Nochmal weg von der Meta-Ebene ins Tagesgeschäft.
Habe gestern meinen Booster bekommen. Es bedurfte leider einiges an Strategy. Einmal pro Woche ist mobile Team 5 min Fußweg von mir entfernt. Habs vor 2 Wochen auf gut Glück tagsüber probiert, da war gg Mittag dann 100m Schlange.
Gestern habe ich dann die "early bird strategy" probiert und bin um 7:40 dagewesen (9 Uhr gehts los), mit dem Gedanken, wenn Schlange dann schon insane, dann breche ich ab, sind ja nur 5 min Fußweg. Es waren aber nur ca. 20 Leute vor mir schon da, sodass ich ausharren wollte.
Insgesamt alles sehr umständlich. Die sind in der Schlange mit Klemmbrettern vorbeigegangen. Haben das dann eher unkoordiniert eingesammelt und ausgeteilt. Auch nach Öffnung ging das im Schneckentempo.
Ich war dann um 9:45 fertig. Als die Ärztin meine Impfpass sah meinte sie so "Oh, ein Astra-Man", ich nur so "yep". Dann nur so "alles gut Vertragen?" "yep", "ok, dann geben wir ihn mal eine Auffrischung mit Biontech" "yes please", "noch Fragen" "Nope". Hab die Ärztin noch gefragt, wie viele Leute die an so einem Tag wohl impfen werden, da meinte sie, ca. 170. find ich recht wenig, hätte eher mit 300 gerechnet bei guter Logistik.
Beim Rausgehen war die Schlange ca. 200 m und grob geschätzt waren das 150-200 Leute in der Schlange.
Wenn man also um 9:30 da auftaucht, dann wird man entweder gg 15:30 geimpft oder ab einem Punkt gar nicht mehr. Das ist dann imo so absurd, da würde ich dann lieber für nem Termin beim HA kämpfen. Man muss auch bedenken, dass es jetzt auch echt kalt wird, stundenlang in so einer Schlange zu stehen.
Tut natürlich schon weh zu sehen, wie erneut die Ruhephase seitens Politik wieder und wieder offenbar verschlafen wurde, sich besser vorzubereitenm, so als ob es eine Überraschung ist, dass man ca. 6 Monate nach dem Peak der Impfkampagne eben auch nochmal 60 Millionen Booster braucht, SURPRISE! Gassen und co sprechen dann von 20M Dosen und dass die HAs das packen würden, wobei doch offensichtlich ist, dass man ALLE Booster muss, wenn man nicht eine 5. Welle im Frühjahr haben will, wo dann alle NIcht-Booster im 7.-9.+ Monat nach Impfung sind. Es war jetzt noch so schwer absehbar, dass man die Infektionsketten nur mit Boostern ALLER durchbrechen kann, weil eben bekannterweise der Infektionsschutz über die Monate stark nachlässt.
Ich sehe aktuell nicht, wie man das bis z.B Ende Januar, spätestens Februar hinbekommen soll. Müsste man imo eher 3x so viel pro Tag impfen und ich finde, man sollte alle Impfzentren aufmachen und so viel Kappa schaffen, dass man auch ohne Termin keine großen Wartezeiten hat. Werden Impfzentren wieder massiv geöffnet oder ist das noch "in Planung"?
Beim Thema digitaler Unterricht sieht es leider nicht besser aus. Meine beiden Kids sind jetzt seit letztem Dienstag bereits zu Hause, weil die ganze Schule wegen Corona geschlossen ist, wurde heute bis 3.12 verlängert*. Ich persönlich kann die Schließung verstehen, weil es sonst quasi safe wären, dass die Kids sich infizieren und damit dann auch die Eltern mit erhöhter Wahrscheinlichkeit (je nach Boosterstatus). Ich persönlich möchte, dass die Kids erst nach Impfung infiziert werden, wenn überhaupt und hoffe daher, dass wir der Infektion noch ausweichen können, bis vielleicht schon noch dieses Jahr die Impfung möglich ist.
Letzten Freitag wurden dann endlich die ersten Sachen in Online-System hochgeladen, am 4. Tag nach Schulschließung. Noch immer uploaden die Lehrer die Arbeitsblätter als 300 DPI Bilddateien, sodass man selbst 20 Seiten, wenn meine Frau sie mir kurz zumailen will noch extra zippen oder komprimieren muss. Weil das sonst 70MB sind oder so.
Online Zoom Sessions, wenigstens vielleicht 1x am Tag für 1 Stunde um eine gewisse Routine aufrecht zuerhalten? Fehlanzeige.
Entweder übernehmen die Eltern das Home-Schooling komplett, oder die Kids haben eben Pech gehabt. Meine Kleine ist in der 1. Klasse, bin echt besorgt, inwieweit sie das bez. Lesen und Schreiben Lernen zurückwirft, was für mich bez. Home-Schooling schwieriger ist, als jetzt Sachunterricht oder Deutsch mit der großen aus der 3. Klasse zu machen.
Es scheint irgendwie auf allen Ebenen, von Bund über Länder zu Kommunen, eine Resistenz zu geben, sich nachhaltig auf Extremszenarien vorzubereiten, die sogar recht vorhersehbar sind. Immer scheint das Motto zu lauten, wenn Wellen beendet sind "So, hoffen wir mal, dass es das war. Lasst uns einfach wieder zur Tagesordnung übergehen und dann wie schon im Herbst 2020 und Frühjahr 2021 total überrascht sein, dass es nicht over ist und total überfordert feststellen, dass damit ja keiner rechnen konnte und man jetzt nur behelfsmäßig reagieren konnte".
Die Schulsituation ist natürlich sehr individuell nicht nur je Bundesland, sondern auch je Schule. Vllt geht das bei anderen Schulen ja reibungslos alles.
*Btw: Auch geil, wie innerhalb eines Bundeslandes die Maßnahmen anders umgesetzt wird. Meine beiden Kids sind offiziell in Quarantäne und dürfen die Wohnung 10 Tage insgesamt nicht verlassen wegen Kontakt in der Schule.
Eine Bekannte wohnt in einem Corona-Hotspot und dort gibt es keinerlei Tracking und Absonderung von Kontaktpersonen. Wer nachweislich infiziert ist, muss in Quarantäne, Rest komplett egal. GAs schaffen es wohl eh nicht, daher fuck it. Vielleicht ist das in der Tat alternativlos aber fühlt sich irgendwie weird an, dass ich Quarantänebrecher sein müsste, wenn ich mit meinen Kids auf die Straße wöllte und dass es in den Corona-Hotspots kein Problem darstellt.