Bisher hatten wir starke made Hände und Draws in den Highlights der Woche. Zeit, dass wir uns die schwachen made Hände am Flop ansehen. Schwache made Hände sind grundsätzlich alle made Hände, die kleiner als top Paar sind. Ausserdem gehören dazu noch die top Paare mit Kickerproblemen. Am häufigsten kommt es zu der Situation, wenn man vor dem Flop ein Pocket hatte und auf dem Flop eine Overcard kommt.
Das richtige Spiel ist sehr situationsbedingt. Es ist schwierig, eine allgemeingültige Strategie anzugeben. Zunächst muss man erst mal einschätzen, wie stark oder schwach die Hand in Bezug auf das Board, die Gegner und die Action überhaupt ist.
Dann gilt es, die angemessene Aktion zu finden. Aggressives Spiel kommt dann in Frage, wenn man sich noch signifikant häufig die beste Hand gibt oder es möglich ist, dass ein Gegner eine stärkere Hand foldet. In den meisten anderen Fällen spielt man nach Odds und Outs weiter. Die dritte Möglichkeit ist, möglichst billig einen Showdown anzustreben.
Die wichtigste Rolle spielt die eigene Position.
Das Spiel ausser Position
Hat man Initiative, behält man sie zunächst, wenn das Board nicht zu schlimm aussieht. Hat man keine Initiative, wird man meistens passiv bleiben, da falsche Aggression schnell teuer werden kann.
1) Ein einfaches Beispiel, in dem Hero ausser Position ist und die Initiative hat. Man bettet einfach durch, solange keine Gegenwehr oder schlechte Karten kommen.
Was hat mein Gegner?
2) Nochmal ausser Position mit Initiative, es gibt aber Gegenwehr am River.
FL-FR .05/.10 - 88 - FH und reraise am river
3) Hier ist Hero auch ausser Position, hat aber keine Initiative. Einfach wird es dadurch, dass Hero heads up kommt, nach dem der Gegner seine Aktion gemacht hat. Da geht es dann darum, möglichst günstig seinen Showdownvalue zu verwerten.
TT am Flop
4) Ausser Position ohne Initiative: mittleres Paar guter Kicker. Gegen wenige Gegner ist die Hand aber ziemlich stark, weswegen sie aggressiv für Protection gespielt wird.
FR [0.05/0.1] QJo, K am flop, A am turn
5) Top Paar guter Kicker ausser Position ohne Initiative: sieht zunächst stark aus, bekommt aber schnell Kickerprobleme. Deswegen muss in UTG tight gespielt werden.
wie spielen mit Toppair nach raise
Das Spiel in Position
In Position hat man grundsätzlich mehr Kontrolle über die Hand und kann Kontrolle besser verwerten. Insbesondere hat man es leichter, einen billigen Showdown anzustreben, weil die Gegner nicht mehr eingreifen können, wenn man am River checkt. Das eröffnet viele Möglichkeiten.
6) Die typische Situation: Die Overcard ist auf dem Board und der Gegner donkt. Was jetzt? Ist man nicht heads up und hat man die Möglichkeit, den Gegner zu isolieren, dann sollte man das meistens tun, wenn Draws auf dem Board vorhanden sind.
a) FR [0.05/0.1] KK, board AQTTT
7) Hat man den Verdacht, der Gegner donkt keine Draws, dann geht es nach Odds und Outs.
a) FL-FR .05/.10 - QQ - raise/fold flop ...
b) FL-FR .05/.10 - 99 fold direkt am flop?
8) Multiway ohne Isolationsmöglichkeit auf sehr drawlastigem bzw. monsterlastigem Board kann man meistens direkt folden. Man hat zu wenige Outs.
Fr [0.05/0.1] JJ, A am flop
9) Zu zweit am Flop ist der billige Showdown meistens die beste Möglichkeit.
KT Blindbattle Donk am Turn
10) Top Paar mittlerer Kicker bei starker Action vor sich. Die Kickerprobleme sind evident, man sollte sofort auf Odds und Outs umstellen.
FL-FR .05/.10 - KT schon am turn raus?
11) Noch schlimmer: top Paar auf gepaartem Board und starker Action. Mit schwachem Kicker ist die Hand nichts mehr wert, da man höchstens für split Pot spielt.
FL-FR .05/.10 - A5 - dominiert?
12) Zu fünft am Flop die 3 getroffen, soll das gut sein? Boardtextur, Position und wahrscheinliche gegnerische Ranges sind hier alles.
a) 0.05/0.1 J3s bet flop?
b) 0.05/0.1 bet flop + turn mit low pair?