Original von Wody
Spoiler
Original von Schnicker
Schon, aber insbesondere für die Gruppe der kleinen Kinder wird es nunmal sehr schwer einen R > 3 hinzubekommen. Nehmen wir doch mal das worstcase Beispiel, dass ein Kind alle 11 Kitabuddies + 4 Erzieher ansteckt. Die 11 Kitabuddies wiederum infizieren jeweils ihre Eltern + ein Geschwisterkind. Ansonsten treffen die derzeit ja niemanden. Dann haben wir eine Gruppe von 52 infizierten Personen (12 Kitakinder, 24 Eltern, 12 Geschwister, 4 Erzieher). Selbst in diesem worstcase Beispiel hat die Gruppe der Kinder halt ein R von 52/12 = 4,33. Der eine ist halt der Superduperspreader mit 15 (11 Kitabuddies + 4 Erzieher), aber die anderen Kinder können diese Personen ja nicht ein weiteres Mal anstecken. Der Kinder-R-Wert wird auch nicht höher, wenn ein Geschwisterkind das Virus in seine Kita trägt, bestenfalls tut er/sie es nicht, was den Gesamt-Kinder-R von 4,33 senkt.
Gesamtgesellschaftlich müssen wir, natürlich ausgehend von akzeptablen Neuinfektionen, einen R-Wert <1 hinbekommen. Wie bereits erwähnt machen alle Kita + Grundschulkinder ~7,5% der Bevölkerung aus. Also selbst wenn wir einen R-Wert in der Gruppe von 4,33 annehmen, schaffen wir gesamtgesellschaftlich ein R von 1, wenn der Rest der Bevölkerung einen R-Wert von ~0,73 hat. Und den R-Wert von 4,33 schaffen die Kinder niemals.
Ich plädiere ja auch gar nicht für Komplettöffnung, aber Kitas mit Teilbetreuung für alle und möglichst abgegrenzten Gruppen, sowie Wechselunterricht mit halben Klassen in Grundschulen ist mindestens möglich. Aber nein, stattdessen werden Kitas und Schulen monatelang dicht gemacht. Das ist falsch und nicht zwingend nötig.
Edit: Worstcase-Kinder-R ist bei der "Milchmädchenrechnung" niedriger, da sich der Superduperspreader ja bei seinen Eltern infiziert hat, aber egal, wollte nur veranschaulichen, warum selbst viele Infektionen unter Kindern nicht zwangsläufig zu einer außer Kontrolle geratenen Pandemie führen müssen.
Du vergisst dass dann noch die Großeltern die Enkelkinder sehen wollen. Außerdem treffen sich befreundete Mütter/Väter und die Kinder spielen dann miteinander. Klar wirst du jetzt sagen, dass man das dann nicht machen soll, aber die Realität sieht anders aus.
Da wäre es naheliegender beispielsweise Studenten die im Wohnheim wohnen, jegliche Kontakte untereinander zu erlauben, also auch Partys im Wohnheim. Nur fallen dann für sie Besuche bei den Eltern aus. Bin gerade an einem vorbeigefahren und da haben 8 Chinesen (wahrscheinlich Studenten) draußen Basketball gespielt, was zwar gegen die Regeln ist aber vollkommen unproblematisch.
Wir haben aktuell einen R Wert von 0.79 (4 Tage) bzw. 0.87 (7 Tage) und das bei weitgehend geschlossenen Kitas und Schulen. Wenn du also Kitas und Schulen aufmachen willst, brauchst du zusätzliche Maßnahmen nach deiner worst-case Rechnung. Welche?
Naja, du kannst jetzt natürlich jeden einzelnen Kontakt, den ein Kind theoretisch haben kann, noch hinzuzählen und so den worstcase-R-Wert der Kinder nach oben treiben, da dieser ja mit Anzahl Personen mit denen das Kind in Kontakt tritt übereinstimmt. Vor allem liest sich das durch den Zusatz "die Realität sieht anders aus" so, als hätten die Kinder eben einen solch hohen R-Wert und dazu kommt dann noch, dass sie eben gelegentlich ihre Großeltern sehen, die dann auch noch infizieren und der R-Wert der Kinder in Wirklichkeit noch viel höher ist als in meiner Milchmädchenrechnung angegeben.
Das ist natürlich Quatsch. Wenn du schon von "die Realität sieht anders aus" schreibst, dann doch bitte so, wie sie wirklich aussieht: Ein Erzieher oder ein Kind ist positiv, mindestens die Gruppe schließt und alle sind in Quarantäne.
Als Folge kommt der R-Wert der Kinder natürlich niemals auch nur ansatzweise in die Bereiche, die ich in meiner Milchmädchenrechnung angeführt habe.
Hier sind ja Leute aus ganz Deutschland verteilt, wenn z.B. irgendwo in einer Kita sechs Infektionen unter Kindern und dazu dann noch bei zwei Erziehern oder so aufgetaucht sein sollte, kann das ja gerne jemand posten. Selbst sowas ist halt ein krasser Ausnahmefall und nicht die Regel. Dass ein Kind alle anderen Kinder + Erzieher angesteckt hat, gabs wahrscheinlich noch nie und ich ging bei der Milchmädchenrechnung davon aus, dass das in allen Kitas so läuft bis wirklich alle Kontaktpersonen der Kinder infiziert sind. Das in schöner Regelmäßigkeit irgendwo Gruppen oder ganze Einrichtungen wegen eines Falls schließen mussten, ist klar.
Meine Milchmädchenrechnung sollte jedenfalls aufzeigen, dass gerade die Gruppe der kleinen Kinder gar keinen superhohen R-Wert haben können, dazu sind sie in einer viel zu kleinen Bubble. Wenn man die Diskussion, auch die Aussagen der Politiker, verfolgt, könnte man halt den Eindruck bekommen, dass bei offenen Kitas mit einem R-Wert von 10 in der Gruppe der Kinder zu rechnen ist. Dem ist eben nicht so, diese Gruppe wird es sehr wahrscheinlich noch nicht einmal schaffen, in die Nähe von R = 3 zu kommen. Schon gar nicht wenn wie in den vergangenen Monaten praktiziert alle gleich in Quarantäne gehen, wenn mal ein Fall irgendwo auftreten sollte. Des Weiteren wollte ich anmerken, dass wir einzelnen Gruppen natürlich einen R-Wert > 1 zugestehen können und dennoch gesamtgesellschaftlich den R-Wert unter 1 halten können. Meiner Meinung nach sollten wir das bei Kindern tun und nicht die rigorose R-Wert = 0 Taktik in diesem Bereich fahren. Wenn du es "naheliegender" findest Studenten im Wohnheim das Saufen zu erlauben, bitte, es darf ja jeder seine Meinung haben.
Und bzgl deiner Frage zu weiteren Maßnahmen: Da steht natürlich ganz oben auf der Liste die Arbeitswelt. Im Frühjahr waren es wohl 27%, die im Home-Office gearbeitet haben, jetzt gerade mal 14%. Ist kein Home-Office möglich, Maskenpflicht für alle. Am besten richtige und nicht irgendwelche selbstgehäkelten Stofflappen. Die sind zwar besser als nichts, aber den FFP2-Masken natürlich unterlegen. Wenn da 2-3 Leute in einem Büro sitzen und sich stundenlang ohne Maske die Aerosole zu pusten, dann steigt mit jeder Minute die Wahrscheinlichkeit, dass dir die 2m Abstand zum Tischnachbar gegenüber auch nichts mehr bringen. Von Großraumbüros ganz zu schweigen usw usf.