Vegas 2025 - Conclusion
Es wird wohl Vegasreisen geben, die mir im Nachhinein positiver in Erinnerung bleiben werden. Aber ich wurde auch in den vergangenen Jahren nie müde, hier im Blog und auf Fragen von Bekannten zu erwähnen, dass man niemals mit der Erwartung nach Vegas reisen darf, dass man Geld gewinnen wird. Mit einer positiven Gewinnerwartung (aka expected Value / EV): ja. Mit der Erwartung zu gewinnen: nein. Ich hoffe, der Unterschied ist deutlich.
Denke ich noch einmal über alle Sessions nach, fallen mir keine oder nur kaum Hände ein, in denen ich einfach mal stark getroffen habe und Gegner eine logische zweitbeste Hand hatten. Wurde überhaupt mal ein Set von mir ausbezahlt? Ich erinnere mich an einen Flush an $2/$5 gegen einen Midstack-Opi, der mich aber kurz zuvor für die gleiche Summe hat bluffen sehen. Einmal AA > QQ, aber da findet mein Gegner noch den Herofold im 4bet-Pot. Setups für mich waren also Mangelwaren in diesen 90 Stunden Pokerspielzeit. Setups gegen mich? QQ in die AA vom vollkommen verrückten Inder, reihenweise Overpairs < Sets oder Trips < Trips oder Flush < Flush oder oder. Ich will mich weder beschweren noch begründen, weshalb am Ende ein dickes Minus im Tracker steht. Fakt ist nur, dass Fortuna mich spätestens seit Bochums Relegationssieg gegen Düsseldorf nicht mehr mag ![]()
Am Ende steht ein Minus von $6.256 zu Buche, was durchaus eine Summe ist, die in einer richtig guten $5/$10 Session wieder eingespielt werden könnte. Nichts Wildes also für die Stakes, die ich gespielt habe. Auf $5/$10 habe ich sogar abermals Plus erzielt: $2800. Aber $2/$5, gerne auch als die Redchip-Hölle des Pokers bezeichnet, hat mich auseinander genommen wie Temu-Taschenmesser: -$9.000, davon -$7.400 in einer einzigen Session - neuer Minusrekord.

Nach dem ersten Wochenende war ich noch frohen Mutes. Da hatte ich die lange Aria $5/$10-Session ohne große Pros und auch an $2/$5 hat man wundersame Sachen gesehen. Danach ging es aber sowohl mit meinen Karten als auch mit der Tischqualität rapide bergab. Für $5/$10 würde ich am Ende keinen Unterschied in der Dichte der Profis:Nicht-Profis im Vergleich zur WSOP in den letzten beiden Sommern attestieren. Auffällig ist zudem, dass an allen Tischen zwar deep, aber auch entsprechend tight gespielt wird. Einmal hat ein Reg 350BB preflop mit KK in die AA eines anderen Regs an $5/$10 geblasen und selbst da dachte man schon, dass das vermutlich einfach zu loose war. Preflop-Stärke war nun einmal Stärke. Wer also super actionreiche Tische sucht, wird vermutlich in anderen Staaten oder Ländern eher fündig als hier zurzeit.
Ich suche solche Tische vorerst nicht mehr so aktiv. Stattdessen suche ich weiter Lösungen für den Spielplatz auf unserem Schulhof und die passenden Klamotten für die ersten Tage mit unserer Tochter Ende Juni. Und hier schlage ich auch wieder den Bogen allmählich weg vom Kartenspiel. Schlechter als ich kann man nicht runnen - nicht bezogen auf Poker, sondern auf das, was uns mit Junis geschehen ist. Doch wurden uns neue Karten gemischt und wenn ihr mich fragt, schaue ich mir bald definitiv wieder Aces an, wenn ich in die Augen meiner Tochter blicke. Der Flop ist mit AAX auch schon vorgegeben, also bin ich einfach nur optimistisch für die Zukunft und alles, was da kommen mag. Ich freue mich riesig auf diese Herausforderung, auch wenn sie mindestens ebenso anstrengend wird, wie die letzten zwei Wochen hier. Ich habe aber - auch dank dieses Spiels - gelernt, mit allerhand Unwägbarkeiten umzugehen und werde daher voller Präsenz, Zuversicht und Liebe die besten Entscheidungen treffen, die ich in jedem gegebenen Moment treffen kann.
Und wenn eine solche Entscheidung mal bedeutet, dass ich wieder in die Tasten für diesen Blog haue, freue ich mich riesig weiterhin über jeden und jede, die durch Lesen oder Kommentieren an meinem Leben teilnimmt.
Vielen Dank und bis bald,
euer Konti With Arms Wide Open