11. August 2014: Barrel Frequenzen

Für einen Postflop-Gameplan benötigt man eine gute Einsicht darin, welche und auch wieviele Hände man spielen sollte. In meinem ersten Teil zum Postflop-Spiel möchte ich mich mit der Situation als Preflop-Aggressor beschäftigen. In diesem Fall muss ich mir Gedanken machen, mit welchen Händen ich eine CBet mache, mit welchen ich aufgebe und wieviele Bluffs ich spielen kann. Eine Grundlage bilden dazu die Barrel-Frequenzen.
Abhängigkeiten der Barrel-Frequenz
Es gibt Punkte, von denen die Barrel-Frequenz direkt abhängt. Einige davon sind direkt mathematisch erfassbar, andere haben einen Einfluss, können aber schwer direkt erfasst werden ♠_confused:
Betsize
Eine direkt erfassbare Größe ist die Betsize. Gehen wir vereinfacht von einer Situation am River aus, in denen Villain einen Bluffcatcher hält. Unsere Valuerange gewinnt immer und unsere Bluffrange verliert immer bei einem Call von Villain. Bringe ich am River eine halbe Potsizebet, muss Villain zu 25% gewinnen, um profitabel zu callen
Spoiler
Potsize = 2, Betsize = 1.
Villain muss 1 bezahlen und spielt um einen Pot von 4. Wenn er 1/4 = 25% gewinnt, ist er break even.
Gehen wir davon aus, dass Villain mit einem Bluffcatcher immer called, sollten wir ihm diesen profitablen Call streitig machen
Das machen wir, indem unsere Bluffs unter 25% unserer gesamten Bettingrange liegen. Pro Valuekombo können wir daher am River 0.33 Bluffkombos spielen.
Spoiler
Die Rechnung hierzu ist (angenommen wir haben 10 Valuekombos):
Gesamtkombos = Valuekombos / (1 - breakeven%) = 10 / (1 - 0.25) = 10 / 0.75 = 13.3
Bluffkombos = Gesamtkombos - Valuekombos = 13.3 - 10 = 3.3 Bluffkombos
Anhand dieser Rechnung kann man sehen, dass unsere Blufffrequenz mit der Betsize zusammenhängt. Wählen wir eine höhere Betsize, muss Villain öfter am SD gewinnen, um profitabel zu callen, daher können wir mehr Bluffs in die Range mit aufnehmen. Bei einer Potsizebet können wir einen Bluff pro 2 Valuekombos mit aufnehmen 
Boardtextur
Die Boardtextur ist gleich zweierlei relevant für unsere Blufffrequenz. Zum einen kann das Board je nach Situation die Range des einen oder anderen Spielers besser getroffen haben. Auf dieses Problem versuche ich später noch näher einzugehen, wenn ich bestimmte Spots beleuchte. An dieser Stelle möchte ich mich einfach darauf beschränken, dass in den meisten Fällen Axx und trockene Boards generell öfter die Range des PFA treffen. Das liegt daran, dass Callranges öfter capped sind und Hände wie AA,AK,AQ oft nicht in der Range haben und gleichzeitig selten mit schwachen Assen callen. In der Range des PFA hingegen befinden sich in der Regel mehr Ax-Kombos (teilweise wird dies dadurch kompensiert, dass viele Callranges dafür weniger Kombos insgesamt beinhalten).
Das gefährlichste Board für den PFA sind in der Regel connected oder suited mittelhohe Karten, also sehr drawlastige Boards. Diese werden von der Callrange üblicherweise hart getroffen
Kleine Karten favorisieren tendenziell wieder die etwas stärkere PFA-Range, kann jedoch öfter sehr starke Hände für den Caller bringen.
Ein anderer Punkt ist die Drawlastigkeit vom Board generell. Auf einem trockenen Board haben Bluffs weniger Equity (in der Regel nur Backdoorequity), daher müssen sie häufiger klappen. Gleichzeitig haben wir aber mehr Foldequity, was das Problem gerade auf den Micros kompensiert 
Auf einem drawlastigen Board haben Bluffs mehr Equity (Semibluffs), daher kann ich mehr bluffen. Die Foldequity sinkt allerdings. Valuehände werden eher gecalled und wir protecten gleichzeitig, sodass die Valuerange größer ist.
Anhand dieser Punkte sollte die CBet-Rate auf trockenen Boards theoretisch sehr gering sein. Da auf den Micros aber die Fold to CBet-Rate gerade auf A-High Boards nahe dem Autoprofit ist, würde ich hier meine Bluffrange erweitern ♠_cool:
Barrel-Fähigkeit/Playability
Ein wohl unbeliebtes Szenario, was man spielen möchte, ist Bet Flop, Fold Turn. Aus diesem Grund sollte man sich immer überlegen, Hände zu betten, mit denen man auf zukünftigen Streets weiterbarreln kann. Valuehands, welche keine 3 Streets Value haben, können daher eher mal Check/Call gespielt werden, um den Pot klein zu halten. Als Bluffhände kann man deshalb am besten Hände mit Backdoorequity nehmen. J♠5♠ auf einem T♦8♥3♠ Board kann zum Beispiel eine sehr gute Bluffhand sein. So kann ich auf jedes Spade (9 Kombos), jeden Buben (3 Kombos), jede 9 (4 Kombos) weiterbarreln und habe damit 16 Kombos (ca. 32%), auf die ich am Turn eine zweite Salve feuern kann. 55 auf gleichem Board hingegen hat nur 2 Outs auf ein Set und hat daher eine schlechte Playability.
Auch Boards können unabhängig von der eigenen Hand Playability erzeugen - so können Overcards oder 1-Card-Straights/Flushes eine gute Gelegenheit sein, am Turn nochmal zu barreln. Das kann nur leider auch nach hinten losgehen
Praktische Anwendung
Teilweise sind die Konzepte leicht und teilweise schwer umzusetzen ♠_frown: Zur Erstellung eines Gameplans für ein bestimmtes Limit sollte man zum Beispiel Population Tendencies mit einbeziehen, wenn man welche hat. Ich hatte ja schon versprochen, meinen Gameplan für BTN vorzustellen, wenn ich ihn habe. Ich kann ja hier mal mit folgendem Szenario starten:
BTN Openraise, BB (8.6% 3Bet, 22% Call)
Board: A♥7♦2♠
Openraising Range:

22+,A2s+,K2s+,Q2s+,J5s+,T6s+,96s+,85s+,74s+,64s+,53s+,42s+,32s,A2o+,K7o+,Q8o+,J9o+,T8o+,98o,87o (#568 nach Cardremoval)
Auf einem trockenen Board ist meine Betsize üblicherweise 1/2 Potsize. Ich kann also entsprechend mindestens 25% bluffen. Meine CBet Success-Rate vom BTN ist 45%. Ich kann also mehr Bluffs spielen, da Villain viel foldet. Da ich nicht protecten brauche, kann ich mittelstarke Hände besser behind checken 

Valuerange: AT+,A7,A2,77,22,7x,2x,88-99 (#141)
Check/Call-Range: AA, schlechtere Ax, TT-KK (#99)
Bluffrange: Backdoorflushdraws K3s+, Q3s+, J8s+, T8s+, 96s+, 85s+, 64s+ (#84 ohne 7x-Kombos)
Check/Fold, falls nicht Verbesserung am Turn: Rest (#244)
Hier hätte ich nun "vernünftige" Continuationbet-Werte von 40% auf einem sehr trockenen Board. Mein Bluffanteil ist 37%, was ich in Ordnung finde. Wenn ich checke, dann gebe ich den Pot zu 29% nicht auf.
Habe ich den Read, dass Vilain oft auf CBets foldet (50% FTCB im HUD), dann kann ich natürlich auch alle anderen BDFD und niedrigen Pairs for Bluff betten
Welche Punkte gibt es noch zu beachten?
Punkt 1: Villains Range
Wie angesprochen ist Villains Range wichtig für meine Betfrequenzen. In diesem Fall würde ich Villain folgende Range geben (8% 3Bet, nächsten 22% Call - depolarisierte 3Bet-Range):
99-22,A9s-A2s,KJs-K4s,Q7s+,J7s+,T7s+,97s+,86s+,75s+,64s+,54s,A9o-A8o,KJo-KTo,QTo+,JTo,T9o
Auf diesem Board hat er ca. 40% Made Hands oder Draws, die er vielleicht weiterspielt
Punkt 2: Exploitable Ranges
Ich denke, nach einem Checkbehind ein Check/Fold von 71% zu haben, ist schon exploitable. Allerdings kann meine restliche Range auch noch irgendwie treffen, z.B. 33-66 ein Set, so dass ich da erstmal keinen Bedarf der Änderung sehe.
Ein Punkt ist die Angreifbarkeit durch Check/Raises. Das Problem: Auf diesem Board macht ein Check/Raise keinen Sinn. 22,77 und AA sind eingeladen, hier slow zu spielen. A7/A2 könnten mal raisen gegen meine starken Ax-Kombos, aber prinzipiell sind Check/Raise-Lines auf dem Board sinnfrei, weshalb ich sie komplett ignoriere. Auf ein Check/Raise könnte ich wohl nur AK bei kleinem Raise, A7, A2 und 77,22 weiterspielen. Das sind 29 von 213 Kombos, also kaum 13%. Bei 87% Fold to XR kann Villain auf diesem Board wohl any2 checkraisen 
Punkt 3: Villain Donk
Diesen Punkt betrachte ich ähnlich wie das Spiel ohne Initiative In Position. Darauf möchte ich eingehen, wenn ich mich mit Calling Frequenzen beschäftigt habe.
Zusammenfassung
Ich habe mir eine kleine Übersicht darüber verschafft, was für Punkte es bei Barreling Frequenzen zu beachten gibt. Dabei müsste man rein theoretisch sehr viele Punkte beachten. Vereinfachend betrachte ich meine Range und das Board und unterteile meine Valuerange in Bet oder Checkranges und erstelle Anhand meiner Betrange eine vernünftige Anzahl Bluffkombos. Betsize, Boardtextur und Playability sind dabei die ausschlaggebenden Konzepte.
Mein Plan für BTN vs SB steckt hierbei noch in den Kinderschuhen und soll nur einen Einblick geben, wie ich die verschiedenen Konzepte versuche anzuwenden. Als nächstes muss überprüft werden, wie ich mit der Range, die ich am Flop bette, am Turn weiterspielen kann