Vegas 22.2 - Day 9 & 10
Der offene Tagesausgang im letzten Post kann nun beantwortet werden: Biermodus stand auf dem Plan und so endete die Nacht irgendwann ziemlich angeschlagen um 5 Uhr im Flamingos am Doppel-Null-Roulette, um dort die Losses vom Pai Gow zu chasen. Ein Plan, der zum Scheitern verurteilt ist, wäre da nicht B99sti in meinem Team. Der Mann schafft es noch immer, betrunken irgendwelche Chips zurückzuholen, die andere schon in ihre Rentenplanung eingerechnet hatten. Mit minimalem Verlust und maximalen Schädel ging es am Dienstag erstmal ausgiebig zum Pool, wo das Konterbier in der Mittagshitze ebenfalls auf die Liste mit den guten Plänen hinzugefügt werden konnte. Danach brauchte ich also abermals eine Pause und lief erst abends um kurz vor 18 Uhr im Bellagio auf und bereute es keineswegs, nicht schon eher hier gewesen zu sein: Vier Tische $5/$10 an dem sich so ziemlich alle Spieler befanden, die ich hier in den letzten Tagen hier oder da mal als "Reg" beschrieben habe. Absolut schlechte Tische, keine Spaßspieler, entsprechend keine gute Stimmung und keine Besserung in Sicht. Das kann nur eins bedeuten: Schnell weg hier. Leider dauerte es knappe zwei Stunden, bis ich die Einsicht in die Tat umsetzen konnte. Dabei verlor ich auch noch eine größere Hand gegen zwei Spieler, in der ich T♣: T♠: squeeze und postflop auf 8♣: 9♣: 4♠: 8♥: nicht loslasse. Der erste Spieler ist aber irgendwie mit T♦: 8♦: zum Turn gekommen und der andere mit J♣: J♠: - das hätte ich bei einem älteren Spieler, der preflop zweimal nur callt und postflop direkt donkt kommen sehen können. Hab ich aber nicht und saß daher mit $1.316 Minus dort. Zum "Glück" ging es den anderen beiden an ihren Tischen im Aria und Bellagio nicht besser, sodass wir uns ziemlich schnell einig waren, eine Cirque du Soleil Show diesem Zirkus an den Pokertischen vorzuziehen.

Mystere im treasure island
Die Tickets für die 21:30 Uhr Vorstellung waren fix online gebucht und schon ging es den abendlichen Strip entlang zum treasure island. Die Show hat mir sehr gut gefallen und gehörte noch zu denen, die ich bisher nicht gesehen hatte. Mit Clown/Showmaster wurde vor Beginn die Stimmung erheitert und dann ging es knappe 90 Minuten atemberaubend zur Sache mit ziemlich hohen Kunststücken, Verrenkungen, einer Bühne, die sich konstant verändert hat und sehr eindrucksvollen Drum-Beats, Ständig wurde irgendwo im Saal auf immer größeren Trommeln im Takt getrommelt und dazu weitere Acts performt. Das Ganze hatte wenig Story, was ich persönlich nicht schlimm finde. Alles in allem gibt es von mir 4/5 Sterne für die Show und damit einen guten Platz 2 hinter meiner Lieblings-Zirkusshow "KA" im MGM.
Natürlich hatte sich das Publikum im Bellagio nach über drei Stunden komplett geändert und mittlerweile wimmelte es nur von Fischen, die von mir ausgenommen werden wollten. Ach ne, es war doch noch Dienstagabend. Mit unglücklichen Minen saßen dieselben Spieler an denselben Tischen und warteten nur darauf, dass ich mich nochmal zu ihnen begebe. Aber den Gefallen habe ich ihnen nicht getan und den Tag einfach mal mit nur zwei Stunden Poker beendet.
Da auch für den Mittwoch nicht unbedingt viel bessere Aussichten in puncto Pokeraction herrschten, entschloss ich mich, einen Mietwagen zu buchen und das Land zu erkunden. Auch das ist im digitalen Zeitalter alles so bequem und schnell erledigt: Avis Autovermietung im Bellagio kontaktiert, einen Wagen für den nächsten Morgen für $90 bestellt, Route zum Red Rock Nationalpark recherchiert und schon stehe ich um 8 Uhr morgens mit gepacktem Rucksack im Parkhaus und drücke so lange auf den Autoschlüssel, bis es irgendwo leuchtet. Auf geht's!

Die ikonischen Red Rocks
Ich war zum ersten Mal im Red Rock Nationalpark. $17 Entry Fee kostete der Spaß für ein Auto. Ich hielt als Erstes im Visitor Center, suchte mir ein paar "Wander"routen raus und freute mich auf die schöne Abwechslung zur Plastik-Stadt Las Vegas. Mit dem Auto fuhr man einen 12 Meilen langen Einbahnstraßen-Slalom um die tollen Felskombinationen der Mojave-Wüste. So ziemlich jeden Kilometer gab es Stopps zum Ausgucken oder Start für Wanderungen. Zwei Spaziergänge habe ich in gut drei Stunden dort gemacht und die Ruhe in der Natur genossen.

Sandstein ist zum Klettern ein Traum
Die Steine haben mir richtig Lust aufs Klettern gemacht. Ohne Matte würde ich dort aber nicht großartig versuchen, die Boulder zu erklimmen. Zum Glück musste ich meinen Kletterdrang nicht all zu sehr bremsen, denn mein nächster Stopp sollte die Kletterhalle "The Pad" in Henderson sein. Ursprünglich wollte ich erst zum Hoover Dam und Lake Mead, aber da ich nun hier schon recht lange in der Sonne war und mein Handyakku in der Hitze mit all den Fotos und GPS-Herausforderungen litt, entschied ich mich, doch nur noch zur Kletterhalle auf dem halben Weg zu fahren.

Kletter- und Boulderhalle The Pad, ca. 30 Minuten vom Las Vegas Strip entfernt
Viele Details zum Bouldern erspare ich euch hier. Nur für mich als Memo: Die Griffe waren recht ausgelutscht und daher in den Leihschuhen sehr rutschig und die Routen teilweise nicht intuitiv geschraubt. Ich tat mich sehr schwer und wunderte mich noch über das harte Niveau: Ich konnten Routen der Skala V3 klettern, wobei die Halle bis V8 zu bieten hat. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass V3 aber schon in etwa meinem Niveau in Deutschland entspricht. Trotzdem würde ich beim nächsten Mal eine andere Halle ausprobieren wollen.
Zurück in der Stadt holte ich mir Updates der anderen ein und welch Überraschung: Geile Partien sind das wieder nicht. Ich schlug vor, meinen Mietwagen noch einmal zu nutzen und schon ging es mit Basti im Gepäck Richtung Downtown Las Vegas, wo wir im Steakhaus Oscar's im Plaza-Hotel sehr gut aßen und richtig satt wurden, was bei Steak ja nicht immer der Fall ist. Anschließend haben wir uns noch das recht neue Circa-Hotel nebenan angesehen und waren beeindruckt: Während Downtown Las Vegas ja eher etwas heruntergekommen wirkt, haben die mit dem Circa nun wieder ein Edelschuppen da stehen, der vom Eindruck des Casinos her durchaus in einer Liga wie das Aria spielt. Die Freemont-Experience mit der heftigen LED-Überdachung haben wir auch noch etwas gefeiert ebenso wie die skurrilen Menschen, die hier einfach jeden Abend ihr Unding treiben. Immer wieder witzig hier, aber so richtig lange halte ich es da nicht aus.

Steakhaus Oscar's im Plaza-Hotel Downtown Las Vegas
Wenig später parkte mein Wagen vollgetankt im Bellagio, der Schlüssel verschwand in der Schlüsselbox und Konti landete an einem $5/$10 Must Move, der abermals nicht wirklich gut aussah, aber immerhin besser als am Vortag. Es herrschte hier um 20 Uhr abends reger Betrieb und wir kamen kaum zum Spielen, da ständig Leute von unserem Tisch zu einem der Main Games bewegt wurden. Ich landete also auch schnell an einem anderen Tisch und war dort einigermaßen zufrieden, da zumindest ein offensichtlicher Fisch dran war. Dazu ein weiterer, der langsam Geld verliert, ein paar tighte Regs, unter anderem Jaman Burton, und zwei aktive Deutsche. Geht besser, geht schlechter.
Insgesamt viereinhalb Stunden spielte ich im Bellagio, aber eigentlich hätte ich nur drei Hände dort sitzen müssen, die unmittelbar aufeinander folgten:
Hand 1: Der gute Deutsche neben mir openraist $30 und ich sehe Q♣: Q♠: im CO: 100% 3bet sagen die Charts, 100% Call sagt Konti, da der aktive Fisch ziemlich aktiv war gerade. Und in perfekter Hannibal-Manier aus dem A-Team liebe ich es, wenn ein Plan funktioniert: Der Fisch 3bettet aus dem SB auf $60, der Reg callt und nun kann ich nochmal drüber gehen und 4bette auf $200. Der Fisch callt, der Reg foldet. So soll es sein.
Flop $470: T♦: 6♣: 2♠:
Der Fisch checkt, der Konti setzt $150, der Fisch geht für $730 all-in und ich gewinne einen $1.900 großen Pot gegen 77.
Hand 2: Ich bin noch mit dem Stapeln der Chips beschäftigt, da sehe ich Asse und openraise in erster Position. Alle folden.
Hand 3: Nun bin ich im Big Blind, der Fisch limpt und am BU openraist ein bis dahin sehr sehr tighter Reg $40. Ich muss mich kurz versichern, ob ich dem Dealer meine Karten aus der letzten Hand zurück gegeben habe. Jo, habe ich und die Farbe des Kartendecks auf der Rückseite ist auch eine andere. Glück gehabt, denn meine Hand ist die gleiche - wieder A♥: A♦: Ich 3bette auf $170 und der Reg callt.
Flop $350: 5♠: 7♣: 7♦:
Ich cbette $90 und der Reg raist direkt auf $300. Ach herrje, da sieht der geneigte Live-Pokerspieler aber alle Monster unter dem Bett. Niemand raist das als Bluff oder Semibluff, 55 und diverse 7X-Kombinationen sollten schon in seiner Range sein, aber vielleicht, ganz vielleicht, bitte vielleicht, bitte bitte nur dieses eine Mal vielleicht hat er auch sowas wie 88-JJ, vielleicht vielleicht auch QQ? Auf jeden Fall darf ich die Asse nicht folden. Wenn er jemals je eine schlechtere Hand hier raist und am Turn all-in stellt und ich die Asse folde, verbrenne ich auf lange Sicht zu viel Geld. Mit TT/JJ wäre ich hier schon eher geneigt, nicht all meine Chips zu investieren gegen einen so tighten Spieler. Ich calle also.
Turn $950: 8♦:
Ich checke und es passiert das, was ich ahnte: Er geht all-in für $730. As I said, ein gutes Gefühl habe ich dabei nicht, aber folden darf man es auch nicht. Ich calle und frage ihn, ob er eine 7 hat. Er schüttelt den Kopf, will zweimal runnen und ich bestätige.
River 1 $2.410: K♣:
River 2 $2.410: 5♥:
Gespannt warte ich darauf, was mein Gegner umdreht... *trommelwirbel* QQ it is. Perfekt! Das Ganze hätten wir in der Konstellation BB vs BU auch bequem schon preflop reinbringen können, aber ich beschwere mich nicht.
Apropos nicht beschweren: Dass man hier wieder ein Setup AA > QQ bekommt, ist das eine. Dass andere Regs aber auch an den Tisch kommen und in der ersten Hand ihren $2.200 Stack gegen ein Set versenken, das andere. Alles Dinge, die passieren - nur mir eben zurzeit nicht. Es sind noch zwei Tage zu spielen, die Games sollten heute und vor allem morgen auch wieder besser werden und ich bin bereit, weiter zu kämpfen und nicht zu verwalten. Ohne den Tag vor dem Abend zu loben, möchte ich aber mal festhalten, dass ich hier weit über Gewinnerwartung liege und sehr viel Glück bei der Kartenverteilung erfahre. Das kann sich jederzeit ändern. Ich möchte hier nur klarstellen, vor allem für die nicht Poker spielenden Leser:innen, dass bei dem Spiel auf so kurze Sicht wie diese zwei Wochen eine Menge von der Kartenverteilung abhängt. Es mag sich so einfach lesen: Wieder vier Stunden Poker, wieder $2.500 Gewinn, keine große Hand verloren, alle Entscheidungen schnell getroffen, nicht einmal groß bluffen müssen etc etc. Das ist nicht Alltag! Das ist ein sogenannter Upswing, den man genau so wahrnehmen sollte wie das Gegenteil.
Und was macht man am besten, wenn man einen Upswing hat? Richtig, viel weiter spielen. Das ist der Plan für heute und morgen. Und ihr wisst ja: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.









