Yo Leute,
ich wollte nochmal einen Beitrag verfassen um den Blog jetzt nicht einfach so unabgeschlossen stehen zu lassen.
Wie geht's bei dir beruflich weiter? In welchem Bereich möchtest du arbeiten?
Die Frage hat mich die letzten Monate und Wochen sehr stark beschäftigt. Deshalb kommt der Blogeintrag auch erst jetzt, da ich lange über die Antwort nachdenken musste. Aufgrund verschiedener Umstände, nicht zuletzt Corona, gehts jetzt doch völlig anders weiter als ursprünglich geplant. Um das zu erklären fange ich mal vorne an:
Im März bin ich aufgrund des Lockdowns aus Münster wieder in meine Heimat gezogen, da so ein Lockdown doch auf dem Land besser aushaltbar ist als alleine in der Stadt. Ich habe dann dort meine BA angefangen zu schreiben und schnell entdeckt, dass Onlinepoker auf einmal wieder ordentlich durch die Corona-Maßnahmen am boomen ist. Kurz darauf habe ich ja meinen Blog hier eröffnet und hatte dann quasi einen Mix aus am Wochenende zu grinden und in der Woche wahlweise Theorie für Poker zu machen und/oder meine BA zu schreiben. Da meine Abgabefrist im Zuge der Coronamaßnahmen um einige Wochen verlängert wurde hatte ich auch einiges an Zeit für Poker übrig. Bis Juni etwa hat mich da auch ein starker Motivationsschub gepackt und ich wollte unbedingt wieder im Pokergeschäft angreifen. Zu der Zeit war ich auch irgendwie insgesamt zufrieden und hab die Zeit gerne auf dem Dorf verbracht. Es war meist schönes Wetter, ich bin viel raus gegangen, habe dabei regelmäßig ausgebrochene Hühner wieder eingefangen, jede Woche mit meinem besten Kumpel einiges an selbstgebrautem Craftbier gegönnt und bin ansonsten produktiv gewesen. Für 3 Monate war das so für mich völlig in Ordnung. Obwohl es auf Zoom 200 irgendwann meist ziemlich schlecht lief, war das mental in der Zeit noch kein Problem, da ich nur am WE gespielt habe und in den 5 Tagen Pause dann immer wieder frisch und motiviert am nächsten Samstag an die Tische gegangen bin.
Irgendwann war dann aber meine BA beendet und ich habe mich dann dementsprechend nur noch auf Poker konzentriert. Es hat dann nicht lange gedauert bis es auf einmal nicht mehr so viel Spaß gemacht hat und ich wieder daran erinnert wurde, warum ich vor 5 Jahren als Vollzeitpro aufgehört habe. Einhundert Prozent Homeoffice sind für mich einfach mental nicht machbar. Da fehlt für mich einfach etwas was kein Geld ersetzen kann. Hinzu kam dann noch, dass es überhaupt nicht so lief wie ich mir das vorgestellt hatte. Darüber hinaus sind die Games auf einmal wieder deutlich tougher geworden, kein Vergleich zu den juicy Wochen nach dem Lockdown. Weiter on top kam noch die Androhung der Politik in Form des neuen Glücksspielgesetzes. Das alles zusammengefasst hat mich vorerst dazu bewegt doch nicht Vollzeit, aber irgendwie aus gekränktem Stolz mich wenigstens noch Teilzeit dem Poker zu widmen. Es kann ja nicht sein, dass ich in der Sache, die ich doch so gut kann, einfach aufgebe. Daher habe ich Juli und August noch mit geringem Volumen weitergespielt. Geringes Volumen, weil mich die ganzen obengenannten Faktoren schon sehr demotiviert haben, aber ich auch einfach nicht aufhören wollte. Nebenbei habe ich mich nach (Teilzeit-) Jobs umgeschaut. Irgendwann dann auch noch Vollzeitjobs, Praktika und generell mal den ganzen Arbeitsmarkt überflogen, welche Möglichkeiten da sind und in wieweit sich das alles mit Poker noch kombinieren lässt. Ende August war mein Mindset bezüglich Poker dann echt vermutlich auf dem tiefsten Stand seit sehr vielen Jahren. Ich hab irgendwann angefangen Tiltcalls zu machen, generell viel runter zu callen und mein Spiel ganz einfach negativ verändert. Der letzte Versuch war dann wie hier bereits beschrieben mit 4-tabling NL50 wieder in die Spur zu kommen. Das lief auch ganz gut:
Spoiler

Im Gegensatz zu zoom200 und auch dem NL200, NL100 regulär was ich vorher gespielt hatte, lief es setup-technisch hier deutlich besser. Also mit Sicherheit überdurchschnittlich gerunt. Trotzdem hatte ich nach 8k hands einfach keine Lust mehr und habe mich gefragt, was ich hier eigentlich tue und wohin das führen soll.
Ich bin jetzt selbst 30 Jahre und habe gewisse Vorstellungen, wie ich ab spätestens 35 leben möchte. Hinsichtlich Wohnsituation, Familie und wie auch mein Alltag in etwa aussehen soll. Poker führt mich da nach langer Überlegung eher in eine Sackgasse bzw. mich davon weg. Darüber hinaus bin ich glaube auch einfach mental mit dem Spiel ausgebrannt. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden jetzt einen klaren Cut zu machen und Onlinepoker final zu quitten. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass ich da jemals wieder einsteige. Außer vielleicht mal zum Spaß ne große sunday million oder sowas zu donken. Aber ernsthafte Ambitionen habe ich nun nicht mehr.
Beruflich siehts nun so aus, dass ich entgegen meiner Planung nun doch einen Masterstudiengang in technischer BWL antrete. Das hängt auch damit zusammen, dass es momentan durch Corona sehr schwierig ist einen Job zu finden. Insbesondere bei meinem Lebenslauf. Ich habs geschafft mit 30 Jahren noch nie in meinem Leben "richtig" gearbeitet zu haben. Jeder einzelne Euro den ich seit der Schule verdient habe ist direkt oder indirekt durch Poker gekommen. Also der Großteil sind Pokergewinne und dazu kommen Coachings und Kapitalmarktgewinne.
Deshalb ist der Plan jetzt dem Studium erstmal eine Chance zu geben, dort voll durchzuziehen und dann nach einem Semester zu evaluieren. In jedem Fall keine Zeit zu verlieren, sondern diese gerade jetzt in der aktuellen Situation bestmöglich zu nutzen. Dazu habe ich kürzlich Kontakte zu jemanden wieder aufleben lassen, der einen PHD in Finance gemacht hat und mich davon überzeugt hat, dass es dort vielleicht doch Geld zu verdienen gibt und die effektive Markttheorie, der ich bis vor kurzem noch anhang, doch ein paar Lücken hat die man eventuell ausnutzen kann. Die Sache werde ich mir auf jeden Fall in nächster Zeit genauer angucken.
So siehts bei mir aktuell aus.