Lektion 1: 29.01.2015 Der Einstieg in die Variante Fixed Limit Texas Hold'em
Vorab sei bemerkt, dass ich die Regeln von Texas Hold'em als bekannt voraussetze. Solltest Du diese noch nicht kennen, lies Dir zunächst folgenden Artikel durch:
Die Regeln von Texas Hold'em
Was lernst Du hier?
• Warum sich Fixed Limit als Variante für Pokereinsteiger besonders gut eignet
• Wieso die Position am Tisch eine so wichtige Rolle spielt
• Welche Hände Du vor dem Flop spielst
• Welche Besonderheiten die Variante Fixed Limit mit sich bringt
• Wie das Starting-Hands-Chart (SHC) zu verwenden ist
• Welches Bankrollmanagement Du fahren solltest
• Mit wieviel Geld Du an einem Fixed Limit-Tisch sitzen solltest
Warum eignet sich Fixed Limit als Variante für Pokereinsteiger besonders gut?
Für Dich als Einsteiger ist Fixed Limit Hold'em deswegen so gut geeignet, weil die Gefahr, am Anfang sehr viel Geld zu verlieren, geringer ist als bei anderen Varianten. Dies wiederum liegt daran, dass Du immer nur höchstens 12 Big Bets verlieren kannst, nicht jedoch ganze Stacks wie z.B. bei No Limit Hold'em.
Weiterhin ist es so, dass Du sehr häufig bis zum Showdown gehen musst, wenn Du einen Pot gewinnen willst, da die Gegner für ihre Draws gute Odds bekommen und nicht so schnell folden werden. So bist Du von Anfang an gezwungen, viel postflop zu spielen und erlernst die diesbezüglichen Skills sehr gut.
Welche Hände kannst du vor dem Flop spielen?
Ein guter Pokerspieler beantwortet zuerst die Frage nach dem "Warum?". Die Antwort darauf ist einfach: Um Geld zu gewinnen. Doch wie geht das genau? Diese elementar wichtige Frage lässt sich mit folgender Faustregel beantworten:
• Je früher Deine Position ist, desto bessere Karten brauchst Du!
Position ist im Grunde nur eine andere Darstellungsweise dafür, wie viele Spieler noch nach Dir an der Reihe sind. Je mehr Spieler nach Dir noch kommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer von ihnen ein besseres Blatt hält. Daher gilt: Je mehr Gegner noch nach Dir kommen, also je früher Deine Position, desto besser muss Deine Hand sein.
Deine Position stellst Du fest, indem Du vom aktuellen Kartengeber (Button) ausgehend entgegen dem Uhrzeigersinn die Plätze abzählst. Schau Dir dazu folgende Übersicht an einem „Fullring“-Pokertisch an (an einem solchen Tisch sitzen 7 bis 10 Spieler):

Sind weniger als 10 Spieler am Tisch, fallen die frühesten Positionen weg. An einem Tisch mit 6 Spielern gibt es also die Positionen von MP2 bis BB.
Den Blinds kommt beim Pokern eine besondere Bedeutung zu. Gäbe es sie nicht, würdest Du einfach auf ein Paar Asse warten, nur diese spielen und alle anderen Karten folden. Niemand könnte deine Strategie schlagen. Poker ist also ein Spiel um die Blinds. In den Positionen: UTG bis MP2 kannst du die Blinds nicht direkt angreifen. Hier spielst du nur gute ausgewählte Hände und hoffst damit zu treffen und einen schönen Pot zu gewinnen. Am Button und im Small Blind kannst du hingegen direkt die Blinds angreifen und solltest auch genau das tun!
Die folgenden Tabellen zeigen dir für alle Positionen mit welchen Händen es sich lohnt in die Hand einzusteigen.
Eine Fixed Limit Hold'em Hand besteht aus zwei verschiedenen Karten. Dabei werden die folgenden Abkürzungen benutzt:
A = Ass, K = King, Q = Queen (Dame), J = Jack (Bube), T = Ten (10)
"s" steht für "suited" und bedeutet, dass beide Karten die gleiche Farben haben.
"o" steht für "off suited" und bedeutet umgekehrt, dass beide Karten unterschiedliche Farben haben.
ATs steht also für:
A♥:T♥:, A♣:T♣:,A♠:T♠:, A♦:T♦:,
während KJo für:
K♠:J♥:,K♠:J♦:, K♠:J♣:,
K♥:J♦:, K♥:J♣:, K♥:J♠:,
K♦:J♠:, K♦:J♥:, K♦:J♣:,
K♣:J♠:, K♣:J♥:, K♣:J♦:
steht.
Die vier Positionsgruppen:
Es gibt, wie Du der Graphik entnehmen kannst, vier Positionsgruppen:
• 2 späte Positionen: Button (BTN), Cut-Off (CO)
→ Der Kartengeber selbst und der Spieler zu seiner Rechte bilden die beiden späten Positionen.
• 3 mittlere Positionen: MP1, MP2, MP3
→ Die folgenden drei Spieler bilden die mittleren Positionen.
• 3 frühe Positionen: UTG, UTG + 2, UTG + 3
→ Die drei sich daran anschließenden Spieler sind die frühen Positionen, denn sie müssen in den Setzrunden auch immer früh handeln.
• 2 Blind-Positionen: Small Blind (SB), Big Blind (BB)
→ Eine eigene Positionsgruppe bilden die beiden Spieler, die die Blinds bezahlt haben. Der Spieler direkt neben dem Kartengeber ist der Small Blind, neben ihm sitzt der Big Blind.
Welche Besonderheiten bringt die Variante Fixed Limit mit sich?
Fixed Limit Texas Hold'em unterscheidet sich von No Limit insofern, als dass man pro Setzrunde nach einem Raise und einer 3Bet nur noch einmal erhöhen (man sagt dann „cappen“) kann und diese damit beendet ist. Ein Reinstellen aller Chips (das so genannte „All-in-Gehen“) wie im No Limit ist im Fixed Limit somit nicht möglich, es sei denn, man hat nicht genügend Chips am Tisch (was einem guten Spieler nicht passieren sollte, s.a. weiter unten). Weiterhin werden die Spiellimits im Gegensatz zu No Limit nicht in „Big Blinds“, sondern in „Big Bets“ angegeben. Bedeutet „NL 2“ beim No Limit etwa, dass der Big Blind 2 Cent beträgt, so versteht man unter „FL 1/2“ beim Fixed Limit, dass der Wetteinsatz an Turn und River 2 Dollar beträgt. In der ersten und zweiten Setzrunde (preflop und am Flop) kann man nur so genannte „Small Bets“ setzen (im obigen Beispiel wäre das 1 Dollar), am Turn und am River dann „Big Bets“, d.h. dort wird der Wetteinsatz verdoppelt.
Wie ist das Starting-Hand-Chart zu verwenden?
Im Fixed Limit Hold'em solltest Du Dich preflop zunächst einmal strikt an folgende Faustregel halten:
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1. Preflop-Fundamentalregel:
Du raist oder foldest immer, wenn noch niemand vor Dir in die Hand eingestiegen ist!
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Alle Hände, die Du spielen kannst, sind im Starting-Hands-Chart (SHC) aufgelistet. Alle anderen Hände, die dort nicht vorkommen, openfoldest Du!
Die zweite wichtige Regel für das Preflopspiel im Fixed Limit Hold'em lautet:
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2. Preflop-Fundamentalregel:
Du foldest oder 3bettest immer, falls jemand vor Dir bereits geopenraist hat!
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Die Regel bedeutet für Dich, dass Du genau dann, wenn Du nicht im Big Blind sitzt, niemals coldcallen wirst. Ausnahmen stellen lediglich jene Fälle dar, wenn neben dem Openraiser noch ein weiterer Spieler gecoldcallt hat. Dann darfst Du mit bestimmten Blättern, die weiter unten im Chart aufgelistet sind, auch ausnahmsweise selbst coldcallen.
Einen Sonderfall stellt der Big Blind dar, hier gilt:
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3. Preflop-Fundamentalregel:
Im Big Blind darfst Du von der 3. Preflop-Fundamentalregel abweichen und manche Hände callen!
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Auch die im Bid Blind callbaren Hände sind im Chart aufgelistet. Haben vor Dir einige Spieler gelimpt, so kannst Du mit geeigneten Blättern ebenfalls overlimpen oder im Small Blind completen, da Du dann sehr gute Odds bekommst und das Spielen mediokrer Hände profitabel wird. Mit den starken Blättern wird aber auch weiterhin eine Erhöhung mit einem Raise das adäquate Mittel sein, den man dann als Iso(lations-)raise bezeichnet.
Blind-Post-Regel: Ist ein neuer Spieler am Tisch nicht bereit zu warten, bis er mit dem BB an der Reihe ist, dann kann er schon vorher einen Blind setzen um mitzuspielen, das nennt man "Blind posten". Wir selbst sollten das übrigens nicht tun und warten, bis der Big Blind zu uns kommt, da wir sonst Geld verschenken würden. Wenn wir schon den Big Blind bezahlen, möchten wir auch einen ganzen Orbit durchspielen und nicht nur einen Bruchteil davon! Eine Ausnahme davon stellt das Posten des Cut-Offs an einem Fullring-Tisch dar, was noch zu vertreten ist. An einem Shorthanded-Tisch hingegen solltest Du niemals den Big Blind posten!
Wie behandeln wir so einen Spieler?
Bei der Handstärkeauswahl ignorieren wir diesen Spieler einfach und tun so als ob er gefoldet hätte. Dies gilt allerdings nur, wenn er nicht geopenraist hat! In diesem Falle wird er wie ein normaler Spieler angesehen, der seinen Big Blind nicht gepostet hat.

Welches Bankrollmanagement solltest Du fahren?
Zunächst einmal wäre zu klären, was man unter Bankrollmanagement versteht. Sieh das Geld, mit dem Du Dich an einen Tisch setzt, immer als Investition an, so als würdest Du Aktien kaufen. Du kaufst sie doch nur, wenn sie einen guten Gewinn versprechen und sich das Verlustrisiko überschauen lässt.
Das erreichst Du im Poker, indem Du ein Bankrollmanagement anwendest. Es sagt dir, in welche Limits Du investieren, also wie hoch Du spielen solltest, um ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen deinem Wunsch ...
• ... bei Gewinnen möglichst weit voranzukommen und viel Geld zu gewinnen.
• ... bei Verlusten nicht zu weit zurückzufallen und zu große Anteile Deines Pokergeldes zu verlieren.
Du willst viel gewinnen, wenn Du gewinnst, aber von Verlusten nicht schwer getroffen werden. Welches Bankrollmanagement Du nun fährst, ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Vieles hängt auch von Deiner Bereitschaft ab, in den Limits abzusteigen, wenn es mal nicht so läuft und Du von einem Downswing getroffen wirst. Entscheidend ist:
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1. Bankroll-Fundamentalregel:
Setze Dir ein festes Bankrollmanagement und weiche niemals davon ab!
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Die allgemeine Empfehlung noch vor einigen Jahren war, im Fullringbereich immer 300 Big Bets und im Shorthandedbereich 500 Big Bets zur Verfügung zu haben. Wenn Du beispielsweise das Limit FR $0,25/$0,50 spielen willst, brauchst Du also nach dieser Prämisse $150. Ich persönlich habe schon viele Varianten ausprobiert (z.B. auch das so genannte Boomersche Bankrollmanagement für SH, das schnelle „Shots“ auf höhere Limits anpreist), aber die Erfahrung gemacht, dass mich größere Verluste doch mehr mitnehmen, als ich mir selbst eingestehen will, und ich glaube auch, dass es vielen anderen Spielern ähnlich geht.
Welches Bankrollmanagement wird in diesem Kurs angewandt?
Im diesem Kurs wird ein sehr tightes Bankrollmanagement angewandt, nämlich 1000 BB. Da wir auf dem kleinsten Limit $0,02/$0,04 auf PokerStars starten wollen, benötigen wir zunächst $40. Da ich ein Bankrollbuilding betreiben möchte, ist somit das Anfangsziel, mit Hilfe unserer Einsteigerstrategie auf $100 zu kommen, um auf das Limit $0,05/$0,10 aufzusteigen.
Mit wieviel Geld solltest Du an einem Fixed Limit-Tisch sitzen?
Es gilt:
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2. Bankroll-Fundamentalregel:
Du solltest immer mit mindestens 12 Big Blinds an einem Fixed-Limit-Tisch sitzen!
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Damit Du nicht ständig nachkaufen musst, empfehle ich Dir, mit 25 Big Bets am Start zu sein. Wir werden dies im Liveplay in diesem Coaching auch tun und auf dem niedrigsten Limit somit immer mit $0,40 * 25 = $1,00 an die Tische gehen.