Mahlzeit!
Ich bin 28 Jahre und im sog. RL vertreibe ich mir die Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der örtlichen Kleinstadtuni, wo ich in erster Linie Kaffee trinke, Zeitung lese, weibliche Mitarbeiter von der Arbeit abhalte und so oft wie möglich Zigarettenpausen einlege. Sollte es meine Zeit zulassen schreibe ich auch mal zwei oder drei Sätze für meine Doktorarbeit.
Ich bin im Oktober letzten Jahres zufällig auf das Themenforum von PS.com gestoßen und dann irgendwie hier hängen geblieben. Ich habe von Anfang an FL gespielt und mich inzwischen auf 0,25/0,5 SH hochgeraked. Ich habe vor etwa einem halben Jahr mal NL ausprobiert, auf 4k Hände NL2 und NL5 auch ein paar bb gewonnen, war aber irgendwie nicht meine Welt. Einmal Minbetter, immer Minbetter.
Trotzdem möchte ich gerne Ansatzweise NL lernen, zum einen weil der Blick über den Tellerrand nicht schaden kann, zum anderen weil ich denke, dass man sich redlicherweise nicht Pokerspieler nennen sollte, wenn man von der wichtigsten Variante überhaupt keine Ahnung hat.
zu den Aufgaben:
1. Aus welchen Gründen spielst du Poker?
Weil ich ein zynischer, menschenverachtender, soziopathischer Sadist bin. Im Poker kann ich andere Menschen Leiden lassen und verdiene Geld dabei. Wollen diese dann Vergeltung üben können sie es wegen ihres mangelden Skills häufig nicht und ich verdiene noch mehr Geld während sie noch mehr leiden. In allen anderen Tätigkeiten, die mir noch Spaß machen würden (Steuerfahnder, Sperrkassierer, GEZ-Mitarbeiter, Gerichtsvollzieher) waren leider keine Stellen frei, also bleibt mir nur Poker. Sicher ein suboptimales Mindset, aber hey, so ist es numal.
2. Was sind deine Schwächen beim Poker?
- Vier Straßen machen mir derzeit am meisten Probleme: Preflop, Flop, Turn, River.
- Ich kann kein Overpair folden.
- Es gab soviel Action, jeder Draw ist angekommen, die Gegner haben so elends starke Ranges, ich muss bet, raise und 3bet am River coldcallen, aber ich folde das Top Set nicht in zehntausend Jaheren.
- Während einer guten Winningsession stellt sich bei mir oft so eine Art Gotteskomplex ein. Trololo, ich bin der König und ihr könnt doch alle eh nix. Löst sich meine Winnrate danach im Nirvana auf schreibe ich wieder seitenlange Hasstriaden in meinen Blog.
- Ich neige mit Draws manchmal zum Ach-es-kommt-bei-mir-doch-eh-nix-an-Fold.
- Ich neige mit eindeutig geschlagenen Händen manchmal zum Er-kann-doch-nicht-schon-wieder-die-Nuts-haben-Call.
- Ich neige mit marginalen Händen manchmal zum Ich-krieg-ihn-noch-aus-der-Hand-Raise.
- Ich bleibe viel zu lange an Tischen die nicht profitabel für mich sind.
- Ich habe ein sagenhaftes Talent dafür entwickelt mich bei der Entscheidung dünne Valuebet oder checkbehind am River grundsätlich falsch zu entscheiden.
- Erwähnte ich bereits dass ich Fixed Limit spiele?
3. Was bedeutet tight aggressiv?
Entgegen dem Flüstergeheimtip in der Fisch-Szene "any two can win" spielen wir nur Hände, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich gewinnen werden. Dabei achten wir nicht nur auf unsere eigene Hand, sondern auch auf die Aktionen der Gegner sowie deren relative Position zu uns. Haben wir eine gute Hand, die oft gewinnen wird, dann wollen wir einfach Kohle im Pot sehen. Da auf den kleinen Limits kaum einer unserer Gegner die Liebenswürdigkeit besitzt mit einer schlechteren Hand selbst viel Geld zu setzten müssen wir das nolens volens für ihn übernehmen. Wir haben kein Problem damit mit sehr guten Händen bis zum äußersten zu gehen, d.h. all unser Geld (jaaaa, die ganzen zwei Dollar) in die Mitte zu schieben, falls das die beste Entscheidung ist. Dabei sind wir nicht blind aggressiv, sondern wissen jederzeit warum wir betten, raisen, reraisen oder pushen. Wir wissen auch wann wir besser nicht selbst die Action bringen, sondern lieber nur passiv spielen. In Spots, die wir wahrscheinlich nicht mehr gewinnen können, sind wir auch in der Lage eine Hand von hohem ästehtischen Wert, aber grottenschlechter Equity, ohne weiters aufzugeben, satt unsere Chips wie Bonbons zu verschenken.