Unter "schwer" bzw. Schwierigkeit verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht den notwendigen quantitativen (Lern-)Zeitaufwand der zum absolvieren eines bestimmten Studiums allein aufgrund der Menge des zu Lernenden erforderlich ist, sondern primär die inhärente Prämisse ein bestimmtes Maß an intellektueller Begabung mitzubringen. Kreativfächer wie Kunst und Musik seien ausgeklammert, da die hierzu nötige Begabung sehr spezifischer Natur ist.
Philosophie hat mit theoretischer Physik und höherer Mathematik zusammen wohl das höchste Komplexitäts- und Abstraktionsniveau. Als (Forschungs-) Wissenschaft sind diese wohl vom Anforderungsprofil an den Intellekt des Forschenden her ebenbürtig. Allerdings kommen bei Physik und Mathematik die anspruchsvollsten Themenbereiche in der Regel erst nach dem Studium bzw. bei der Promotion, da im Studium selbst keine oder kaum tatsächliche Forschung im Sinne von Schöpfung neuer Erkenntnisse betrieben wird.
In der Philosophie muss i.d.R. schon im Grundstudium auch ein guter Teil theoretische Philosophie wie z.B. Erkenntnistheorie belegt und mit Schein abgeschlossen werden. Dazu sei gesagt, dass jede größere Studienarbeit in der Philosophie bereits aktive, die Erkenntis erweiternde Forschung ist.
Ein solches Thema zu behandeln erfordert neben der entsprechenden Abstraktionsfähigkeit auch das Vermögen Sprache sehr präzise einzusetzen und vor allem den eigenen Denkprozess zielgerichtet zu steuern. Da hier kein Ziel und auch kaum feste, formale Nomenklatur vorgegeben sind, muss man sich die Werkzeuge hierfür weitgehend selbst aneignen und zugleich Kreativität bei der Suche nach interessanten und fruchtbaren Fragestellungen, wie auch Disziplin bei der theoretischen Aufarbeitung derselben aufbringen. Dies erfordert eine hohe Flexibilität im Denken und es ist im Gegensatz zu den meisten anderen Studienfächern praktisch unmöglich, durchschnittliche Intelligenz durch erhöhten Fleiß so zu kompensieren, dass ein wissenschaftlich befriedigendes Niveau erreicht werden könnte.
Gleichzeitig kann aber auch intellektuelle Höchstbegabung hier nicht fehlende praktische Einsatzbereitschaft hinreichend ausgleichen, um trotz eines "lauen Studentenlebens" so etwas wie ein "guter Philosoph" im Sinne wissenschaftlich anerkennenswerter Leistungen zu werden.
Wer Philosophie als interessante Diskussionsrunde aus Oberstufen-Grundkursen kennt, ist sich über die tatsächlichen Anforderungen dieser Wissenschaft meist nicht ansatzweise im Klaren, was (auch angesichts des Mangels an direkten Berufsperspektiven) zu sehr hohen Abbrecher- und Durchfallquoten führt. Dass jemand das Philosophiestudium abbricht muss allerdings, ebenfalls im Kontrast zu den meisten anderen Studiengängen, nicht unbedingt als Scheitern verstanden werden. Vielfach wird das Studium der Philosophie als Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung betrieben, und angesichts des zum Abschluss notwendigen Arbeits- und Zeitaufwandes, muss man sich den Beweis für diesen Beitrag nicht unbedingt in Form eines erweiterten Taxischeins mit der Überschrift "Magister der Philosophie" ins Wohnzimmer hängen können.
Diese Betrachtungen sind natürlich unter der Maßgabe meines Eingangs erwähnten Verständnisses von Schwierigkeit zu verstehen. Was man nun tatsächlich als schwierig empfindet ist natürlich sehr subjektiv. Der Eine empfindet den Umgang mit Zahlen als besonders schwierig, der Andere kann mit Sprache oder mit Menschen nicht gut umgehen oder hat Schwierigkeiten viel im Gedächtnis zu behalten.
Für den Einzelnen das schwerste Studium wird wohl stets dasjenige sein, für dass er am wenigsten Begabung hat und Interesse aufbringen kann.