Original von Mooharius
Moin AdoRn0, ich hatte gar nicht gesehen, dass Du schon ein YT Video gepostet hattest. Hab mal kurz reingeklickt und dadurch festgestellt, dass GTO+ anscheinend eine gute Alternative zu GTO Wizard ist. Zumindest für jemanden wie mich, der keine Abogebühren mag
Denke mal ich werde mir das Tool zulegen sobald ich noch weiter in den Limits aufgestiegen bin und die BR die Kohle dafür hergibt. Und dann werde ich mir mit Sicherheit Deine Videos zu dem Tool auch vollständig angucken, daher schon mal danke dafür
Hey Moo,
klingt gut! Freut mich sehr wenn sich Leute für die GTO Thematik begeistern können
Man braucht das alles wirklich Null um jetzt die Micros zu beaten, aber wenn man sich zumindest rudimentär paar Konzepte drauf packt, damit kann man gar nicht früh genug beginnen imo, einfach weil man dann sehr viel mehr versteht wie Poker so funktioniert. Aber vorerst kann man sich einfach an den wirklich sehr guten Kurs/die Ranges von Paxis halten, funktioniert tadellos wie man bei Leuten wie Justice und Ossenberg sehen kann. Da brauchts einfach nur gutes Durchhaltevermögen, Stoizismus und möglichst keinen Tilt. Wenn du dich irgendwann dann für GTO Tool/Solver X entscheidest, bitte paar Sachen bedenken, u.a. braucht es für die Desktop Solver möglichst gute Hardware. Vor- und Nachteile habe ich u.a. hier mal zusammengefasst gehabt https://forums.pokerstrategy.com/de/forum/thread.php?postid=21043668#post21043668
Okay, Checkraises. Um zu erläutern wie die funktionieren, definieren wir uns als erstes wieder eine bestimmte Ausgangslage. Wir spielen wie immer 6max NLHE, haben alle 100bb, zahlen in etwa den Rake, den wir auf NL500 Stars auch bezahlen und unsere Gegner sind alle GTO Bots. Villain öffnet am BU für 2.5bb, der SB foldet und wir im BB bezahlen mit XX . Der Flop kommt nun mit XXX, wir checken zum BU und dieser cbettet nun für XX% PS. Wir haben jetzt die Möglichkeit zu folden, zu callen oder zu checkraisen. Hier möchte ich, genau wie den Probes erwähnen: Wir spielen gegen einen GTO Bot. D.h. Villain wird "optimale" Sizes und Frequenzen wählen. In der Realität ist das ein Spot, der viel zuu oft cbettet wird, weswegen wir uns als base Exploit merken können, dass wir viel mehr xr sollten, als optimal. Gerade in fastfold Pools werden hier oft stumpf atc auf any Flop für ein kleines Sizing cbettet und wir können extrem weit klein raisen um Villain so maximal zu bestrafen. Darum soll es hier aber gar nicht gehen, wir wollen uns viel eher die Theorie hinter Checkraises anschauen.
Von was hängt es also ab, ob und falls ja, mit welcher Frequenz bzw welchem Sizing wir checkraisen? Natürlich ist wie so oft die Art des Flops maßgebend. Handelt es sich um einen Flop, der in der Theorie sehr merged vom initial Raiser gebettet wird, haben wir natürlich eine viel höher raise Frequenz, als wenn Villain eine sehr polare Strategie am Flop spielt. Auch RA und NA spielen wieder eine Rolle, haben wir öfter und besser getroffen als Villain, wollen wir im Schnitt auch mehr und öfter investieren. Ein weiterer treibender Faktor ist die denial Komponente: Haben wir sehr viele Hände, die nur sehr schwer ihre Equity realisieren werden, wollen wir diese Hände vermehrt raisen. Näheres dazu dann in den konkreten Beispielen. Unsere Checkraise Hände lassen sich grob in 4 Kategorien unterteilen, deren Grenzen jedoch verschwimmen können und die dann nochmal in Teilkategorien eingeordnet werden können:
1. Value: 1a) thick Value und 1b) thin Value
2. High EV Bluffs: merged Draws
3. Hybrid Raises: Mix aus Denial, Value und Bluff
4. Low EV Bluffs: Backdoors und dergleichen
Es ist wichtig, als Teil einer gebalancten checkraise Strategie, nach Möglichkeit immer von allen Händen ein paar in unserer Range zu haben. Man darf hier auf keinen Fall dem Trugschluss von wegen "ich hab bessere Hände die ich raisen kann" anheim fallen. Denn nur weil es sich "besser" anfühlt, einen Flushdraw zu raisen, heißt das noch lange nicht, dass das auch besser sein muss, als z.B. einen double BD zu raisen.
Die Kunst besteht wie immer darin, die Thresholds zu finden und so gewisse Heuristiken bilden zu können. Also wann wird eine Hand zu "schwach" um sie noch for Value raisen zu können? Welche OESD sind eventuell "bessere" xr als andere usw. Wie immer werden wir dabei auch feststellen, dass mit sehr vielen, nicht eindeutigen checkraise Händen, der EV wieder indifferent zu dem des Calls ist bzw. eventuell auch zu dem des Folds oder sogar beiden (3 Way Mixes).
Beispiel 1a: Thick Value
Das sind Hände, die ihre Equity massiv überrealisieren werden. Diese Hände wollen sehr oft möglichst bald und möglichst viel Geld in den Pot packen. Dies hängt u.a. davon ab, wie polarisiert Villain den Flop cbettet.
Flop 1:
Hero: 4♣:4♠:
K♠:8♠:4♦: (checkraise Frequency overall: ~14%)
Flops dieser Art werden in der Theorie quasi pure, also mit der gesamten Range cbettet. Villains betting Range ist also sehr merged, von super starken, über mittlere bis absolute Trash Hands, hat er von allem ein wenig. Hier wollen wir unseren "thick Value" also top 2Pair und besser immer fast playen. Wir wollen hier auch direkt stark polarisieren, also eine große Size verwenden, denn im Gegensatz zu Flops, auf denen unsere mittelstarken Hände vom Denial profitieren, ist das hier eher nicht der Fall. Wir checkraisen unsere besten Hände hier immer. Unter anderem liegt dies auch an der Dringlichkeit den Pot zu builden. Nachdem Villain den Flop mit seiner kompletten Range bettet, wird er am Turn sehr oft back checken, weswegen wir im Schnitt öfter am River mit einem dann noch sehr kleinen Pot stehen werden.
Flop 2:
Hero: 5♠:5♦:
Q♠:8♠:5♥: (checkraise Frequency overall: ~9%)
Flops dieser Art cbettet Villain sehr polar, d.h. mit niedriger Frequenz und einem großen Sizing. Hier checkraisen wir zwar unsere besten Hände immer noch häufig, jedoch bedeutend seltener als im ersten Fall. Warum ist das nun so? Da Villain bereits am Flop anfängt zu polarisieren, ist davon auszugehen, dass er auf later Streets ebenfalls mit höherer Frequenz auf's Gas drücken wird als wenn er seine komplette Range am Flop cbettet. Die Dringlichkeit, einen Pot direkt zu builden, nimmt also ab, da wir den "Investment Threshold" den wir mit unserer Hand erreichen wollen, auch oft erreichen werden, wenn wir nur callen anstatt zu raisen. Ein weiterer Grund eventuell zu slowplayen und nicht zu checkraisen ist, dass wir Villains polare Range so davon ein wenig abhalten können uns komplett über den Haufen zu ballern. Wenn wir raisen, nutzen wir ein großes Sizing, da Villain sehr viele starke Hände und starke Draws in der Range hat, die wir so maximal pressuren.
Zwischenruf: Ich kann mir gut vorstellen, dass es einigen hier jetzt so geht wie mir. Ich war sehr verwirrt, dass ich auf so einem "trockenen" Flop wie in Beispiel 1 meine Sets immer fastplayen soll und dagegen auf so "wetten" Flops wie in Beispiel 2 öfter slowplayen soll. Das ergab für mich erstmal wenig Sinn, schließlich will ich doch auf dem zweiten Board auch "protecten". Dazu sei gesagt, dass die Hände, vor denen man fälschlicherweise "protecten" will, gar nicht protecten kann. Denn dabei handelt es sich um für gewöhnlich um Draws, die sowieso gegen jeden rationalen Preis continuen werden. Protection oder neuerdings Denial, betrachtet nämlich eigentlich nur den Teil der Range, den wir rausfolden, wir also Villain dazu bringen seinen Equityshare zu folden, was bei einem FD natürlich niemals der Fall sein wird. Viel eher value raisen wir gegen den Draw. Warum es dennoch wichtiger ist auf ersterem Board zu raisen und auf zweiterem auch mal zu slowplayen, denke ich sollte nach der obigen Erläuterung soweit klar sein. Und jetzt weiter im Text.
Flop 3:
Hero: 6♣:6♥:
T♥:T♠:6♦: (checkraise Frequency overall: ~27%)
Gepaarte Flops sind sehr unique. Einerseits sind das Flops, die Villain sehr oft mit seiner gesamten Range cbettet. Flop 1 hat uns gezeigt, dass wir, wenn dies der Fall ist, quasi ausschließlich checkraisen wollen. Wir können hier aber trotzdem auch slowplayen. Wir unblocken einerseits Trips und sämtliche von Villains Bluffs, blocken aber gleichzeitg einen kleinen Teil seiner bet Flop, checkback Turn Range (6x). Dadurch kommt es zu einem Effekt der "polarisierten Blocker", was bedeutet ,dass Villains Range aufgrund unseres Holdings eher dazu neigt zu polarisieren, wir also davon ausgehen können dass Villain dementsprechend öfter weiter feuern wird. Genauso gut können wir aber direkt anfangen seine Merges zu attackieren. Unsere Hand ist deswegen ein ausgewogener Mix aus raise und call, der EV ist indifferent. Sizing-wise nutzen wir hier ein kleines Sizing, da wir hochfrequent und sehr depolar bzw. merged raisen.
Flop 4:
Hero A♣:3♣:
T♣:7♣:6♣: (checkraise Frequency overall: ~7%)
Auf monotonen Flops können wir uns merken, dass selbst unsere besten Hände nicht immer checkraisen wollen. Das liegt u.a. daran, dass wenn wir raisen, wir sehr viele Hände von Villain rausfolden, die auf späteren Streets noch bluffen. Villain cbettet diese Art Flop eher merged, aber mit niedriger Frequenz und kleiner Size. Wir würden dann Villains Range sehr oft in Richtung one
Holdings mit unserem Raise drücken. Es macht EV-wise keinen Unterschied, ob wir also Villain dazu einladen gegen unseren just Call zu feuern oder ob wir direkt attackieren; wir machen den EV den wir "verlieren" weil wir nicht geraist haben, durch die Bluffs die Villain auf Turn/River hat, wieder wett. WIr wählen ein kleines Sizing, da große Sizings kaum mehr achieven. Dadurch können wir on avg etwas öfter raisen.
Exkurs "Beyond the Checkraise", Thick Value: Checkraise schön und gut, aber wie geht es dann eigentlich auf dem Turn weiter? Dazu können wir uns merken: Draw completing Turns geben uns einen großen RA, egalisieren aber den NA. Brick Turns geben Villain den RA, aber wir behalten den NA. Da wir von den Turn Probes noch wissen, dass der RA die Frequenz und der NA das Sizing beinflusst, halten wir fest: Auf Draw completing Cards sizen wir down (Block Sizing), aber betten mit unseren am Flop stärksten Händen hochfrequent weiter. Diese sind jetzt immer noch Value Bets, aber durch den ankommenden jetzt sehr viel thinner als am Flop. Auf Brick Turns setzen wir den River Shove schon einmal vorsorglich auf, wir spielen also möglichst 2e, fahren jedoch unsere Frequenz massiv herunter (unsere Stärksten Hände betten natürlich in den allermeisten Fällen weiter).
Beispiel 1b: Thin Value
Unser dünner Value mixt am Flop sehr oft zwischen Raise und Call. Da die Hände im Schnitt bereits deutlich schlechter sind als unser "thick" Value, haben sie weniger Equity, was zu einer verringerten Dringlichkeit führt, den Pot builden zu wollen.
Flop 1:
Hero: K♥:T♥:
K♠:8♥:4♦:
Da Villain ja Range bettet, ist er so merged, dass er genug schlechtere Holdings continuen muss, damit eine Hand wie KT ein Value Raise wird. Generell können wir uns merken, dass das oftmals für unsere stärksten TPs der Fall ist, insbesondere wenn wir dann noch einen zusätzlichen BD haben. Wir KÖNNEN hier raisen, MÜSSEN aber nicht.
Flop 2:
Hero: Q♥:J♥:
Q♠:8♠:5♥:
Obwohl wir im Beispiel unserer thick Value Hands gelernt haben, dass Villain den Flop groß und polar betten wird, können wir es uns dennoch erlauben, auch hier dünnen Value ab und zu zu raisen. Dies geschieht jedoch wesentlich seltener als auf Flop 1. Man kann hier auch simplifizieren und diesen Handtypus einfach immer nur callen.
Flop 3:
Hero: 8♦:8♣:
T♥:T♠:6♦:
Dadurch, dass Villain wieder Range bettet, profitiert eine Hand wie 88 enorm vom Denial. Wir checkraisen gepaarte Flops sowieso schon hochfrequent, da wir eben sehr viele Trips haben können, aber auch einen sehr großen Anteil von Händen, die sich auf dem Turn OOP auf viele Karten nur schwerlich weiterspielen lassen. Eine Hand wie 88 ist hier ebenfalls wie auf Flop 1 das TP eine Hand die checkraisen KANN aber nicht MUSS.
Flop 4:
Hero 7♠:6♠:
T♣:7♣:6♣:
Unsere Handkategorie wird als Value Raise sehr thin. Wie wir bereits im Fall von einer thick Value Hand auf diesem Flop wissen, bringen wir mit einem Raise Villain dazu, fast nur mit einem
zu continuen, zusätzlich zu den Händen gegen die wir oft nur wenige Outs haben, falls wir schon behind sind. Villains continue Range hat also sehr viel Equity gegen unsere Hände dieser Art. Die raise Frequenz ist mit diesen Händen deswegen sehr niedrig, was aber generell auf unsere gesamte Range zutrifft.
Exkurs "Beyond the Checkraise", Thin Value: Mit unseren dünnen Value Händen betten wir auf Brick Turns entweder mit einem kleinen bis mittleren Sizing weiter oder wir check(/callen). Auf Draw completing Cards, nutzen wir wieder ein sehr kleines Sizing, mixen diesmal aber Checks mit dazu. Anmerkung: Auf Flop 3 sind Villains Draws u.a. sehr viele unpaired Overcards. Sollte deswegen eine dieser Karten am Turn rollen, checken wir dort quasi pur mit unserer Hand. Draw complete/Brick sind immer im Kontext zu vorausgegangener Aktion und der Flopstruktur zu betrachten.
Beispiel 2: High EV Bluffs
High EV Bluffs sind um genau zu sein, eigentlich keine richtigen Bluffs, sondern ein Value-Bluff-Hybrid. Dadurch, dass diese Art von Händen so dermaßen viel EQ besitzen, haben sie kein Problem damit wenn Villain callt und müssen sich nicht so sehr auf die Foldequity verlassen.
Flop 1:
Hero: Q♠:9♠:
K♠:8♠:4♦:
Flushdraws fallen meistens in diese Kategorie. Draws dieser Art wollen im Schnitt weitaus öfter raisen als die overall checkraise Frequency, sind aber genauso gut im Call. Gerade gegen sehr mergy cBet Ranges, wollen wir, so wie genrell mit unserer gesamten Range, oft attackieren und FDs eigenen sich dafür hervorragend. Wir müssen aber verstehen, dass wir hier nicht wirklich bluffen (dazu später noch mehr). Sizing-wise macht es wenig Unterschied ob wir groß oder klein raisen.
Flop 2:
Hero: K♠:4♠:
Q♠:8♠:5♥:
Selbes Spiel wie auf Flop 1, diesmal allerdings aufgrund der Betsize und Frequenz mit der Villain continued wesentlich seltener. Trotzdem können wir immer noch weitaus öfter als unsere overall Frequency mit derartigen Händen raisen. Wir nutzen auch hier kleine und große Sizings (können aber grundsätzlich auf allen Flops auf nur EINE Size simplifizieren!)
Flop 3:
Hero: 9♥:7♥:
T♥:T♠:6♦:
Da wir paired Flops so wahnsinnig oft angreifen, werden derartige Draws oftmals zu puren Flop checkraises. Wir haben keinen SDV, zusätzlich zum Gutshot noch einen BD und zwei Overcards zur 6x, außerdem unblocken wir die dead Suit, in diesem Fall also alle
Kombos und erhöhen damit Villains b/f Frequenz. Das alles macht diesen auf den ersten Blick eher weak wirkenden Draw zu einem Bluff mit sehr hohem EV. Wir nutzen wie mit allen anderen Händen auch ein kleines Sizing.
Flop 4:
Hero K♣:9♠:
T♣:7♣:6♣:
Ich denke hierzu braucht man nicht viel schreiben, da super obv. Wie schon auf Flop1/2 ist dies mehr ein Mix aus Value und Bluff als ein pures Bluff Raise, da unsere Equity, die EQR und der daraus resultierende EV einfach so dermaßen hoch sind. Da unsere overall raise Frequency ja aber eher niedrig ist auf diesen Flops, raisen wir auch diese Art von Händen eher selten, jedoch, wie immer bei den FDs, dennoch weitaus häufiger, als die overall Frequency. Wir nutzen hier nur kleine Sizings, also gilt das auch für diese Hand.
Exkurs "Beyond the Checkraise", High EV Bluffs: Brick Turns sind natürlich sehr schlecht für diese Art von checkraise Händen. Schauen wir uns nochmal Flop 2 an. Villain hat bereits groß gebtetet und wir haben dagegen mittelgroß geraist. Dadurch ist der Pot schon massiv gewachsen, wir können also trotz des NA auf dem Turn auf sehr massive Bets verzichten. Außerdem gilt: Haben wir bspw den A-hi FD geraist, haben wir immer noch SDV und können deswegen auf dem Turn auch xc spielen. Unsere Strategie für Brick Turns mit high EV Bluffs ist also ein Mix aus mittleren Bets und Checks. Draw completing Turns sind hingegen natürlich wahnsinnig gut für unsere Handkategorie. Es gilt dennoch, was auch mit unseren anderen Händen gilt: wir sizen down! Wir haben hier wie bereits erwähnt sehr oft eine Range Bet, was auch für diese Handkategorie gilt. Anmerkung: Wenn ich von completing Cards schreibe, dann muss das nicht eine Karte sein die "unseren" Draw komplettiert. Dies kann auch ein Flush sein, wenn wir "nur" einen OESD halten usw.
Beispiel 3: Hybrid Raises
Hybrid Raises sind Hände die wir raisen und dadurch mehrere Komponenten gleichzeitig bedienen: Value-Bluff-Denial. Dabei behalten diese Hände noch einen ordentlichen Anteil an Equity wenn sie gecallt werden, können zu sehr starken Holdings improven etc. Je vulnerabler diese Art von Händen ist, desto öfter wird sie geraist.
Flop 1:
Hero: 4♥:3♥:
K♠:8♥:4♦:
Schauen wir uns an was wir für eine Hand halten: Wir haben ein Paar, mit einem Backdoor und einem 5-Out Draw zu einer sehr starken Hand. Diese Art Hand lässt sich als Call nur schwer weiterspielen, denn auf nahezu alle Turnkarten, müssen wir gegen weitere Aggression von Villain folden. Raisen wir hingegen, folden wir wahnsinnig viel Range und Equity von Villain raus, sprich wir "protecten" (diemals wirklich
) vor allerlei Overcards. Wir ziehen auch etwas Value aus Villains Draws und Floats und auch wenn wir noch keine direkte Bluffkomponente haben (Villain darf hier kein einziges Pair b/fen, abhängig von unserer Size) so können wir auf later Streets auch noch bessere Hände rausfolden. Anmerkung: eine Hand wie 43s ist hier ein wesentlich besseres Raise als zB A4s. Denn mit A4 blocken wir enorme Teile von Villains b/f Range, zusätzlich wollen wir ja dass Villain ein Ace hittet und wir zu 2P improven. Sizing-wise wollen wir hier eher groß gehen, da wir recht polar am Flop raisen.
Flop 2:
Hero: 7♣ 
Q♠:8♠:5♥:
Im Gegensatz zu Flop 1, raisen wir diese Art hier kaum. Nicht nur, dass wir mit 7x einen ordentlich Teil von Villains b/f Range blocken, wir haben auch keinen BDFD. Dadurch, dass Villain groß und polar bettet, ist unsere raising Frequenca sowieso schon eher low. Hände dieser Art, werden hier auch gerne mal zu einem 3-Wege Mix, sprich sie folden, callen und raisen gleichermaßen, wobei alle drei Optionen denselben EV (in diesem Falle NULL) abwerfen. All diese Faktoren machen unsere Hand zu einem sehr seltenen Checkraise. Sizing-wise nutzen wir hier wie bereits erwähnt eher große Sizings.
Flop 3:
Hero: 2♦:2♥:
T♥:T♠:6♦:
Ähnlich wie mit den 88. Wir erreichen hier einerseits Denial als auch Value. Unsere Hand ist aber derart verletzlich, dass wir sie sehr oft raisen wollen. Der EV im Call ist zwar wie so oft indifferent zum Raise, dennoch wollen wir so viel Denial wie möglich.
Flop 4:
Hero 6♠:4♠:
T♣:7♣:6♣:
Zugegeben, ein Raise mit Bottom Pair no re-Draw sieht sehr ungewöhnlich auf dieser Art von Flop aus, dennoch nimmt der Solver derartige Hände zB öfter als manche one Card FDs. Würden wir hier aber Q6 oder K6 halten, verhält es sich ähnlich wie auf Flop 1, denn auch hier wollen wir, dass Villain mit Kx oder Qx zu TP improved, während wir dadurch 2P machen. Die Tatsache dass 64s dies nicht erreichen kann und dass auch dieses Pair hoch vulnerabel ist, macht es zu einem sehr guten hybrid Raise. Wir nutzen wie mit unserer gesamten Range ein kleines Sizing und eine etwa doppelt so hohe Frequenz wie die overall Frequency.
Exkurs "Beyond the Checkraise", Hybrid Raises: Auf Brick Turns sinkt unser EV mit hybriden Händen, allerdings werden diese nun oftmals zu annehmbaren Bluffs, da wir mit ihnen folding Range bei Villain unblocken. Draw completing Cards sind meistens ein absolutes Desaster für diese Kategorie und und wir wählen als einzig verbleibende Option den Check(/fold).
Beispiel 4: Low EV Bluffs
Low EV Bluffs sind Hände die sich normalerweise um 0EV herum befinden und die deswegen oftmals 3-Wege-Mixes sind. Manche sind sogar losing im Call, aber können BE oder sogar winning im Raise sein. Diese Art von Händen besitzt kaum "Equity Robustness" aber hat ein wenig verstecktes "nut" Potential.
Flop 1:
Hero: 9♥:6♥:
K♠:8♥:4♦:
Dadurch dass ein alleiniger double BD Draw oftmals nicht gut genug ist um BE callen zu können, selbst wenn Villain Range bettet, kann diese Hand dennoch ab und zu profitabel raisen. Wir erinnern uns, Villain muss so weit continuen, dass wir selbst wenn wir nur eines unserer Pair "Outs" treffen, manchmal die beste Hand machen. Zudem ergeben sich oftmals sehr profitable barreling Möglichkeiten...
Flop 2:
Hero: T♥:9♦:
K♥:J♥:4♦:
Obwohl die Hand erstmal gar nicht sooo bad aussieht, immerhin haben wir einen Gutshot und BDFD, ist die Hand durch Villains großes, polarisierendes Sizing 0EV. Interessanterweise, ist sie aber im Call sogar schlechter als 0EV, im Raise jedoch indifferent. Wir sollten hier also entweder raisen oder folden, aber niemals nur callen. Auch wenn auf den ersten Blick der Call attraktiv erscheint, wir sind OOP, wir haben T-hi, wir haben sehr schlechte EQR. Raise kann also in manchen Fällen besser als Call sein. Diese Art von Händen raist auch sehr oft im Vergleich zur niedrigen generellen raising Frequency und wir nutzen dabei auch wieder eher das große Sizing.
Flop 3:
Hero: 7♠:5♠:
T♥:T♠:6♦:
Auch hier halten wir wieder einen 3-Wege-Mix. Unsere Hand ist selbst gegen ein kleines Sizing das von Villains kompletter Range kommt als Call quasi kaum weiter zu spielen, zumal wir auch nur eine Overcard zur 6 haben und auch ein wenig Villains folding Range blocken. Dennoch nutzen wir auf diesem Board auch hin und wieder derartige Hände um zu raisen. Anmerkung: Ich habe es anfangs schon erwähnt. Obwohl die Hand erstmal furchtbar schlecht wirkt, ist das Raise auch nicht viel schlechter, als mit einigen Bluff-Händen, die eventuell "leichter" zu spielen sind, aka "ich hab hier bessere/andere Bluffs". Wichtig ist hier eher, dass wir erkennen, dass wir in diesem Fall 75ss noch raisen könnten, während wir zB eine ähnliche Hand wie 53dd pure folden würden. Die alleinige Tatsache, dass wir mit 75ss weniger b/f Range blocken und eine Overcard zur 6 haben, macht also wahrscheinlich den Unterschied (Stichwort Thresholds). Wir raisen die Hand eher selten, ein wenig seltener als die overall Frequency und nutzen hier weiterhin ausschließlich kleine Sizings.
Flop 4:
Hero J♥:8♥:
T♣:7♣:6♣:
Da wir auf monotonen Boards obv keine Backdoors raisen können (das wären ja nur die Backdoor Straightdraws, da ein BDFD ja nicht möglich ist) werden unsere Gutter und einige weake OESD nun zu unseren low Equity Bluffs. In unserem Fall haben wir auch noch eine OC als mögliches Out. Der EV dieser Raises ist extrem marginal, jedoch profitieren sie enorm von der erzeugten FE da sie mit Calls kaum weiterzuspielen sind. Wir raisen wenn wir zu Nutstraight drawen sehr häufig im Gegensatz zur overall Frequency und nutzen weiterhin nur kleine Sizes.
Exkurs "Beyond the Checkraise", Low EV Bluffs: Für Low EV Bluffs gilt eigentlich nur eine Faustregel: Improved uns der Turn nicht und/oder fällt ein Turn der sehr gut für Villain, dementsprechen schlecht für uns ist, geben wir auf und x/fen. Wir bluffen NICHT weiter!
Bonus: Flop Raises mit dem BDFD und sog. dead Suits meistern - eine kugelsichere Faustregel: auf einem rainbow Flop können wir raisen, wenn wir den BDFD blocken und die dead Suit, also die Farbe, die nicht auf dem Flop vorkommt, unblocken. Bsp.: Q♣:T♥: sollte checkraisen auf K♥:J♣:5♦:. Es liegt kein Spade auf dem Flop. Deswegen sollten wir z.B. Q♠:T♦: eher nicht checkraisen. Auf twotone Flops können wir mit suited Händen raisen, die den BDFD blocken, offsuit Händen, die den FDFD blocken und Händen, die BEIDE dead Suits unblocken. Für thin Value Raises, z.B. Toppair, gilt hingegen, dass wir die dead Suits blocken wollen, damit Villain mehr marginale Continues, also die BDFD haben kann.
So meine Freunde, das hat jetzt ja nur gute 4 Stunden gedauert ♦ Ich HOFFE ich konnte damit bei einigen etwas Licht ins Dunkel bringen was Flop Checkraises angeht. Shoutout geht an Pete Clarke, Qing Yang und Tom Boshoff, ohne deren Content und deren Ratschläge ich das niemals so niedergeschrieben bekommen hätte . Jetzt bin ich ganz schön müde und ich denke ihr verzeiht mir die fehlenden HHs für heute. In diesem Sinne free SmartDevil und gute Nacht!