Original von ipraythesun
https://www.aerztezeitung.de/Politik/Post-COVID-Hausaerzten-kommt-bei-der-Diagnose-besondere-Bedeutung-zu-433218.html
"Statistisch gesehen entwickelt jeder sechste erwachsene Betroffene (15 Prozent) ein Post-COVID-Syndrom (PCS)."
https://www.bundesaerztekammer.de/presse/aktuelles/detail/post-covid-syndrom-baek-fordert-bessere-versorgung-und-intensivere-forschung/blockquote >
Erstmal danke für den Link. Der ist sehr hilfreich. Bist du Arzt? Wäre super, wenn du mir weiterhin Input dazu geben könntest.
@Topspit: Faire Frage nach der Agenda, ich habe in der Tat eine Vermutung, welche ich zu veri- oder falsifizieren versuche, die wäre: Klar gibt es Long COVID, es scheint aber eine Lobby zu geben, die das Thema größer machen möchte, als es ist.
Witzigerweise liefert schon der erste zitierte Satz das erste Indiz.
Statistisch gesehen entwickelt jeder sechste erwachsene Betroffene (15 Prozent) ein Post-COVID-Syndrom (PCS).
Wenn man das Wort Statistik in den Mund nimmt, dann sollte man auch richtig runden. 100/15 = 6.66. Also wenn man das auf ganze Menschen runden möchte, dann ist jeder Siebte betroffen.
Mehr als 32 Millionen Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie haben Ärzte in Deutschland bereits die Diagnose COVID-19 gestellt. Nicht für alle endet ihr Leiden nach ein paar Tagen akuter Erkrankung. Statistisch gesehen entwickelt jeder sechste erwachsene Betroffene (15 Prozent) ein Post-COVID-Syndrom (PCS).
Das bedeutet per definitionem, rund 20 Wochen unter Symptomen wie Fatigue und Beeinträchtigungen von Geruchs- und Geschmackssinn zu leiden, ohne dass es eine andere Erklärung als COVID dafür gibt. Schul-, Ausbildungs- und Arbeitsunfähigkeit können die Folge sein.
Es gibt meines Erachtens hier ja gar keine andere Schlussfolgerung als zu sagen: 32M x 15% = Mindestens 4,8 Millionen Menschen leiden unter Post COVID.
Wenn man die 15% nur logisch weiter spielt, dann muss ja ein Faktor 1,5-2 wegen der Dunkelziffer draufgerechnet werden. Corona unterscheidet für Post-COVID ja nicht, ob es einen PCR Test gab oder nicht. Ergo sprechen wir von 7-9 Millionen Post COVID Cases in Deutschland.
@ipraythesun: Ist das erstmal logisch so?
Wenn ja, kannst du bestätigen oder eine Meinung dazu geben, ob wir so viele Long COVID Cases in Deutschland haben?
Wichtige Frage: Wie wurden die 15% ermittelt? Ich bin etwas überrascht, dass die Ärztezeitung komplett auf Quellenangaben zu den ja sehr signifikanten Ergebnissen verzichtet.
Hast du zufällig die Quelle für diese Daten parat?
Ich fände hier interessant, ob das jetzt so auf Survey Basis war, wo man die Leute proaktiv angeschrieben hat, oder ob man es empirisch ermitteln konnte anhand der Arztbesuche, die die Leute wegen der Beschwerden gemacht haben.
Natürlich ist hier meine These: Wer wegen der Beschwerden zum Arzt geht ist natürlich viel häufiger wirklich "richtig" krank als jemand, der auf Nachfrage hin "irgendwelche Beschwerden" in einem Survey angibt, plus natürlich Selection Bias wie besprochen.
Der entscheidende Punkt im Artikel für mich dann im letzten Absatz:
Omikron und Post-COVID muss noch beforscht werden
Hallek wies darauf hin, dass die Forschung an PCS bislang stark an der Delta-Variante des Virus ausgerichtet sei. Welche Langzeitfolgen die jüngeren Omikron –Varianten ausbildeten, werde weiter beobachtet. Die Forschung an PCS müsse weiter ausgebaut werden. (af)
Wenn die Daten alle/überwiegend anhand Delta gemacht worden sind, wie kann man dann als Opener schreiben, dass es 32M Infektionen gegeben hat und das 15% der infizierten Post COVID hat?
Das ist doch dann eigentlich schon wissenschaftlich hanebüchen und imo faktisch falsch, die ermittelten 15% auf Omicron zu extrapolieren.
Der Opener hätte doch lauten müssen:
"Mehr als 32 Millionen Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie haben Ärzte in Deutschland bereits die Diagnose COVID-19 gestellt. ca. 5 Millionen* dieser Menschen haben sich mit der Delta Variante infiziert. Anhand Studien zu Long COVID nach Infektion mit der Delta Variante konnte ermittelt werden, dass ca. 15% der mit Delta Infizierten eine Long COVID Symptomatik entwickeln. Welche Langzeitfolgen die jüngeren Omikron –Varianten ausbildeten, werde weiter beobachtet, es gibt hier zu noch keine statistisch belastbaren Daten."
*Die Zahl habe ich abgeschätzt anhand der Infektionszahlen Ende 2021, wo Omikron schon teilweise übernommen hat. Also Ende 2021 Total Infections Minus Omicron Minus Alpha.
Ich finde diese beiden Opener schon sehr unterschiedlich von der Message her und was die ersten natürlichen Schlussfolgerungen sind, die man meines Erachtens automatisch zieht, wenn man das liest.
Die Original-Variante finde ich, milde ausgedrückt, ungewollt misleading und böse ausgedruckt, bewusst verzerrt bis schon teilweise gelogen.
Dieses Thema spiegelt für mich die ganze Transition wider, die meine Meinung dazu genommen hat.
Bis Delta war ich mit allen Maßnahmen d'accord und war komplett in line mit der Regierungsline, wie gefährlich Delta war.
Ich halte es auch für plausibel, dass bei Delta 15% Long COVID entwickelt haben (Ich glaube schon, dass man die Zahl discounten muss aber werden schon viele sein).
Mit Omicron hat sich das Thema aber komplett geändert. Seit Omicron ist Corona für mich eine etwas besondere, eher milde Grippe, die wegen der hohen Ansteckung zwar nervig ist, aber die man halt weitgehend schon einfach laufen lassen kann. ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Long COVID bei Omicron um den Faktor 10 seltener Long COVID entwickelt und ich finde jedwede Extrapolation von Daten auf Omicron basierend auf Delta fahrlässig und "wissenschaftlich kriminell".
Laut dem Artikel hat man 6-9M Long COVID Cases.
Wenn man die 15% etwas discounted auf sagen wir 10% mit den üblichen Biases und bei Omicron Faktor 10 weniger annimmt, dann halte ich es für wahrscheinlicher, dass wir real vielleicht 600-900k Long COVID Cases haben.
Immer noch viel absolut gesehen, aber ich sehe die imo wahrscheinlichere wahre Zahl eher im Bereich um den Faktor 10 bloated durch solche News Pieces.