach 30 Händen folgender: SE war 8,9 und VPIP 40 zu 50% liegt der wahre VPIP in den Grenzen VPIP-samp +- 0,7*8,9 also zwichen 33,8 und 46,2 mit 50% liegt er aber auch drüber oder drunter. Wenn ihr also einen Gegne seht der nach 30 Händen einen VPIP von 40 hat, dann könnt ihr guten gewissens Raten (was ja 50% entspricht), dass sein wahrer VPIP in den oben erwähnten Bereich liegt, oder aber nicht. Und bitte macht nicht den Fehler und denkt, "gut der Bereich ist von 31,1 bis 48,9, aber der VPIP der da steht ist 40, von daher wird der wahre VPIP schon näher an der 40 liegen, als an 32 oder 48“ Dies ist jedoch falsch, alles was ihr wirklich sagen könnt ist, dass ihr euch zu 68% sicher seid, dass der VPIP eben in diesem Bereich liegt.
Ich denke, dass der 68%-Bereich bereits dem, was man eine Tendenz nennen kann nahe kommt. Den 95% Bereich hab ich aber ebenfalls integriert.
Tabelle mit VPIP-Bereichen
Es folgen die Ergebnisse für einen Rock, TAG, LAG/CS, und Maniac (bzw. die VPIPs von 15, 24, 30, 40, 50 und 60).
Sowie jeweils die Sicherheit für 68% und 95% bei 30, 50, 100, 300 und 1000 Händen.
Hände_____VPIP (mit Range darunter) der Bereich der zu 68% sicher ist
__________15__________24:_________30____________40___________50_____________60
30_____8,5 - 21,5___16,2 - 31,8___21,6 - 38,4___31,1 - 48,9__40,9 - 59,1____51,1 - 68,9
50______10 - 20_____18 - 30_____23,5 - 36,5___33,1 - 46,9__42,9 - 57,1____53,1 - 66,9
100____11,4 - 18,6___19,7 - 28,3__25,4 - 34,6___35,1 - 44,9__45,0 - 55,0____55,1 - 64,9
300____12,9 - 17,1___21,5 - 22,6__27,4 - 32,6___37,2 - 42,8__47,1 - 52,9____57,2 - 62,8
1000___13,9 - 16,1___22,6 - 25,4__28,6 - 31,4___38,5 - 41,5__48,4 - 51,6____58,5 - 61,5
Wenn ihr euch zu 95% sicher sein wollt müsst ihr den Bereich folgendermaßen ausweiten:
Hände_____VPIP (mit Range darunter) der Bereich der zu 95% sicher ist
__________15__________24___________30___________40___________50____________60
30_____2,0 - 28,0____8,4 - 39,6___13,3 - 46,7___22,1 - 57,9___31,7 - 68,3__42,1 - 77,9
50______4,9 - 25,1___11,9 - 36,1___17 - 43_____26,1 - 53,9____36 - 64_____46 - 74
100_____8 - 22_____15,5 - 32,5____21 - 39______30 - 50______40 - 60_____50 - 70
300_____11 - 19_____19 - 29______24,7 - 35,3___34,3 - 45,7___44 - 56_____54,3 - 65,7
1000___12,7 - 17,3___21,3 - 26,7__27,1 - 32,9___36,9 - 43,1__46,8 - 53,2____56,9 - 63,1
Nochmal zum Verständnis. Oben ist der wahre VPIP angegeben z.B. eine LAGs ____40____ je nachdem wieviel Hände ihr von ihm habt (linke Spalte 30/50/100/300/1000) werdet ihr zu 95% bei Pokerace einen Wert innerhalb des Bereiches 30 - 50 erhalten, wenn ihr gerade 100 Hände von ihm habt.
[ Vielleicht schreib ich in Exel auch noch ein Programm, wo ihr einfach VPIP und Handanzahl eingebt und euch die Tabelle auspuckt, dieser Spieler hat zu so und soviel Prozent einen VPIP von bis so und so viel.... ] - also anders herum quasi.
Nehmen wir mal ein paar Beispiele raus. Wenn ihr als TAGs eine Session von 300 hands spielt, dann wird euer VPIP mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 19,1 und 29,1 liegen. Das bedeutet aber auch, dass wenn ihre eine Liste von 100 known Spielern habt 5 von denen, obwohl sie TAGs sind, einen VPIP größer oder kleiner diesem Bereich haben werden. Ein Spieler mit VPIP 33 kann nach 300 Händen also immer noch mit einer geringen Wahrscheinlichkeit (ca. 1,5% ein TAG sein).
Ein weiteres Beispiel: Ihr habt einen Gegner mit VPIP 31,2 nach 30 Händen. Wie ihr seht (oberste Zeile neben 30 Händen) liegen diese 31,2 VPIP sowohl im TAG-, im 30VPIP- als auch im 40VPIP-Bereich, und das selbst bei 68% Sicherheit. Ihr könnt so einen Spieler also nicht einmal tendenziell bzw. genau einer der 3 Gruppen zuordnen. Ihr wisst nur, dass es wahrscheinlich (mit 68% Sicherheit) kein Rock oder Maniac ist.
Eine Hilfe dabei ist auch immer das Verhältnis aus VPIP und PFR, wir könnten nach 40 Händen und viel Glück auch mal einen VPIP von 40 oder 50 haben, aber dann wäre unser PFR nicht 18, sonder verhältnismäßig eben auch 36 oder 40.
Wenn ein Gegner aber nach 40 Händen 50/12 hat, dann kann man den Fish-Stempel schonmal auf Stempelkissen stellen.
Der PFR errechnet sich theoretisch genauso und ich werde auch noch Tabellen mit typischen PFR-Bereich erstellen.
[Tabelle mit PFR-Bereichen... coming soon...]
WentToShowdown und AggressionFactorTotal
Wie sieht es aber mit WTS und AFT aus?
Fakt ist, dass ein Spieler nur zum SD gehen kann wenn er den Flop sieht. Wenn ihr also 30 Hände von einem Spieler habt, der einen VPIP von 20 hat, dann wird dieser nur 6mal den Flop gesehen haben. Er hatte also nur 6 mal die Chance überhaupt bis zum SD zu gehen und einen WTS zu generieren.
Es gilt aber immer noch, dass ein vernünftiger Wert erst ab einer Samplesize von 30 herstellbar ist. Um auf diese 30 Sample zu kommen könntet ihr theoretisch einfach den VPIP mit der Handanzahl multiplizieren. Um den WTS, und gleiches gilt auch für den AFT, eines Spielers also einigermaßen genau feststellen zu können muss gelten: Hände * VPIP > 30. Für einen Tag geht dies also ab 30/VPIP = Hände ab 30/0,24 = 125 Händen los. Wenn wir dann zu 34% bis zum SD gehen also das Verhältnis aus ja und nein = 0,34/0,64 ist, dann werden wir zu 68% einen Bereich von 25,4 bis 42,6 haben.
Das heißt, wenn wir mehrere Sessions á 125 Händen spielen, dann sollten wir zu 68% WTS-Werte zwischen 25,4 und 42,6 erhalten. Relativ ernüchternd wie schwer es wird diesen Wert genau bei einem Gegner, von dem wir erst wenig Hände haben, voraus zu sagen.
Für einen total loosen PF-Spieler würde gelten 30/VPIP = Hände ab 30/0,7 = 43. Die 30 Sample hättet ihr bei ihm also schon nach 43 Händen.
Man darf also nicht pauschalisieren, ab wann Stats aussagekräftig sind. Wichtig ist, dass der Spieler 30mal die Chance hatte in eine der beiden Kategorien zu fallen.
Wie man das ganze für den AFT aufschlüsselt hab ich noch nicht komplett durchdacht da sich dieser Wert ja aus (bet + raise / call) zusammensetzt. Wenn ihr dort also zu 50% aggressiv seid und bettet bzw. raist, dann würde sich ein ein Verhältnis von 50/50 = AFT von 1 ergeben. Wenn ein Tag Postflop von 100 Möglichkeiten 72 mal bettet oder raist und 28 mal called ergibt sich ein Verhältnis von 72/28 = 2,57. Diese 72/28 mal würden natürlich wieder in einem Bereich von +- einer SE, also zwischen 63/37 bis 81/19 liegen. Somit würde der AFT zwischen 1,7 und 4,2 schwanken und das nur für einen Sicherheitsbereich von 68%.
Wieviele Hände braucht man für diesen Bereich wenigstens? Hier kommt positiver Weise hinzu, dass ein Spieler der den Flop sieht bis zu SD 3 mal die Möglichkeit hat Einfluss auf den AFT zu nehmen. Nämlich an Flop, Turn und River. Wie oft er diese Streets erreicht und eine Chance hat ein "Sample“ zu werden kann man vielleicht mit dem WTS abschätzen. Somit ist die Samplesize recht schnell größer als die für den puren WTS. Allerdings hab ich euch ja gezeigt wie schnell der AF zwischen 1,7 und 4,2 schwanken kann. Ihr solltet also bei 60 Händen noch nicht mutmaßen, ob ein Spieler mit 2,8 nun besonders aggressiv ist oder nicht.
Das Zusammenwirken der Basicstats
Abschließend noch folgende Punkte:
Ihr dürft nicht anfangen Werte wie AFT und WTS als absolute Anzeiger einer Spielweise ansehen, sondern diese immer ins Verhältnis zum VPIP setzen.
Die Mathematik behandelt ja jeden Spieler gleich. Und wenn jemand 60/12/1,0/38 hat, dann ist der nicht weniger aggressiv als wir. Der spielt ja fast 3mal soviel Hände und bettet und raist im Verhältnis so oft, wie er nur called. Da er am Flop aber auch nur zu 30% ein Paar trifft, und dieses aufgrund seiner großen PF-Range nicht immer das TP sein muss (wie es bei Tags aufgrund der Highcards) häufiger der Fall ist, wissen wir dass dieser Spieler auch mittelmäßige Hände relative "aggressiv“ spielt, so dass ein Raise von ihm am Turn nicht zwangsläufig besser als TP sein muss, nur weil er mit nem Read auf passiv abgestempelt ist.
Ein weiterer Punkt, der beim Seminar lange diskutiert wurde war, welcher der folgenden spieler mehr Show-down-bound ist.
A: 60/10/1,0/34
B: 37/15/1,2/50
Es ging im Seminar dabei ums PF-play und die Frage, mit welchen Händen man solch einen Limper Isolieren kann (wenn die Blinds tight sind und wir wirklich HU gegen diesen Spieler kommen.)
Die Hauptaussage war, dass man einen Spieler der nur einen WTS von 37 hat Postflop auch mal von ner besseren Hand runter bekommt und die eigene Hand zum Isolieren deshalb nicht ganz so stark sein muss, wie gegen jemanden der nun, nachdem er gelimpt hat und den Flop sehen wird jedes zweite mal (WTS =50) bis zum SD geht.
Da gab es dann eine Wortmeldung, dass der WTS doch mit dem VPIP zusammen hängt.
Oberflächlich gesehen ist das eher falsch. Denn die Spieler A oder B haben ja bereits gelimped, so dass für diese Hand "ihr VPIP“ 100% ist, sie werden den Flop definitiv sehen. Und am Flop entscheidet allein der WTS wie SD-bound diese Spieler sind.
Wenn man sich das ganze mehr im Detail anschaut erkennt man, dass ein Spieler, der 60% seiner Hände spielt eben auch mit sehr mittelmäßigen Händen, manchmal gar A-high bis zum SD geht. Denn er wird selten TP treffen, aber eben mit irgendwas jedes 3te mal zum SD kommen.
Hingegen hat ein Spieler der nur ausgewählte Hände spielt, häufiger mal was gutes am Flop und so rechtfertigt es seinen hohen WTS auch wieder ein wenig.
Zurück zum Seminar – die Frage war nun also welchen von beiden man mit welcher Handstärke isolieren sollte. Pauschal kann ich das nicht beantworten, aber ich denke, dass man gegen beide Gegnertypen mit ner madehand ne Valuebet am River (SD) hat. Der eine geht selten bis zum SD, aber im Verhältnis zu seiner weiten PF-Handrange eben auch mit mehr Trash. Und der andere geht häufig bis zum SD aber hat startet auch mit besseren Händen PF.