Eigentlich wollte ich ja nicht mehr. Zwei Blogs habe ich schon vernachlässigt. Beide dokumentieren, was ich bislang so an den Tischen getrieben habe. Und dass beide geschlossen sind, dokumentiert, dass Poker weit davon entfernt ist, mein Lebensinhalt zu sein.
Jetzt hat’s mich dann doch wieder. Vor drei Wochen habe ich erstaunt festgestellt, dass ich ja noch eine Bankroll habe. Das meisste bei Stars, ein paar Euro bei Poker770, ein paar Dollar bei Skrill. Keine Reichtümer, aber die Roll reicht für NL25.
Ein paar Tage später wusste ich dann: Die Roll reicht für NL25, der Skill nicht. Also hier ein paar Artikel geschaut, dort ein Video, Handbewertungen gelesen, Bücher im Schrank entdeckt, Coachings gesucht ... war alles ganz nett, aber nicht das richtige. Und dann habe ich Paxis’ Einsteigercoaching entdeckt.
Genau das, was ich brauchte. Klar, die höchsten Ansprüche werden da nicht erfüllt. Man bekommt eine sehr schematische Strategie geboten. Über die ersten fünf Lektionen könnte man das auch programmieren. Die Leistung des Lernenden besteht darin, sich Charts zu merken und die absolute Handstärke postflop festzustellen. Für den echten Einsteiger eine nette Übung, für mich EIGENTLICH eher langweilig.
Warum dann trotzdem? Das ist für mich eine risikolose Methode, NL von der Pike auf zu lernen. Zunächst also mal auf NL2 runter, mit etwas NL4/NL5 dazu. Dort habe ich dann festgestellt: nach den üblichen anfänglichen Schwankungen hat sich tatsächlich eine steigende Tendenz herauskristallisiert. Im Ergebnis so 15 bb/100 Hände. Der Hauptgewinn bei der Sache war aber: da ich ja ganz schematisch aus dem Rückgrat spielen konnte, habe ich am Tisch die Gegner beobachten können. So habe ich inzwischen erstes Gefühl für den Flow auf den NL-Micros entwickeln können. Das ist halt doch eine ganz andere Sache als FL, was ich jahrelang als Hauptvariante gespielt habe. Und auch etwas anderes als SnG, die ich auch immer wieder mal zur Erholung und Abwechslung gespielt habe.
Inzwischen fließen in die Einsteigerstrategie die ersten Konzepte ein, die ein eigenes Denken erfordern. Das Spiel wird preflop etwas variabler; sowohl an die Position als auch an die Gegner wird stärker adaptiert. Ich spiele einen Tick looser: von 13/10 auf 16/12 . Das sind insbesondere mehr Steals und dann auch zusätzliche limps bei passender Position. NL2 wird langweilig, das lasse ich weg; dafür kommt gelegentlich auch mal ein Tisch oder zwei NL10 dazu. Das Ergebnis sind nicht nur gelegentlich etwas kompliziertere postflop-Entscheidungen, sondern auch eine höhere Winrate: zur Zeit 20 bb/100. Ok, ich gestehe, ich habe keine sample size. Die „reine“ Einsteigertheorie waren ca. 4,1k Hände, inzwischen bin ich bei 5,7k. Zwei blöde Sessions, und ich bin wieder bei null. Wayne.
Graph:

Jetzt muss ich mal schauen, wie ich weiterspiele. Nachdem ich ja im Plus bin, reicht die Roll immer noch für NL25, der Skill aber sicher immer noch nicht. Auf NL10 wird etwas aktiver gespielt als auf NL2, aber ich habe den Eindruck, dass das nur zu höheren Gewinnen führt, weil ich meine Monster öfter all-in bekomme; dagegen fällt die Tatsache, dass meine CB den Pot nicht mehr so oft gewinnen, nicht allzusehr ins Gewicht. Bislang fühle ich mich wohl, und ich muss mir bald Gedanken über NL16 machen. Nach dem hier meistens gelehrten 25-BI-BRM müsste ich vom Aufstieg auf NL10 bis zum Aufstieg auf NL16 150$, also 15 Stacks oder 1500 bb , gewinnen. Ich denke, ich werde mir das letzte Drittel sparen. Außer es geht zu schnell. Die ersten 45$ auf NL10 habe ich in 450 Händen gewonnen ... 3k Hände sollten es doch sein.




