Original von Saphirus
Original von Palmero92
Ganz interessant, es wurden ca 1/3 der österreichischen Coronapositiven zu "Infektionsstammbäumen" zusammengefügt, insbesondere:
Derzeit gibt es keine Transmissionsketten, die eine Übertragung durch öffentlichen Verkehr oder Besuch eines Geschäfts belegen.
Geht das mit dem momentanen Testverhalten überhaupt? Zumindest in Deutschland wird doch nur getestet, wenn nachweislich Kontakt zu einem Infizierten bestand. Folglich wird dann bei jedem positiven Test immer davon ausgegangen, dass der sich bei dieser Kontaktperson angesteckt hat. Wenn sich jemand irgendwo im Supermarkt ansteckt, wird er ja überhaupt nicht getestet, dementsprechend wäre die Schlussfolgerung Quatsch. Ich weiß aber natürlich nicht, wie in Österreich getestet wird.
Du wirst schon Recht haben, dass es deutlich schwieriger ist solche "random" Übertragungen nachzuweisen. Aber vorstellbar ist es ja schon: X steckt sich im Supermarkt an Person Y an, die Teil des Clusters B ist. X Verlauf ist asymptomatisch, aber von X's Freundin die Großmutter landet im Krankenhaus (=Cluster A) --> Es werden Nachforschungen über dieses neue Cluster A angestellt und ob es aufgrund der räumlichen Nähe zu Cluster B aus diesem hervorgegangen ist. Es stellt sich heraus X und Y gehen im selben Supermarkt einkaufen und X und Y erkennen einander gegenseitig auf Bildern, ...
Dass bei dieser groß angelegten Untersuchung keine einzige Transmissionskette dieser Form nachgewiesen wurde legt zumindest nah, dass diese Form der Übertragung wenn dann eine untergeordnete Rolle spielt (sonst wäre es ja auch nicht möglich so viele Transmissionsketten nachzuvollziehen). Auf jeden Fall haben die Autoren diesen Umstand für erwähnenswert gehalten. Daraus zu schließen dass eine Übertragung im Supermarkt unmöglich ist, wäre natürlich falsch.
Ich fand die Arbeit auch v.a. deswegen interessant/erwähnenswert, weil sie tatsächlich geschehenes Infektionsgeschehen abbildet und nachvollziehbar macht. Ein netter Kontrast, da ja viele Aspekte der Debatte eher theoretischer Natur sind, auf Modellierung und Aggregation von Daten hin zu wenigen Kennziffern beruhen und mit mehr oder weniger plausiblen Vermutungen arbeiten um Prognosen zu erstellen.