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[FL] SanWogi's FL Hold'em Diary [Aktuell: Trainingstools und Pokermodelle]

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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Moin Leute. Ich hatte das Pokern zwischenzeitlich ein wenig aus den Augen verloren aber letztens wieder ein bißchen gespielt und Hände bewertet. Nichts Großes und momentan auch keine Aufstiegsavancen. Aber das kann ja wieder kommen.

Hier zum Beweis, daß ich wieder gespielt habe noch eine aktuelle Hand zum Thema "A high Board":

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Hand abspielen

$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (4 handed)

Preflop: Hero is BU with 9:c, J:h.
CO folds, Hero raises, SB folds, BB calls.

Villain ist unknown. Es soll in der Hand also lediglich um eine Default-Line für solche Fälle gehen.

Flop: (4.4 SB) A:c, 7:d, T:c (2 players)
BB bets, Hero calls.

Die Donk nervt, aber ich habe einen Gutshot und der J könnte gut sein. Das Ass bräuchte er ja eigentlich nicht donken.

Turn: (3.2 BB) 6:h (2 players)
BB bets, Hero folds, BB gets uncalled bet back.

Hier scheint mir meine Equity dann doch zu niedrig, so daß es ein Fold ist. Nun beginnen die Gedankenspiele "Was wäre wenn?"
Was würdet ihr auf verschiedene Turnkarten hin tun?
Ich würde :club:-Karten callen und den J raisen.
Ich denke, das Ass gibt mir Foldequity gegen einige Hände, die mich sonst noch aussucken könnten.
Diese Foldequity ist allerdings etwas ärgerlich, wenn am Turn eine 8 bekommt und ich damit eine Straight habe, denn dann will man Value, und nicht unbedingt, daß Villain am Turn foldet. Ich denke aber, daß ich auch mit einer Straight den Turn raisen würde, weil ich von einem Flushdraw Value bekommen würde und erst Recht von einem Ass (falls er doch mit Top Pair gedonkt hat). Etwas ärgerlich ist aber, daß ich ihn so von T und 7 runterholen würde, die er sonst vielleicht am River noch mal gebarrelt hätte.
Zu guter Letzt bleibt noch die Frage, ob ich auf eine Q hin passiv bleiben soll oder einen Semibluff versuchen. Denn auch hier entfaltet das Ass seine Wirkung, sofern Villain es nicht hat und nicht übermäßig showdownbound spielt.

Final Pot: 3.2 BB.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Es läuft gar nicht mal so gut, wenn ich mir den Graphen meiner letzten 7k Hände anschaue. Eine Sägezahnkurve mit besonders steilen Zacken nach unten. Üblicherweise erwischt es mich oft zu Beginn einer Session und dann beginne ich, mich besser zu konzentrieren und es läuft dann im Schnitt auch besser. Aber meistens erst, wenn die erste halbe Stunde schon vorüber ist und manchmal schon 40-70 BB weg sind, nicht nur durch Downswing, sondern auch durch schlechtes Spiel. Wenn ich merke, daß es schlecht läuft, fange ich an, erfolgreich zu spielen. Wenn ich deutlich im Plus bin, werde ich eher nachlässig.

Ein Leak, denn normalerweise sollte man sich stets konzentrieren, gerade am Anfang einer Session, wo man oft noch nicht so viele Infos über die Gegner hat. Ist sicher eine Frage des Mindsets. Man denkt natürlich von früher her, daß man das Limit im Schlaf schafft. Aber das ist eben nicht so. Denn leider bin ich schon seit 40k Händen Breakeven auf 0.25/0.50 SH. Eigentlich seit ich damals nach Motivationsproblemen auf 0.5/1 ausgecasht hatte und dann erst mal nur noch zum Spaß gespielt habe. Vorher waren es bis zum Aufstieg knapp 3 BB/100. Da wird wohl die Motivation auch recht gut gewesen sein. Schade, aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Zwar glaube ich, daß dieses Limit eigentlich kein Problem ist, aber eben nur mit der richtigen Einstellung und ein wenig Mühe und natürlich braucht es auch etwas Glück. Ich sollte mir auch lieber nicht die Frage stellen, wo die 3 BB/100 geblieben sind, sondern versuchen aus jeder Hand das Beste zu machen.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

So, mal schnell ein update. Alles noch ziemlich BE. Immer noch starten die Sessions in der Regel deutlich im Minus und enden dann leicht im Plus, leicht im Minus oder BE. Da muß ich skillmäßig noch eine Schippe draufpacken und vor allem darauf achten, daß ich schon am Anfang einer Session konzentriert dabei bin. Meistens kommen bei mir die großen Losses nämlich in den ersten 10 Minuten und im Verlauf der Session gewinne ich mit der Zeit wieder. Vielleicht Zufall, vielleicht aber auch System. Eine Frage, ob man schon voll dabei ist. Mir scheint, daß man gerade am Anfang einer Session sehr konzentriert spielen muß, weil man die Spieler am Tisch einordnen muß, möglichst schnell Reads aufpicken und dabei versuchen, selber zumindest einen für das Limit adäquaten Standard-Style zu spielen, so lange die Gegner unknown sind. Sobald man mit den Villains ein bißchen vertraut ist und selber im Flow, spielt es sich viel leichter. Irgendwann fällt die Konzentration dann auch wieder ab, so daß man die Tische schließen sollte. Das kann nach 40 Minuten sein oder nach 3h. Es kommt auf die Tagesform an. Manche legen sich auf bestimmte Zeiten fest und das finde ich auch gut, nur sollte man sich nicht zwingen, so lange zu spielen, wenn man gerade gar nicht gut drauf ist.

Ich möchte ein bißchen Content einstreuen und habe dabei an eine Serie über Lines ab dem Flop gedacht. Was für Lines werden gespielt und was spiele ich? Was ist gut gegen welche Strategie? Ich werde das nicht zu ausführlich machen, weil sowas meiner Meinung nach eigentlich teilweise eher in Strategieforen gehört oder in eine Kolumne mit entsprechendem Status. Es soll hier mehr so sein, daß ich zu jeder Line eine aktuelle Beispielhand von mir hier reinstelle und kurz dazu sage, warum ich so gespielt habe. Manches ist ja auch Standardkram, aber es ist immer gut, das "Warum" und "Weshalb" zu reflektieren, weil auch Standardlines eben nicht immer passend sind, selbst wenn sie oft gut sind.

1. Die HU CBet am Flop Out of Position

Villain ist ein 25/13/1.54/40-TAG mit Fold to Flop CBet 61 nach 377 Händen.

Beispielhand:

Hand converted with online PokerStrategy.com hand converter:

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with T:d, 6:d.
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4 SB) 2:c, J:s, K:c (2 players)
Hero bets, BB folds, Hero gets uncalled bet back.

Final Pot: 2 BB.

Ja ich weiß, das ist Standard. Aber es gibt trotzdem eine Begründung...

Die Entscheidung für eine Contibet ist hier recht klar. Villain spielt offensichtlich nach der Devise "Fit or Fold" , wir haben eine sehr schwache Hand und unsere Equity besteht hier also im Wesentlichen aus der Foldequity, die wir offensichtlich haben. Diese sollte man auch direkt nutzen. Wenn er hier überhaupt auf einen check hin den Flop bettet, dann nämlich fast nur mit Händen die er auch gegen einen raise weiterspielen würde, so daß ein check/raise als Bluff schwierig wird, weil wir dann auch den Turn betten müßten und nicht wüßten ob wir ihn überhaupt noch zum Folden bringen. Und eine Freecard wollen wir ihm nicht verschaffen.

Die CBet Flop HU oop lohnt sich natürlich auch in viel, viel knapperen Fällen und wenn man sie immer macht, dann ist man zumindest am Flop praktisch nicht lesbar. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die meisten die ich davon in meiner Datenbank gefunden habe, sahen eher so aus, als hätte ich bloß die Action verpeilt.

Beim nächsten Mal schauen wir uns eine Hand an, in der Villain den Flop raist.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Wie wir gesehen haben kann die CBet Flop oop allein schon deshalb gut sein, weil man den Gegner häufig zum Folden bringt. Meine Gegner folden da im Schnitt 22%. Aber das ist nicht das Einzige. Es kann auch von Vorteil sein, wenn er sehr loose callt. Problematischer ist der Raise CBet. Der kommt durchaus nicht ganz selten vor, bei mir ungefähr in 17% der Fälle.

Was für Hände raisen den Flop? Hier eine Auswahl:

A high+ BDSD
K high
K high + BDSD auf paired Board
2nd Pair+ One Card-FD
kleine Pockets auf paired Board
flopped Set auf double suited Board
Overcards A high auf paired Board
TP auf Lowcard Board
TP+FD
Overpair auf connected und 2-suited Board
usw.

In der Regel haben wir es also mit Bluffs oder mit einem Versuch, eine verwundbare Made Hand zu schützen zu tun.
Auf paired Boards wird von Fischen besonders viel geraist, hier ein Beispiel.
Villain ist ein 47/7/0.6/29 Fisch und raist natürlich insta das paired Board

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is BB with T:d, A:d.
MP3 calls, 3 folds, Hero raises, MP3 calls.

Flop: (4.4 SB) 7:h, Q:h, Q:c (2 players)
Hero bets, MP3 raises, Hero calls.

Man muß bei ihm fast damit rechnen, daß er eine getroffene Q oder 7 slow played. Von daher sehe ich ihn oft bluffen oder selbst auf A high und calle runter. Gegen die 7 habe ich noch Outs.

Turn: (4.2 BB) 7:s (2 players)
Hero checks, MP3 bets, Hero calls.

Jetzt nicht mehr, ich bin nur noch gegen Bluffs vorne, splitte aber gegen A high, was ich ihm hier oft gebe.

River: (6.2 BB) 7:d (2 players)
Hero checks, MP3 bets, Hero calls.

Final Pot: 8.2 BB.

Results follow:

Hero shows a full-house, sevens full of queens(Td Ad).
MP3 shows a full-house, sevens full of queens(Ks Tc).

Hero wins with a full-house, sevens full of queens(Td Ad).
MP3 wins with a full-house, sevens full of queens(Ks Tc).

Ich denke, wenn man den A high Kicker hält, muß man auf einem double paired Board zum Showdown und natürlich auch noch callen, wenn das FH ankommt.

Eine weitere Beispielhand, diesmal mit einem 2-suited Board und einem Fold von mir, seht ihr im Handbewertungsforum.


Antwort
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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Hab mir mal meine Stats angeschaut. Ich denke, ich könnte postflop einen Zacken aggressiver spielen. Bislang bin ich eher showdownbound und gerade am River anscheinend zu passiv, wahrscheinlich lasse ich zu viele Valuebets aus. Ich muß mir also mal vor allem Riversituationen vornehmen, in denen ich oop hätte betten können, aber nur check/callt habe oder hätte ip raisen können, aber nur gecallt habe. Allerdings muß ich sagen, daß ich es häufig mit Donks am River zu tun habe, die extrem polarisiert sind und wenn es eine Bluffdonk ist, dann ist der Call natürlich meistens richtig. Gibt aber sicher auch Situationen, wo man auf eine Riverdonk lieber raisen sollte, weil der Gegner eine schlechte Made Hand am River donk/callt, weil er denkt, er bekommt was Besseres zum Folden oder daß ich ihn sehr loose mit A high oder K high calle. Wenn ich da mit einer passablen Made Hand nur calle, verpasse ich Value. Ist aber ein schwieriges Thema, weil oft auch Monster gedonkt werden und wenn der Flush angekommen ist oder viele Straight Draws, callt man irgendwie lieber. Hängt wie immer sehr davon ab, was Villain halten kann.

So, nun aber wieder zum Thema Lines postflop. Wir hatten ja die Situation daß wir HU oop sind und cbetten. Fold und Raise von Villain haben wir betrachtet. Die dritte Möglichkeit ist natürlich der Call, was uns beide den Turn sehen läßt. Am Turn haben wir prinzipiell die Möglichkeiten
a) Turn CBet
b) Turn check/fold
c) Turn check/raise
d) Turn check/call nach Odds und Outs
e) Turn check/call und River check/call Calldown nach Equity

Ich habe natürlich all diese Lines schon gespielt. Häufig Cbettet man den Turn, aber im Gegensatz zur Flop CBet würde ich die Turn CBet nicht als Default bezeichnen, weil man hier durchaus grobe Fehler machen kann, wenn man sie in den falschen Spots setzt oder mit der Reaktion des Gegners, sei es Call oder Raise, nicht klar kommt. Aber prinzipiell ist sie nicht zuletzt deshalb häufig, weil sie oft auch gut ist. Die Vorteile einer Turn CBet kann sich jeder selbst denken. Nachteilig ist, daß man auch für den Gegner Valuebetten kann, wenn dieser vorne liegt.

Zunächst der einfache Fall: Villain foldet

Villain ist ein 49/17/2.86/45 Fisch auf die ersten 35 Hände.
Er coldcallt also sowieso wahrscheinlich eine weite Range, hat aber bislang preflop noch nicht ge-3-bettet.

Hand converted with online PokerStrategy.com hand converter:

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is MP2 with 9:d, 9:h.
Hero raises, 2 folds, BU calls, 2 folds, BB folds.

Flop: (5.4 SB) 8:d, A:h, J:c (2 players)
Hero bets, BU calls.

Der Flop ist unschön. Hier möchte man nicht geraist werden. Villain ist sehr aggressiv, von daher denke ich, daß er eine Made Hand hier oft schon am Flop raisen würde.

Turn: (3.7 BB) 4:h (2 players)
Hero bets, BU folds, Hero gets uncalled bet back.

Nachdem er am Flop nur gecallt hat, denke ich, daß er entweder eine Monsterhand hat, die er erst am Turn raist oder aber schlicht einen Draw am Flop gepeelt hat, wie z.B. KT, selten T7,97,Q9. Natürlich sind auch KQ und T9 möglich. Einen Teil dieser Hände + irgendwelche Trash K high, Q high Hände, die auch noch denkbar sind, kann man hier direkt zum Folden bringen und wenn er raist, hat er halt schon am Flop sein Monster gehabt oder zumindest Ax und dann können wir getrost folden.
Also Bet/Fold Turn.
Check Turn wäre meines Erachtens ein Fehler gewesen, denn da wir ihm unterstellen, daß er normalerweise schon am Flop aggressiv mit Made Hands ist, ist seine Range nach dem Call am Flop im Wesentlichen zwischen Draws und Monster polarisiert ist. Gegen bessere Pairs haben wir nur 2 Outs und Draws könnten sich die Freecard nehmen oder Bluffbetten. Wir müßten den Turn dann callen und am River gegen schlechte Karten aufgeben. Irgendwie ist das für mich keine so rosige Alternative.

Final Pot: 3.7 BB.


Antwort
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crunchynuts
Beigetreten: 16.10.2008

Hi SanWogi,

ich habe von Dir in den Handbewertungsforen ein paar comments erhalten und verfolge seitdem immer wieder mal deine Gedanken und finde Sie sehr interessant. Leider fuehle ich mich skillmaessig nicht fit genug, um qualifizierte comments dazu zu posten. Deshalb bin ich ein passiver Leser Deines Blogs.

Original von SanWogi
Üblicherweise erwischt es mich oft zu Beginn einer Session und dann beginne ich, mich besser zu konzentrieren und es läuft dann im Schnitt auch besser. Aber meistens erst, wenn die erste halbe Stunde schon vorüber ist und manchmal schon 40-70 BB weg sind, nicht nur durch Downswing, sondern auch durch schlechtes Spiel. Wenn ich merke, daß es schlecht läuft, fange ich an, erfolgreich zu spielen. Wenn ich deutlich im Plus bin, werde ich eher nachlässig.

Mir geht es genauso. Wenn ich stark im Plus bin, werde ich anfangs nicht automatisch looser. Das kommt erst dann, wenn ich ein paar groessere / knappe Haende verliere. Da habe ich mich schon oft dabei ertappt, dem urspruenglichen Hoechststand der Session nachzujagen.
Vielleicht sollte ich dann einfach die Session kurz beenden, solange ich noch im Plus bin...

Ich finde das ist ein interessantes und wichtiges Thema, da sich dieses Verhalten unabhaengig von den gespielten Haenden schon negativ auf die Winrate auswirkt.

Original von SanWogi
Immer noch starten die Sessions in der Regel deutlich im Minus und enden dann leicht im Plus, leicht im Minus oder BE. Da muß ich skillmäßig noch eine Schippe draufpacken und vor allem darauf achten, daß ich schon am Anfang einer Session konzentriert dabei bin. Meistens kommen bei mir die großen Losses nämlich in den ersten 10 Minuten und im Verlauf der Session gewinne ich mit der Zeit wieder.

Ich habe mir auch vorgenommen, am Anfang der Session nur 2 Tische zu spielen und mich besonders gut in die Situationen reinzudenken. Erst nach und nach erhoehe ich dann auf 3-4 Tische. Mal sehen ob es dadurch besser wird.

Wollte nurmal meinen Senf dazu abgeben...


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Hallo crunchynuts,

mir mangelts auch an Skill und vielleicht momentan auch an Luck, sonst würde ich hier schon wieder Hände etwas höherer Limits posten, aber ich arbeite noch an meiner Edge für 0.5/1 und auch ein Limit niedriger könnte es besser laufen.

Ich glaube, man sollte letztlich dahin kommen, daß man sich während der Session gar nicht mehr dafür interessiert, ob man in der Session schon Kohle gemacht hat, höchstens ob man auf Grund von Verlusten oder Gewinnen an einem Tisch ein Looser-Image oder an einem anderen ein Shark-Image hat. Ein Pokertisch bietet massig Informationen. Man könnte die ganze Zeit Notes schreiben, Gegner kategorisieren und ihr Spiel beobachten und wenn man in der Hand ist Ranges abschätzen und versuchen, max. EV Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, ob man zu dieser Art geistiger Tätigkeit bereit ist. Etliches wird man auch mehr oder weniger unbewußt richtig machen, aber anderes eben auch falsch und man muß sich die guten Angewohnheiten auch erst einmal antrainieren. Es gilt, die wichtigen von den unwichtigen Informationen trennen. Die Bankroll ist in der Regel innerhalb einer Session unwichtig. Das BRM sorgt ja gerade dafür, daß man auch nach einem 100 BB Verlust zwar evtl. absteigen muß, aber nicht Broke geht. Es ist also normalerweise nicht nötig, während einer Session auf die Veränderung der Bankroll zu schauen. Aber auch wenn man das nicht tut hat man manchmal das Gefühl, das alles schiefgeht oder aber daß es besonders gut läuft. Beides kann trügerisch sein, aber einem auch helfen, wenn man sich darüber im Klaren ist, daß man das gar nicht selbst in der Hand hat. Man wird nie seine Gewinne direkt maximieren können, denn die hängen vom Zufall ab. Sondern immer nur den EV. Und der EV ist nun mal nicht die Bankroll, auch wenn man hofft, daß die Bankroll sich langfristig entsprechend dem hoffentlich positiven EV der eigenen Spielweise verändert.

Ich beende den Post mit einem Gebet von Reinhold Niebuhr. Warum? Weil dieses Gebet viel mit Psychologie und Mindset zu tun hat.
Man möge darüber nachdenken, was dieses Gebet mit Pokern zu tun hat, aber vielleicht auch darüber hinaus mit wichtigeren Dingen im Leben.
Dieses Gebet ist eines der meistzitiertesten überhaupt ( Neil Young, Dale Carnegie, Helmut Schmidt, diverse Filme, Bücher und Lieder) und hat auch schon zahlreichen Patienten bei der Umstrukturierung ihrer Gedanken im Rahmen einer kognitiven Psychotherapie geholfen.

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Ok, weiter geht es mit den Lines HU oop im Raised Pot.
Wir haben also den Flop und Turn ge-cbettet und diesmal tut uns Villain nicht den Gefallen, die Hand aufzugeben, sondern raist uns.
Es gibt dementsprechend vier Lines am Turn
a) CBet/Call
b) CBet/Fold
c) CBet/3Bet/Call
d) CBet/3Bet/Fold

Zunächst einmal muß uns klar sein, was ein Turnraise bedeuten kann.
Hier ein paar Beispiele, was ich in den letzen Sessions so gesehen habe:

Monster:
turned Flush, Straight
turned One Card FH mit flopped Pair auf paired Board
flopped Set, Trips
turned Trips

starke Hände:
flopped 2 Pair
turned Top Pair+ flopped Gutshot
flopped Top Pair decent Kicker
turned Top Pair

mittelstarke Hände:
flopped Pair+Flushdraw, höhere Karte pairt sich am Turn
flopped Mid Pair+ turned One Card Nutflushdraw
turned Monsterdraw: FD+One Card OESD

Bluffs:
A high, Board pairt sich am Turn

In der Regel ist der Turnraise sehr stark und kein Bluff. Ich habe komischerweise auch in letzter Zeit keine reinen Semibluffs gesehen (bis auf den mit dem Monsterdraw, der aber in sich schon sehr viel Value hat) Nicht mal von TAGs. Vielleicht sind Semibluffs am Turn auch gar nicht mal so häufig auf dem Limit. Interessant: Es ist mir auf diesen Limits noch nicht passiert, daß ich gegen eine Turnraise noch ohne Showdown gewonnen habe und in letzter Zeit hat sich bei einem check von mir am River nur der Villain mit flopped Mid Pair+ turned One Card Nutflushdraw ui den Free Showdown genommen. Sprich: Auf dem Limit wird relativ wenig am Turn gebluffraist oder mit mittelstarken Händen for free Showdown geraist.

Default kann man hier also straight forward spielen und kann die gegnerische Range meist auf starke Made Hands oder Made Hand+Draw reduzieren. Hier noch eine Beispielhand für Bet/Fold Turn:

Villain: 16/12/1.6/29 auf 136 Hände
Er ist ein straight forward spielender TAG, vielleicht sogar etwas nitty. Kann aber auch sein, daß er ein ganz normaler TAG ist und einfach nur carddead war.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is SB with Q:s, Q:c.
3 folds, Hero raises, BB 3-Bets, Hero caps, BB calls.

Flop: (8 SB) 7:s, 9:s, 4:d (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (5 BB) A:c (2 players)
Hero bets, BB raises, Hero folds, BB gets uncalled bet back.

Gegen thinking player die auf scare Cards bluffen rate ich davon ab, die QQ wegzulegen. Aber wenn wir davon ausgehen, daß er eine einigermaßen starke 3-betting Range am Flop hat, uns zudem für den Cap preflop hinreichend viel Credit gibt und außerdem wenig blufft, dann kommen wir zu dem Schluß, daß man hier in 90% der Fälle gegen Ax läuft.

Final Pot: 6 BB.

Sicherlich erst Mal ein umstrittenes Play und absolut nicht Standard. Gegen unknown kann man hier nicht folden im Blindbattle, weil die Scarecard zu Bluffs einlädt. Aber wie gesagt, die Range von Villain ist stark und wenn das nur raist, wenn er gehittet hat, dann habe ich bloß noch 4% Equity.
Wenn man annimmt, daß es Ax oder Flushdraw ist und er Underpairs runtercallen würde, dann habe ich auch nur 8% Equity.
Wenn man allerdings annimmt, daß er alle Underpairs, Ax,Flushdraws hier raist oder auch pure Bluffs mit K high oder Q high Händen macht, dann muß ich callen.
Auch im Nachhinein fällt es schwer, dem Spieler einen Bluff zu unterstellen, denn wenn er in später in anderen Fällen den Turn geraist hat, hatte er auch mindestens Top 2-Pair am Turn. Rein empirisch ist da nichts zu machen. Ich stand gegen eine starke Range am Turn und hatte ein schlechtes Gefühl und habe deshalb gefoldet. Es ist mir durchaus bewußt, daß dies ein Fehler gewesen sein kann. Aber unterm Strich ist die Entscheidung zwischen Calldown und Fold keine einfache.


Antwort
Zitat
DerNautz
Beigetreten: 12.03.2008

find ich gut was du machst.

da nehm ich einiges mit :)


Antwort
Zitat

Original von DerNautz
find ich gut was du machst.

da nehm ich einiges mit :)
This!

Liest sich wirklich sehr gut: abonniert!

gl weiterhin =)


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Weiter gehts mit HU oop Cbet Flop 2nd Barrel Turn Facing Raise on Turn.
Ok, jetzt haben wir zwei Mal gebarrelt und Villain meldet mit einem Raise Ansprüche auf den Pot an. Aber oft genug haben selbst wir eine starke Hand und folden kommt nicht in Frage. Auch wenn der Raise am Flop meistens ein sehr starkes Holding ist, gibt es durchaus Spots in denen man sogar 3betten kann. Zum Beispiel hier:

Villain ist ein 24/16/2/36 TAG. Also durchaus jemand, der preflop vergleichbare Ranges spielt wie wir und sich postflop aggressiv verhält.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is MP3 with K:s, K:d.
MP2 folds, Hero raises, CO folds, BU 3-Bets, 2 folds, Hero caps, BU calls.

Eine sinnvolle Range für Villain wäre 66+, AT+, A9s, KQ

Flop: (9.4 SB) 2:s, 4:c, J:d (2 players)
Hero bets, BU calls.

Turn: (5.7 BB) 5:s (2 players)
Hero bets, BU raises, Hero 3-Bets, BU calls.

Hier würde ich sagen schränkt sich seine Range gar nicht mal so extrem ein.
AK und KQ fallen sicherlich raus, aber A high Flushdraws sind noch denkbar. Top Pair ist aber am Wahrscheinlichsten und QQ+ hätte er villeicht gecappt. Er könnte aber versucht haben, den J mit einem Pocket zu repräsentieren. Also mit etwas Vorsicht würde ich seine Range auf

Pockets außer AA und JJ , AsQs, AcJc, AcJh, AdJc, AdJh, AhJc, AhJh, AsJc, AsJh, AsTs, As9s

setzen. Wir sind hier gegen alles vorne.

River: (11.7 BB) J:s (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero calls.

Wie man leicht sieht, schlagen wir nur noch Pockets und bei denen weiß ich noch nicht mal, ob er sie am Turn geraist hätte. Von daher ist unsere Equity irgendwo zwischen 0 und 70%. Wie bekommen wir nun eine realistische Range? Ich denke, ein Kompromiß wäre, nur QQ als Repräsentant für Pockets die wir schlagen in die Range mit aufzunehmen, weil er QQ evtl. doch raise/call Turn spielt, während ich mir unsicher bin, ob er 66-TT am Turn nicht gegen eine 3Bet sogar weggelegt hätte.

Nun könnte es sein, daß wir noch über 50% haben, weil er doch mehr Pockets in seiner Range habe könnte. Aber man kann meiner Meinung nach nur gegen QQ vollwertig Valuebetten. Andere Pockets werden auf dem Board durchaus den Fold finden, wenn sie ihn nicht schon nach der 3Bet gefunden haben. Andererseits sehe ihn nicht allzu oft mit Pockets am River bluffbetten, wenn ich checke.

Final Pot: 13.7 BB.

Results follow:

Hero shows two pairs, kings and jacks(Ks Kd).
BU shows three of a kind, jacks(As Jh).

BU wins with three of a kind, jacks(As Jh).

Die Entscheidung am River ist nicht ganz klar. Ich habe mich im Spiel für check/call entschieden. Klar ist, daß wir gegen eine Range ohne Pockets check/folden müssen, weil wir mit 0% Equity und 0% Foldequity dort nichts mehr holen können.

Die Frage ist nun: Was spielen wir, wenn wir ihm noch QQ und 66 (oder meinetwegen auch ein anderes Pocket, aber 66 hatte wenigstens am Turn noch Outs) geben und davon ausgehen, daß er seine Flushs und Trips gegen eine Bet von uns raisen und gegen einen check von uns betten. Zudem wird er QQ gegen einen check betten, gegen eine Bet aber nur callen. Während er 66 gegen eine weitere Bet foldet und gegen ein check auch nur behind checkt.
c/f kommt nicht in Frage, dazu ist der Pot zu groß. Auch b/c macht keinen Sinn, weil er nur bessere Hände raist. Da ich annehme, daß er dieselben Hände behindcheckt, die er gegen einen Raise foldet ist es letztlich völlig egal ob man c/c oder b/f spielt.

Entscheidend ist, daß wir von einer Hand wie QQ noch Value bekommen. Wenn man den Eindruck hat, er könnte sogar QQ behind checken, sollte man vielleicht lieber bet/folden. Wenn man den Eindruck hat, er könnte QQ sogar raisen, aber keinen Raise callen will, ist check/call besser.


Antwort
Zitat
SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

So, mal sehn ob ichs in der Mittagspause schaffe...

Übrigens Danke @DerNautz und @Juniorkoeln für die Rückmeldungen. Dachte mir, das mit den Lines ist sicherlich besser als Wasserstandsmeldungen über die schier unermeßliche Zahl der Suckouts.
Ich performe ziemlich scheiße zur Zeit und obwohl ich mittlerweile an die Macht der Varianz glaube, denke ich, daß ich einfach zu viele Fehler mache um solider winning player zu sein. Daher auch der Versuch, mein Spiel sytematisch auf Leaks zu durchforsten. Einen Teil der Erkenntnisse gibt es hier als Anschauungsmaterial.

Da ich öfters bei Stars zugange bin, sollte ich gegen dich (DerNautz) auf 0.5/1 schon mal ein paar Hände gespielt haben. Allerdings markiere ich mir TAGs meistens rot und versuche deren Tische zu meiden, außer es gibt genügend Grünzeugs dran

Wir hatten die Turnlines b) und c) durch. Zu Line d) fällt mir jetzt kein Beispiel ein. Ich glaube, wenn wir 3betten, werden wir eigentlich nie schon am Turn folden außer mit einem absoluten pure Bluff. Gerade wenn wir berücksichtigen, daß schon der Turnraise von Villain selten ein Bluff ist. Sobald Villain den Turn raist sinkt unsere Foldequity dramatisch, außer er ist extrem aggro und sieht selten Showdown. D.h. CBet/3Bet Turn als Pure Bluff ist fast immer sinnloses Geldverbrennen. Der Pot ist so groß, daß Villain mit jeder halbwegs brauchbaren Hand callen kann. Und sogar als Semibluff ist die 3Bet eigentlich nur dann gut, wenn der Gegner gerne Free Showdown Raises durchzieht, aber gegen mehr Action auch mal aufgibt. Es gibt ja durchaus Situationen, in denen ein TAG Raise/Fold Turn spielt oder auch Raise/Call Turn und ui Fold to Riverbet. In dem Fall daß wir ihn mit einem guten Teil seiner Range auf so einem Move sehen können wir ihn manchmal mit einer 3Bet semibluffen, aber auch dann werden wir den Cap callen. Also Line d) ist in der Regel ziemlich beknackt und wenn sie bei euch in der Datenbank nicht vorkommt, ist das kein Fehler.

Bleibt also Line a) CBet/Call. Das ist ein häufiger Fall. Wenn wir geraist werden und haben einen Draw oder eine gute, aber nicht überragende Hand, dann callen wir. Wenn ich gegen einen Raise am Turn nur calle, habe ich in aller Regel eine negative Gewinnerwartung -1.5 BB/100 für die gesamte Hand. Das heißt natürlich nicht, daß der Call -EV ist, sondern, daß meine Equity dann in der Regel unter 50% ist, ich also mehr Pötte verliere als gewinne.

Womit müssen wir callen? Wir bekommen mindestens Pot Odds von 1:6 (Blindbattle) und maximal Pot Odds von 1:8.7 (je nach Blindstruktur etwas mehr oder weniger). D.h. wenn wir uns hinten sehen, dann sollten wir 7 Outer auf jeden Fall callen und manchmal auch 5-Outer. In aller Regel gehören dazu Flushdraws und OESDs, sofern sie nicht sonderlich discountet werden müssen. Auch manche Kombodraws wie z.B. Pair+Gutshot sind oft noch ein Call wert.

Womit können wir noch callen?
Natürlich auch mit einer Hand, die zwar wenig Outs hat, aber noch oft genug vorne liegt.

Hand converted with online PokerStrategy.com hand converter:

Hand abspielen

$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is CO with K:h, T:c.
MP3 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds, BB folds.

Von Villain habe ich kaum Hände aber er darf als TAG angesehen werden, allerdings nicht als PS.com TAG, denn die coldcallen weniger. Ich gebe ihm eine 25% Range von der ich die QQ+ und AQs+,AKo abziehe.

Flop: (5.4 SB) 7:c, K:d, 8:d (2 players)
Hero bets, BU calls.

Eigentlich ganz Ok, aber nicht unproblematisch. Villain callt. Hier hat er vielleicht öfter mal einen Gutshot, OESD, Flushdraw, K9,K6. 77,88,KQ,KJ,K8,K7 schlagen mich zur Zeit.

Turn: (3.7 BB) Q:c (2 players)
Hero bets, BU raises, Hero calls.

Es kommt der Raise, welcher meiner Meinung nach seine Range gar nicht mal so extrem einschränkt. Es sind sehr viele Draws draußen, die semibluffen könnten oder z.B. mit einem Q high Flushdraw oder dem Monsterdraw JdTd oder JcTc auch sehr starke Hände, gegen die ich trotzdem noch vorn bin.

River: (7.7 BB) 9:d (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero calls.

Die Todeskarte. Fast alles wogegen ich vorne lag, kommt an. check/fold River wäre hier trotz Top Pair das beste Play. Ob der flopped OESD, der jetzt seine 9 getroffen hat, noch mal bettet, wage ich zu bezweifeln. In dem Fall und wenn J9,QT,QJ das auch machen, wäre check/call noch denkbar.
Aber ich denke, man kann es sich auch in einen Call reinreden und ich war einfach ein wenig zu neugierig.

Final Pot: 9.7 BB.

Results follow:

Hero shows a pair of kings(Kh Tc).
BU shows a pair of kings(Kc Js).

BU wins with a pair of kings(Kc Js).


Antwort
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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Ganz bitter. Ich habe seit meinem Comeback 250 BB in 0.25/0.50 verbrannt und deshalb steige ich jetzt hoffentlich nur kurzfristig mal ab auf 0.1/0.2, um mir das "Winning Gefühl" wiederzuholen. Ich spiele aber anscheinend zu viel Mist zusammen. Auf irgendeinem Limit werde ich ja wohl noch winning player sein. An meinen grundlegenden Stats wirds wohl nicht gelegen haben:

24/19/2.2/39 auf den letzen 24k Händen mit Fold BB to Steal von 38 und Fold SB to Steal von 79. Alles ziemlich normal. W$@SD ist mit 51.4 auch noch Ok. Der Teufel dürfte eher im Detail stecken.

Bislang wir uns verschiedene Lines mit der CBet am Turn oop angeschaut.
Es gibt aber auch Fälle, in denen wir den Turn nicht noch einmal betten.
Das kann und sollte verschiedene Lines ergeben. Die möglichen Lines mit einem check am Turn sind

a) check/fold
b) check/call
c) check/raise
c1) check/raise/fold
c2) check/raise/call
c3) check/raise/cap

zu a) Man kann check/folden, wenn man keine vernünftige Hand hält und sich gegen die Range des Gegners recht wenig Foldequity gibt. Damit die Turn Continuation Bet profitabel ist, muß sie eine Valuebet mit einer Made Hand sein oder das Board muß am Flop viele schwache Draws ermöglicht haben, die Villain auf eine Blank am Turn aufgibt. Wenn wir auf einem trockenen Board mit wenig Showdownvalue und ohne einen vernünftigen Draw am Turn stehen, ist es oft sinnvoll, die Hand gleich aufzugeben.

Villain ist ein 40/4/9/23 Fisch auf 60 Händen und hat bisher gegen 5 von 6 Cbets am Flop gefoldet und das eine Mal,wo er gecallt hat, hat er den Turn mit einer starken gefloppten Made Hand geraist. Wir können davon ausgehen, daß er am Flop so ziemlich fit or fold spielt.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is CO with 9:c, T:c.
MP3 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds, BB folds.

Flop: (5.4 SB) 8:c, K:h, A:h (2 players)
Hero bets, BU calls.

Der Flop sollte uns gegen diesen Gegner viel Foldequity geben. Er callt aber.

Turn: (3.7 BB) 5:d (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero folds, BU gets uncalled bet back.

Mit unserem Draw wird es nichts mehr. Villain hat im besten Falle "nur" einen Flushdraw, könnte aber auch den nun raisen und wir drawen hier selbst nur noch auf schwache Made Hands. Von daher ist es das einzig sinnvolle, hier zu check/folden.

Final Pot: 3.7 BB.


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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Auf zu Line b) CBet Flop check/call Turn. Eigentlich eine komische Line, denn mit check/fold kommen wir billiger aus der Hand, wenn wir deutlich hinten sind und mit check/raise können wir bluffen oder for Value spielen. Die Idee hinter dem check/raise ist, check/fold gegen Spieler, die auffällig häufig den Turn betten, wenn wir checken zu balancen, so daß er bei einem Turncheck nicht weiß, ob er gleich gecheckraist wird.

Ansonsten braucht man am Turn eigentlich am Häufigsten die verschiedenen CBet-Lines. Sinnvoll kann der check/call- Move sein, wenn man einen schwachen Draw mit Showdownvalue hat, d.h. bereit ist, für 2 BB zum Showdown zu gehen, aber nicht 3 BB bezahlen möchte, wenn Villain den Turn mit einem Draw oder Made Hand raist.

Villain ist ein 70/18/0.8/55 -Fisch auf 101 Hände.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is SB with A:c, K:c.
2 folds, BU calls, Hero raises, BB folds, BU calls.

Flop: (5 SB) 9:h, T:d, Q:h (2 players)
Hero bets, BU calls.

Turn: (3.5 BB) 6:s (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero calls.

Ich bin hier nicht mehr Favorit gegen seine Limpingrange und möchte auch nicht geraist werden, weil ich noch den Gutshot to the Nutz und zwei Overcards habe und dementsprechend evtl. etwas viel bezahle, wenn er die Straight oder den Flush hittet und ich das Ass oder den König. Zudem möchte ich auf schlechte Karten am River aufgeben, weil das Board ihn schon ganz nett gehittet hat. Wegen seiner Passivität wird er vielleicht ab und zu den Turn behind checken.

River: (5.5 BB) 7:s (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero folds, BU gets uncalled bet back.

Auf die Karte gebe ich auf. Ich sehe mich nur noch in höchstens knapp 13% der Fälle vorne und dafür reichen die Pot Odds nicht mehr.

Final Pot: 5.5 BB.

Ich denke, man hätte auch den Turn Cbetten können, weil der Draw gar nicht mal so schwach ist, und hätte dann am River allerdings auch check/folden müssen. Welche Line ist besser?
Ich stelle die Hand mal ins Handbewertungsforum.


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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Es scheint wirklich so zu sein, daß ich die obige Hand gut gespielt habe.
Mit check Turn kann man einen Draw nach O+O spielen. Das ist zwar keine Standardline mit Draws (Standard ist CBet/Call O+O). Aber wenn der Draw nicht allzu üppig ist, man kaum bis keine Foldequity sieht und das Board den Gegner gut hittet muß man es auch nicht auf einen Raise ankommen lassen.

Ok, dann kommen wir zu Fall c) CBet Flop check/raise Turn.
Wenn man den Turn check/foldet, sollte man wie gesagt auch den check/raise im Repertoire haben.

Villain ist 84/18/1.3/39-Fisch, der gerne paired Boards attackiert.
Ich habe ihm hier die Möglichkeit gegen, dies am Turn zu tun. Oft habe ich auf dem Board nichts und Contibets callt er fast immer. Zudem hat er
Wenn ich den Turn gecbettet hätte, wäre ich mir nicht sicher, ob er gecallt hätte. Und so bekam ich Action. Übrigens zeigt der AF von 1.3, daß er zu Aggression in der Lage ist, auch wenn er das Board nicht hart hittet. D.h. auch ohne Read kann man hier überlegen, zu check/raisen.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is CO with J:d, J:c.
2 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds, BB folds.

Flop: (5.4 SB) J:h, Q:s, J:s (2 players)
Hero bets, BU calls.

Turn: (3.7 BB) 4:c (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.

Es kommt nichts eine Blank und ich bezweifle, daß er hier allzu viel auf eine 2nd Barrel callt. Ich tue so, als würde ich die Hand aufgeben. Falls er einen Draw hält, wird er mir hier zwei BB geben, während er mir nur 1 BB schenkt, wenn er die 2nd Barrel callt und der Draw nicht ankommt.

River: (7.7 BB) K:h (2 players)
Hero bets, BU folds, Hero gets uncalled bet back.

Final Pot: 7.7 BB.

Aber es geht auch als pure Bluff. Auch diesmal nutze ich die Eigenschaft eines Fisches aus, auf paired Boards zu attackieren.

Villain: 52/18/1.3/31. Er callt sehr loose die Flop CBet, aber callt eigentlich sehr selten den Turn sondern spielt fast immer Raise oder Fold. Raise, wenn er was getroffen hat, Fold wenn er nichts getroffen hat. Von daher ist meine Überlegung, daß ich mit der CBet hier nicht viel erreiche und ich einen check/raise in Betracht ziehen sollte.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (5 handed)

Preflop: Hero is SB with 5:h, K:s.
3 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4 SB) 4:h, 3:c, T:s (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3 BB) 4:c (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero raises, BB folds, Hero gets uncalled bet back.

Final Pot: 4 BB.

Was, wenn Villain 3bettet? In aller Regel deutet dies auf eine sehr starke Hand hin und nicht auf einen Rebluff. Pure Bluffs sollte man gegen eine 3Bet folden und wenn man nicht selbst ein absolutes Monster hält, nach Odds und Outs weiterspielen. Gegen sehr aggressive Gegner oder tiltende TAGs vernünftige Made Hands einfach runtercallen. In über 120k Händen ist die Situation bei mir auch nur 3 mal vorgekommen, so daß ich nicht viel Allgemeines darüber sagen kann. Habe einmal einen Pure Bluff aufgegeben, einmal TPTK runtergecallt (gegen eine Straight am Turn) und einmal mit einem Pair nach O+O einen knappen Fold gefunden.


Antwort
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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Back to the Flop. Wir sind PFA oop im HU und cbetten den Flop. Villain raist.
Wir hatten weiter oben schon mal den Fall besprochen, allerdings mit A High auf einem Paired Board. Das Beispiel war nicht so ganz standard, weil die Standardline CBet/3Bet Flop ist. Und man hätte in dem Beispiel auch diese Line wählen können. Allerdings kann man ja statt einem Rebluff auch Villain weiterbluffen lassen, wenn man sich sicher ist, oft genug auch bis zum River noch gegen fast alle Bluffs vorne zu liegen, also in einer Art WA/WB-Situation ist. Aber hier noch mal ein Standardbeispiel für eine Pflicht-3Bet:

Villain ist absolut unknown.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (4 handed)

Preflop: Hero is SB with T:d, 6:h.
2 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4 SB) 9:d, T:c, A:c (2 players)
Hero bets, BB raises, Hero 3-Bets, BB calls.

Ich habe hier zwar nur Midpair mit schlechtem Kicker, aber es ist eine ganz klare Value-3-Bet gegen Flushdraws und Straightdraws. Und auf Blanks wird auf jeden Fall noch weiter geballert.

Turn: (5 BB) 5:s (2 players)
Hero bets, BB calls.

Setzt das ganz fort.

River: (7 BB) K:s (2 players)
Hero bets, BB folds, Hero gets uncalled bet back.

Ich finde die Bet im Nachhinein schwierig. Man kann hier schließlich sehr gut einen Bluff mit busted Draws inducen und raisen tut er sowieso nur bessere Hände. Ich kann aber Glück haben, daß er weak wird und QQ,JJ oder eine bessere T foldet. Aber da er nur passiv defendet hat, habe ich keinen Schimmer, ob sowas überhaupt in seiner Range ist.

Final Pot: 7 BB.

Nächstes Mal geht es dann um HU mit Ini ip. Ich verweise auch gerne noch auf den Artikel zu den Standardlines.


Antwort
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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Angenommen wir sind der PFA und stehen HU ip mit Air am Flop. Villain checkt zu uns. Dann empfielt sich in aller Regel die CBet als Bluff, denn man kann am Flop noch billig versuchen, den Gegner aus der Hand zu drängen und weiß, ob er überhaupt selber was getroffen hat. Im Übrigen ist es sehr, sehr oft der Fall, daß wir als PFA mindestens K high halten.

Villain hat bisher 8 von 9 Händen gespielt, ist aber preflop immer passiv gewesen. Von daher kann man erstmal davon ausgehen, daß er im BB 100% passiv defendet, ist aber postflop aggressiv zu Werke gegangen. Der SB ist anscheinend tight, bei nur einer von 12 gespielten Händen.

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$0.25/$0.5 Fixed-Limit Hold'em (4 handed)

Preflop: Hero is BU with 7:c, K:d.
CO folds, Hero raises, SB folds, BB calls.

Im Übrigens ist das eine Hand, die man bei der Blindstruktur preflop folden sollte. Ich habe hier also direkt vor dem Flop schon einen Fehler begangen.
Es ist wichtig, auch sein preflop Spiel auf Leaks zu untersuchen, wie z.B. seine Stealing-Range nicht an die Gegebenheiten anzupassen. Wenn man weiß, daß man sowieso gecallt wird, dann sollte man nicht jede noch so kleine Equity-Edge ausspielen, wenn man nur eine schlechte Playability hat. K7o ist so ein Hand, die man dann auch einfach mucken kann. Allerdings ist es jetzt nicht so gravierend, da wir wenigstens keine 3Bet um die Ohren bekommen.

Flop: (4.4 SB) 2:d, 6:c, J:h (2 players)
BB checks, Hero bets, BB folds, Hero gets uncalled bet back.

Wir stehen da mit K high und sonst absolut nichts und sind gegen eine Random Range hinten. Aber wir haben gute Foldequity. Das Board ermöglicht ihm hier weder einen OESD noch einen Flushdraw und angenommen er callt halbwegs reasonable, also ohne Draw mit mindestens A high und mit Draw mit einem Gutshot, Backdoorflushdraw oder Overcards. Dann foldet er trotzdem noch 35% seiner Hände. Und von daher ist die Bet profitabel.

Einen Read habe ich noch verschwiegen, weil der gar nicht zur Entscheidung für die CBet nötig ist, sie aber bestärkt. Nämlich, daß Villain am Flop HU oop schon zwei mal gedonkt hat, einmal mit flopped 2-Pair und ein anderes Mal mit flopped Flush. Ich denke, es ist durchaus sinnvoll anzunehmen, daß er, wenn er, wenn er nicht donkt, auf diesem Board kein Top Pair oder besser hat. Er kann zwar immer noch ein kleines Pocket haben oder eine 2 oder 6, aber den J hat er meiner Meinung nach eher nicht gehittet. Von daher fallen aus der "any two"-Range die besten 13% raus und von der restlichen Range sind sogar 40% für ihn leicht foldbar, d.h. wir gewinnen bei einer CBet in 4 von 10 Fällen direkt am Flop. Außerdem check/raist er nicht und wir können für eine SB den Turn sehen und Top Pair hitten oder die 7, die gegen 6 und 2 vorne ist. Wir sollten allerdings ohne Hit am Turn aufgeben wenn 3,4,5 kommen. Auf ein A oder Q, oder wenn sich das Board pairt kann man noch mal betten gegen busted Backdoorflush und gegen Gutshots. Soweit mein Plan für den Turn.

Final Pot: 2.2 BB.


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hyroniemus
Beigetreten: 29.03.2008

Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, alle Beispiele zu lesen. Das letzte finde ich aber sehr interessant. Preflop ist es von der Equity her sicher sehr eng. Für die Hand spricht aber, dass du sie gegen einen schwachen Gegner ip spielen kannst. Wenn der Gegner dann ab dem Flop noch gut zu spielen ist, finde ich den Raise wieder gut.
Die Flopanalyse gefällt mir auch sehr gut. Ich kenne deinen Gegner nicht näher, finde aber, dass viele Gegner auf so einem Flop mit fast jeder Facecard + x oder sogar mit schwachen Backdoors noch mal peelen. Außer gegen fit-or-fold Spieler sollte daher auch die zweite Barrel auf viele Turnkarten als Standard eingeplant werden.


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SanWogi
Beigetreten: 02.07.2008

Ja genau, man kann hier meistens noch mal Barreln, ohne viel falsch zu machen. Villain ist noch ziemlich unknown und nicht unbedingt extrem showdownbound, da kann man die CBet Turn auch als Bluff noch mal machen.
Bei 3,4,5 habe ich mir überlegt, daß diese Karten obereklig sind. Und wenn es Karten gibt, auf die man check/folden könnte, dann diese.

Jetzt noch zur Donkbet:

Im Bronze-Artikel zu Standardlines wird gesagt, daß man gegen eine Donkbet am Flop mit Made Hands und mit passablen Draws callen sollte und dann am Turn neu evaluieren, ob man callt, raist oder foldet.
Es gibt zudem eine Video von Onkel Hotte zu Donkbets, wo darauf eingegangen wird, wie man mit Händen wie A high gegen Donkbets weiterspielt.

Villain ist nitty und raist preflop nicht.

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Preflop: Hero is BU with A:s, Q:d.
2 folds, Hero raises, SB folds, BB calls.

Flop: (4.4 SB) 9:c, 7:h, 2:c (2 players)
BB bets, Hero calls.

Das Board ist regged, er kann nichts sonderlich Gutes haben. Ich beschließe das Board auf gute Karten zu attackieren.

Turn: (3.2 BB) 2:h (2 players)
BB bets, Hero raises, BB folds, Hero gets uncalled bet back.

Alternativ kann man auch runtercallen, aber Villain kann hier zumindest diverse Straight Draws folden.

Final Pot: 4.2 BB.


Antwort
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Lasso
Beigetreten: 26.06.2006

nettes tagebuch. dennoch finde ich den raise am turn nicht gut. ich denke nicht, dass er hier irgend ein paar folden wird. im schlechtesten fall kriegst du hier ne 3bet am turn. mit dem raise bringst du nur schwächere hands zum folden von denen du am river vllt noch eine BB catchen kannst. kannst du ja mal bewerten lassen. ich bin mir sicher, dass ein calldown > raise turn ist.

ansonsten weiterhin gl :)


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