Ich wollte einfach mal einen Beitrag mit ein paar positiven Sachen schreiben:
Eigentlich war doch hier mal Konsens, dass die Daten vom Kreuzfahrtschiff Diamond Princess am ehesten aussagekräftig sind, weil da die Dunkelziffer nahezu 0 sein sollte (ich denke man kann nicht ganz ausschließen, dass später noch ein paar krank geworden und nicht getestet worden sind, aber näher dran als hier dürften wir nirgendwo sein). Dort gibt es 696 Fälle. 7 Menschen sind gestorben, also ziemlich genau 1 %. 456 Menschen gelten schon als geheilt, 233 noch nicht. Davon sind aber nur 15 als kritisch eingestuft, das heißt selbst wenn die alle sterben (was unwahrscheinlich ist) sind wir hier im schlimmsten Fall bei 3 %. Und das OBWOHL auf diesem Kreuzfahrtschiff überwiegend ältere Menschen waren. Nach dieser Quelle hier
https://www.japantimes.co.jp/news/2020/02/13/national/coronavirus-diamond-princess/#.Xm8oqXJKiUl
Elderly people made up the large majority of those newly infected with the virus, with 40 of the 44 being 70 or older. About 80 percent of the ship passengers were age 60 or over, with 215 in their 80s and 11 in their 90s, according to media.
Also über 80 % sind älter als 60. Dem stelle ich mal die Altersverteilung in Deutschland entgegen
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1365/umfrage/bevoelkerung-deutschlands-nach-altersgruppen/
Hier sind es nur 23 %, die älter als 60 sind. Solange wir die Kontrolle behalten (wichtig!) und unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht sollten also deutlich unter 3 %, ja wahrscheinlich deutlich unter 1 % der Infizierten sterben. Dies bezieht aber die (möglicherweise hohe) Dunkelziffer mit ein, da natürlich bei getesteten Fällen ein deutlicher Bias zu schweren Verläufen gegeben ist.
Kommen wir zu Behandlungen und Impfstoffen:
Es WIRD Medikamente und Impfstoffe geben. Während Grippemedikamente eher schlecht wirken, obwohl sie einen tollen theoretischen Wirkmechanismus haben, weil man nur ca. 1 Tag nach Beginn der Erkrankung Zeit hat sie zu geben (Grippe setzt sehr plötzlich und heftig ein) lässt Corona sehr viel Zeit und Möglichkeit zum Eingreifen. Von Beginn an ist Remdesivir das vielversprechendste Medikament. Warum?
Remdesivir wurde unter anderem gegen Ebola entwickelt. Ebola ist eine der tödlichsten Virenerkrankungen überhaupt. Hierfür wurde es am Menschen getestet, allerdings nicht zugelassen, weil andere Medikamente besser halfen (vor allem eine Antikörperkombination von Regeneron, wie sie das Immunsystem von Menschen, die die Krankheit überlebt haben, baut). Man hat hier Erfahrungen mit ca. 150 Patienten gesammelt, möglicherweise ist einer an den Nebenwirkungen gestorben, das ist allerdings nicht sicher, denn wie gesagt, Ebola ist eine der tödlichsten Virenerkrankungen überhaupt. Man kann relativ klar sagen, dass das Nebenwirkungsprofil geeignet genug ist, um Hochrisikopatienten zu behandeln. Erst größere Studien können allerdings klären, ob es auch nützlich wäre - möglicherweise mit Dosisanpassungen - das auch noch früher an Patienten zu geben, die möglicherweise Hochrisikopatienten werden.
Remdesivir wirkt zumindest in Affen und Mäusen gegen die noch tödlicheren Coronaviren SARS und MERS. Eine von mehreren Studien dazu:
https://www.pnas.org/content/early/2020/02/12/1922083117
Remdesivir heilt auch bei Katzen die Krankheit FIP, die durch das feline Coronavirus hervorgerufen wird und zu 100 % tödlich verläuft. Selbst bei sehr später Behandlung überleben viele Katzen.
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1098612X19825701
Dementsprechend wird Remdesivir von Beginn an in China für die Behandlung in Studien untersucht. Die ersten Ergebnisse richtiger Studien werden "bald" kommen. Je nachdem wie lange man den Patienten folgen möchte innerhalb der nächsten 6 Wochen, vielleicht noch im März, wenn man wissenschaftlich ein halbes Auge zudrückt (was allerdings für eine seriöse Zulassung immer schlecht ist). Viele weitere Studien laufen mittlerweile in den USA, Europa, Südkorea.
14 Menschen von der Diamond Princess haben Remdesivir erhalten. Bei denen dachten die Ärzte, dass sie sterben werden (das verschlechtert natürlich die Datenlage dort etwas...). Alle haben bislang überlebt, 7 sind geheilt, 7 noch im kritischen Zustand aber stabil.
https://www.wsj.com/articles/experimental-drug-helps-some-americans-ride-out-coronavirus-nih-doctor-says-11584094955
Es gibt auch weitere positive Einzelfallberichte wie diesen hier:
https://www.tag24.de/thema/coronavirus/im-sterben-liegende-coronavirus-patientin-mit-remdesivir-gerettet-1460096
Auch in Deutschland wurde das Medikament an der Uniklinik Düsseldorf im Rahmen von Einzelfällen eingesetzt. Sie äußern sich seriöserweise nicht zu Einzelfällen, haben das Medikament aber zum Beispiel für einen Einzelfall in Weilheim empfohlen.
https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/coronavirus-weilheim-covid-19-klinik-behandlung-patient-medikament-zulassung-remdesivir-13592612.html
Wenn Remdesivir nicht wirkt, wäre das also eine sehr negative Überraschung. Ich glaube sehr fest daran, dass wir damit ein sehr gutes, wirksames Medikament bekommen werden. Wie breit der Einsatz sein kann, werden die Nebenwirkungen bestimmen.
Später (das heißt frühestens nächstes Jahr) werden sicher wie bei Ebola Antikörperkombinationen von Regeneron dazu kommen. Das dauert, aber die dürften langfristig besser und sicherer sein.
Ein weiterer Kandidat ist Ritonavir in Kombination mit Lopinavir. Das hilft in der Zellkultur. Das ist als HIV-Medikament am Menschen getestet und sehr sicher. ABER: Es ist sehr HIV-spezifisch und es ist in Zweifel zu ziehen, ob sich im Menschen die Konzentrationen erzielen lassen, die in der Zellkultur gegen Coronaviren wirken. Es könnte eine moderate Wirkung haben und vielleicht reicht das in vielen Fällen sogar. Ich halte es aber für extrem unwahrscheinlich, dass es eine ähnlich durchschlagende Wirkung haben wird wie Remdesivir. Allenfalls in sehr hohen Dosen, deren Sicherheit noch nicht nachgewiesen ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es dabei helfen kann, dass moderate Fälle nicht schlimmer werden. Daten sollten ebenfalls innerhalb von 6 Wochen vorliegen.
Von manchen hoch gehandelt wurde Chloroquin. Als Malariamedikament weiß man, dass es vom Nebenwirkungsprofil völlig in Ordnung ist. In der Zellkultur wirkt es ähnlich gut wie Remdesivir gegen Coronaviren. Soweit ich weiß (aber ich finde gerade die Quelle nicht) hat Chloroquin gegen MERS am Menschen versagt, weil es negative, inhibitorische Effekte auf das Immunsystem hatte. Möglicherweise kann man das aber in einer geschickten Medikamentenkombination zu einem richtig gewählten Zeitraum in einen positiven Effekt (weniger Lungenschaden durch Überreaktion des Immunsystems) umwandeln. Chloroquin alleine und für alle, da wär ich skeptisch und würde mir die Studien sehr genau ansehen wollen.
Es WIRD also kurzfristig wirksame Medikamente geben und langfristig wird es noch bessere mit einem besseren Nebenwirkungsprofil geben. Da bin ich fest von überzeugt.
Es wird auch nächstes Jahr einen Impfstoff geben. Da hatte ich ja gestern schon was zu geschrieben, ich kopier es nochmal hier hin, weil es passt.
Die Entwicklungszeit des Impfstoffkandidaten wird durch die mRNA-Plattformen von Moderna, Curevac und auch Biontech extrem verkürzt (mindestens Moderna und Curevac wissen schon welchen Kandidaten sie in die Klinik schicken - also Curevac wählt glaub ich noch zwischen zweien). Allerdings lohnt sich die Entwicklung eines Impfstoffs für viele Krankheiten einfach nicht, darum wird/wurde es nicht gemacht. Das ist hier anders. Der limitierende Faktor bei der Entwicklungszeit ist jetzt "nur" noch die Sicherheit nachzuweisen. Das kann natürlich zu jedem Zeitpunkt noch schiefgehen, aber man ist da heute schon relativ weit mit dem Verständnis was man am Menschen machen kann und was nicht.
Die Plattform von Curevac wurde immerhin schon seit 2018 für eine Impfung gegen Tollwut an Menschen getestet. Die Probanden haben alle ausreichend Immunität entwickelt und die Impfung gut vertragen. Das tolle an den mRNA-Plattformen ist, dass man nach der Validierung dieser Grundidee recht sicher ist, dass das Prinzip überall da übertragbar ist, wo dieselbe Art der Immunisierung Sinn macht und Coronaviren gehören dazu.
Natürlich wird man keine Langzeitstudien vorher machen können. Aber wir haben hier Risikogruppen, die mit >10 % Wahrscheinlichkeit sterben und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich auch von denen über die nächsten Jahre verteilt 60-70 % infizieren - zumindest in den Hochrisikogruppen kann man also auch Nebenwirkungen des Impfstoffes in Kauf nehmen und kommt trotzdem erheblich besser weg als ohne Impfstoff. Und die Nebenwirkungen sind nicht besonders wahrscheinlich.
Die Ausbreitung der Krankheit durch harte Maßnahmen zu kontrollieren lohnt sich also. Wir müssen natürlich dafür sorgen, dass der so entstehende Schaden nicht größer wird als der durch Corona angerichtete. Das ist ein sehr schwieriger Weg. Aber es ist zu schaffen, gerade in der Erwartung, dass es Impfstoffe und Medikamente geben wird. Jemanden wie dak113 muss man wirklich fragen, ob es ernsthaft zu viel verlangt ist wenigstens mal für ein paar Wochen Einschränkungen in Kauf zu nehmen, damit wir danach eben alle - und nicht nur die Jungen - weiterleben können wie vorher auch.