In einer Pressekonferenz hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeinsam mit dem Virologen Hendrik Streeck von der Universität Bonn und weiteren Experten ein Positionspapier zu den Maßnahmen gegen das Coronavirus in Deutschland vorgestellt. Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, stellte dabei klar, dass die von der KBV vertretene Ärzteschaft eine andere Heransgehensweise für sinnvoll halte als die Regierung. Es gehe nicht darum, zu verharmlosen. Man könne aber kein ganzes Land oder einen ganzen Kontinent in ein künstliches Koma versetzen, zumal etwa ein Impfsstoff noch weit entfernt sein dürfte.
https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-news-neuinfektionen-deutschland-1.5093731
Aus dem Positionspapier:
Es gibt keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage für die Bewertung des Pandemieverlaufs und die
Ableitung von Maßnahmen, die sich allein auf Grenzwerte stützen [...]
Dies gilt umso mehr, als in der jetzigen
Pandemiephase, vielerorts notgedrungen, weniger die Eindämmung durch Kontaktpersonennachverfolgung, als vielmehr die Protektion – insbesondere von Risikogruppen – Priorität haben muss. [...] Daher fordern die Unterzeichner ein bundesweit einheitliches Ampelsystem. [...] Grundlage dieser Corona-Ampel müssen alle relevanten Kennzahlen wie Infektionszahlen, Anzahl der durchgeführten
Tests, stationäre und intensivmedizinische Behandlungskapazitäten bilden. [...]
Wir setzen auf Gebote anstelle von Verboten, auf Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung.
Verbote oder Bevormundung haben eine kurze Halbwertszeit und entsprechen nicht unserem Verständnis
einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. [...]
Es ist für die Unterzeichner unstrittig, dass der Fokus im weiteren Verlauf der Pandemie auf dem Schutz von
Risikogruppen liegen muss. Gleichwohl müssen wir darüber nachdenken, wie eine Isolation ganzer
Bevölkerungsgruppen gegen den eigenen Willen verhindert werden kann. Aus unserer Sicht wurde es über
die Sommermonate leider versäumt, analog zu den Konzepten der Arztpraxen maßgeschneiderte und
allgemeingültige Präventionskonzepte für vulnerable Gruppen zu entwickeln. [...]
Wir wissen derzeit nicht, unter welchen Bedingungen Veranstaltungen stattfinden, ohne dass dadurch ein
erhöhtes Infektionsrisiko oder Infektionsgeschehen entsteht. Dies muss aber definiert werden, um im
Frühjahr bestimmte Veranstaltungen wieder zulassen zu können. Daher sollten Veranstaltungen mit
Hygienekonzepten und Teststrategien unter wissenschaftlicher oder gesundheitsamtlicher Begleitung
durchgeführt werden, um herauszufinden, ob das Risiko einer Virusübertragung überhaupt in relevantem
Umfang besteht
https://www.kbv.de/html/48910.php
Cliffs:
Professor für Spieltheorie, fasst phänomenologische Studien zusammen, mit dem Ergebnis, dass das Virus sich weltweit bis zu einem bestimmten Plateau ausgebreitet hat und die Ausbreitung danach zurückging, unabhängig der getroffenen Maßnahmen.