Spoiler
Original von ambientswatertight
Original von Kleeblatt1903
Auch wenn ich mich mitunter sehr ablehnend und auch abwertend gegenüber dem DFB und seiner 1. Herrenmannschaft äußere, wäre mir ein erfolgreicher DFB lieber, der eine nachhaltige Ausbildung fördert und nah an der Fanbasis ist. All das ist seit Jahren nicht gegeben.
Ich schimpf ja wirklich oft über den Verband.
Liegt bei mir aber hauptsächlich daran, dass der DFB bis auf wenige Überschneidungen meist politischer Gegner ist.Ich kann aber nicht nur lästern.
Man hat jetzt 10 erfolglose Jahre beim DFB hinter sich. Zeitgleich hat man sich weiter von der Basis entfernt und die Ausbildung im Nachwuchs bringt keinen Erfolg. Woran liegts also?Vielleicht, weil man seit Jahren an den eigentlichen Ursachen im deutschen Fußball vorbeiredet und selbst die neuen Reformen auf den kleinen Spielfeldern zu kurz greifen. Mein Eindruck ist, dass man im Kollektiv von einem Extrem ins nächste jagt, anstatt endlich auf Balance zu setzen. Erst gab es diese fast religiöse Besessenheit vom filigranen Kurzpassspiel und dem ewigen Querpass-Diktat gegen tiefstehende Gegner, und jetzt folgt die plötzliche, panische Forderung nach reinen Eins-gegen-Eins-Dribblern. Die Wahrheit liegt aber ganz woanders, denn man hat in der Ausbildung über ein Jahrzehnt lang Physis, Athletik und die klassische Zweikampfmentalität systematisch wegerzogen.
Das Ergebnis sind technisch saubere, aber physisch unvollständige Spieler, denen der Mut und die körperlichen Mittel fehlen, um kompakte Abwehrriegel zu knacken. Es fehlen heute die echten Box-Spieler im Format von Miroslav Klose oder Oliver Bierhoff, und weil der DFB diese Zielspieler nicht mehr hat, schlagen die Außenverteidiger auch keine Flanken mehr. Das ist ein Teufelskreis. Selbst Hünen wie Nick Woltemade strahlen kaum Kopfballgefahr aus, weil das im Nachwuchs wie eine Nebensache behandelt wird. Gleichzeitig fallen Jungs, die über den Kampf und die Mentalität kommen, wie Eric Martel, Anton Stach oder Nicolai Remberg, im Scouting oft durchs Raster, weil sie keine gefälligen Passkünstler sind. Am Ende wundern wir uns dann über ein weiches Mittelfeld, dem es an Führungsqualitäten mangelt.
Ein Ausbildungssystem, das fast nur noch aus Rondos besteht, vernachlässigt das positionsbezogene Training und die individuelle physische Arbeit. Die DFB- Elf wirkt gegen tiefstehende Gegner regelmäßig ratlos, obwohl die zweite Halbzeit gegen Paraguay gezeigt hat, was mit direktem Spiel und physischer Präsenz möglich wäre. Die erfolgreichsten deutschen Teams von 1990 bis 2014 haben immer von der Balance aus technischer Klasse und intensiver Physis gelebt. Wenn Scouts, Trainer und der DFB ihre Philosophie nicht anpassen und den Wert von Vertikalität und echten Kämpfern wiederentdecken, wird man weiter Spieler für die Wohlfühloase produzieren, die untergehen, sobald ein Spiel mal hässlich wird.
Nur interessehalber, weil Du schreibst, dass man ein Jahrzehnt lang die Ausbildung falsch gemacht hat: Wenn wir Spieler heute in einem Alter von ~25 Jahren ansetzen, liegt deren Kern-Ausbildungszeit ja schon > 10 Jahre zurück. Wenn man das aktuelle Abschneiden also am Ausbildungssystem festmacht, müsste man ja bewerten, wie die Ausbildung vor tendenziell schon mehr als 10 Jahren verlaufen ist und ob nicht Reformen der letzten Jahre schon in die richtige Richtung gegangen sind? In dem Fall müsste man also doch für die Bewertung des aktuellen Entwicklungsweges nicht die A-Nationalmannschaft heranziehen, sondern die Performance von U14, U16 etc.?
Ja, genau. Die Ausbildung der heutigen 25-Jährigen begann vor zehn Jahren. Wenn wir die A-Elf kritisieren, sehen wir das Ergebnis der damaligen Versäumnisse.
Deshalb müssen wir auf die aktuellen U-Mannschaften schauen, um zu sehen, ob sich was bessert. Da sah es zuletzt allerdings ziemlich düster aus.
Vorrunden-Aus der U21 bei der EM 2023 oder im U17- bis U19-Bereich, wo uns international regelmäßig die Robustheit und Effizienz in den Strafräumen gefehlt haben.
Die ganz neuen Reformen bei den Minis können oben noch gar nicht ankommen. Der Hebel muss genau jetzt bei der U14 bis U19 angesetzt werden. Wir dürfen die Jungs, die jetzt im Leistungsbereich sind, nicht mehr in die alte Schablone pressen, sondern müssen dort wieder die Balance aus Technik und physischer Widerstandskraft einfordern.