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Kleeblatt1903
Beigetreten: 28.04.2006

@ambientswatertight

Spoiler

Original von ambientswatertight

Original von Kleeblatt1903
Auch wenn ich mich mitunter sehr ablehnend und auch abwertend gegenüber dem DFB und seiner 1. Herrenmannschaft äußere, wäre mir ein erfolgreicher DFB lieber, der eine nachhaltige Ausbildung fördert und nah an der Fanbasis ist. All das ist seit Jahren nicht gegeben.
Ich schimpf ja wirklich oft über den Verband.
Liegt bei mir aber hauptsächlich daran, dass der DFB bis auf wenige Überschneidungen meist politischer Gegner ist.

Ich kann aber nicht nur lästern.
Man hat jetzt 10 erfolglose Jahre beim DFB hinter sich. Zeitgleich hat man sich weiter von der Basis entfernt und die Ausbildung im Nachwuchs bringt keinen Erfolg. Woran liegts also?

Vielleicht, weil man seit Jahren an den eigentlichen Ursachen im deutschen Fußball vorbeiredet und selbst die neuen Reformen auf den kleinen Spielfeldern zu kurz greifen. Mein Eindruck ist, dass man im Kollektiv von einem Extrem ins nächste jagt, anstatt endlich auf Balance zu setzen. Erst gab es diese fast religiöse Besessenheit vom filigranen Kurzpassspiel und dem ewigen Querpass-Diktat gegen tiefstehende Gegner, und jetzt folgt die plötzliche, panische Forderung nach reinen Eins-gegen-Eins-Dribblern. Die Wahrheit liegt aber ganz woanders, denn man hat in der Ausbildung über ein Jahrzehnt lang Physis, Athletik und die klassische Zweikampfmentalität systematisch wegerzogen.

​Das Ergebnis sind technisch saubere, aber physisch unvollständige Spieler, denen der Mut und die körperlichen Mittel fehlen, um kompakte Abwehrriegel zu knacken. Es fehlen heute die echten Box-Spieler im Format von Miroslav Klose oder Oliver Bierhoff, und weil der DFB diese Zielspieler nicht mehr hat, schlagen die Außenverteidiger auch keine Flanken mehr. Das ist ein Teufelskreis. Selbst Hünen wie Nick Woltemade strahlen kaum Kopfballgefahr aus, weil das im Nachwuchs wie eine Nebensache behandelt wird. Gleichzeitig fallen Jungs, die über den Kampf und die Mentalität kommen, wie Eric Martel, Anton Stach oder Nicolai Remberg, im Scouting oft durchs Raster, weil sie keine gefälligen Passkünstler sind. Am Ende wundern wir uns dann über ein weiches Mittelfeld, dem es an Führungsqualitäten mangelt.

​Ein Ausbildungssystem, das fast nur noch aus Rondos besteht, vernachlässigt das positionsbezogene Training und die individuelle physische Arbeit. Die DFB- Elf wirkt gegen tiefstehende Gegner regelmäßig ratlos, obwohl die zweite Halbzeit gegen Paraguay gezeigt hat, was mit direktem Spiel und physischer Präsenz möglich wäre. Die erfolgreichsten deutschen Teams von 1990 bis 2014 haben immer von der Balance aus technischer Klasse und intensiver Physis gelebt. Wenn Scouts, Trainer und der DFB ihre Philosophie nicht anpassen und den Wert von Vertikalität und echten Kämpfern wiederentdecken, wird man weiter Spieler für die Wohlfühloase produzieren, die untergehen, sobald ein Spiel mal hässlich wird.

Nur interessehalber, weil Du schreibst, dass man ein Jahrzehnt lang die Ausbildung falsch gemacht hat: Wenn wir Spieler heute in einem Alter von ~25 Jahren ansetzen, liegt deren Kern-Ausbildungszeit ja schon > 10 Jahre zurück. Wenn man das aktuelle Abschneiden also am Ausbildungssystem festmacht, müsste man ja bewerten, wie die Ausbildung vor tendenziell schon mehr als 10 Jahren verlaufen ist und ob nicht Reformen der letzten Jahre schon in die richtige Richtung gegangen sind? In dem Fall müsste man also doch für die Bewertung des aktuellen Entwicklungsweges nicht die A-Nationalmannschaft heranziehen, sondern die Performance von U14, U16 etc.?

Ja, genau. Die Ausbildung der heutigen 25-Jährigen begann vor zehn Jahren. Wenn wir die A-Elf kritisieren, sehen wir das Ergebnis der damaligen Versäumnisse.
​Deshalb müssen wir auf die aktuellen U-Mannschaften schauen, um zu sehen, ob sich was bessert. Da sah es zuletzt allerdings ziemlich düster aus.
Vorrunden-Aus der U21 bei der EM 2023 oder im U17- bis U19-Bereich, wo uns international regelmäßig die Robustheit und Effizienz in den Strafräumen gefehlt haben.

​Die ganz neuen Reformen bei den Minis können oben noch gar nicht ankommen. Der Hebel muss genau jetzt bei der U14 bis U19 angesetzt werden. Wir dürfen die Jungs, die jetzt im Leistungsbereich sind, nicht mehr in die alte Schablone pressen, sondern müssen dort wieder die Balance aus Technik und physischer Widerstandskraft einfordern.


Antwort
Zitat
ambientswatertight
Beigetreten: 28.10.2007

Original von Kleeblatt1903
@ambientswatertight

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Original von ambientswatertight

Original von Kleeblatt1903
Auch wenn ich mich mitunter sehr ablehnend und auch abwertend gegenüber dem DFB und seiner 1. Herrenmannschaft äußere, wäre mir ein erfolgreicher DFB lieber, der eine nachhaltige Ausbildung fördert und nah an der Fanbasis ist. All das ist seit Jahren nicht gegeben.
Ich schimpf ja wirklich oft über den Verband.
Liegt bei mir aber hauptsächlich daran, dass der DFB bis auf wenige Überschneidungen meist politischer Gegner ist.

Ich kann aber nicht nur lästern.
Man hat jetzt 10 erfolglose Jahre beim DFB hinter sich. Zeitgleich hat man sich weiter von der Basis entfernt und die Ausbildung im Nachwuchs bringt keinen Erfolg. Woran liegts also?

Vielleicht, weil man seit Jahren an den eigentlichen Ursachen im deutschen Fußball vorbeiredet und selbst die neuen Reformen auf den kleinen Spielfeldern zu kurz greifen. Mein Eindruck ist, dass man im Kollektiv von einem Extrem ins nächste jagt, anstatt endlich auf Balance zu setzen. Erst gab es diese fast religiöse Besessenheit vom filigranen Kurzpassspiel und dem ewigen Querpass-Diktat gegen tiefstehende Gegner, und jetzt folgt die plötzliche, panische Forderung nach reinen Eins-gegen-Eins-Dribblern. Die Wahrheit liegt aber ganz woanders, denn man hat in der Ausbildung über ein Jahrzehnt lang Physis, Athletik und die klassische Zweikampfmentalität systematisch wegerzogen.

​Das Ergebnis sind technisch saubere, aber physisch unvollständige Spieler, denen der Mut und die körperlichen Mittel fehlen, um kompakte Abwehrriegel zu knacken. Es fehlen heute die echten Box-Spieler im Format von Miroslav Klose oder Oliver Bierhoff, und weil der DFB diese Zielspieler nicht mehr hat, schlagen die Außenverteidiger auch keine Flanken mehr. Das ist ein Teufelskreis. Selbst Hünen wie Nick Woltemade strahlen kaum Kopfballgefahr aus, weil das im Nachwuchs wie eine Nebensache behandelt wird. Gleichzeitig fallen Jungs, die über den Kampf und die Mentalität kommen, wie Eric Martel, Anton Stach oder Nicolai Remberg, im Scouting oft durchs Raster, weil sie keine gefälligen Passkünstler sind. Am Ende wundern wir uns dann über ein weiches Mittelfeld, dem es an Führungsqualitäten mangelt.

​Ein Ausbildungssystem, das fast nur noch aus Rondos besteht, vernachlässigt das positionsbezogene Training und die individuelle physische Arbeit. Die DFB- Elf wirkt gegen tiefstehende Gegner regelmäßig ratlos, obwohl die zweite Halbzeit gegen Paraguay gezeigt hat, was mit direktem Spiel und physischer Präsenz möglich wäre. Die erfolgreichsten deutschen Teams von 1990 bis 2014 haben immer von der Balance aus technischer Klasse und intensiver Physis gelebt. Wenn Scouts, Trainer und der DFB ihre Philosophie nicht anpassen und den Wert von Vertikalität und echten Kämpfern wiederentdecken, wird man weiter Spieler für die Wohlfühloase produzieren, die untergehen, sobald ein Spiel mal hässlich wird.

Nur interessehalber, weil Du schreibst, dass man ein Jahrzehnt lang die Ausbildung falsch gemacht hat: Wenn wir Spieler heute in einem Alter von ~25 Jahren ansetzen, liegt deren Kern-Ausbildungszeit ja schon > 10 Jahre zurück. Wenn man das aktuelle Abschneiden also am Ausbildungssystem festmacht, müsste man ja bewerten, wie die Ausbildung vor tendenziell schon mehr als 10 Jahren verlaufen ist und ob nicht Reformen der letzten Jahre schon in die richtige Richtung gegangen sind? In dem Fall müsste man also doch für die Bewertung des aktuellen Entwicklungsweges nicht die A-Nationalmannschaft heranziehen, sondern die Performance von U14, U16 etc.?

Ja, genau. Die Ausbildung der heutigen 25-Jährigen begann vor zehn Jahren. Wenn wir die A-Elf kritisieren, sehen wir das Ergebnis der damaligen Versäumnisse.
​Deshalb müssen wir auf die aktuellen U-Mannschaften schauen, um zu sehen, ob sich was bessert. Da sah es zuletzt allerdings ziemlich düster aus.
Vorrunden-Aus der U21 bei der EM 2023 oder im U17- bis U19-Bereich, wo uns international regelmäßig die Robustheit und Effizienz in den Strafräumen gefehlt haben.

​Die ganz neuen Reformen bei den Minis können oben noch gar nicht ankommen. Der Hebel muss genau jetzt bei der U14 bis U19 angesetzt werden. Wir dürfen die Jungs, die jetzt im Leistungsbereich sind, nicht mehr in die alte Schablone pressen, sondern müssen dort wieder die Balance aus Technik und physischer Widerstandskraft einfordern.

:f_thumbsup: Da bin ich bei Dir.

Frage ist für mich, ob es wirklich an der Ausbildung oder den Strukturen so klar liegt oder ob es deutlich mehr Faktoren gibt. Richtig gute Spieler kannst Du ja auch quasi nicht aufhalten würde ich sagen, egal wie schlecht Du trainierst ;) Macht es das Ausland so viel besser?

Gerade heutzutage haben wir ja stark internationale Märkte und Jugendspieler werden auch schon früh geholt. Es gibt aber sicher Gründe, warum bei unseren Top-Clubs in Deutschland fast keine deutschen offensiven Talente mehr vorne spielen (Karl jetzt mal ausgenommen, der gerade erst richtig startet).

Bayern hat mit Olise / Diaz / Kane drei internationale Topstars und Musiala hat sich zum Glück für DFB und gegen England entschieden.
Bei Dortmund waren die Top-Spieler der letzten Jahre Dembele, Sancho, Haaland oder Bellingham (die alle jung geholt wurden, aber schon weit waren). Heute sind Beier und Adeyemi / Brandt sicher nicht die oberste Kategorie und Nmecha wurde bei ManCity ausgebildet. Leipzig und Leverkusen ebenfalls stark international geprägt - Wirtz als positives Beispiel der letzten Jahre mal ausgenommen.

Daher die Frage/Gedanke: Ist es einfach ein Problem, dass unsere (wenigen) Top-Vereine oft sehr früh schon gute und weit entwickelte Jugendspieler aus dem Ausland holen, die dann noch schneller etabliert werden? Ist es vielleicht auch mehr ein Problem, dass wir zu wenige Top-Vereiene haben, wo sich Spieler beweisen und schnell Erfahrungen sammeln können und wo sie mehr gefordert werden? Wir haben gefühlt 12 Vereine in der Liga, die jedes Jahr nur gegen den Abstieg spielen. Das führt natürlich auch zu wenig Risiko und spielerischen Elementen und die meisten Vereine haben ja gar keine Ambitionen nach oben (weil es strukturell gar nicht möglich ist).

Wir haben im Kader sicher gute Spieler dabei gehabt: Fakt ist aber auch, dass Spieler wie Amiri, Woltemade, Undav, Stiller und Leweling über nur wenig internationale Top-Erfahrung verfügen. Klar waren da mal ein paar CL-Spiele dabei, aber die messen sich nicht seit Jahren auf höchstem Niveau in KO-Spielen.
Das macht es dann schwer, den Kader richtig zu pushen und auch einen internen Konkurrenzkamp zu haben. Dazu hatten wir Spieler mit, die einfach nicht in Form sind (Woltemade, Musiala,....), im Verein kaum gespielt haben (Goretzka, Sane,...) und wo ich gefühlt auch sagen würde, dass sie generell nie eingesetzt werden sollten bei der WM (Groß, Stiller...).


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brunsonsbro
Beigetreten: 26.04.2006

Nagelmann Topverdiener direkt nach Ancelotti :yaoming: Sitzt das Geld zu locker bei Neuendorf?

Carlo Ancelotti ist der Topverdiener der WM-Trainer
An der Spitze steht Carlo Ancelotti: Der Italiener verdient als Trainer Brasiliens geschätzte zehn Millionen Euro pro Jahr und ist damit der am höchsten bezahlte Coach des Turniers. Brasilien hat den erfahrenen Erfolgstrainer mit dem klaren Auftrag geholt, endlich den sechsten WM-Titel zu holen. Ancelotti, der im Vereinsfußball bereits alles gewonnen hat, soll die Seleção zu neuem Glanz führen.

Auf Platz zwei folgt Julian Nagelsmann. Der 38-jährige Bundestrainer erhält bei der DFB-Auswahl jährlich rund 7 Millionen Euro. Der 38-Jährige gilt als einer der innovativsten Trainer seiner Generation und soll die junge deutsche Mannschaft zur Titelreife formen.

Platz drei belegt Mauricio Pochettino mit etwa sechs Millionen Euro als Trainer der Gastgeber USA. Der Argentinier soll dem amerikanischen Fußball bei der Heim-WM zu neuem Ansehen verhelfen. Dahinter rangiert Thomas Tuchel als Coach Englands mit rund 5,8 Millionen Euro. Der Deutsche hat die Aufgabe, England erstmals seit 1966 wieder zu einem großen Titel zu führen.

Didier Deschamps muss sich mit knapp vier Millionen Euro begnügen
Die weiteren Plätze sind ebenfalls interessant: Roberto Martínez (Portugal) und Fabio Cannavaro (Usbekistan) teilen sich mit jeweils etwa 4 Millionen Euro den fünften Platz. Didier Deschamps (Frankreich) folgt mit 3,8 Millionen Euro, während Marcelo Bielsa (Uruguay) und Ronald Koeman (Niederlande) mit jeweils 3 Millionen Euro im Mittelfeld liegen.

https://www.ksta.de/sport/2026-wm/das-sind-die-bestbezahlten-wm-trainer-nagelsmann-gehalt-5-1304334


Antwort
Zitat
brunsonsbro
Beigetreten: 26.04.2006

Original von ambientswatertight

Original von brunsonsbro

Original von withoutaname
Was bedeutet es denn, wenn in U6-U11 der Leistungsdruck reduziert wird?

Das sind KINDER.
Und der überwiegende Teil dieser Kinder wird es nichtmal in die Nähe eines Profikaders geschweige denn der Nationalmannschaft schaffen, auch wenn sie mental so krasse Maschinen sind wie wir alle hier im Forum.

Da finde ich es schon sinnvoll, wenn man darauf achtet, die Kinder, die es nicht schaffen, „aufzufangen“. Und ob es der Gruppe derjenigen, die es dann doch bis ganz nach oben schaffen, am Ende in der Spitze und Breite etwas fehlen würde, nur weil man sie nicht mit 7 Jahren schon maximal hart rangenommen hat, wage ich auch zu bezweifeln.

Was da letztendlich das beste Konzept ist, weiß ich natürlich auch nicht, aber nur weil die Traditionalisten direkt Schnappatmung kriegen und glauben, linksgrüne Verweichlichung zu erkennen, würde ich sowas nicht abschreiben. Weil wenn man diesen Vögeln folgen würde, dann würden wir heute noch mit Libero und zwei Vorstoppern spielen und jeden Ball lang hinten raus kloppen und anschließend Zigarette rauchen.

Ich weiss nicht, wann und wo du angefangen hast spielen. Ich habe als KIND angefangen und es ging immer darum als Team zu gewinnen. Möglichst viele Tore zu schießen und möglichst wenig zuzulassen. Wenn man verliert, verliert man halt und fragt sich was man besser machen kann. Kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Das ist Fußball. Dazu braucht es auch kein Konzept. Keine Ideologisierung. Es braucht nur ein paar Kinde, einen Ball, ein bisschen Platz zum spielen und Spass dran zu spielen. Dann kannst du zeigen, was in dir steckt oder du gehst nach hause und machst lieber was anderes. Die die beleidigt aufgeben, weil sie mit Niederlagen und mit Spielern die besser sind nicht umgehen können, werden auch so oder so im Sport nicht weit kommen. Niederlagen und Frustration und der Umgang damit sind ganz elementar wichtig für den Sport und fürs Leben. Überbehüten und Kinder vom eigentlichen Leben und Sport fernhalten ist einfach nicht sinnvoll. Viel eher kann Coaching dann dabei helfen einen guten Umgang mit Niederlagen zu lernen.

Bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe. Glaubst Du, dass Kinder im Fußball heute nicht wissen, ob sie gewinnen oder verlieren?
Überspitzt gesagt: An jedem zweiten Wochenende weint bei uns ein Kind nach dem Spiel, weil es nur 1 Tor geschossen hat. Die Kids sagen Dir am Ende, das korrekte Ergebnis ob es nun 8:4, 7:5 oder 6:3 war. Und sie erzählen Dir auch noch fünf Wochen später haargenau, in welcher Situation wer da eine Aktion hatte. Die machen sich selbst genug Druck, da brauchst Du gar niemanden mehr, der das zusätzlich macht. Du musst aber auch den mitnehmen, der im Alter von acht Jahren noch nicht 12 Übersteiger pro Spiel macht und dem auch eine Rolle, Verantwortung und Aufgabe geben.

Kinder lernen täglich den Umgang mit Siegen und Niederlagen - ob man das will oder nicht. Gerade in dem oben angesprochenen Alter ist es aber doch als Erwachsener die Aufgabe, dass Du ein System schaffst, wo Du alle mit ins Spiel bringst, alle Aktionen haben und auch die "Spätstarter" noch dran bleiben und Du nicht von Außen durch übertriebene Art / Druck noch mehr Unruhe da reinbringst und Einzelnen den Spaß am Spiel nimmst. Deine Aufgabe ist es doch, dass sie manchmal auch verstehen, dass sie trotzdem gut waren, auch wenn sie verloren haben und ihnen auch unabhängig vom Ergebnis ein Erfolgserlebnis zu verschaffen. Da wird aber auch niemandem verboten, mal ein Dribbling zu machen...

Das alles "zeitgemäß" zu versuchen hat aber auch nichts damit zu tun, dass man sich verbessert oder das die Kinder nicht ganz genau selbst wissen, wer die besten in einer Mannschaft sind oder dass sie ihr bestes geben wollen etc.

Letzte Überspitzung: Mein Vater wurde auch in der Schule noch geschlagen, deswegen hat er aber nicht besser gelernt.

Nein glaube ich nicht. Ich glaube es braucht keine großes System, sondern was als Bolzplatz beschrieben wurde. Da spielen auch alle mit und können dabei bleiben, wenn sie Freude dran haben. Da gibt es auch Wettbewerb, ohne dass einer deswegen nicht mehr mitspielen darf. Vor allem gibt es da auch mal unterschiedliche Altersgruppen. Alles wertvolle Erfahrungen und Möglichkeiten zur Selbstbehauptung.

Es gibt einen guten Umgang und weniger guten Umgang mit Niederlagen und Frustrationen. Diese Besten sehen es als Anreiz. Das ist ein Denken, was man stets befördern sollte.


Antwort
Zitat
Kleeblatt1903
Beigetreten: 28.04.2006

@ambientswatertight:
Yes!
Das Problem ist einfach, dass es bereits unsere Ligastruktur nicht hergibt, alle Talente in der Breite zu fordern.
Weil die finanzielle Kluft zwischen den Top-Klubs und dem Rest riesig ist, spielt die Hälfte der Vereine jedes Jahr nur gegen den Abstieg. Es existieren bei den meisten Vereinen. Keine Rücklagen und man lebt weiterhin von der Hand in den Mund. Nix aus COVID gelernt. (Demut usw. Was hat der Fußball denn falsch gemacht?)

In so einem Existenzkampf geht es nur um Risikominimierung und Schadensbegrenzung. Das ist sicher kein Umfeld, in dem Trainer den Mut haben, junge Spieler fehlerfreundlich zu entwickeln.

​Die absoluten Top-Vereine wiederum stehen ebenfalls unter so gewaltigem Erfolgsdruck, dass sie gar keine Zeit haben, Talente behutsam mit einzubeziehen.
Karl war eine Mischung aus Glück und großes Talent. Quasi aus der Not geboren. Ansonsten würde der vielleicht immernoch in der RL Bayern spielen.
​Das führt genau zu dem Loch bei den deutschen Spielern. Uns fehlt die Bundesliga-Mittelklasse als echtes Sprungbrett, wo du auf gutem Niveau reifen kannst, ohne dass jeder Fehler gleich den Abstieg bedeutet oder man direkt den maximalen Titeldruck der Bayern spürt. Wenn Jungs wie Stiller oder Leweling erst mit Mitte zwanzig ihre ersten echten Champions-League-Erfahrungen sammeln, fehlt ihnen im Nationalteam logischerweise die jahrelange Härte auf absolutem Top-Niveau.
​Brutales Ausnahmetalent setzt sich immer irgendwie durch, klar. Aber das System fängt die Breite dahinter nicht mehr auf. Wenn die Top-Klubs den Markt international abgrasen und der Rest der Liga im Dauerkrisenmodus steckt, fehlt den deutschen Talenten schlicht die Plattform, um die nötige Wettkampfhärte zu entwickeln.

Wir bekommen ja jetzt den Nachwuchscups. Mal sehen, inwiefern das eine Verbesserung wird. Da reden wir ja auch nur von 10 Spielen in der Saison.


Antwort
Zitat
msk8884
Beigetreten: 15.03.2010

Eine weitere Frage die sich stellt:
Warum schafft es, mit Ausnahme der Bayern, kein Spitzenclub der Bundesliga, regelmäßig deutsche Talente auszubilden die BuLi-Niveau oder besser haben?

In Dortmund wird ein Haufen Kohle ins NLZ gepumpt, mit Thomas Broich als Nachfolger von Ricken jemand installiert, der nichts anderes macht, als sich um die Struktur der Nachwuchsausbildung zu kümmern...
Warum kommt da nicht mehr bei rum? Nehme den BvB nur als Beispiel, weil ich da am nächsten dran bin. Wie sieht das in Leverkusen, Leipzig, Stuttgart aus?


Antwort
Zitat
brunsonsbro
Beigetreten: 26.04.2006

Original von msk8884
Eine weitere Frage die sich stellt:
Warum schafft es, mit Ausnahme der Bayern, kein Spitzenclub der Bundesliga, regelmäßig deutsche Talente auszubilden die BuLi-Niveau oder besser haben?

In Dortmund wird ein Haufen Kohle ins NLZ gepumpt, mit Thomas Broich als Nachfolger von Ricken jemand installiert, der nichts anderes macht, als sich um die Struktur der Nachwuchsausbildung zu kümmern...
Warum kommt da nicht mehr bei rum? Nehme den BvB nur als Beispiel, weil ich da am nächsten dran bin. Wie sieht das in Leverkusen, Leipzig, Stuttgart aus?

Am Ende ist es zu viel Ideal- und Konformitätsdruck, zu viel Systemdenken und zu wenig Fußball einfach Fußball sein lassen (Straßenfussball).

ChatGPT dazu.

Mein Fazit: Das größte Defizit der deutschen Nachwuchsleistungszentren ist vermutlich nicht die Qualität der Ausbildung insgesamt, sondern dass sie oft sehr effiziente, taktisch gut geschulte Spieler hervorbringen, während außergewöhnliche Individualisten seltener entstehen. Viele Experten sehen deshalb den Schlüssel darin, jungen Spielern mehr Freiheit, mehr Eins-gegen-eins-Situationen und mehr Raum für kreative Lösungen zu geben, selbst wenn dabei zunächst mehr Fehler passieren.


Antwort
Zitat
Kleeblatt1903
Beigetreten: 28.04.2006

Also im aktuellen WM Kader stehen mit Leweling und Raum 2 Spieler, die ihren Gesellenbrief (1. Profivertrag) bei uns in Fürth erhielten. Dazu noch Jonas Urbig, der bei uns den Profidurchbruch schaffte und Anton Stach hätte es auch beinahe zur WM geschafft. Und da wären noch Baba (Ghana), Flekken (Niederlande) und Itten (Schweiz), welche ich alle in sehr jungen Jahren schon bei uns auf dem Trainingsplatz schwitzen sehen habe.
Ich nehm uns deshalb mal aus der Diskussion raus, was die Nachwuchsarbeit betrifft. :coolface:
Müssen halt die andern ganz großen wirklich mal akribischer in ihren NLZs arbeiten.


Antwort
Zitat
TyCobb
Beigetreten: 30.03.2006

Naja weder die Nationalmannschaft und noch die eine Liste der aktuellen Talente bestätigt Deine Aussage:

https://www.transfermarkt.de/deutschland/startseite/verein/3262

https://www.transfermarkt.de/spieler-statistik/wertvollstespieler/marktwertetop/plus/0/galerie/0?ausrichtung=alle&spielerposition_id=alle&altersklasse=u21&jahrgang=0&land_id=40&kontinent_id=0&jahr=0&yt0=Anzeigen

Bayern hat bei den aktuellen Talente zwar 4-5, aber auch Leverkusen hat einige Talente ausgebildet. Dortmund ist tatsächlich überraschend.


Antwort
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NoG2k5
Beigetreten: 19.02.2005

ist jetzt die Frage wie man ausgebildet definiert oder ob es nicht eher die finanzielle Gemengenlage widergibt? Aus der Liste ist eigentlich "nur" Ibrahimovic wirklich aus der Bayernjugend. Die anderen Spieler wurden von außerhalb erst zur U17 nach München geholt. Aber so ist das halt. Culbreath zB konnte Leverkusen aus Kaiserslautern holen.

Leverkusen fährt, was das angeht eh seit einigen Jahren eine sehr aggressive Politik. Gegenbeispiele: Francis Onyeka kam mit 7 nach Leverkusen. Havertz mit 11 meine ich. Mensah, dem ich kommende Saison mehr zutraue. Sei es in Leverkusen oder bei einer Leihstation, spielte nur in Leverkusen und hatte sogar schon einen CL-Einsatz.

Wenn ich so an all die Talente beim BVB zurückdenke, sind es fast alles Spieler aus dem Ausland gewesen, die für wirklich Aufsehen gesorgt haben. Ich vergesse gerade bestimmt wen, aber das letzte deutsche Supertalent aus Dortmund, an das ich mich erinnere ist Götze?!

Keine Ahnung was bei Leipzig los ist, aber ich glaub sogar noch letzte Saison sagte mal ein Kommentator während eines Spiels, dass es bis heute noch kein Spieler aus der eigenen Jugend nachhaltig in den Bundesligakader geschafft hat.

Glaub es geht in der Thematik eher darum, warum bekommen deutsche Talente verhältnismäßig wenig Vertrauen und Einsatzzeiten bei den Topclubs.


Antwort
Zitat
brunsonsbro
Beigetreten: 26.04.2006

Original von NoG2k5
Glaub es geht in der Thematik eher darum, warum bekommen deutsche Talente verhältnismäßig wenig Vertrauen und Einsatzzeiten bei den Topclubs.

Weil es wenig Grund gibt sie einzusetzen. Individualisten, die wirklich besondere Fähigkeiten mitbringen, werden glatt trainiert. Die die dann hochkommen sind technisch und taktisch klug, aber es fehlt dann Körperlichkeit, um sich wirklich einzubringen. Also lieber auf etablierte setzen.


Antwort
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Kleeblatt1903
Beigetreten: 28.04.2006

Ich seh schon. Wenn die in Frankfurt zeitnah mal wieder ihre Personalsituation upgedated haben, muss ich mal wieder PS.de Content dort abladen, damit es da wieder vorwärts geht.
Danke euch schon mal


Antwort
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brunsonsbro
Beigetreten: 26.04.2006

Finde an Spanien sieht man, dass es freier spielende Spieler gibt wie Yamal. Dem würde in Deutschland von kleinauf doch gesagt werden er soll mehr passen. Nicht das er unbedingt ausschlaggebend oder das Ideal sein sollte. Aber er hat anscheinend auch in der Ausbildung die Freiheit dafür bekommen. Entscheidender - wie Alaba es gesagt hat - ist die Spielintelligenz von Spielern wie Oyarzabal (man denke auch an Iniesta früher). Dahingehend sollte man mal eher selektieren und scouten bzw. darauf achten sie nicht auszusortieren. Das sind dann wahrscheinlich Spieler, die sich eher etwas später entwickeln. Und nicht vergessen, am Ende macht es die Mischung.


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MisterB
Beigetreten: 23.04.2006

Alle haben sehr jung schon La Liga gespielt. Top Talente müssen so früh wie möglich auf Top Level spielen. Mehr Bundesliga-Teams sollten deutschen Talenten diese Spots geben anstatt ausländische Talente einzukaufen für Resale. Es kann nicht sein das ein Talent wie Tresoldi in Belgien spielt, weil sich deutsche Clubs nicht trauen 7 Millionen auf den Tisch zu legen für ein deutsches Sturm-Talent. Jetzt geht er für wohl 30 Millionen nach Italien und wenn wir Pech haben wird er auch nicht für Deutschland spielen werden.
Dortmund zahlt lieber 20 Millionen für Fabio Silva, Leipzig holt lieber Romulo für 20 Millionen. Tja, 23 Millionen Value bei Tresoldi und Spielzeit und Präsentierung in der Bundesliga verpasst. Das Sturm-Problem ist nicht nur der DFB, das Problem ist auch die Bundesliga-Clubs und ihr Verzicht deutschen Talent-Stürmern frühzeitig eine Chance zu geben.


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AbbAUbaR
Beigetreten: 26.02.2007

https://www.kicker.de/entscheidung-gefallen-voeller-bleibt-dfb-sportdirektor-1234581/artikel

:ayfkm:


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kronenbourg
Beigetreten: 30.01.2006

Niemand steht so für frischen Wind wie Rudi Völler :f_ugly:


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