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Viele Grüße
Nadine
************* (Originaltext) *************
Es tut mir Leid, dass es so lang geworden ist. Gefühlt könnte ich noch fünfmal so viel schreiben. Ich weiß nicht, ob ich jetzt das Relevante drin hab und nicht zu viel rumgelabert hab. Danke schonmal an alle, die sich das durchlesen und was beitragen.
Kurz zur Vorgeschichte.
Ich bin 27, sie 24. Wir haben uns im dritten Semester unseres Studiums kennengelernt. Ich schreib im August meine Abschlussprüfungen, sie im Februar. Wir studieren das gleiche, haben seit 2012 zunächst unibezogen immer mehr Kontakt gehabt und wurden richtig gute Freunde. Wir wohnen 50 km voneinander entfernt auf unterschiedlichen Seiten der Stadt. Haben uns ständig in der Uni gesehen und ansonsten sehr viel miteinander geskyped. Oft jeden Abend. Letzten Herbst haben wir beide unsere Abschlussarbeiten angefangen, bei mir liefs gut, hab im Februar abgegeben. Bei ihr liefs schlecht (was auch viel Pech war), sie schreibt immer noch dran, weswegen wir jetzt quasi das erste Mal, seit wir uns kennen nicht mehr “im Gleichschritt” studieren. Sie ist nur mit ihrer Arbeit beschäftigt, ich bereite mich aufs Staatsexamen (Lehramt) vor.
Sie ist jemand, der sich in Seminararbeiten o.ä. extrem reinsteigert. Entsprechend fertig ist sie, weil es mit ihrer Arbeit schlecht läuft und sich ihr Studium deswegen um ein Semester verlängert hat. Als ihr im Dezember oder Januar klar wurde, dass sie nicht wie geplant mit mir im August Staatsexamen schreiben kann, hat sie plötzlich kaum mehr mit mir geredet. Es ging ihr sicherlich allgemein schlecht, aber ich glaube, die Tatsache, dass es bei mir gut lief, hat es für sie noch speziell schwieriger gemacht, mit mir zu reden. In der Uni war sie meistens schlecht drauf und von einem Tag auf den anderen war sie nicht mehr bei Skype online, wo sie die Jahre zuvor IMMER online war. Und Skype war halt unser Kommunikationsmittel erster Wahl. Ich hab dann im Frühjahr in den Semesterferien auch nicht sehr viel Kontakt mit ihr gesucht, weil ich das irgendwie auch auf mich bezogen hab, dass sie plötzlich so ruhig ist. Wir haben dann bei FB so alle paar Tage mal relativ bedeutungslose Nachrichten hin- und hergeschrieben. Es hatte nichts mehr von den (fast) täglichen, stundenlangen Gesprächen, die wir die Jahre davor immer geführt hatten.
Das ganze ist jetzt für mich aus zwei Gründen ein Problem.
1)
Meine Vorgeschichte kann ich ja später mal liefern. Fakt ist: Sie ist nicht nur meine beste Freundin, sie ist auch quasi die einzige, mit der ich in den letzten Jahren wirklich bedeutungsvolle Gespräche geführt hab und irgendwie meine einzige echte Ansprechpartnerin. Ich habe nicht viele Freunde. Bevor ich mit diesem Studium angefangen hab, bin ich bei einem anderen gescheitert und war allgemein sehr unglücklich mit mir und allem. Sie hat da quasi eine neue Qualität gebracht, so jemanden hatte ich noch nie. Und deswegen stehe ich jetzt quasi plötzlich das erste Mal seit Jahren wieder völlig alleine da. Gleichzeitig war ich leider für sie nie so wichtig, wie sie für mich, sie hatte immer ihre Schwestern und ihre Mama zum reden. Gerne mit mir geredet hat sie offensichtlich trotzdem.
2)
Ich liebe sie. Ich hab mich damals quasi auf den ersten Blick verliebt und das wurde dann natürlich durch unseren vielen Kontakt immer stärker. Ich hab mich nie getraut, einen Move zu machen. Es gab Zeiten, da dachte ich, ich hätte vll. eine Chance bei ihr, dann wieder welche, in denen ich das völlig absurd fand. Rational hab ich eigentlich längst mit der Idee abgeschlossen, dass aus uns etwas werden könnte, dafür ist es wahrscheinlich eh zu spät. Emotional hab ich damit nie abgeschlossen. Ich hab keine Erfahrung mit Frauen, noch nie eine Freundin gehabt, nie geküsst, nie Sex gehabt. Auch hier könnte ich mehr dazu erzählen, aber das würde jetzt zu lang, fürchte ich. Ich weiß nicht, ob sie je was für mich empfunden hat und ob ich eine Chance gehabt hätte (eine Sache, die mich wurmt, würde ich gerne wissen).
Beides zusammen führt irgendwie dazu, dass ich schwer damit klar komme, dass ich plötzlich für sie scheinbar so völlig unbedeutend geworden bin.
Jetzt hat sie durch ihre Arbeit an ihrer Abschlussarbeit einen Tutor kennengelernt, der ihr hilft, mit dem sie jetzt zusammen ist. Ich hab das schon seit Wochen vermutet, einfach so wie sie drauf war etc. Gestern haben wir mal wieder telefoniert (sehen uns derzeit wegen wenig Uni und weil sie oft lieber an ihrer Arbeit arbeitet nicht ganz so oft), sie hat erzählt, dass sie mit ihm beim Baden war und da hab ich dann mal ganz direkt nachgefragt. Sie hat mir dann erzählt, dass sie seit letzter Woche zusammen sind. Als sie mir das gesagt hat, hat mich das spontan nicht allzu sehr getroffen, erst danach (genauso wars schonmal, als sie mir mal von ihrem Ex-Freund erzählt hat). Spontan war ich eher gut drauf, vll. weil wir uns mal wieder unterhalten haben und weil es nicht nur um bedeutungslosen Unsinn, sondern mal wieder um etwas Wichtiges ging. Ich hab ihr erzählt, warum ich auf die Idee gekommen bin, dass zwischen ihnen was läuft, sie war ganz überrascht, wie lange ich das schon geahnt hatte (sie meinte selbst, vor zwei Wochen hätte sie das ja noch für unmöglich gehalten (ob jetzt in echt oder nur so dahingesagt, k.a.)). Auf jeden Fall war sie extrem erleichtert, dass ich so positiv reagiert habe. Ich weiß nicht, was sie befürchtet hat. Ob sie allgemein froh war, dass ich ihr das quasi abgenommen hab, den richtigen Zeitpunkt rauszusuchen, oder ob sie speziell von mir eine komische Reaktion o.ä. erwartet hätte. Auf Nachfrage hat sie sowas gesagt wie: “Keine Ahnung, ich wusste ja nicht, was du dazu sagst und so.”
Die Nacht hab ich dann sehr schlecht geschlafen. Und heute schwankt meine Stimmung bisher ziemlich und ist eher meistens unten. Es ging mir die letzten Wochen schon einige Male so, weil ich es eben schon lange vermutet hab und sie oft so mit ihrer Arbeit beschäftigt war, dass sie auf meine allgemeinen Nachrichten mit einem halben Satz oder gleich gar nicht reagiert hat, was mich auch öfters traurig gemacht hat (eben weil ich so bedeutungslos bin auf einmal).
Jetzt weiß ich aus den letzten Wochen, dass ich die schlimmsten emotionalen Schwankungen wahrscheinlich in zwei bis drei Tagen ganz gut unterdrücken kann. Wahrscheinlich aber nur so lange, bis es mir mal wieder schlechter geht aus welchem Grund auch immer. Dann muss ich an sie denken und noch schlimmer, wenn ich daran denke, was sie und er diesen Sommer dann so alles zusammen “erleben”.
Und außerdem hab ich jetzt schon Angst vor der Zeit nach meinem Staatsexamen, wenn ich plötzlich mich nicht mehr den ganzen Tag in die Lernerei fliehen kann. Ich merke einfach, wie sehr sich mein Leben in den letzten Monaten bis Jahren immer wieder um sie und die Gespräche mit ihr gedreht hat. Ein falscher Satz von ihr hat gereicht, um mich traurig zu machen. Das kann kein anderer Mensch. Ich dachte zuerst noch, wenn die Zeit ihrer Abschlussarbeit vorbei ist, dann wirds wieder wie früher. Das glaub ich jetzt nicht mehr. Es wird alleine deswegen nicht mehr so, weil das Studium um ist. Und durch ihren Freund wird sich unsere Beziehung auch nicht so erhalten lassen. Ich hab Probleme, hier die Zukunft positiv zu sehen.
Ich war noch nie so verliebt wie in sie, nichtmal ansatzweise. Liebeskummer kannte ich nicht, bis ich sie gekannt hab (was mit meiner nicht-Vergangenheit mit den Frauen zu tun hat, wie oben gesagt, kommt das noch extra). Dazu kommen dann jetzt eben die “Ich werde nie eine Freundin haben” Gedanken usw, die auch nicht neu sind. Ich weiß ja, dass ich an allem selber schuld bin, aber ich weiß nicht, wie ich da rauskommen soll. Es kommt mir so vor, als ob keiner meine Gesellschaft braucht. Ich weiß: “Werde erstmal selber glücklich!” Das kann ich schon lange nicht mehr. Mein Selbstbild ist stark davon geprägt, was sie von mir denkt. Ich versuche dauernd, für die mir wichtigen Leute nützlich zu sein.
Jetzt steht mittelfristig erstmal das Staatsexamen an. Dafür brauch ich kurzfristig gute Stimmung, damit ich effektiv lernen kann. Ich war die letzten Wochen unsicher, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll. Und war deswegen teilweise einerseits froh, wenn sie nicht in die Uni gekommen ist, andererseits hab ich es keine zwei Tage am Stück ausgehalten, ohne ihr irgendeine Nachricht zu schreiben (wenn sie nicht kam, hat sich das Nachrichtschreiben immer gleich mit dem Nützlichsein verbinden lassen, weil ich ihr dann alles geschickt hab, was wir an dem Tag gemacht haben). In zwei Wochen ist das Semester rum. Oft sehen wir uns nicht mehr. Ich hab teilweise das große Bedürfnis ihr viel von dem zu erzählen, was mich an unserer Beziehung bedrückt. Aber das wäre wahrscheinlich nicht sinnvoll und teilweise unfair.
Irgendwie bleibt jetzt noch die Frage, warum ich das hier alles erzähle. Ich bin erstaunt, wie fundiert hier im Kummerkasten oft geantwortet wird. Ich hab mir viele Gedanken gemacht in den letzten Monaten, hätte vor ein paar Wochen fast schonmal diesen Thread gestartet. Ich hab jetzt mal versucht möglichst zu erzählen und noch wenig meiner selbst erdachten Lösungen o.ä. hinzuschreiben, um ein paar Meinungen einzuholen. Und ein bisschen hoffe ich auch, es hilft mir, wenn ich hier schreiben kann, was ich so denke.Ich hoffe es ist nicht zu konfus. Falls ihr noch was wissen wollt, erzähl ich gern noch mehr zu allen Themen. Danke an alle, die überhaupt bis hierher gekommen sind.