Ich fasse mal ein paar Zahlen zusammen (wir befinden uns in KW 35, 24.-30.08) rki-report 25.08 und [2] rki-report 19.08 (mit Testzahlen, heute gibt es ein Update)
- die Anzahl Hospitalisierter bleibt seit KW 23 konstant (S.10)
- die Anzahl Verstorbener bleibt seit KW 26 konstant (S.10)
- die Inzidenzen in den Altersgruppen ab 60 Jahren bleiben seit KW 23 konstant (S.8)
- die Anzahl positiv Getester korreliert seit KW 23 fast 1 zu 1 mit der Anzahl der Tests [2](S.12)
- die Positivenrate pendelt seit KW 23 um 0.8% (Ausreißer KW25=Tönnies, [2](S.12). Insbesondere ist sie seit KW 31 konstant bei 1%
- der Zuwachs an Positiven seit KW 31 lässt sich praktisch 1 zu 1 durch Reiserückkehrer erklären (S.13)
Zusammenfassend: mittlerweile stecken sich 40% aller in Deutschland positiv auf Corona getestenden Personen im Ausland an (S.13). Nimmt man den schnellen Anstieg der Testzahlen der letzten Wochen, machen die kostenfreien Tests bei Reiserückkehrern mittlerweile schätzungsweise 35% aller Tests in Deutschland aus. Die Positivenrate der Tests ist konstant geblieben. Das finde ich äußerst überraschend, ich hätte erwartet, wenn mehrere hundertausend Reiserückkehrer pro Woche relativ random getestet werden, dass die Positivenrate signifikant sinkt (die Wahrscheinlichkeit sich in Deutschland in einer Woche anzustecken liegt bei 0,01%, die "Risikoreisegebiete" haben ca eine 5-fach höhere Gesamtinzidenz als Deutschland).
Mögliche Erklärung: Die Gefahr sich bei einer Reise ins Ausland anzustecken ist tatsächlich 100 mal höher als in Deutschland (also 1%). Oder es findet - obwohl ohne jedes System getestet wird - eine negative Selektion, bei den Reiserückkehrern die sich testen lassen, statt, und in der Gesamtmenge alle Reiserückkehrer liegt der Anteil bei deutlich unter 1% Infizierter (insgesamt wird bei Reiserückkehrern nur getestet, wenn ein relevanter Anfangsverdacht besteht). Finde beide Erklärungsansätze unplausibel und schwer vereinbar mit den Zahlen.
Eine (genauso schwache) Alternativerklärung: Unabhängig davon wen man testet (random Person statt Reiserückkherer), führen mehr Tests immer zu diesen 0.5-0.8% Positivenrate. Hinter der Korrelation von Anzahl Tests und Anzahl Positiver steckt also wirklich eine Kausalität. Das könnte wiederum 2 Erklärungen haben: Ein signifikanter Anteil falsch-positiver Ergebnisse bei dieser PCR-Methode, oder ein signifikantes unentdecktes Grundrauschen an Corona-Positiven in der Bevölkerung (das es dann aber schon seit Monaten gibt, weil die Anzahl Hospitalisierter und Todesfälle ja konstant bleibt).
Die Erklärung ergibt sich vermutlich aus mehreren Faktoren, aber wirklich schlau werd ich aus den Zahlen nicht. Bin mal sehr gespannt was aus der Testpflicht für Reiserückkehrer wird und die zukünftige Entwicklung:
Konservative Hypothese: "die verantwortungslosen Reisenden bringen das Virus zurück in unser Land und begründen gerade eine zweite Welle"
Corona-Leugner-Hypothese: "Positive gibt es nur da wo getestet wird, mit den Reisenden wird doch nur wieder die nächste Panikwelle geritten"
Mit der Entwicklung der Testzahlen, Inzidenzzahlen der >60-jährigen und der Anzahl an Hospitalisierungen sollte man die Aussagen in den kommenden Wochen eigentlich einordnen können?