1. Teil: DIVI Intensivregister
Also aus der Pandemie gelernt haben wir eher nicht, während der gesamten Pandemie ist ein Trend nach unten zu Erkennen, was die Intensivkapazitäten angeht. Vor der Pandemie hatten wir 28.000 jetzt haben wir keine 19.000 mehr (32% weniger Betten). Damit sind wir doch nicht mal einer Grippewelle gewachsen. Im Dezember 2022 waren haben so viele Kliniken eine eingeschränkte Betriebssituation gemeldet wie in keinem Zeitpunkt der Pandemie, abgesehen vom schlimmsten Monat.
Bin ziemlich froh, dass wir das Thema hinter uns haben, heute wie damals verursacht es jedes mal Unverständnis in mir, sobald ich mich näher mit Thema auseinandersetzen (Wie die jetzige Erkenntnis mit den Betten).
2. Teil Das anfängliche Strategiepapier des BMI erklärt vom Prinzip die gesamte Politik der Pandemie, wenn man das verstanden hat, benötigt man keine Aufarbeitung
Wer wirklich an einer "Aufklärung" interessiert ist, dem würde ich ans Herz legen, jetzt im Nachhinein nochmal das Strategiepapier vom BMI zu Covid durchzulesen. Viele spätere Probleme wie die Aufhebung der Maßnahme, die Spaltung in moralische/demokratische und unmoralische/undemokratische Menschen und möglicherweise sogar warum man den einzelnen Politikern wenig Vorwurf machen kann, finden sich in der Anfangsstrategie und den Implikationen die diese mit sich bringt.
Logisch durchdacht, waren diese Implikationen aus damaliger Perspektive die bessere Option als das Worst Case Szenario, was von Auflösung der Demokratie hin zur Anarchie und über 1 Million toten innerhalb eines kurzen Zeitraumes, von denen viele unbehandelt qualvoll sterben, ausgeht.
Angst ist nicht rational, wenn ich mir das Papier durchlesen, haben nicht nur die Politiker den Bürgern Angst gemacht, sondern zuerst die Experten den Politikern, die Politiker waren also Opfer ihrer eigenen Angst wenn man das so framen will. (Die Experten möglicherweise auch, aber das ist weniger klar, da wäre es nützlich anzusetzen wenn man aufarbeiten will.)
Eine Spinnenphobie geht auch nicht einfach weg, wenn man dem Phobiker erklärt, die Spinne ist nicht gefährlich. Angst zu erzeugen ist leicht, aber je nachdem wie tief dies Angst sitzt, ist sie aufzulösen um einiges schwieriger, vor allem wenn wir nicht von einem einzelnen Menschen sondern einer gesamten Gesellschaft sprechen. Auch bei solchen Dingen gilt, keine Wirkung ohne Nebenwirkung, auch wenn dinge wie Psychotherapie gern fälschlicherweise als nebenwirkungsfrei betrachtet werden.
Wenn man von den damaligen Annahmen ausgeht und fragt, wie kann uns die wissenschaftliche Psychologie dabei helfen dieses Szenario zu verhindern, dann muss man abseits von moralischen oder ethischen perspektiven, sondern rein basierend auf psychologischen Erkenntnissen, dann ist die Strategie extrem intelligent. Angst erzeugen und gleichzeitig sich als Lösung präsentieren. Dadurch zwar die tiefsten menschlichen Ängste wecken (das Kampf oder Fluchtverhalten ist so tief in uns drin, dass es die einfachste Methode ist eine ganze Gesellschaft schnell zu Verhandlungsänderungen zu bewegen) aber keine irrationale Panik auslösen. Denkt mal an die ganzen Diskusionen rum um Masken und testen nach, die bis heute nicht rational oder wissenschaftlich gelöst wurden. Auch diese basieren auf der änfänglich skizzierten Strategie des BMI.
Auch die spätere Spaltung resultiert aus den Strategien, so wird ja im Papier deutlich skizziert, dass die ganze Kommunikation darauf ausgerichtet ist, dass alles nur gerettet werden kann, wenn alle gemeinsam handeln. Das impliziert schon das jegliche kritik eben von Menschen kommen muss die irgendwie böse sind, weil undemokratisch und unsolidarisch.
Das Problem am Ende ist, dass man sich auf Modellrechnungen verlassen hat, die sich am Ende doch als Fragwürdig herausgestellt haben. Konnte zu dem Zeitpunkt aber keiner Wissen und im Grunde diskutiert ja auch niemand, dass die Maßnahmen am Anfang nicht glaubhaft notwendig waren.
Aber der Knackpunkt ist folgender:
Einmal so eine Strategie ausgerollt, kann man sie nicht einfach Rückgängig machen. Damit Riskiert man nicht nur den Vertrauensverlust in die Institutionen, den man verhindern wollte, sondern zusätzlich müssten alle handelnden Personen zurücktreten. Man kann keine existentiellen menschlichen Ängste wecken und dann einfach sagen "uupsi, war doch nicht gaanz so schlimm" oder "also guck mal die spinne ist doch viel kleiner als die die dich an gekrabbelt hat als du deine Phobie entwickelt hast, die großen Spinnen gibt es hier nicht mehr, deswegen leben wir jetzt wieder ganz normal und lassen die spinne da in der ecke von deinem Zimmer".
Davon abgesehen, muss man eben auch sagen, dass Politiker keine Wissenschaftler sind, sie können nur darauf Vertrauen, dass ihre Berater sie ordentlich beraten. Stellt euch vor ihr seit Politiker, und aufeinmal kommen Experten und reden vom Weltuntergang. Die Politiker sind genauso Bürger wie wir alle, wie hätten die das selber so rational sehen sollen, was nichtmal die Experten rational gesehen haben? Da braucht man keine Verschwörung, keine geheimbunde die diskutieren wie man die Bürger gängelt, es reicht wenn die Politiker sich selbst nicht eingestehen können falsch gehandelt zu haben, oder einfach die Erkenntnis haben, dass dieses Eingestständniss sie Ihre Karriere kostet. Dabei können sie persönlich genauso wenig dafür wie alle anderen.
Was sollte es also für eine Aufarbeitung geben, eine Wissenschaftliche? Die Wissenschaft war die gesamte Pandemie über weniger schwarz weiß als viele sehen wollten.
Eine Politische? Wen sollte die nützen? Selbst als jemand, der wirklich viel kritisiert hat, sehe als Folge einer politischen Aufarbeitung einen extremen Vertrauensverlust in die Institutionen und eine Stärkung von autoritären Bestrebungen. Davon ab, gibt es kein Interesse an einer Aufarbeitung, denn die große Mehrheit stand im großen und ganzen immer hinter der Politik, die Aufarbeitung müsste also Gesellschaftlich stattfinden, und da ensteht die Gefahr.
3. Teil, genauso gut könnte man den Politikern unterstellen, bewusst gespalten zu haben, indem sie psychologische Modelle auf unethische weise angewendet haben, wahrscheinlicher ist aber das Gegenteil, nämlich, dass sie im versuch ethisch zu handeln die impliziten Folgen nicht bedacht haben. Daran tragen aber die Experten die sie beraten die Schuld
Auch wenn man sich die psychologischen Erkenntnisse zum Thema Protesten ansieht, kann man vielleicht einiges besser verstehen:
Es gibt 3 Kernmotivationen:
1. Identifikation mit der Gruppe
2. Das Empfinden dass die Gruppe unfair behandelt wird
3. Die Annahme das die Proteste etwas bewirken können
(4.) Moralische Überzeugungen, je stärker das Verhalten von Moral motiviert ist, desto geringer muss die Überzeugung sein, dass das eigene Handeln wirklich etwas bewirkt
Wenn man Menschen mobilisieren will, gibt es 4 schritte die durchlaufen werden müssen:
1. Muss erstmal ein potential da sein mobilisiert zu werden, dazu benötigt es eine gewisse Grund Identifikation mit der Gruppe
2. Als Teil der Gruppe kann man sich natürlich erst fühlen, wenn Mobilisierung bzw eine Ansprache stattgefunden hat.
3. Man muss dann Motiviert werden mitzumachen (die Ungerechtigkeit sehen)
4. Und die Hürden überkommen, also den glauben an den Erfolg der Demos oder eine moralische Verpflichtung entwickeln
Klingt langweilig, spannend wird es erst, wenn man sich die Frage stellt, was das jetzt zur Covid Situation sagen könnte. Zusätzlich sollte man wissen, dass es psychologisch gesehen unklug ist in einer Demokratie Proteste zu verbieten und deeskalierende Polizei Techniken aggressiven vorzuziehen sind.
Wenn ich also Proteste nicht verbieten kann, bzw nur wenn die medizinische Situation es nicht anders gebietet, dann muss ich als Politiker bestrebt sein, diese möglichst nicht eskalieren zu lassen (Die Angst von Anfang an war ja ein Vertrauensverlust).
Extrem effektiv, ist es im Punkt der Gruppenidentifikation anzusetzen, so verhinderst du dass Leute überhaupt Mobilisierungspotential werden und es kann dazu führen das Menschen aufhören zu Protestieren (ich war auch auf 2 Demos, konnte mich aber weder mit den Pro noch den Contra Maßnahmen Leuten identifizieren und dadurch das Thema für mich abgeschlossen).
Damit ich mich nicht mit einer Gruppe identifizieren kann, muss ich diese als fundamental anders empfinden. Das Motto lautet Ich (und meine Gruppe) sind gut, du (und deine Gruppe) sind böse.
Wir schützen die Demokratie, die anderen gefährden die Demokratie.
Wir retten leben, die anderen nehmen Leben
Wir sind solidarisch, die anderen sind unsolidarisch
Wir haben alles gemacht um unsere Freiheit wieder zu kommen, die anderen haben nicht mitgemacht und sie daher schuld
Diese Menschen nehmen mir meine Freiheit, daraus schlussfolgert sich, dass ich meine Freiheit wieder haben kann, wenn ich diese Leute ausschließe. Sie sind also selber Schuld, nicht Ihre Freiheit wird beschränkt sondern unsere Freiheit wird nichtmehr wegen Ihnen eingeschränkt.
Wer will sich schon mit den "bösen" identifizieren?
Bei wem man die Identifikation nicht verhindern kann, könnte man beim glauben an die Effizienz sowie der Moral ansetzen. Wenn ich jedem klar mache, die Proteste haben keinen Sinn, weil es keine anderen Optionen wie die Maßnahmen gibt und sie wissenschaftlich fundiert sind, dann nützt kein Protest. Wenn ich dann noch verhindere dass sich Moralische Überzeugungen durchsetzen, gibt es keinen Protest. Diese wird untergraben wenn eben klar kommuniziert wird "das aufheben der Maßnahmen tötet Menschen".
Kann man natürlich genauso von der anderen Seite betrachten, gerade dieses moralische findet sich dort genauso mit den Aussagen "die Maßnahmen töten Menschen".
So funktioniert sowas halt, Menschen funktionieren nicht rational, Massen erreicht man nie mit differenzierten rationalen Aussagen.
Nachtrag:
Der Teil zu den Protesten mag für den einen oder anderen leicht verschwörerisch klingen, weil er indirekt böse absichten unterstellt (Politiker haben bewusst psychologische erkenntnisse unethisch verwendet wäre der Vorwurf). Das ist aber im Grunde ein Missverständniss, denn es ist nicht das böswillige nutzen, sondern das gutwillige nutzen, was zu diesen Problemen führt.
Wenn ich ein "wir" Gefühl erzeuge, führt dass automatische zu einem "die" gefühl führ alle die nicht beim "wir" mitmachen. Ist einfach Ursache-Wirkung und niemand konnte vorraussehen zu was das führt. Und im Nachhinein, muss man sagen, es waren politische entscheidungen, es gab nie ein 100% richtig oder falsch und im großen und ganzen hat sich kein horroszenario entiwckelt, weder das der einen noch das der anderen Seite. Wie die langfristigen Auswirkungen sind, werden Studien zeigen, aber das wird noch Jahrzehnte dauern.