Original von shaddiii
Die Maßnahmen im November haben zu einem Abbruch des exponentiellen Wachstums geführt und die Auswirkungen der Maßnahmen vor einer Woche bleiben noch abzuwarten. Vielleicht kommen wir wieder zu einer mehr faktenbasierten Diskussion statt auf "ich bin immer dagegen" dak einzugehen.
Auch wenn ich beim letzten Absatz zustimme, finde ich es bei dem Thema durchaus legitim, etwas kritischer zu hinterfragen.
Wir haben ja einen Vergleich zum März und im Big Picture steht erstmal folgendes:
- Der "radikale Lockdown" im März hat sofort Wirkung gezeigt und die Infektionszahlen sind nicht nur stagniert, sondern relativ zügig signifikant gesunken.
Begünstigt wurde dies durch den "Panikeffekt" und dadurch höhere Compliance, besonders im Bereich Abstand, sowie saison-bedingt durch den Übergang in die open air Saison
- Jetzt im November haben wir mit Lockdown Light gestartet und die Fallzahlen sind signifikant weiter gestiegen. Auch nach dem "harten" Lockdown haben wir bisher (imo nur) so etwas wie eine Stagnierung im Bereich 20-30k Fälle pro Tag.
Ich finde es erstmal legitim, festzustellen, dass die Maßnahmen seit September deutlichst schlechter greifen als im März.
Dass man jetzt bei 20-30k/Tag stagniert als Erfolg zu "feiern" aka "exponentielles Wachstum eingeschränkt empfinde ich schon als oversell und ein bisschen ein Totschlagargument, man wird nie wissen, was ohne Maßnahmen gewesen wäre und es ist nicht unmöglich, dass die Zahlen auch ohne Maßnahmen stagnieren. Dass Corona nicht exponentiell unendlich wächst, zeigen imo auch Länder mit sehr lauen Maßnahmen von Anfang an. Dennoch steht Deutschland bei Inzidenz und Todesfällen auf USA Niveau inzwischen. Nicht vergessen, die USA haben wir als Trumps Versagen bisher gebashed und uns gefeiert, wie geil wir das im Frühjahr gemacht haben. Und jetzt stehen wir genau so da, wie die USA (immer noch unter Trump).
Auch nicht zu vergessen: Es war das erklärte Ziel, die Fallzahlen bis Weihnachten deutlich zu drücken, sodass wir uns Weihnachten mit der Familie so halbwegs "leisten" können. Dieses Ziel ist kolossal gescheitert bisher.
Ich finde daher schon, dass man die Strategie der Regierung in der zweiten Welle durchaus kritisch hinterfragen darf und dass man die Diskussion dazu nicht als Querdenker-Geschwafel abtun sollte.
Interessant an dem Tagesspiegel-Artikel oben ist für mich, dass sich bestätigt, was ja auch die Wahrnehmung hier der Leute ist.
Versammlungsverbot und Schulschließungen zeigen Wirkung. Und die negative Entwicklung deckt sich ja mit der hier beschriebenen schlechteren Compliance im privaten Bereich. Abstandsregelungem im Bereich der Nachbarn und co wurden einfach nicht mehr ernst genommen.
Die "Story" meines Arbeitskollegen ist sinnbildlich dafür. Mutter und Nachbarin kommen beide vom Einkaufen, steigen gleichzeitig in den engen, kleinen Aufzug. Machen noch Witze aka "eigentlich müssten wir eine Maske tragen" und tun es dann nicht.
Zack, Nachbarin hatte Corona, Mutter infiziert, 4-köpfige Familie infiziert (alles mild zum Glück).
Im März wäre ich recht sicher, dass die nicht ohne Maske gleichzeitig in den Aufzug gegangen wären.
Ich persönlich nehme btw jetzt wahr, dass die Abstands-Compliance wieder besser wird. Die Quote an Masken auf der Straße stieg meiner Wahrnehmung nach zuletzt deutlich.
tl dr: Ich empfinde die Strategie der Regiering zur 2. Welle auch größtenteils gescheitert und halte Kritik daran für legitim.